Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8554

458 Eurydice . Euripides .
sogleich in derOlympias Gewalt verfallen * : seine Gemahlinn Eurydice , die sich nachAmphipolis gerettek hatte , verlohr daselbst die Freyheit kurz hernach ( A ) . OlympiaS ließ sie in einen Übeln Kerker einschließen , wo sie dieselben unmenschlich hielt ; und da sie sah , daß ihre Grausamkeit die Athenienser zum Murren reizte , so ließ siedenAridäuS sechs und ein halb Jahr nach Alexan - derS Tode , durch die Thracier hinrichten . Diese Strenge ist ein viel zu schwacher Zaum , für der Eurydice Zunge gewesen ; dieserwegen hat sie OlympiaS , aus Verdruß , daß ihre Gefangene so viel schwatzte , und bestandig schrie , daß die Krone vielmehr ihr , als der OlympiaS zukäme , nicht wollen leben lassen . Sie schickte ihr ein ^ - chwerdt , einen Strick , und einen Giftbecher , und ließ ihr die Freyheit , eine von diesen dreyen Todesarten zu wählen . Eurydice ergriff ohne Thränen , ohne die geringste Abnahme ihrer Herzhastigkeit , und noch eher , als sie der Ueberbringer verlassen hatte , ihren Gürtel , und erdrosselte sich ; nachdem sie die Götter gebethen , daß auch derOlympias dergleichen Geschenke überschickt werden möchten Nach dieser tern Tode , hat Cassander dem Aridäus und der Eurydice , königliche Leichengepränge halten lassen
a ) Cyna , Philipps Tochter , ist der Eurydice Mutter gewesen . Siehe die Prolegomena Freinsheims , über den Q . . Cnrtius , V Cap .
f ) CL Curtius , Lib . X . cap . VII . luftin . Lib . XIII . cap . III . c ) luftin . Lib . XIV . cap . V . d ) Ebendas . e ) Quo beneficio deuinftiw Cafiander , nihil non ex arbitrio inidicbris audaciae gcrit . Ebendas . f ) Ebendas . g ) Diod . Sicul . Libr . XIX . cap . n . b~ ) Ebendas . i~ ) Ebendas . LII Cap .
( A ) Sic verlohr die Freyheit kur ; hernach . ^ Man hat in den eine Ungewißheit , weil er bemerket , daß Perdiccas einen Sohn in sehr Zusätzen des Moreri gesagt , daß sie in einem Gefechte gefangen worden , zarten Jahren hinterlassen , über welchen Philippus einige Zeit Vormund Dieß ist nicht wafjr . Ich benierke die andern Unrichtigkeiten und Aus - gewesen . Ich will meine Leser nicht erinnern , daß , wenn die Frauen lassunge» nicht . Meine ^eser tverden sie schon selbst erkennen , wenn sie an einer Seite , überhaupt davon zu reden , gütiger , als die Männer sind ; die beydcn Artikel gegeneinander halten wollen . Ich will nur sagen , sie auch an der andern Seite , wenn sie Grausamkeit und Herrschsucht daß der Batet' unsrer Eurydice nicht Amyntas der III gewesen . Also besitze«' , die Manner in diesen zween Fehlern weit übertreffen . Oplimi zählet man in dem Supplemente des Moreri . Es ist ungewiß , ob er corruptio peflima . Es ist noch ärger , wenn die Ueppigkeit mit im jemals König gewesen : und wenn er es nicht gewesen , so muß man ihm Spiele ist ; denn alsdann schonen sie weder das Leben ihrer Ehgatten , gar keine Zahl benlegen z wenn er es aber gewesen , so muß man ihn noch Kinder . Wir haben in dem vorhergehenden Artikel an der andern
Amyntas den IV nennen . Justin in des VII B . V Cap . machet hier Eurydice , ein Beyspiel davon
Eurydice , eine illyrische Frau , einem barbarischen Lande , und hoch an
Eurydice , eine illyrische Frau . Plutarch lobet sie , und führet sie zum Beyspiele an , weil sie sich , ob sie gleich aus Jahren gewesen , doch aufs Studieren gelegt ; damit sie fähig werden wollen , jihre
Kinder selbst zu unterweisen " . " Sie hat den Musen eine Aufschrift geweihet , die dieses beglaubiget b , und die uns Plutarch erhalten hat <\ Man erfahrt daraus , daß in Jllyrien eine Stadt , Namens Hierapolls gelegen d , von welcher die Erdbe - schreibet nicht reden . Ein Ausleger Plutarchs hat etliche Schnitzer begangen ( A ) .
