Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8531

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Euphrates .
hafter Kriegszug gewesen ; denn der geistlichen und sehr heftigen Streitigkeiten nicht zu gedenken , die zwischen diesem Pabste und der Kirchenversaminlungzu Basti herrschten , jo ist er in allen italienischen Kriegen verwickelt gewesen . Er hat den König von Ungarn angefrischt , die Waffen wider die Türken zu ergreifen , und den Dauphin wider die Schweizer aufgehetzt h . Er ist um so vielmehr an den kläglichen Wirkungen des ersten von diesen zween Kriegen , Schuld gewesen , da er einen Cardinalle - gaten nach Ungarn geschickt hatte , der den König antrieb , einen mit der Pforte förmlich geschlossenen Frieden zu brechen Die Betrachtung , die er über sein Schicksal gemacht , ist wichtig ( C ) , und ein Beweis von der Eitelkeit , welche diejenigen in den höchsten Ehrenstellen finden , die sie besitzen . Wir müssen nicht vergeben , daß er sich , um zu zeigen , daß er nicht den krie - gerischen Beschönigungen einzig und allein ergeben wäre , gezwungen hat , in Person und mit großein Schimmer einige Reli - gionöqepräirge zu verrichten , und an der Verschönerung und Verbesserung einiger Kirchen in Rom zur arbeiten ( D ) . Er ist ein schöner Mann gewesen , von ehrwürdigem Ansehen , und hat die Äugen beständig niedergeschlagen , wenn er sich öffentlich ge - zeigt k . Er hat keinen Wein getrunken , und , was feine Person betrifft , die Regeln der Sparsamkeit beobachtet , ob ee gleich in seinem Hauswesen sehr prächtig zugieng Er ist nicht gelehrt gewesen ; er hat aber gelehrte Personen geliebt ( E ) , und ihnen Gutes gethan . Unter seiner Regierung ist es geschehen , daß einige Cardinäle angefangen , Hunde und schöne Pferde zu unrer - halten , und in die Verschwendung des Hausraths und der Gastgebothe zu verfallen ( 5 ) .
a ) Piatina , in Vita Eugcnii IV . b~ ) Ebendas . c ) Aus ebendemselben . «0 Ebendas . t ) Nauclerus , Generat . XLVIII . folio w . 9J4 . f ) Im 1433 Jahre , g ) Piatina , in VitaEugeniilV . Volaterr . Libr . XXII . p . in . 815 . giebt ihm nicht mehr als 6z Jahre . b ) Piatina , ebendas . Siehe den LXXXI Brief des Aeneas SilviuS . k~ ) Vir afpe & u infignis et veneratione dignus . Piatina in Vita Eugenii IV . Vultu alioqui decoro , ac venerabili , oculos in publico nunquam attollebat , vt a parente ineo , qui eiim feque - batnr accepi . Volaterr . Libr . XXII . p . 815 . I ) Splendidus in vidhi familiae , parcm in fuo , et a vino ita alienus , vt abfteinius ine - rito vocaretur . Piatina , in Vita Eugenii IV .
( A ) Er ist nickt der Neffe Äes pabstes Gregorius ves XII gewesen . ^ Rochepozai in seinem Nomenciatore Cardinalium , auf der 73 © . Spondanus , in seinen Kirchenjahrbücher» , aufs 1408 Jahr , Num . 6 . nnd aus6 1431 Jahr , Nim , . 4 . und eine Menge anderer Schrift - steiler versichern , daß Eugenius der IV , der Sohn von Gregorius des XII Schwester gewesen . Ich glaube , daß sie sich bekriegen : Mein Grund ist , weil ihm weder Platina , noch Volaterran diesen Titel ge - geben , welcher ihnen nicht unbekannt seyn können , wenn er wahr gewe - sen wäre ; und weil des Platina Stillschweigen so beschaffen ist , daß er für einen gewissen Betveis gilt . Dieser Schriftsteller erzählet : daß Anton Lorano , Gregorius des XII Neffe , den Gabriel Condeimerio nach Rom gebracht , der mit ihm von einerley Orden geivesen , nämlich ein Celestiner , und mir welchem er von Jugend aus vertraut gelebet hat : Romam iturus Gabrielem Condclmerium , dieß ist eben so viel , als Eugenius der IV , qui eiusmodi profeflionis erat , quicum ab ineunte aetate familiariter vixerat fecum aliquandiu recufantem du - xit . Platina , in Eugenio IV . folio m . 307 . Sind dieses Umstände , wobey es einem Schriftsteller möglich wäre , nicht zu sagen , daß ein solcher nicht jemandes Neffe wäre ? Man merke auch . daß Platina , wenn er die Glücksbeförderunqen dieser zween Männer vermenget , dem Anton Cario allezeit den Titel des päbstlichen Neffens und dem andern niemals giebt . Ein etwas unachtsamer und flüchtiger Leser könnte hier einen Fallstrick gefunden haben ; er könnte dasjenige , was den Comrio betrifft , nicht von demjenigen unterschieden haben , was dem Condeime - rio zugehöret ; er könnte also diesen für des Gregorius des XII Neffen genommen haben , woraus die Geschichtschreiber , einer dem andern gefol - ger , ohne sich weiter nach der Sache zu erkundigen .
