Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8596

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Euripides .
InjTeti , damit ihn seine zwo Frauen bedeckt , einen allgemeinen Haß wi - der dieß Geschlecht gefaßt , und sich darauf geleget , alle Weiber wegen deS Fehlers einiger Weiber durch die . Hechel zu ziehen . Man widerleget dieses unwidersprecblich , wenn man beweist , daß er sein Vaterland wenige Jahre vor seinem Tode , und nachdem schon die Schaubühne zu Athen hundert und hundertmal von seinen Schmähungen wider die Frauen erschollen war , verlassen hat . Hac ignominia motus Euripides in Ma - ctdoniam fe contulilie dicitur , et perpetuo in omne gcnus mulieres odio exarfifle , fiiarum nimirura vxorum adulterarum gratia . Sed pace Gramniaticafticorum liceat dicere , quod et probaturus fiim , aliud huic nomini originem et causam dari . Euripides enim non modo quia tot fceleftas mulieres , tot veneficas , tot adulteras , et viricidas et inceftas in fcenam induxerit , verum etiam quod tot aculeatis omncin illum fexiun confoderet fententiis , apud veteres Mitfoyi / / « audiebat . . . et plures certe , fi non omnes illius Tragoediae , in quibui tantopere mulieres perftringit , aftae erant anteqnam aditer in Macedoniam animura applicaret . Barnef . pag . 19 . Man muß sich wohl erinnern , daß Euripides , wenn er einige sehr lieber - liche Frauenspersonen auf den Schauplatz gebracht , er auch Heldinnen auf demselben aufgeführt , und von dem weiblichen Geschlechte bey vie , len Begebenheiten sehr rühmlich geredet hat ; allein dieses hat den Schandfleck nicht ausgelöschet , den er sich bereits zugezogen hatte : das Andenken der Beleidigungen ersticket die Wohltharen . Wir wollen es nach dem Darnesius Lateinisch sagen : Quamquam idein cum res fer - ret haud minus honorificis foeininas teftimoniis ornauerit , pluri - mas Heroinas ob virtutem eximias fabulis fuis populo exhibendo , vt oftendimusplu» femel in annotationibus noftris ( ad Troad . v . 651 . et Menalip . v . 54 . Protefil . v . 5 . etc . ) manfit tarnen affixum Poetae vocabulum , quia plus mordent paucae oftenfiunculae , quam multa beneficia . Man erinnere sich auch , daß Aristophanes , da er sich die Par - tct> des schönen Geschlechts zu nehmen stellet , die Frauen mehr schimpft hat , als Euripides gethan . Ich rede von der Comödie , wo Aristophanes voraussetzet , daß die Frauen einen Proceß wider den Euri , pides angestellet . Eatendurn eft in Tbesmopboriazufis , 11011 tarn Euri - pidem , achierfus quem Drama illud inrtitutum putatur , quam totum foeniineum gcnus hunc Comicum perftringere videri , pecuüari fibi cauillandi charaftere vfum , et quafi genio fuo obfeciindacum . Dum enim Euripidem a mulieribus condeninatum fingit , quod de iis le eilet in fuis tragoediis locutus , multo plura iftius lexiis ilagitia in vnica illa Comoedia profert , quam in omnibus fuis Tragoediis Euripides vnquam memorauerit , atque ita Euripidem accufando ab - foluit , mulieres vero laudando excufandoque maxime denigrat . Ebendas . 4 S . Allein will man einen Menschen sehen , der in drey Worten mehr Böses von dem schönen Geschlecht gessaet hat , als Euri - pides in fünfzig Tragödien , so betrachte man diese Antwort des So - phokles . Man fragte ihn eines Tages , warum die Frauenspersonen , die er auf der Schaubühne aufführte , fromme und ehrliche Frauen wä - ren ; da hingegen des Euripides seine alle boshaft wären . Euripides , hat er geantwortet , stellet sie vor , wiesie sind ; und ick , wie sie seyn sollten . Fcrtur Sophocles non nihil de hac quaefhone haud minus in foeminas aculeatum ftrinxifle , interrogatus enim quando - quidem Euripidis perfonae mulieres malae efient , curipfiuse con - tra forent bonae . Avret piv sf>i miiiv , c " arc oei , Evqinlon Se oi'xl thi» . Ebendas . 17 S Man merke , daß Aristophanes überhaupt und ohne Unterscheidung der Geschlechter anführet , eS hätte Sophokles ge - saget : Jd> stelle die Personen so vor , wie sie seyn sollen , und EuripiOes stellet sie vor , wie sie sind . Ariftot . de Poetic . cap . XXV , p . m . 5 , 8 . E .
