Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8514

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Eva .
besverständniß mit ihm geknüpft , so wollte er gerne , daß sie alle Manns - Personen keines Blickes würdigte , alle ihre Liebkosungen verächtlich zu - rück wiese , und in Ansehung ihrer , verdrießlich , unhöflich und bäurisch würde ; und wenn er das Gegentheil merket , wie ihm solches sehr oft begegiut , so wird er verdrießlich , und erzürnet sich mit so weniger Bil - ligkeit , daß das ganze schöne Geschlecht darunter leiden muß . Er zieht wider alle Frauen los ; er beschuldiget sie alle , daß sie wirklich Huren sind : und wenn er zu der Zeit eine Logik machen sollte , und zu der Ab - Handlung der Universalien käme , so würde er die Buhlerey für das pro . prium in quarto modo des weiblichen Geschlechtes ausgeben , und für diejenige Eigenschaft , quae coniienit omni , foli , et femper fubiecto , et cum eo reciprocatur . Er würde weil von dieser Ungerechtigkeit entfernet feyn , wenn er nicht verliebt wäre : denn er würde in dem Vergnügen , das sie haben , geschmeichelt und geliebkoset zu ftyn , und in der ehrbaren und höflichen Manier , womit sie ein Compliment deant - Worten , nichts Strafbares sehen . Er verfällt auch nicht in diese Unge - rechtigkeit , wenn er sehr verliebt , und man nur gegen ihn verbuhlt ist : also ist es die Eifersucht , die ihn so zu schmähen beweget ; sie ist es , die ihn reizet , seine Lästerungen nicht allein wider die untreue , oder einge - bildete untreue Liebste , sondern auch gegen alle Frauenspersonen über - Haupt auszubreiten , als wenn die Buhlerey nnabtrennlich von ihnen wäre . Kann man wohl einen hestigern und blindern Eigensinn , als solcher eifersüchtigen Liebhaber ihren , sehen ? Sie können nicht einmal leiden , daß ihre Buhlerinnen ihren Ehmännern eine liebkosende Gefälligkeit erzeigen . Hier ist eine von ihren Klagen in diesem Puncte :
Mein Unglück'wäre noch nicht groß ,
Vergnügte sich nur , die ich liebe ,
Mit hundert tausend Buhlern bloß
Und eines Günstlings heißem Triebe !
Allein , was mich recht ärgern kann :
Die Hure liebt auch ihren Mann !
Bulfi Rabutin , Hiftoire amoiireufc des Gaule» .
( L ) sind noch einige andere Dinge in dem Aoredano 5a tadeln . ] Ich betrachte hier nichts , als sein Werk von dem Gebert Adams : dieß ist ein Buch , das aus dem Italienischen ins Franzö - sische übersehet worden : diese Übersetzung , die nach Oer achten zu Venedig , durck Valvasenfe gedruckten Ausgabe , gemackr ifi , ( siehe die Borrede der französischen Übersetzung , ) ist im >695 Jahre zu Paris ans Licht getreten , und bald darauf zu Amsterdam nachgedruckt wor - den . Man hat in dem Mercure Galant , vom Christmonate desselben Jahres , eine sehr gute Beurtheilung von diesem Werke gesehen . Siehe die Anmerkung ( Ä ) , de« Artikels Valerius . Basnage von Beauval critisirt sie sehr sein in seinem Monate Marz , 1696 , im IV Artikel , 327 u . f . S . Man kann von einem solchen Buche nicht Übels genug sagen , noch dem Verfasser die Freyheit verzeihen , die er sich genommen , in eine solche Marerie so viele romanhafte Erfindungen zu mischen , die von der Ernsthaftigkeit so entfernet , und zu einer römischen Historie höchst geschickt sind . Wir wollen nur bey einigen Gedanken stehen blei - den , welche die Eva betreffen . Der Verfasser versichert auf der 37 und 38 Seite , amsterdamer Ausgabe , von >696 . daß es eine Wirkung der Gütigkeit Gottes gegen den Adam gewesen , daß er ihn damals ( namlick da Eva gemacht worden , ) hat wollen schlafen lasten : weil er wohl gewußt , daß er in kurzer Zeit die Ruhe in der Gesellschaft seiner Frau verlieren würde - - - Da Adam also in dem prophetischen Geiste , womit er begäbet war , fährt er fort , das Nebel voraus sehen können , welckcsOie Geburt der Eva dem ganzen menschlichen Gescklechre verursäcken sollte : so hat ihn Gott vielleickt jnm Schlafe gereizt , aus Furckr , Saß er sich der Schöpfung feiner Frau widersetzen möchte . - - - - Scheint es nicht , daß Gott , da er nur eine Frau für den Adam geschaffen hat , den Menschen zu verstehen gegeben , daß sie sich auch mit einer einzigen - Heirath begnügen sollten 1 Allein leicht hat er es aus einer andern Ursache gerhan : daß er nam« lich seine Marter nicht vervielfältigen wollen , wenn er ihm mehr rveiber gegeben hatte ; indem nichts vermögender ist . die Geduld eines Mannes zu üben , und feine Ruhe zu stören , als sie Sorgen des Ehstandes . Loredano , im Leben Adams , 4 , S . Er setzet auf der 42 S . voraus : Eva sey so schön gewesen , daß Adam auf dem punct gestanden , sie als eine Gottheit anzubethen . 44 Seite . Es ist kein Roman , wo man eine rührendere rung chäte , als Adam hier thut . 45 S * Der Verfasser findet keinen wahrscheinlichem Zwischenfall , der Folge der heftigen Regungen vor« zukommen , mit welchen der erste Mensch die Zärtlichkeit feines - Her - ; ens ausgedruckt , als daß er dichtet : Gott sey selbst gekommen und habe dieses Gespräch unterbrochen . 47 S Adam hat seine Frau ge - warnet , diejenige unglückliche L ruckt nicht anzurühren , die der Nvelt den Tod bringen sollte . 49 Seite . „ Dieses Verboth hat die Eva neugierig gemacht ; denn dieß heißt die Neubegierde einer Frau " anfeuern , wenn man ihr etwas verbiethet . Das Verboth erregt und " entzündet ihre Begierden , die gemeiniglich auf erlaubte Sachen hitzig , " bey Verbvthenen aber unersättlich sind . Sie ist also von dieser Ungeduld , I'welche ihrer Glückseligkeit das Grab grub , getrieben worden , und hat den „ Adam verlassen , damit sie das Ansehen einer Frucht , ohne Zeugen undVor - „ wurf , genießen könnte , die sie für die außerlefenste unter allen hielt , »weil sie ihr verbothen war . Ebendas . 50 S . Dieß geht ohne eine Sittenlehre nicht ab , welche die Weiber lehret , sich immer zu ihren Männern zu halten . . . Jemehr sich eine Frau vvn ihrem Manne ent - , , serner , desto mehr nähert sie sich ihrem Verderben : solange sie von ihm „ abgesondert ist , ist sie der Gefahr unterworfen , sich zu verlieren : weil sie „ Gelegenheit qiebt , und alle Welt kühn machet , ihr Fallstricke zu le - „ gen . Eine Frau , wenn sie ganz allein ist , ist auch der Versuchung einer „ Schlange ausgesetzt . Der Mond wird verfinstert , wenn er der Svn - „ ne zu nahe ist ; hingegen aber leidet die Frau betrübte Finsternisse „ in ihrer Keuschheit , wenn sie von ihrem Ehmanne entfernet ist . , , Ebendas . 51 S . Wir wollen die Complimenten übergehen , welche die in eine Jungfer verstellte Schlange , gegen Even abaeleget hat : allein wir wollen bemerken , daß er vorgiebt , sie habe eine Lügen in ihrer Ant - wort eingerückt , Seite , und zu Seufzern , Thränen , Liebkosungen und feurigen Rüssen Zuflucht genommen , den Adam dadurch zu bewegen , den Apfel zu essen , den sie ihm reichte . 7' S . Würde wohl jemand
die Beschädigung errathen , die Loredano Gott beyleget ? Unterdessen , sager er auf der 77 S . gieng Gott im Garten spatzieren , und ge - noß die Rühle , welche die angenehmen Zephyrwinde geben , wenn sie bey Neigung des Tages nicht mehr so stark weben . Diese Verrichtung der gorrlicken Majestät bat die Unruhe wobl angezeiger , die ihm die Sünde des Menschen verursachte : weil sie zur Mäßigung der - Hitze ihres gereckten Eifers , gl eicksam Beistand von diesen allezeit sanften binden zu betteln geschienen . Kein heidnischer Poet würde zu entschuldigen seyn . der dergleichen Din - ge vom Jupiter gesaget hätte : * allein wir wollen weiter gehen , weil wir nur dasjenige zu betrachten versprochen , was Adams Frau betrifft .
