Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8509

Eva .
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Hälfte zu einem guten und nothwendigen Ende gemacht wor - den . Und darauf ist Oer XviOerstano Oer weiblichen Materie und die Neigung des männlichen Verstandes , gegen dieselbe , ncbff dem unmäßigen Bestreben nach der körperlichen Nothdurft dazugekommen ; und sie ist nickt mehr durch die Vernunft ge - mäßiger worden , wie sie billig , und nach der Absicht des Schöpfers feyn sollen . Da also der Verstand , durch allzuriefe Ein - sinkung in die Sinnlichkeit , der Materie nachgegeben und gehör - chet hat / so ist die Sünde de» Menschen darauf gesolger . Und diese» ist« , was die - Historie anheizet , wenn sie saget : daß die Sclilan , ge die Frau betrogen , indem sie zu ihr gesprochen , daß sie von dem verbothenem Baume essen sollte , das Gute und 2>öfe zu erkennen ; weil sich , wenn sie davon aßen , ihre Augen eröffnen , und sie in der Erkennmiß des Guten und Bosen Gott gleich werden würden . Xvorauf die Frau , da sie gesehen , daß von dem Baume gut zu csien , und er schon und angenehm war , aus De« gierde der Erkenntnis ? von der Frucht gegessen hat , und ihre» Ehmann aucl , davon essen lassen : und darauf sind ihre Augen aufgethan worden , und sie haben erkannt , daß sie nackend ren ; und Feigenblätter zusammen geheftet , und sich Schurze davon gemacht . Die Schlange ist die Fleischeslust , welche erstlich den weiblichen körperlichen Theil reizet und bekriegt , wenn sie findet , daß derselbe einigermaßen von dem Verstanve ihres Eh - manns abgesondert ist , und den strengen Gesetzen derselben wider - steht ; damit er sich mit den fleischlichen Ä ? ollüsten besudelt , und durch die Erlangung überssüßigcr Reichthümer versin - sterr , ( welches der Baum des Erkenntnisses des Guten und sen aus denen zwoen Ursachen ist , die ich gesager habe , ) indem sie ihm zeiget , daß ihre Augen dadurch aufgethan werden den ; das heißt , daß sie dadurch viele dergleichen Dinge von der Art erkennen würden , die er iknen an diesem Baume des Gutcnund Bosen gezeiget , und die sie vorher nicht gekannt hat - ten : nämlich viele " zur Geilheit und zum Geize gehörige stigkeiten und Erkenntnisse , die sie vordem nicht wahrgenom - men hatten . Und sie hat gesäger , daß sie hierinnen Sen G6t - kern gleich werden würOen : das heißt , in einer reichen pflanzung . Denn wie Gort ein Verstand ist , und Sie Gimmel Sie hervorbringenden Ursachen der untern Creaturen sinö , also würSe ver Mensch , vermittelst Ser bestanvigen unO fleischlichen Betrachtungen , eine lange Nachkommenschaft zeugen . In die - sem Falle hat sich Ser weibliche körperliche Theil vurch Sen mannl . Verstand nicht allein , wie es billig hätte feyn sollen , nicht re , gieren lassen ; sondern er hat auch denselben in den Schlamm der körperlichen Dinge mir gezogen , da er mit ihm von dem verbothe - nen Baume gegessen : und hierauf sind ihre Augen unverzüglich aufgethan worden , aber nicht die geistigen oder des Verstandes Augen , denn diese haben sich vielmehr geschlossen ; sondern die Augen der körperlichen Phantasie , gegen die fleischlichen gei - len Begierden : und gleichwohl erkannten sie , daß sie nackend waren , : das heißt , sie erkannten den Ungehorsam der fleischli - chen Handlungen gegen den Verstand , und schafften dieserwe . aen ihren GeburrsglieSern Decken , weil sie der Vernunft und Xveisheit schändlich und zuwider waren .
