Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8498

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Eva .
Ihr seyd vom Götterchor , ihr seyd dabey gewesen , Wir aber wissen nichts , der Ruf laßts uns nur lesen .
In dem Artikel Cain widerlegen wir diejenigen , welche sagen , daß Eva nur zwey Kinder gehabt , da Abel erschlagen worden .
( E ) * : s und daß sie 940 Jahre gelebt . Z Fraget man mich nach Zeugen , so kann ich derselben drey geben , den Marianus Victor , den Genebrard und den Feuardent : ( Salian . Tom . I , pag . 231 . ) allein hundert tausend solche Zeugen würden unvermögend seyn , die Unge - wißheit einer solchen Sache zu vergangen , . Uebrigens sehe ich< ebendas . ) Schriftsteller , welche es der Mihe Werth halten , zu bemerken , daß Eva ungeachtet so vieler Schwangerschaften , und so vieler Kindbetten , unge - achtet der beständigen Herrschaft ihres Ehmanns , des Abels Todes , der Spaltung der Cainiten , und der bestandigen Bereuung ihres Fehlers den Adam zehn Jahre überlebt hat . Sie haben Unrecht in dieß Ver - zeichniß die Gewalt Adams über seme Frau mit einzuflicken ; denn wenn man ihn nicht für einen bösen Ehmann halten will , so kann man diese Gewalt als keine Sache ansehen , die der Eva das Leben zu verkürzen vermögend gewesen wäre . Dem sey , wie ihm wolle , so sollten sie die - ser Frau das beste Temperament von der Welt geben ; denn sie geben vor , daß , weil ihr Mann 930 Zahre hat leben und seinen Söhnen durch so viele Grade den Grund eines so großen Alters mittheilen können , ( dieß kömmt der Eva nicht weniger zu , als ihm , ) er von einer fthrstar - ken Leibeöbeschaffenheit gewesen seyn muß . Ihre lange Buße , sagen sie , und der Verdruß , daß sie so wohl für sich , als für ihre Nachkommen so viele Güter verlohren hatte , haben vielleicht ihre Leibesbeschaffenheit geschwächet : allein man weis nicht , daß er jemals krank gewesen wäre . Man mag die Sache drehen , wie man will , so wird dieß allemal ein Argument bleiben , »velches zeiget , daß der Even Körper besser beschaffen gewesen , als ihres ManneS seiner . Quantum porro fuerit Adami robur , quae firmitas laterum , quis neruorum vigor , quis contextus mufculorum docet , nötigen toruni et triginta annorum aetas , nulio quod fciatiir languore debilitata , eadeinque in nitiltoram faeculo - rum pofteros propagata ; ctfi fortaflls illain totius corporis firmita - tein nonnihil tarn diuturna poenitentia , tarn multiplex triftitia , de tot tantisque boiiis fibi fuisque amiflis , afflixerit . Ebendas . «09 S .
( F ) Einige glauben , daß , wenn sie diese Frucht nickt gekostet hatte , niemals Äiebe unrer den Heyden Geschlechtern gewesen feyn würde . ] Ich habe die Worte Augustins in der Anmerkung L ) angeführt , welche offenbar bezeugen , daß , nach ihm , die Bäter mit aller der Gelassenheit Kinder hervor qebracht haben würden , die unsere Ackers - leute empfinden , wenn sie ein Land besäen . Siehe den Magifter Sen - tentiarum in 19 . diftinct . fecund , und andere Schriftsteller beym Caspar a Reies Elys . iucund . Quaeft . Campo , Quaeft . XLII , num . 2 Man könnte ihnen einwerfen , daß die Thier ? im Stande ihrer Schöpfung ge - blieben sind , und daß sie gleichwohl von einer unglaublichen Hike getrie - ben werden , ihre Gattungen zu vermehren .
Inde ferae pecudes perfultant pabula laeta ,
Et rapidos tranant amnes . Lucret . Libr . I , v . 14 .