* Alles , was hier Loredano mit einem überflüßigen welschen Wi - he gesager und sagen lassen , ist von der ausschweifenden Einbil - dungskraft des Engländers Milton , bey weitem übertreffen den . Er dichtet in seinem verlohrnen Paradiese , daß der Satan sich unter die kurzweilende Heerde der vierfüßigen Thier ? gemi - schet , und bald in Gestalt eines Löwen , mit feurigen Glaraugen , um sie liergeschlichen , bald als ein Tvger zc . auf sie gelauret : e . und endlick ganz zu Ohren geworden , als Adam Even , so angeredet : ( Ich bediene mich hier der schweizerischen Uebersetzung , die zu Zürch >732 herausgekommen . als die das Ungeheure der mil - tonischen Phantasie sehr getreulich ausgedrücket hat . )
„ Einzige Mitgenoß - und Theilhaberinn aller dieser Lustbarkeiten , „ du die derselben größtes Theil ist , und alleine theuerer von mir ge - „ schätzet wird , als alle andere : e . welchem Eva also antwortete : , . O du , von welchem und für welchen ich geförmet worden , Fleisch „ von deinem Fleische , und ohne welchen ich umsonst , und zu kei - „ nem Ende bin . mein Führer und Haupt , was du gesager hast , ist „ recht und billig . denn wir sind ihm in der That alles Lob und „ täglichen Dank zu liefern schuldig , ich voraus , weil ich so fern „ das glückseligere Loß besitze , indem daß ich dich besitze , der mir mit „ so viel Gaben überlegen ist , zumalen du einen Ehegenossen , der „ dir selbst in allen Stücken gleich , nirgend finden kannst . Nach dieser zärtlichen Schmeicheley , die , nach heutigen Sitten , dem Adam besser angestanden , erzählet sie ihm , wie sie znerst vom Schlafe erwachet , und sich unter dem Sckatten von Blumen , an einem stehenden See gefunden , darinnen sie sich selbst gesehen , und sich in sich selbst verliebet hätte : weil ihr das Wasserbild mit Blicken voller Sympathie und Aiebe geantwortet . Hier hatte sie eine Stimme gehöret : „ Was du stehest , was du da sie - „ hest , schönes Geschöpfe , ist niemand , als du selbst , es käme und „ weichet mit dir : Aber folge mir nach , so will ich dich an einen „ Ort bringen , wo kein Schatten auf deine Ankunft und deine zärt - „ lichen Umarmungen harret ; denselben , dessen Ebenbild du bist , „ sollt du unabgesondert , als dein eigen genießen , ihn , ganze Heere „ gebähren , so dir gleich sind : c . Endlich erblickte ich dich unter ei - „ nem Eschenbaum , und fände dich in der That heiterweiß und g» - „ rade , jedoch , meines BedünkenS , minderschön , minder reizendhold , „ minder anmuthig liebreich , als jenes zarte Wasserbild , ich wich» „ zurück , du folgtest mir und riefest laut : Kehre um , schöne Eva , „ wen fliehest du ? : c . Dir das Wesen zu geben , lehnte ich dir aus „ meiner Seite lebendiges Blut , das allernächst bey meinem Her - „ zen flösse , damit ich dich hinfort zu meiner Seiten hätte , eine un - „ zerm - nnliche süße Trösterinn : du Theil von meiner Seele , ich su - „ che dich und fordere dich , als meine andere Helfte : c .