( B ) Er wurde einem entjeylicken Unglücke ausgeseNt : dieß war eine förmliche Staarsveränderung . ] Philipp , Herzog von Manland , that aus Feindseligkeit gegen den Pabst einen Einfall in das römische Gebieth . Die Reiterey , die er dahin geschickt , ward voii colas Fortebrachio , einem berühmten Kriegsmanne eommandieret , der sich sehr misvergnügt au« den Diensten de« Pabstes begeben hatte ; denn da er bi * Bezahlung seiner Besoldung gefordert , so hat >bm Eu - qenius zur Antwort gegeben : daß er sich durch den Gewinnst , den er bey Plünderung etlicher Plätze gemacht , für zureichend bezahlt halten sollte . Er hat aus Verdruß , über diese Antwort , einen andern Herrn gesucht , und da er von dem Herzoge Philipp wider diesen Pabst gebraucht ward , außerordentliche Verheerungen bey Rom angerichtet . Die Bestürzung in der Stadt war groß ; der Pabst selbst tvar eine Zeitlang ungewiß , wo er hingehen sollte . Man kam haufemveife zu ihm gelaufen , um sich wegen des erlittenen Verlusts zu beklagen : nnd wie er damals von schwacher Gesundheit gewesen , und nicht gewußt , auf welche Seite er sich wenden sollte ; so hat er die Leute an den Eardinal , seinen Neffen und Kämmerer , verwiesen , einen faulen und wollüstigen Menschen , der de - nen , die sich über den Verlust ihres Viehes beklagten , keine andere Ant - wort gab , als diese : ihr Haber allzuviel Vertrauen in euer Vieh gesetzt , die Venetianer führen ohne alles dieses ein viel ehrbarer Gebert . Eos nimiam fpem in pecoribiis collocaflc : Venetos dem fine gregibus et iumentis longc vrbaniorem vitam ducere . Pia - tina , in Vita Eugenii IV . folio 310 . Man ärgerte sich dergestalt über diese Antwort , daß man zu fchreyen anfing : , un Waffen , ; ur Frey - - heit . Man jagte alle Gerichtspersonen de« Euqemus weq ; man sekte an ihre Stelle andere , und man bemächtigte sich der Person des Car - dinals , seines Neffen . Der Pabst , der sich in eine so große Noth ver - setzt sah , verkleidete sich als ein Mönch ; er setzte sich auf eine Barke ? und rettete sich nach Ostia . Er kam , ungeachtet aller Steine und Pfeile , die man auf ihn los schoß , glücklich daselbst an , und ließ sich darauf nach Florenz führen . Ebendas . 3'° Dl . Einige Seribenten , als Volaterran , im XXII B . auf der 8>4 S . sagen : daß man ihn in der Marienkirche , jenseit der Tyber , gefangen gesetzt , daß er sich aber , nachdem er die Wächter betrogen , auf ein Fifcherschiff begeben , und den Fluß bis nach Ostia , unter Begleitung der röniischen Pfeile , hinunter gefahren . laterran sehet darzn , daß sich die Römer zum Meister vom Capitol und der Engelsburg gemacht : ich glaube , daß er zu viel saget ; denn Piati - na , weichem hierinnen eine große Anzahl Seribenten folgen , versichert , daß die Engelsburg nicht eingenommen worden . Dem sen , wie ihm wolle , so hat diese Freyheit Roms nicht lange gedauert : die Gewalt des Pabsts ist daselbst in seiner Abwesenheit durch den Johann Vitelle - schi , Patriarchen von Alexandrien , wieder hergestellet worden , welcher mit einer ungemeinen Schärfe wider die Aufwiegler verfahren . Der Auffuhr , davon ich rede , ist im Brachmonate . 1434 , geschehen . Er ist so merkwürdig , und es haben so viele Schriftsteller , als BlonduS , St .