Man kann in dieser Lehre Leons , des Hebräers , zweyerley tadeln . Das I ist : daß er ganz deutlich saget , es sey die erste Sünde der Eva eine Unkeuschheit gewesen : woraus er schließt , daß die Frucht des Baumes , die sie ihren Mann essen lassen , nichts anders , als die Reizung gewesen , ihrer zu genießen . Zum II leget dieser Scribent Gott eine seiner höchsten Voll - komenheit sehr unanständigeAufführung Key . Er sehet voraus , daß die Ver - einigung der beyden Geschlechter in dem erstenMenschen ein Stand der Un - sterblichkeit und des verstandlichen Lebens gewesen , welche die unselige Fer - tigkeit zu sündigen ausgeschlossen : und gleichwohl hat Gott diesen Stand bald verändert , damit er zwoen Schwierigkeiten abhelfen wollen , daß näm - lich der Mensch seinen Körper allzusehr verabsäumen , und sich der fleischli - chen Handlung enthalten würde , woraus die Zeugungen fließen . Gott hat diese zwo Unordnungen vorausgesehen ; darum hat er dasjenige ge , trennet , was er vereiniget hatte . Wäre eS nicht bester gewesen , konnte man zu diesem falschen Lehrer sagen , diese Geschlechter absonderlich zu bilden , als sie mit einander zu verbinden , und sie kurz darauf wieder zu trennen ? Sollte er ein Werk machen , bey welchem Mängel wären , die ihn bald nothigen müßten , dasselbe zu vernichten ? Und wenn Gott diese zwo Folgen der Vereinigung vorausgesehen : hat er denn die Folgen der Trennung nicht auch vorausgesehen ? , Hat er nicht vorausgesehen , daß die zwey Geschlechter , da sie der Sinnlichkeit unterwürfig geworden , durch die Stärke der Wollust zur Unordnung verleitet werden würden ? Waren diese letztern Schwierigkeiten nicht ärger , als die zwo andern , und brauchten sie wenigstens nicht ebensowohl einHülfsmittel , als diesel - ben ? Mir deucht , in dieser Aufführung die Aufführung derjenigen Richter zusehen , welche , da sie einen Gefangenen nicht förmlich in Freyheit stellen , noch im Gefängnisse behalten wollen , ihn mit der Wohlthat derlaxiori , cutioäise begnadigen , oder dem Stockmeister unter den Fuß geben , ihm Gelegenheit zur Flucht zu geben . Der weibliche Theil ist unter render Vereinigung mit dem männlichen unter einer so guten Aufsicht gewesen , daß er sich nicht von seiner Pflicht verirren konnte : man reißt ihn davon los , und setzet ihn in den Stand , sich seiner Freyheit zu be - dienen und dieselbe zu misbrauchen . Was würden wir wohl von einem Arzte denken , welcher Brand und Schnitt , vre er feca , anwenden wollte , diejenigen zu heilen , die den Wollüsten der Sinnen nicht genug ergeben wären , und dieselben nicht heilte , die denselben allzusehr ergeben sind ; der die Verachtung des Weins verjagte , und die Trunkenheit in Ruhe ließe ? Das heißt : wenn er sie nur mit Scheinmitteln angriffe , deren Unnützlichkeit er kennte und voraus sähe . Man muß also die Lehrsätze dieses jüdischen Schriftstellers , als abscheulich verwerfen *
* In der göttlichen Metaphysik des D . pordatsch findet sich in der Einleitung IX Cap . vom Falle der Menschen , im 6z § . daß Gott die Eva aus Adam , zu einem anständigen Umgange und zur Gehülfinn , allererst erschaffen : nachdem er sich selbst der steten Gegenwart des - Herrn unwürdig und verlustig ge - machet harre . Noch deutlicher saget er dieses im III Bande , Abth . vom Paradiese , V Cap . > ) § . „ Da nun Adam durch diese „ Untreue , ( daß er nämlich Gutes und Böses auseigenerErfah . „ rung wissen wollen , ) sich des gemeinsamen Umganges mit Gott ,
