Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8560

Euripides .
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dert , denn er ist ein strenger und ernsthafter Mann , und gegen alle Ergebungen gleichgültig gewesen . Er hat sich in eine furch * terliche Hole verschlossen , wenn er seine Werke aufgesetzt ( V ) . Allein im übrigen sind seine Grundsätze nicht alle gut gewe . ftn . Er hat einen über die Heiligkeit des Eidschwurs vorgebracht ( X ) , welcher so leichtsinnig geschienen , daß man ihm deswe - gen den Proceß gemacht . Bey einem andern Vorfalle , hat er zum Besten der Geizigen so ernstlich geredet , daß die ganze sellschaft dadurch gerühret worden ( Y ) . Zu einer andern Zeit , hat man sich durch die zween ersten Verse seiner Menalivpe welche das Daseyn des höchsten Gottes anzugreifen schienen , so beleidiget gefunden ( Z ) , daß er gezwungen worden , dieses zu an - dern . Er hat zuweilen gottlose Satze vorgebracht ; dieß ist der Grund , warum ihn einige für einen Gottesleugner haben hal - ten wollen ( AA ) . Ich will mich in die Untersuchung dieses PunctS nicht einlassen ; ich will nur überhaupt sagen , daß es abae - schmackt ist , wenn man dem Urheber einer Tragödie die Gedanken beymißt , die er seine spielende Personen vorbringen laßt ( BB ) „ Die Art , womit EuripideS das Gutachten des Volkes , über die Verbesserung einer Stelle , von seinen Tragödien , aufgenommen ; und dasjenige , was er einem Poeten geantwortet , dergepralet , daß er ohne Mühe schreiben könnte , sind zwei , Dinge , die einen guten und bösen Verstand annehmen können ( CC ) . Man hat ihn beschuldiget , er sey der Medea , aus Gefälligkeit gegen die Corinthier übel begegnet ( DD ) . Es ist nicht wahr , daß sich in seinem Palamedes , ein verdeckter Vorwurf , wegen des Sokrates Tode befindet ( EE ) . Ich wundre mich , daß so wenig Leute einer Sache gedenken , die man in dem Eusebius liest ( FF ) . Einige von des Moreri Schnitzern sind sehr grob ( GG ) . Die beste Ausgabe des Euripides ist diejenige , die ein Doctor von bridge , 1694 in Folio herausgegeben hat ( HH ) .
a ) Suidas in Manuel Mofchopulus in Vita Euripid . Siehe auch den AuluS Gellius , XV B . XX Cap . V ) Aulus Gel'
liuö , ebendas . c ) Thomas Magifter in eins Vita . ^ d ) mulienim ofor , e ) Suidas in Man . Mofchopulus Tho^
mas Magifter in Vita Euripidis . / ) Si tov airS itottfirK^ito unot ino vün KaipupSoxoiHv «$«« t> ) v berfi & v « { Mantfäoviav ä ( rjf£ . Caeterumquumfiiumproprium hiftrionem Cephifophonteni
cum vxore deprehendillet et contumeliam exinde partam minime ferret , faepe taxatus a Comoedis , reliftis Athenis in Macedoniam fe contulit . Thora . Magifter in Vita Euripid . g ) Aulus Gellius , Lib . XV . cap . XX . 6 ) Ebendaselbst . / ) Suidas , der es erzahlet saget auch , daß er nach andern nur 75 gemacht hatte . Barnes hat die Titel von 3 - , Stücken des Euripides gefunden . Siehe seine Alis - gäbe 55 Seite .
( A ) lLr ist t - - auf der Insel Salamis gebohren , rvo - bin sein Vater und seine Mutter gefleckter waren . ^ Des Euri» Pides Vater hat Mnesarchus geheißek» , und ist ein Athenienscr , aus dem Stamme OenoideS , und dem Flecken , oder dem Volke , ( griechisch Km , eine Art der Abtheilung , die in Athen statt hatte , ) welches man Phyle nennte . Dieses finde ich in dem Leben des Euripides , welches der gelehrte Barne« ansgesetzet , und es der vortrefflichen Ausgabe dieses Poeten beygefüget hat . Allein andre Gelehrte . als Spon , Voiage de Grece , Tom . II . pag . n1 . 478 . versichern , daß phty« , aus dem Stamme Ptolemais , des Euripides Vaterland gewesen . Spon bemerket auf der 477 Seite , daß Stephan und andre Schriftsteller Phlya in den Stamm Cekropis setzen : er gründet sich auf einen Marmorstem und den Hesychius , und setzet es unter Ptolomais . Ich wollte lieber sagen , daß dieses des Mnesarchus , des Euripides VaterS , Vaterland gewesen , und ausdrücklich bemerken , daß die Insel Salamis der Geburtsort die , fts Poeten ist . Tan . Faber hätte besser gethan , sich auf diese Art aus - zudrücken , als daß er in dem Leben der griechischen Poeten , auf der 97 S . bey mir saget , der Ott seiner Geburt hat phlya geheißen , ein Flecken in Anika . Ich weis wohl , daß Klitv , des Euripides Mutter , zufälliger weise mit ihm zu Salamis niedergekommen , weil sie nämlich mit vielen andern Atheniensern dahin geflüchtet war , da man es zur