„ Indem lehnt sie sich mit reizenden Augen einer untadelhaften „ Liebe und einer'huldreichen Ergebenheit an unfern ersten Vater „ Adam , welchen sie halb umhalsete , halb ihre aufschwellende na - „ ckende Brust , die unter dem fließenden Gold ihrer losfliegenden „ Zöpfen verborgen läge , an die seine fügte . Er , bey dem ihre „ Schönheit und ihre ihm ergebene Pracht , eine innerliche Wol« „ lust gebahren , lachte sie mit einer hohern Liebe an , als Jupiter die „ Juno anlächelt , ( so menget Milton die Fabeln der Götzen in die Of - „ senbarung , ) wenn er die Wolken schwängert , welche die Mayers „ blumen aussäen , und drückte ihre bränrlichen Lippen mit reinen „ Küssen : e . „ Nun erzählt zwar der Dichter nicht , ob es auch ferner so zugegangen , als dort , da Juno mir dem Gürtel der Ve - nus geputzt , den Jupiter auf dem Berge Ida verliebt gemacht ; indessen ist er doch der Meynung zugethan , daß die Hochzeit noch im Stande der Unschuld den ersten Abend vollzogen worden . In eben diesem IV Buche läßt er sie zu Bette gehen , doch so , daß Adam den Antrag rhut . „ Schöne Gemahlinn , heißt es , die „ Stunde der Nachr , und alle Dinge , die sich nunmehr zur Ruhe „ begeben haben , erinnern uns eine gleiche Rast zu gebrauchen je . Worauf Eva , mit einer vollkommenen Schönheit ausgeschmückt , dergestalt versetzte : „ Mein Rath und Führer , was du mich „ heißest , dem gehorsame ich , ohne Widerrede , so befiehl« Gott . „ Gott ist dein Gesetze , du das meine . Nicht mehr wissen , als das , ist „ eines Weibes glückseligste Wissenschaft und bester Ruhm : c . In - „ dem sie also sprachen , giengen sie also , Hand in Hand , aus ihr» „ lustreiche Laube zu . „ Hier bethen sie vor ihrem schattichten Sommerhause , stillstehend und umgewandt , den Abendsegen ; gehen , sonder Beobachtung anderer Ceremonien , in die Laube , und legen sich , M . ohne sich auszukleiden , neben einander hin . c Auck ret . als ick mir vermuche . Adam seiner schonen Braut den Rücken nicht , und Eva sckluge , die gebeimnißvolle Sit - ten der ehlicken Äiebe nickt aus . Ich übergehe , was ferner in der Nacht , die mir ihrer fckanickren Rugel dieses weite Gewölbe unter dem Monden , bis auf den halben rveg , Bergan gemessen ; und als der Morgen feine rofenfarbene Trirre auf die östliche Revier des - Himmels gefestet , und die Xvelt mit morgcnlandifcken perlen vefaet , vorgefallen ; und begnüge mich , gezeiger zu haben , daß medanv gegen den ton nur em Kind ist . G .
Der Urheber setzet auf der 109 S . voraus , daß sie sich bemühet , das Uebel ihres Ebmannes zu mildern , der von Zeit zu Zeit einigen Trost in den Armen seiner Frau gesucht ; und daß sie ihn de« G» - bothes Gottes , sich zu vermehren , erinnert und gewarnet , sich wohl vor der Uebertretung dieses Gebothe« ju hüten . Xvir wollen uns bemü -
hen ,

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