„ dessen er vorhin genoß , beraubte , da war eß nicht gut , daß der „ Mensch allein war , dagegen im Anfange alles sehr gut gewesen . So „ beschloß denn Gott ( NB . ) um Adams fernem Fall zu dern , ihm eine Gehalfinn zu machen , die für ihn bequem wäre , „ und also ließ er einen tiefen Schlaf auf ihn fallen ; und in seinem „ Schlafe ward die weibliche Tinetur von ihm genommen , woraus „ das Weib gemacht ward . Also erwachte er in der Zertheilung „ oder Zweyheit seiner selbst , der vorhin nur eine unzertheilte Es - „ senz in ihm selbst war . „ Nach dieses Lehrers Meynung also hat Eva an dem Falle Adams so wenig Schuld gehabt , daß sie viel - mehr zu einem Mittel dienen sollen , den sernern Fall des bereits einiger maßen gefallenen Adams zu verhindern . Gleicher Mey - nung ist die Jungfer Bourignon zugethau , als welche im neuen Himmel und Erde , im 177 § . des ; Briefes also schreibt : „ Der „ Mensch hatte keinen Feind , als den - Teufel , welcher , vor Ver - „ druß als unsinnig wurde , da er sah . wie Gott den Menschen er . . . schaffen , seine Lust mit ihm zu haben , und daß er ihn ( den Sa - „ tan ) von seinem Throne und aus seiner Gemeinschaft ausgestoßen , „ und den Menschen an seine Stelle gefetzt hatte , zc . Erstlich be - „ muhete er sich den Willen Adams und Evens zu verkehren , auf „ daß sie aus der Abhängigkeit Gottes ausgehen möchten : und er „ brachte es , NB . sö weit , daß Adam zu wanken anfing , und zwei - „ feite , ob er die Abhängigkeit Gottes verlassen wollte , um Gutes „ und Böses zu erkennen , und Gott selbst gleich zu werden Sie - „ he ! da war nun der Wille Adams alfobald verderbet , und in „ Untreue wider seinen Gott gefallen , doch bloß durch feine Gedern» „ ken , „ Außer dem glaubet sie im 178 § . daß Satan seinen An - schlag zu vollenden , sich eines Thieres bedienet , das an Gestalt dem Menschen am meisten ähnlich gewesen . Denn man müsse nicht denken , daß die Schlange ein solch häßlich Thier gewesen , wie wir sie itzo sahen . Sie wäre vielmehr gleich nach ihrer Schöpfung das schönste und anmuthigste Thier gewesen , das der Menschlichen Gestalt nnd Natur fast gleich gekommen , Hände undFüsse gehabt , und wie die Menschen geredet ; weil Gott sie , vor allen andern Thieren , zu des Menschen Lust geschaffen . Sie sey aufrecht gegangen , wie der Mensch , und nur darinnen geringer gewesen , als er , daß sie keine göttliche Seele und keinen freyen Willen gehabt : e . Was das erst - anlanget , daß Gott die Menschen nur erschaffen , um sich den Verlust der gefallenen Engel zu ersehen , worüber denn diese sehr erbittert worden : so besinne ich mich , daß die Jungfer Bou - rignon nicht die Erfinderinn davon ist ; oder es doch nicht zuerst gesaget hat . Es ist aus einem poetischen G - Hime entstanden ; dem es Milton in seinem verlohrnen Paradiese zuerst , so viel mir wissend ist , geträumet hat . Doch , ich will aus diesem die seltsame Beschreibung der Verführung , au« dem IX B . anführen . Sa - tan . der , in Gestalt einer Schlange , allerlei ) krumme Sprünge machet , Evens Auge auf sich zu ziehen , lecket , aus Schmeichele ? den Boden , worauf sie getreten war . Als sie dieselbe endlich blicket , hebt