Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8547

Eurydice .
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diejenigen von des Perdiccas Tafel ausschließen lassen , welche die Meßkunst oder Philosophie nicht verstunden ( A ) . Parmenio , hat ihn unter der Regierung Philipps , des Perdiccas Nachfolger , hinrichten lassen fl .
der Zutritt an die Tafel ihres Prinzen mit einem gleichen Gesetze ver - knüpft gewesen ? Wenn man nur ein wenig Belesenheil in den Poeten und Geschichtschreibern hatte haben dörfen , so hatte man der Bedin - gung schon eine Gnüge thun können ; allein so hat Euphrates gefor , dert , daß man gar ein Meßkünstler oder Philosoph seyn müßte ; nun sind dieß zwo Eigenschaften , und vornehmlich die erste , die nur nach dem Ge>chmacke weniger Leute , auch selbst unter denen , sind , diedieWis - senschasten lieben .
- ) Aus dcm Athenäus , Xl B . zu Ende . 528 S .
( A ) Ort bat alle diejenigen von des perdiccas Tafel aus , schließen lasten 5 welche die Meßkunst oder Philosophie nicht verstunden . ] Ein Hof , wie der macedonische zu derselben Zeit war , der nur erst anfing , die Unwissenheit zu verbannen , hat ohne Zweifel diese Bedingung für eine Art derTyranney gehalten ; denn wenn die Profes - soren , welche über die Thüre ihrer Hörsäle setzen ließen : oüiat äyta - nir^rot Heiroi : Niemand trete herein , der die tNefikunst nicht versieht , so harte Vorbedingungen gefordert haben : was müssen denn l>es Perdiccas Hofbediente nicht gedacht haben , wenn sie gesehen , daß
EUN ) d ! ( ö , die Gemahlinn des Amyntas , Königes von Macedonken , hat ihren Gemahl mit vier Kindern beschenkt ; drey Söhnen , Alexander , Perdiccas , und Philipp , Alexanders des großen Vater , und einer Tochter , Namens Euryone . Dieß ist eine Königinn gewesen , die man nicht genugsam verfluchen kann ; denn sie hat sich dermaßen in ihren Schwiegersohn verliebt , daß sie um denselben^« heiraten , sich verbindlich Hemacht^ ihn auf den Thron Zusetzen , und ihren^Gemahl hinrichten zu las -
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Alexander gefolgt , und hat nicht lange gelebt ; denn die vor Geilheit und Herrschsucht rasende Eurydice ließ ihn hinrichten . Sie hat eben dasselbe Verbrechen , auch an ihrem andern Sohne , Perdiccas , begangen , der nach Alexanders Tode , den Thron bestie - gen hatte a . Die Gcschichtschreiber , die uns noch übrig sind , haben es dabey gelassen , ohne daß sie uns gemeldet , wo sie hin - gekommen , noch ob sie wegen ihrer bösen Thaten gestraft worden ? Es giebt jauch Geschichtschreiber , welche derselben weder im Guten noch im Bösen gedenken , und den Tod der zweenen Prinzen , die nach dem Amyntas hintereinander gefolget sind , dern Ursachen zuschreiben . Dieß ist ein wenig befremdlich ( ö ) . Ich werde eine Sache erzählen , die man in den Reden des Aeschines findet ( C ) ; und etwas an dem Jesuiten Bisselius tadeln ( D ) . Wir wolle» beobachten , daß Arabeus , Prinz der Lyncisten , welcher von den Bacchiaden entsprossen , ein mütterlicher Großvater unserer Eurydice gewesen b .
« ) Aus Justins VII B . IV , V Cap . b ) Strabo Libr . VII . p . - 26 .
( A ) Sie hat sich dermaßen in ihren Schwiegersohn verliebt , daß sie , um denselben ju Heirachen , sich verbindlich gemacht , ihn auf den Thron ju seyen , und ihren Gemahl hinrichten ju lasten . ] Hier sind die Worte Justins , in des VII B . I V Cap . die uns diese abscheuliche Ausschweifung berichten . Infidiis Eurydices vxoris , quae nuptias generi paöta , occidendum virum , regnum< } uc adultero tradendum fufceperat , occupatus fiiiflet ( Amyntas' ) ni filia pellica - tum matris et fceleris confilia prodidiflet .