«o Plutarch . de Liberis educandis , zu Ende , pag . 14 . i~ ) Sie besteht aus vier Versen . 0 Plutarch . de Uber . Educand . pag . 14 , < / ) Siehe die Anmerkung .
( A ) lLinAt^lcgcr plmarcks h« einigeGcbniner begangen^ würde . Wenn er vor ihr gestorben wäre , so würde meine Anmerkui^g
Er ist Rector der Schule zu Hamburg gewesen , und hat'Peter Westhu , falsch seyn ; allein so weis jedermann , daß sie jung vor ihrem Gemahle
suis geheißen . Sein Buch ist im >66 ; Jahre zu Hamburg gedruckt , gestorben ist . Virgil . Georg . Lib . IV . v . 45z . nennet sie puella . Der
und betitelt : Plutarchi Chaeronenfis de pueroriun educatione Li - Ausleger flieht auf der 405 S . ohne den geringsten Beweis vor , daß sie
bellus , analyfi logica , grammatica , ethica , politica , et hiftorica illuftra - in Jllyrien gebohren gewesen . ZFarum hält er sich damit aus , zu be -
tus . Man findet darinnen auf der 404 Seite , daß Eurydice , davon merken , daß Hierapolis , eine Stadt in Asien , Laodicea gerade gegenüber
hier die Rede ist , Königinn , und kurz darauf 40 ? Seite , daß sie des Or - gelegen hat ? Wird denn in diesen Worten Plutarchs , eii>» - pheuS GemahliNN gewesen . Diese zwo Eigens6>asten schicken sich nicht , Eurydice Hierapolitana , von dieser Stadt geredet ? Ist eS
zusammen , ( man führet die Schriftsteller vergeblich an , die zu sagen nicht eine Frau aus Jllyrien , welche redet ? Alles , was er hierbei ) hätte
scheinen , daß Orpheus regieret hat . ) und überdieß hat des Orpheus Ge - thun sollen , war , daß er sich bemühen sollen , dieft Stadt der Jllyrier zu
mahlinn nicht nöthig gehabt , ihre Kinder selbst zu unterweisen ; denn ihr entdecken , oder allenfalls hätte er sagen sollen , daß sie die Erdbeschrei -
Barer war schon so geschickt , daß er sie dieser Arbeit überhoben habm ber nicht gekannt hätten .
Euripides / ein griechischer Poet , einer von denen , die in der Tragödie vortrefflich gewesen sind , war im ersten Jahre der 75 OlympiaS , auf der Insel Salamis gebohren , wohin sein Vater und seine Mutter kurz zuvor geflüchtet waren ( AJ , ehe Terxes in Attika einrückte . Man streitet über ihren Stand ( B ) ; einige setzen sie unter den Adel , andere unter den Pöbel . Ein ge - wisser übelverstandener Götterspruch ist Ursache gewesen , daß man den Euripides nach der Art derer erzogen , woraus die Griechen Kämpfer machen wollen ( C ) ; allein die Folge hat bezeugt , daß er viel gefchickter zu andern Dingen gewesen . Er hat die dekunst unter dem Prodikus , die Sittenlehre unter dem Sokrates ( D ) , und die Naturlehre unter dem Anaxagoras , gelerner ; und als er die Verfolgungen gesehen , die Anaxagoras erlitte , weil er wider die gemeine Meynunq gelehret hatte : so verließ er
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nen Lebzeiten , als nach seinem Tode , sehr hoch gehalten worden ; und man kann gute Kenner nennen , die ihn für den allervoll - kommensten unter allen tragischen Dichtern halten ( F ) . Diejenigen , welche glauben , daß die römischen Poeten darum nicht viel von ihm geredet haben , weil das Silbenmaaß seines Namens allzuschwer wäre , in lateinische Verse zu bringen ( G ) , geben eine wahrscheinliche Muthmaßung an . Seme Verse haben den atheniensischen Soldaten in Sicilien , einen großen Dienst ge - leistet ( Irl ) ; und dieß ist ein Beweis , daß seine Stücke einen wunderbaren Bevsall genossen , und nichts destoweniger nur sehr selten den Preis gewonnen haben ( I ) . Der Nacheifer , und zuletzt die Feindschaft , die zwischen ihm