diese so an : Laß dich nicht wundern , höchstge - „ biethende Frau , ( denn sie halte die Nacht vorher schon beym Manne geschlafen ; und von dieser Versuchung sehr deutlich ge - „ träumet , ) wo dich je was wundern kann , demnach du das einzi - „ ge Wunder bist ; viel minder waffne deine Blicke , den Himmel „ der Müdigkeit , mit Zorn und Misfallen , daß ich dir also nahe „ trete , ich also alleine , und dich mit niemals satten Blicken anschaue , „ auch deine majestätische Stirne nicht gefürchtet habe , die noch „ majestätischer , da sie hier so abgesondert von Gesellschaft ist . „ Schönste Abbildung deines schönsten Schöpfers . ' alle lebendige „ Dinge gaffen dich an ; alle Dinge , die dein eigen und dir ge - „ schenkt sind , und verehren deine himmlische Schönheit , die ohne „ Entzückung nicht angeschauet wird : c . „ Als nun Eva die Schlange fraget : wie sie zur Sprache käme ? so versetzet diese : „ Ge - „ bierherinn dieser schönen Xvelt , Hellglanzende Eva zc . und „ erzählet , daß sie durch den Genuß der verbothenen Frucht so flu« „ geworden , welche über das so schmackhaft gewesen , als sie sonst „ nichts gefunden ic . „ Darauf trägt Eva ein Verlangen , den Baum näher zu kennen ; und der eingegeistere fAMuc XTHirm , Sie abgefeimte Natter hat sich erbotben , sie dahin zu führen worauf sie sich in schnellen Schüssen fortgerollet ic . Endlich laßt er die Schlange , nach dem Muster der arheniensischen Redner , eine recht affectuofe Rede zum Lobe der Fmchr halten , welche auch Even vollends nberredet . G . '
( ü ) Ein aufgeweckter Ropf hat ein Sonnet gemacht - , » sehr weltlich ist . ] Man sieht wohl , daß ich auf das berufene Sonnet ^m Sarrasin ziele , da Adam diese junge Schönheit sah . Der Beschluß ist nicht allein allzu saririsch wiver das weibliche Geschleckte , sondern auch von einer UngebundenlM , die bis zur Gotliosigkeit ausschweifet .
Mein lieber Charleval , die Wahrheit zu gesteh» .
So glaub ich , daß einmal ein Weib getreu gewesen :
Alleiii wer weis , ob wir auch dieses würden lesen ,
Däfern sie damals mehr , als einen Mann , gesehn .
Jedoch wir irren uns auch hierinn alle zwey ,
Denn war gleich Adam jung und stark von Lew »nd Kräften . Vom Gliedern schön und klug in Wesen und'Gcschäfften :
So hat sie doch das Wort , die listge Schmeicheley Des Teufels , der sie lockt , viel lieber hören wollen ,
Als daß sie eine Frau , und nicht verbichlt feyn sollen .
8 - rrstin Feef . P . 61 . pariser Ausgabe , von I6 ; 8 , in I - .
Die Eifersucht ist die - Hauptursache , welche die Manner veranlasset , zu sagen : daß alle Frauen Verbuhlt sind .
Man sollte denken , Sürrasin hätte dieses , unter währendem Anfalle einer rasenden Eifersucht , geschrieben , nachdem er ganz neulich ren . daß feine Liebste viel Höflichkeit gegen einige Zungferknechte ge - habt , die sie gelobt hatten : denn dieß ist eine von den Eigensinniakei - ten der Liebe . Eine Mannsperson ist niemals geneigter , auf die Wei - ber Überhaupt zu schmähen , als ivenn er weis : daß diejenige , die er lie - bet , und die ihn liebet , die Höflichkeiten fteniidlich anhöret , die ihr ande - re sagen , wenn sie sich mir ihnen allein befindet ; wenn sie sich ohne ihn , recht lustig machet , u . s . w . Wenn einmal eine Frauensperson ein Lie - LU } besver -

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