t ; it von dem Einfalle des Xerxe« für rarhsam gesunden , die Stadt
then zu verlassen . Ich weis auch wohl , daß dieser Grund sehr gut ist , zu behaupten , Euripides sey ein Athenienser , und aus eben demselben Vaterlande , wie sein Vater : allein wir wollen kurzum wissen , wo die großen Männer gebohren worden , und also muß man uns nicht das Vaterland ihrer Vater , bey solchen Vorfallen , anführen , wo die Kin - der unter währender Flucht , oder unter einer Reise ihrer Mutter ge - bohren werden . Klito war schon mit dem Euripides schwanger , als sie mit ihrem Ehmanne von Athen gegangen , sich nach Salamis zu ret - fett : ( Suidas in eugtmdfc } unb Manuel Mofchopulus in Vita Euri - pidis . ) sie ist denselben Tag mit ihm niedergekommen , da die Griechen der Perser Flotte bey dieser Insel geschlagen , ( ebendas . und Hefych . Illuftrius inEif«riä»'< , und Thom . Magifter in Vita Euripidis , ) und man will , daß das Kind , das die Klito zur Welt gebracht , deswegen Eu - ripides genenner worden . Iofua Barnefius in Vita Euripidis , vor der cambridger Ausgabe von 1694 , Num . z . Diese Wortableitung kömmt nicht mit dem Suidas überein , welcher zwecner Euripiden gedenket , die von diesem unterschieden , und viel älter , sind . Sie sind beyde tragische Poeten , und einer des andern Vetter gewesen . Man setze darzu , daß er eines atheniensischen Feldherrn , Namens Xeuophon , eines Sohnes des Euripides , unter dem andern Jahre des peloponnesischen Krieges ge - denket Thueydideö , der im II B . davon redet , würde vermuthlich zu geseket haben , daß dieser EuripideS der Poet gewesen , wenn es wahr aewesen wäre . Sein Stillschweigen halt mich ab , zu glauben , daß Dar - nesius auf der 24 S , richtiger weise voraus gesetzet , dieser Xenophvn sey der Sohn uusers EuripideS gewesen .
( v ) - - , Man streitet über ihren Stands Gnige sagen , es sen Mnesarchus , deö EuripideS Vater , ein Bootier gewesen , der nach aller Wahrscheinlichkeit in seinem Lande die Strafe der Bankerutirer ausgestanden . Stobaeus in Sermone «rtfi »«' ( mi , fol . 293 . beym Bar - nesius 4 S . Man hatte in einigen Oettern BöotienS den Gebrauch , die Personen , die ihre Schulden nicht bezahlten . auf den großen Platz zu fuhren : man befahl ihnen , sich niederzusetzen , und ein Getreidemaaß umzustoßen . Dieß ist ein Merkmaal der Ehrlosigkeit gewesen . Die Klit» , deS Mnesarchus Ehfrau betreffend , so will man , daß sie eine Kräuterfrau gewesen . und man gründet sich nicht allein auf das Zeug - nj« xjneö römische» Poeren . der von Profeßion schmähsüchtig war , son - dern auch auf das Zeugnis , eines Historienschreibers . Der römische lvoet von dem ich rede , ist Aristophanes ; t'to eägirisu tS t« wwa reixe AbEuripide filio olerum venditricis , in Thesmophorias , pag'm . 772 . T " ™ * « ä ? « * « * * . " Ar hlcyslo . fi
\ t . > „ „ „ tue . Agreftibus ennn nos , o mulieres , afticit ma - KÄÄftultoaipfeenmrink Ebendas . ' Den men d^S^ckichtschreibers wird man in diesen Worten des XX Cap .
Mra : Enripidi Po«« The»
uoiriDiis aereftia olera vendentem viftum quaefilTe dicit . Man sehe S Marimus , in des III B . IV Cap . dazu .
d^eSZeugmß des Vaimu» ^ > vernoftkenes babuerit ,
lZuam matren , Eur . pä«^Y ^ ^
xpforum quoque fccu o ^notum tuit doa0rum litterae
alteruis patrem ailtellos venditalje , oiriniu n p , „
loquuntur . Suidas saget nicht« be , ondetS von der Geburl^ des Mne , sarchus : aber er saget , es sey nicht wahr , daß deö CuupldeS Mutter U Sand .