( B ) Dieß ist ein wenig befremdlich . ] Der Justin , den wir haben , ist ein Auszug aus einer allgemeinen Historie , die Trogus Pompejus sehr weitläuftig geschrieben hat . Wir wollen nicht zweifeln , daß sich die Thaten der Eurydice , in dieser Historie nicht viel weitläufiger befunden hätten , als man sie gegenwärtig in dem Justin sieht ; allein vornehm - lich ist es wohl gewiß , daß Trogus PompejuS dasjenige in guten Schriftstellern gelesen hatte , was er davon erzählet hat . Woher kömmt es also , daß Diodor aus Sieilien dieser Königinn auch nicht mit einem Worte gedenkt ? Woher kommt es , daß er im X VIB . II Cap . auf der 7 , 6 Seite bey mir saget , es sey Alexander der älteste Sohn des Amyn - taS , und sein Nachfolger , ( XV B . LXXKiap . 712 Seite bey mir , aufs erste Jahr der 10z Olympias , ) vom PtolemäusAlorites , seinem Bruder , getobtet worden , und nach Verlauf von drey Jahren diesem Ptolemäus vom Perdiccas , eben auf diese Art , begegnet worden ? Hatte er denn nicht eben dieselben Schriftsteller gelescn , die Trogus Pompejus zu Ra - the gebogen hatte ? Wenn er sie nicht gelesen hätte , so können wir uns über seine Nachläßigkeit beklaqen ; und wenn er sie gelesen hat , so können wir wider ihn behaupten , daß er dasjenige nicht hätte unterdrücken leb len , was darinnen von der Eurydice gesaget worden . Er möchte im - mer ! ) in antworten , daß er es übel gegründet befunden ; wir könnten ihm erwidern , daß er zum wenigsten hätte sagen sollen : man habe die Eury - dice fälschlich beschuldiget , daß sie ihre Söhne hinrichten lassen . Wollte man vorgeben , er harre zwar wohl gewußt , daß sie strafbar wäre , sie aber durch die verstellte Unwissenheit verschonen wollen : so wäre dieß keine wahrscheinliche Sache ; denn was hatte er für einen Ruhen da - von gehabt , einer Königinn zu schonen , die vor so langer Zeit gestorben , u : ; b b - ren Nachkommschaft schon gänzlich erloschen war ?
( C ) * ? cb werde eine Sache erzählen , die man in des Aeschines Reden findet . ] Wenn wir die Eurydice weiter nicht , als aus dieser Stelle kennten , so würden wir viel Hochachtung gegen sie haben . Wir lesen in diesem Redner , daß diese Königinn nach dem Tode ihres ältesten Sohnes , Alexanders , eine sehr beschwerliche Sache über dem Halse ge - habt . Pausanias , welcher verbannt worden war , hat sich der Zeitläuf - te bedienet , und nachdem er das griechische Kriegsvolk . und viele Freun - de in Makedonien zu seinen Diensten gehabt , den Schluß gefaßt , sich des Königreichs zu bemächtigen . Eurydice sah ihn gar bald , als den Herrn verschiedener Plätze , und fand sehr wenig Treue bey ihren Freun - den . Die Spaltung schlich bey den Unterthanen ein ; eine sehr große Anzabl bezeigten einige Neigung gegen den PausaniaS . In dieser ver - drießlichen Widerwärtigkeit hat sie den atheniensischen Feldherrn , Jphi - krateS , zu sich kommen lassen , der sich beyAmphipoliS befand , und , nach - dem sie ibm ihren Sohn Perdiccas auf den Arm gegeben , und ihren Sohn Philipp , auf feinen Schooß gesetzt , denselben erinnert : daß er durch
Annehmung an Kindesstatt , ihr Bruder wäre ; und daß zwischen dem verstorbenen Könige AmyntaS , und der Republik Athen , allezeit eine große Freundschaft gewesen wäre , und ihn inständigst gebethen - daß er sich , aus diesen Ursachen , für dieselben , und für sie und für die Erhal - tm , g des Kvmgreichs zu arbeiten , gefallen lassen möchte . Jphikrates ist durch diese Bitten so gerühret worden , daß er den Pausanias verjaget hat . Aus der Rede des Aeschines , de falfa Legatione , pag , m . 2s ( D ) Ich werde etwas an dem Jesuiten Bisselius tadeln . 