und dem großen Sopho - tles entstund ( K ) , hat ihm vielleicht weniger Verdruß verursachet , als die Spöttereyen des Aristophanes , der sich eine Lust machte , ihm in seinen Comödien übel zu begegnen . Man glaubet , daß die Hauptursache , warum er sich an den Hof des Königes Archelaus von Macedonien begeben , gewesen : weil er gesehen , daß die römischen Dichter die Athenienser auf seine Unkosten be - lustigten c . Es sind in seinen Tragödien viele Rollen wider die Frauen , und man kann nicht leugnen , daß er nicht große Lust gehavt hätte , das schöne Geschlecht zu verleumden . Dieß ist Ursache , daß man ihm den Titel eines Weiberfeindes beygeleget hat d ( L ) . Gleichwohl hat er sich verheirathet ( M ) , nicht allein zuvor , ehe er an sich die Wahrheit seiner theatralischen Lehr - sähe erfahren hatte , sondern auch nach dem , da ihn die unordentliche Lebensart der ersten gezwungen , sie zu verstoßen . Die an - dere die er heirathete , ist wenigstens eben so liederlich , als die erste gewesen £ . Ich weis nicht , bey welcher von beyden er eines Taaes einen von seinen eignen Comödianten angetroffen hat ; und es ist sehr wahrscheinlich , daß es bey der letzten , geschehen , weil man saget , daß ihn die Schande , der er deswegen ausgesetzt gewesen , und die öftern Spöttereyen , welche die'comWen Poe - ten damit getrieben , genötbiget hätten . Athen zu verlassen / . Einige sagen , daß er sich der Erlaubniß , die man ibm in Athen aeaeben , zwo Frauen zu Heirathen , bedienen wollen , und zwo auf einmal genommen , aber seine Wahl so übel getroffen hatte , daß sie seine Geduld auft äußerste und ihn so weit gebracht , daß er wlder das ganze Geschlecht einen großen Abscheu gefastet Dem sey wie ihm wolle , so ist er an dem Hofe des Archelaus sehr wohl empfangen worden . Dieser Prinz liebte die Gelehrten , und zog sie durch seine Freygebigkeiten an sich . Er hat den Eunpideö zu großen Ehren erhoben ( N ) . Das Alter dieses Dich - ters , und die große Keuschheit , die ihm viele zueignen , machen , daß man dasjenige nicht so leicht glauben kann , was man von seinen Abentheuer» in Macedonien erzählet ( 0 ) . Er hat ein klägliches Ende genommen ; er gieng in ein Holz spazieren , und hieng daselbst , nach seiner Gewohnheit , seinen tiefsinnigen Gedanken nach . Seine Tiefsinnigkeit hat ihn ohne Zweifel etwas zu weit aeführt , er ist ein wenig seitwärts von des Prinzen Hunden angetroffen worden , der auf der ^agd war . Diefe vermale - deytcn Hunde haben ihn in Stücken zerrissen . Archelaus bat ihn prächtig begraben lassen ( P ) . Die Nachricht von seinein Tode hat die Athenienser dermaßen detrübet , daß die ganze Stadt die Trauer angelegt h . Einer von seinen Freunden , Na . mens Philemon , ist so dadurch gerührer worden , daß er gesaget , er wolle sich , wenn er glauben dürfe , wie einige versicherten , daß die Tobten das Denken erhielten , so gleich henken , um zum Euripides zu kommen , unv dessen Gegenwart zu genießen ( Q ) . Dieser große Poet ist fast fünf und siebenzig Jahre alt gewesen , da er gestorben ist . Man hat die Umstände von feinem Tode verschiedentlich erzählet ( R ) . Er ist niemals mit dem Plato in Aegypten gewesen 58 ) , Tanaq . Faber mag sagen , was er will . Es sind uns nur zwamia von seinen Tragödien erhalten worden , ob er gleich derselben 92 gemacht hat Er hat gern viel Sprüche vorgebracht ( T ) , die mit einer ^uren Sittenlehre angefüllet sind , und er hat sich dadurch selbst dert ,

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