Kräuter verkauft : sie ist , saget er , sehr edel^gewesen , wie es Philochorus
beweist : Oi * «AI»jij Si « ; AuxavoTUtot w i ) uvtS . vjfj lykf T£v
ffQeSgx ivyam tTvyxw , ÜTrcSuKtvet <1Er bekennet , daß Mnesarchus und seine Frau nach Böotien geflohen , und nach diesem in Attika gewohnt . Dieß läßt vielmehr einen bösen als guten Eindruck zurück , und bekräftiget auf gewisse Art dasjenige , was Stobäus saget Man merke , daß Aristophanes , seine satirischen Pfeile desto mehr zu vergiften , vorgiebt , eS habe des EuripideS Mutter nichts als sehr böse Krauter verkauft . Hacc eft ( [ candix ) quam Ariftophanes Euripid ! Po'etae obiieit ioculariter , matrem eins ne olus quidem legitimum venditafle , fed fcandicem . Hin . Lib . XXII . cap . XXII . p . ni zo ; 201 Die Noten des P . HarduinS belehren uns , an welchem Orte Aristopha' neS Uber diese Materie gekurzweilet hat , und dasjenige , was der Scho - liast beobachtet , nebst noch andern Dingen . Er führet den vierten Auf - tritt deö andern Aufzuges aus der Comödie Acharnenfes , P . 39j . an Er hätte auch ebendenselben Poeten in Equitibus , Aä . I Sc I * pae 2g0 und in Cerealibus , auf der 786 © . G , und auf der 790 S . F , ren sollen . Drelincourt hat mir dieselben gezeigt .
( C ) Pin übelverstandener Gotterspruck ist Urfacke gewesen , daß Euripides nack Art , , - der Rämpfer erlogen wote den . ] Wenn es wahr wäre , wie Barnesiuö vorgiebt . daß des Apollo Orakel über das Schicksal des Euripides um Rath gefraget worden , da Klito schwanger gegangen , so wäre es sehr wahrscheinlich , daß sie keine Kräuterhökerinn gewesen ; denn der Mann einer solchen Frau kömmt nicht leicht auf den Einfall , den Apollo wegen deö Schicksals eines Kin - des zu überlaufen , das noch nicht gebohren ist . Quum adhuc Clito mater llluin in vtero gereret , confulenti de eo oraeulum patrihoc refponfum dedit Apollo . Barnef . in Vita Eurip . num . z Wir den unten sehen , daß Aulus Gellius saget , es wären Chaldäcr gewesen , die die Weißagung nach des Euripides Geburt gethan hätten . Eben - dieses will ich nicht von einem sieben - bis achtjährigen Kinde sagen : es konnte so viele besondere Merkmaale eines großen Geistes , oder eines großen Herzens zeigen , daß der Vater , er möchte von Stande seyn wer er wollte , eine ungeduldige Begierde bekäme , zu wissen , was aus einer . so schönen Hoffnung werden würde . Also kann man , so lange als man nicht weis , zu welcher Zeit der Götterspruch wegen des EuripideS gegeben worden , nichts zum Vortheile ihres Adels , und wider diejenigeit bestimmen , die ihn zum Sohne einer Kräuterhökerinn machen . Nun ist es gewiß , daß man von dieser Zeit nichts weis . Der Schriftsteller OenomauS . beym Eusebius , de Praep . Euang . Lib . V . cap XXXIII nae M . - - 7 - welchenBarnesius anführet , sagetauch nicht ein Wort davon - et saget nur schlecht weg , das Orakel habe diese Antwort gegeben :
* E«H - «I KBfOS , oy Tivx
JÜvSgtmoi TItugi , w le Ktiot IcS - Aow cV»'r« ,
Kaj enQiav liguv VAuxtfvjv äft
Tc , Mnefarche , manet fummo cumulandus honore
Filius , ac meritae fumma ad faftigia laudis
Confcendens , laetas facro ex certamine palmas
Auferet .
Er hätte dieses Orakel besser beurtheilen können , als er es gethan hat : und ich wundre mich , daß , da er sich angelegen seyn lassen , die Gottheit deS Apollo der Betriegeren zu überführen , wie er derselben Lügen hat übersehen können , die in diesen dreyen griechischen Versen enthalten ist . Man müßte ein großer Zänker seyn , wenn man leugnen wollte , daß die» ser Gotterspruch nicht die Kronen verspräche , die man bey den olympi - schen . pythischen , u . a . d . Spielen gewann . Allein wir lesen nicht ( si - ke den Barnes , pag . 10 . ) dan EuripideS dergleichen Kronen gewonnen fwt« te : das erstemal , da er sich dieselben zu bestreiten anboth ist er - urück geschickt worden . Siehe oben des Aulus Gellius angeführte Stelle - Gleichwohl läget er , daß Euripides , seit dieser Zurückschickting . um den Preis gestritten , und denselben m weniger berühmten Kämpfen erbal - ten habe . Man wird mir vielleicht lagen , daß Euripides in poetischen Wettstreiten Kränze gewonnen habe ; ich werde aber antworten , daß er wenig gewonnen Hat , und daß sem Ruhm sehr klein seyn würde , wenn man ihn darnach abmessen wollte : ( siehe die Anmerkung ( I ) , und at - lensallö hätte man nicht auf diese Art die dramatischen Siege versprechen sollen . Man könnte also dem Apollo vorwerfen , daß er sich betrogen hätte , man dorfte sich auch nicht an diesem Vorwurfe begnügen ; da er das Beywort gehelligte , solchen Kronen gicbr , die es nicht verdien , ten . Hierauf geht des OenomauS seine Critik beym Eusebius Prae Par . Euang . Lib . V . cap . XXXIII . pag . Wenn ich also in dem Mmm 2

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