1 Er versichert ohne Einschränkung , daß Diodor aus Ticilien unredlich handele , da er nichts von den Kindermorden der Eurydice saget' dieß ist der Sinn dieser Worte : viodorus . . . perpettms Eurydices parricidiorum diflimnlator . Ioannes Bijfelius , illuftrium Ruinarum Decade IV . pag . m . ms . . Ich will ihm nicht einwerfen , daß man nicht begreifen kann , aus was für eii , em Grunde dieser Historienschreiber die Verstellung gebraucht haben sollte ; ich begnüge mich nur , ihm zu sagen , daß er standhaft bey der ersten Beurcheilung bleiben solle ; daß er nicht veränderlich seyn sollen ; daß er sie nicht widerlegen sollen , indem er sich in zweydeutige und zweifelhafte Ausdrücke einläßt : Qui Diodornt , saget er an einem andern Orte , auf der l - 87 Seite , incertum qua caufa ftudioue , de fcelere ac parricidiis Eurydices altum filet . Er fetzet et , was darzu , das noch mehr Tadel verdienet . Et e contrario , in Per - diccam verbis claris culpam detorquet necati huius Ptolomaei , quin et necis Alexandri praedeceflbris : quando fic locjiiitur , fimili fraude fublatus efl a Perdicca Pto / omaeus ( qua fraude feiheet Alexander , quem paullo fuperius dixerat , dolo interemtum : nec addit , ab Eurydice Er bekriegt sich : Diodor will den Perdiccas auf keinerley weise mit der Verrätherey belegen , wodurch Alexander umgekommen : er mißt dieselbe bloß dem Ptolemäus Alorites bey , wie es klärlich aus einer Stelle des
XV B . im LXXI Cap . erhellet . Wenn der P . Bisselius diese Stelle Diodors gekannt hätte , so würde er nicht so geschwätzt haben , wie er thut ; er hatte erfahren , daß dieser Schriftsteller in dem II Capitel des
XVI B . nichts anders sagen wollen , als daß Perdiccas dem Ptolemäus Alorites das Leben , vermittelst einer Verrätherey , genommen , die der - jenigen gleich gewesen , welcher sich dieser Ptolemäus zur Hinrichtung Alexanders bedient hatte . Man sehe , wie viel daran gelegen ist , dasjeni - ge zu wissen , was ein Schriftsteller an verschiedenen Orten saget . Wo denket über dieses Bisselius auf der 1287 Seite hin , da er uns den Guth - beriet , einen ganz neugebacknen Schriftsteller , zum Beweise anführet , daß die Regierung dieses Alexanders nur ein Jahr , und des Ptole - maus Alorites seine drey Jabre gedauert hat ? Hätte er diese Geschichte nicht durch den Diodor aus Sicilien im XV B . EX und LXXI Capitel beweisen sollen ?
Eurydice , die Tochter des Amyntas , eines Sohnes desjenigen Perdiccas , Königes von Macedonken , der ein Bruder Wilwrs des Vaters Alexanders des großen , gewesen , ist mit ihrem Oheime « Anbaus , dem natürlichen Sohne ebendesselben Pbilivvus vermablc gewesen . Jedermann weis , daß dieser Anbaus , nach Alexanders des großen Tode , zum Könige von Ma - cedonien erklärt worden Er war nicht sehr geschickt , diese Würde zu behaupten , und vornehmlich tn einer so unruhigen Zeit , als unt " r seiner Regierung war . Man kann auch sagen , daß er vielmehr elnTitelkomg , als ein wirklicher König , gewesen : seine Geinab'i»» g^undice hat mehr Tbeil an den Verrichtungen der königlichen Wurde gehabt , als er c , vornehmlich , wenn es auf die Frage ankam sich der OlyMpias , Alexanders Mutter , zu widersetzen ; denn alsdann ist sie viel eifersüchtiger wegen des An - . a5 ® ti „ 0 awfiMi vmi dem andern Geschleckte zum Nebenbuhler gehabt hatte d . Sie setzte ein großes
aewesen als wenn sie eine Person von dem andern Geschlechte zum Nebenduhler gehabt hatte d , Sie setzte em großes Nertrau - N « iwffrtff / infrfr und befahl dem Antigonus und Polyperchon , ihm das Commando über das Knegsvolk abzurre - ÄSE» ÜSSr K«W«W« , M * si - « - schrick - ^ Ei . hat das Unglück «hobt , °°n chr - n ©oldatrn v . r . lassm wcrdm da si - d - rOlrnnpiasZuwckkmft in Msc - donim»echind - m»Ute / . DieftV - r>< , ssungfeg dm AndÄ» u D^nd . ' Mmm sogleich

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