Antonin , Platina , Volaterran , Nauclerus , davon geredet , daß ich er - staune , wie ihn Moreri vergessen hat . Er hätte ihn aus den Jahrbü - chern Spondans , aufs 1434 Jahr , Num . 4 . nehme» können . Ambro - sius voii Camaldoli gedenket desselben in feinem Hodoeporicon : und da der Abt de la Roque einen Auszug von diesem Werke gegeben , so har er diese Stelle nicht vergessen . Alan sehe das Tagebuch der Geich» ! - ten vom Monate März , 1682 . 79 S . holländischer Ausgabe .
( C ) ä>ie Betrachtung , die er über sein Schicksal gemacht , ist wichtig . ] Da er auf dem Puncte gestanden , zu sterben , so har er sich gegen die lim ihn stehenden Mönche gewendet , und mir einer von Seus - zern unterbrochenen Stimme gesaget : daß es viel besser für das Heil sei - ner Seele gewesen wäre , wenn er niemals zum Cardinalate und zum Pabstthume erhoben worden . Hic ( Eugenias' ) cuin eflet morti proxi - mus , apud Raynaldum anno M . CCCCXLVII . aliqnid dixifle memoriae proditur , quod nifi poenitentiam oftendat , certe mihi terrorem iniicit : Verba funt : Cumjue a religiofis viris cinftus ef . fet , interpunfta fufpiriis voce , verfoque ad eos vu / tu dixijfe fertur : O Gabriel , quanto magis conduxtjffet animae tuae falnti , vt nunquam Cardinalatum , nec Pontificatum obtinuijjes , fed in tuo monafierio re - ligiofam difcip / inam coluiffes ! Haec ex vitae Eugenii auciore , qui tunc damit , et a Raynaldo laudatur . Launoius , Epift . vltima I Part , p . 82 . cambridgische Ausgabe .
( D ) Er , roang sich in Person und mir großem Schimmer , einige Religionsgepränge ; u verrichten , und an der Verschöne - rung - - - einiger Rirchen in Rom ; u arbeiten . ] Dieß Hat sich gezeiget , da Nicolas Tolentin zum Heiligen gemacht , und die Bi - schofsmütze des heil . Sylvesters von Avignon , nach Rom gebracht den . Man lese diese Worte des Platina , man wird auch dämmen finden 1 daß er die weltlichen Domherren aus der Johanneekirche im Lateran verjaget , und ordentliche Domherren daselbst eingesetzt har . Interea vero Eugenius , ne rem bellicam folum curare videretur , Ni - colaumTollentinatem , Ordinisfanöi Augurtini miraculis darum , in Sanftos referens : a fandVo Petro cum omni clero fupplicando ad fan ( E ) Er ist nickt gelehrt gewesen , aber er hat gelehrte perso - nen geliebet . ^ Nach dem Platina hat er mit mehr Ernsthaftigkeit , als Beredsamkeit , gesprochen ; er hat wenig Litteratnr gehabt ; er hat die Historie wohlverstanden : Grauis in dicendo potius quam eloquens , modicaelitteraturae : multae cognitionis , hiftoriae praefertim . daselbst , folio 321 . Er ist gegen jedermann freygebig , und hauptsächlich gegen die Gelehrten gewesen : er hat Gefallen an ihrer Vertrautichkeir gehabt ; denn er hat zu Seererären den Leonhard Aretin , Carl Aretin , Poggio , Aurifpa , BlonduS , und George von Trapezunt gehabt . Mai , machet ihn zum Urheber verschiedener Bücher ; allein das Verzeichniß , das man in dem Namensregister der Cardinäle , 74 Seite , und der Bibliotheca Pontificia , des Pater Jacobs , aus der 65 u . f . Seite , da - von giebt , enthält so viele Schriften , die aus der Feder seiner Secretäre gekommen , daß man ebendasselbe von allen den andern nrtheilen muß . Die Anmerkung ( C ) , die ich wider den Ghilini , in dem Artikel Carl des V , gemacht habe , kann hier statt finden .
( ? ) Euphrates ,
Gnade , daß er so
6 , ein Schüler des Plato , stieg bey dem Perdiccas , Könige von Macedonlen , auf einen so hohen Grad der viel , als dieser Prinz selbst herrschte . Er ist ein boshafter Mensch und ein Angeber gewesen ; er hat alle
diejenigen
J -

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