( M ) Gleichwohl hat er sich verheirathet . 3 Eben dieser Mann , der den Beyschlaf so geflohen , Qfüyav tok auvutlcu ; . qui congrefliis fu - giebat , saget Suidas in hat sich bey guter Zeit gedemüthi -
qet . und sich durch eine Versprechung im drey und zwanzigsten Jahre dazu verbindlich gemacht , seine Keuschheit in Sicherheit zu setzen . Diese Muchmaßung ist vom Barnesius auf der »4 S . Vt caftitati , quam vnice colebat , melius confuleret . Die Frau , die er geheirathet , hat Chörine geheißen : ( Suidas in uifmihe - ) Er hat drey Söhne von ihr gehabt . Nachdem er diese verstoßen , hat er eine andere geheirathet , deren Namen ich nicht weis . Derjenige , der das Sachregister zu dem Atl>enäu6 des Dalechamp gemacht hat , saget , daß Euripides in einem Tage seine Frau , zween Söhne und eine Tochter verlohren habe , und verweist uns auf die 6» S> wo man nichts davon findet ; allein auf der 61 S . findet man . daß Euripides , da er nach Ikarus gegangen , ein Sinngedichte auf den Unstern gemacht , der sich bey einem Dauren get hatte . Eine Frau war daselbst mit ziveenen Söhnen und einer Tochter gestorben , weil sie Pilze gegessen . Man urtheile , was man sich für Gefahr aussetzet , wenn man den alphabetischen Registermachern trauet . Wenn man sich auf den Athenau« beziehen will , so kann man keine allzuqute Meynung von de« EuripideS Keuschheit haben . Er ver - sichert im XIII B . aus der 557 S . imgleichen auf der 603 , daß dieser Poet das Frauenvolk lehr geliebt , und daß Sophokles , da er von jemand sagen hören , daß Euripides die Frauenspersonen in seinen Tragödien aus eine rasende Art haßte , geantwortet : ich gebe es , u , allein im jjette lieber er sie desto feuriger . 'ugwunot yi» h
VLKCI Iryt r«7 ( TfccyuSlan , s Hieronymus in hiftoricis Commentarus fcribit , cum Sopliocli dice - ret quidam Euripidem foeininas auerfari , cum refpondifle , in tra - goediis quidem , at in cubili efle illarum amantiinmum . Athen . Libr . XIII , pag . 557 . Stobäus , Sermone de Intemperantia , erzählet ebendasselbe , und entlehnet es aus den Büchern Serins . Siehe die An - merkung ( R ) . Ich habe die Stelle des Aulus Gellius angeführt , die uns belehret , daß Euripides zwo Frauen auf einmal gehabt . Es ist das XX Cap . de« XV B .
( N ) Arcliclaus hat den Turipides M großen Ehren erhoben . ^ Er hat ihn zum ersten Staatsbedienten gemacht , wenn wir dem Solin hierinnen glauben dörfen . Hie Archelaus in tantum litterarum mire amator fuit , vt Euripidi tragico Confiliorum fummam concrederet : cuius fuprema non contentus profequi fumtu funeris , crines ton - fus eft , et moerorem , quem animo conceperat , vultu publicauit . Solin . cap . IX , pag . m . 26 . Thomas Magister geht hiervon nicht ab , vb er gleich nichts absonderliches bemerket . Ab illo ( Arcbtla« ) hone .
ftiffime fufeeptus eft , honoribusque auftus ad fummam dignitatem peruenit , saget er in dessen Leben . Kann man wohl ein ausdrücklicher Merkmaal einer größern Hochachtung sehen , als dasjenige , was Arche - laus gegeu einen Menschen gethan , der dem EuripideS zu nahe getreten war ? Dieser Mensch hieß Dekamnichus : er beleidigte diesen Poeten eines Tages , und wars ihm seinen stinkenden Athem vor . Der Poet schwieg nicht , und gab diesem Mangel seines Athems eine rühmliche Ursache ; daß er nämlich , die Geheimnisse getreulich verwahrt hätte , die ihm anvertraut worden , ivail & tof atrü rfvo« , jiitrüitt q» , * oÄ . a yaq , sintv , aäru iexopfara »yxartjÄsij . Euripides quum ovis graueolentia illi a quodam obiieeretur , multa enim , di - xit , fecreta in eo computruerunt . Stobaeus , Serm . XXXIX , nfgi änop»™ * . Archelaus , der ihn durch diese Antwort nicht genug gerä - chet zu seyn geglaubt , hat ihm den Dekamnichus übergeben , damit die Beleidigung durch eine tüchtige Tracht Schläge verbüßt werden sollte . Man giebt vor , daß sich auch Euripides der Erlaubniß des Prinzen be - dient hätte , und man könnte nicht daran zweifeln , wenn man dem Zeug - nisse des Aristoteles glauben will ; denn so redet er im V B . X Cap . ds Kepubl . auf der 305 S . bey mir , E . h'foAtesus asx« .
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v / xivroi ti airS tli hvauiiuv tts vö / taro ( : das ist :
kamnichus war das Haupt der Unternehmung wider den Ar - ! ckelarw : denn er ilr der erste gewesen , der sie rege gemackt . und diejenigen angefrisckt hat , die diesen prin ; ermordet . Die Ursg« ciie seines Zorns ist gewesen , daß ihn Arclyelaus dem Euripides übergeben hatte , gegeisiclt ; u werden ; und die Ursache von den» Zorne des LLuripides war , Saß ihm Dekamnichus etwas wegeu des unangenehmen Gernciis seines Athems gesagt hatte . Barne - sius im Leben des Euripides Num . zS . zu Ende , will nicht , daß man dem Aristoteles glauben soll ; sein Grund ist , daß Archelaus erstlich sechs Jahre nach des Euripides Tode umgebracht worden . Diese Ursache überzeuget mich noch nicht , und es ist leicht zu begreifen , daß der Tod des Poeten die Empfindlichkeit des Dekamnichus gegen den König nicht hat auslöschen können . Gesetzt auch , Aristoteles habe nicht gesaget , daß Dekamnichus den armen Euripides hat umbringen lassen : so wird doch dieses die starke Wahrscheinlichkeit nicht wegnehmen , daß der Zorn die - seS Menschen wider den Prinzen , der ihn dieser Beschimpfung unter - werfen hatte , alle seine Stärke behalten , und ihn vermocht hat , ' die Ge - legenheil zur Rache , die sich nach verlaufenen sechs Jahren angeborhen , zu ergreifen . Wir werden unten in der Anmerkung ( R ) sehen , wo er sich nicht unter der Zahl derer befindet , welchen man den Mord diese« Poeten Schuld gegeben hat , ob er den Euripides hat umbringen lassen .
Wir müssen die goldene Schaale nicht vergessen , die diesem Poeten vom 'Archelaus mit einem sehr rühmlichen Lobjpruche gegeben worden . Dieser Prinz , der sie demjenigen abgeschlagen , welcher darum gebechen . hat sie zum Euripides tragen lassen , und zu dem andern gesaget : du bist gejchickt , zu bitten , aber unwürdig zu erhalten ; allein er verdienet die Erhallung ohne daß er darum bittet , sd ^ ti w nt ZiK / x ( 3«vt . v . «X« 3i tunßüvt , y vjfi aiTBv . Tu quidem , in - quit , ad petendum idoneus es , non ad aeeipiendum : ille autem ad accipiendum euam non petens . Plutarch . de vitiofopudorep . Sji . D .
. - p . .
aller strafbaren Liebeshändel enthalten . Exot / »» ; Kwrf / Jo« iXKorfio ? . Dionyf . Byzant . in Anthologia Libr . III , pag . 274 . Dem sey , wie ihm wolle , so wollen wir dasjenige anführen , was man von ihm erzäh - let . Man will im Aelian , Var . Hitt . Libr . XIII , cap . IV . daß pides b«y einem Gastgebothe , das der König von Makedonien seinen Freunden gegeben , da er mehr getrunken gehabt , als er gesollt , den ne - den ihm sitzenden Poeten Agathon , von ungefähr 40 Jahren , geküsset und auf die Frage des Prinzen , ob ihm denn Agathon noch ein Hebens , würdiger Gegenstand zu seyn geschienen , geantwortet ? 2>cpn Jupiter , ich finde ihn vollkommen liebenswürdig ; denn bey schönen per - sonen hat auch der gerbst etwas schönes . N«i n« Ala , a
fiok«y t# taf rßv xxbüv , «Ai yj1 } r« furairufcv . Per Io -
vem , inquit , omnino , non enim ver folum formoforum eft pukhrtim , verum etiam autumnus . Ebendaselbst . Plutarch giebl in Apophlheg . >77 S . A . vor , es hätte Archelaus dieses gesaget , um den Euripides zu entschuldigen , daß man ihn eine großbärtige Mannsperson liebkosen ge - sehen ; allein im Leben des Alcibiades . aus der 19» S . A . und in Ama - torio , pag . 770 . C . eignet er diesen Gedanken dem Euripides zu : so gewiß ist es , daß er gewohnt gewesen , einerley Historie zn verschiedenen Absichten zu brauchen . Er beschenkte bald den einen , bald den andern damit ; er brauchte sie auf beyden Seiten rechts , und er hat auch Ver - änderungen darinnen gemachr . wenn er es für nöthig gefunden . Man sehe oben die Anmerkung ( M ) bey dem Artikel Achilleß . Neque enim inulitatum Plutarcbo easdem res et fententias aliquando nar . rando variare , aliquando diuerfis authoribus tribuere , non memo , ria lapfus , fed vt in rem fuam quam praefens ornat , torqueat . Barnef . in Vit . Eurip . pag . 30 . Der gelehrte Scheffer hat die Verän - derungen Plutarchs . wegen des Herbstes der schönen Personen nicht ge - wüßt ; denn er glaubet , daß Plutarch diesen Gedanken dem Archelaus beständig zugeeignet hätte ; und gleichwohl sieht man in einer von denen Stellen , die er anfuhrt , daß Euripides^ diesen Spruch in Absicht auf seine Küsse Agathons vorgebracht hat . Schefferus in Aelian . Libr . XIII , cap . IV . führet den Plutarch in Amatorio an , ( hier ist es , da das Wort dem Euripides zugeeignet wird ) und in Apophth . Lacon . Man findet dieses nicht in den laeedamonischen Lehrsprüchen . Man sehe den CöliuS Rhodiginuö , Antiq . Ledl . Libr . XXIV , cap . VII . welcher ei# neu Uebersetzer Plutarchs getadelt hat , daß er eine Stelle in dem Leben des Alcibiades sehr übel verstanden halte , wo dieses Wort des Euripides angeführt ist . Die Begebenheit dieses Gastmahls ist nicht der schänd - lichste Fehler dieses Poeten . Man hat im Aelian , Var . Hill . Lidr . Il , cap . XXI . gesaget , daß er in den Agathon verliebt gewesen , und ihm zu Gefallen die Tragödie Chrvsippus verfertiget habe . Man hat gesaget , daß er mit de« Archelaus Lieblinge unflätige Händel getrieben , und daß er ihn des Nachts besuchen wollen , da er von etlichen Frauen angetrof - fen worden , die ihn in Stücke zerrissen hatten . Andere sagen , daß er
die

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