Dasjenige , was man libido , die Geilheit nennet , und das unreinste und heftigste , was man unter diesem Worte begreifen kann , zeiget sich augenscheinlich bey den Thieren , wenn sie das Liebesfeuer reizet ; aleich - wohl haben sie nichts gethan , was sie aus ihrem natürlichen Zustande versetzt hätte . Es scheint also , daß diese heftigen und mit einer Wol - tust vergesellschafteten Bewegungen , die gleichwohl der Vernunft unrer - werfen sind , nichts unvertragsameö mit dem Stande der Unschuld ha - ben . Augustin würde nicht ermangelt haben , sich hinter den Unterschie - den zu verschanzen , die man unter einer vernünftigen Ereatur , die nach dem Bilde Gottes geschaffen ist , und unter den unvernünftigen Thieren wesentlich antrifft ; und es würde sehr schwer seyn , ihn hinter einer chen Verschanzung zu überwältigen . Wir wollen ihn also daselbst in Ruhe lassen , und nur sagen , daß nichts nöthiger gewesen , als die Liebe in der Welt einzuführen : weil sich der Mensch seit dem Sündenfalle in dem Unvermögen befindet , dem Lichte der Vernunft richtig zu chen ; denn man kann nicht begreifen , wie das menschliche Geschlecht ohne dieselbe hätte bestehen können . Die Leidenschaften sind , in Absicht auf das natürliche Beste der Gesellschaften eben dasselbe , was die Buße in Absicht auf die himmlischen Güter ist , ein Brett nach dem Schiff - druche ; und da die Vernunft so schwach werden sollen , so hat man zu keinem bessern Nothnagel Zuflucht nehmen können , als das Uebel der Leidenschaften ist ; unter welchen die Liebe ohne Widerspruch die vor - mhmste und einigermaßen die Seele der Welt ist . Man sehe , was Lucrej in der Folge der oben angeführten Worte , davon saget :
Ita capta lepore
Tc fequitur cupide , quo quamque inducere pergis ,
Denique per maria , ac montes , fluuiosque rapacfs , Frondiferas que domos auium , camposque virentcs ,
Omnibus incutiens blandutn per peöora amoraiti ,
Efficis , vt cupide generatim laecla propagent .
Quae quoniam rerum naturam fola gubernas ,
Nec line te quidquam dias in luminis oras ,
Exoritur , neque fit laetum , neque amabile quidquam : Te Tociam ftudio fcribundis verfibus esse ,
Qiios ego de rerum natura pangere conor .
Lucret . Libr . I , Verf . 15 .
Man seh« , was von der Nutzbarkeit der Leidenschaften und Vorurtheile , durch MaimbourgS Tadler im II Bande seiner neuen Briefen von der 49 ? S - bis zur 57 - gesaget worden . Man sehe auch die Nouvellen von der Republik der Gelehrten im Herbstmonate it5s6 , lArt . 9S9S .
CG ) Die Rabbinen sagen , daß sick der Fürst der Engel in sie verliebt hatte . ] Sie nennen ihn Samael , und machen ihn zum Va - ter Cains , der nach ihren Träumereyen , nur von der Mutter Seite Abels Bruder gewesen ; uud sie erkennen hier dasjenige , was die Arzneykundi - gen eine Asterschwängerung ( fuperfoetatio ) nennen . Män lese gendes : Ingreditur ad Euam ( nempe Samuel ) equitans fuper fer - pentem , et grauidauit eam Caino ; dcinde afcendit Adam , et foe - oundauit eam Abele . Bartolocci Bibl . Rabbin . Tom . 1 , pag . 291 . da er
eine Stelle aus dem Ialkiit , Sect . Berefchit p . 26 . übersetzet . Der P . Bar - tolocci setzet dazu , daß sie sagen , es hätten alle Völker des ganzen Erd , bodens , nur die Iüden ausgenommen , ihren Ursprung dergleichen Eh« brucheu der Ehftau Adams zu verdanken . I^'on Samael folum cogno - nit Euam , fed et ferpens ipfe antiqtius cum Eua coiuit , ex cuius fe - mine omnes mundi nationes ( Itidacis exceptis ) prouenire dicunt . Ebendas . Sie machen sie auch zur Mutter vieler Teufel . Adamum intra fpatium centum triginta annorum Daemones procreafle ex Li - lith - . » Euam autem Daemonum concubitum per idem tem - pus appetiifle , ex qua Daemones nati funt , volunt . Ebendas . 222 S . Das allerseltsamste ist , daß sie alle diese Narrenpossen aus die Worte der heil . Schrift gründen , welche sie erbärmlich herum zerren , und auf eine sophistische Art erklären .
( H ) Niemand als sie hat die verliebte Flamme Adams auslas fcbcn tonnen : er haue alle andere Xvege vergeblick versuckt . ^ Wir wollen hierbey die Worte eines italienischen Mönchs gebrauchen . Ebendas . 7 ; , 76 S . Qlüd mirum , fi haec dicant ( nämlich 1 ) daß Adam Even noch denselben Tag erkannt , da er erschaffen worden : 2 ) daß sie vier Kinder empfangen , den Eain und'Abel nebst zwoen Töch - lern : 3 ) daß sie zur Vollziehung ihrer Ehe geeilt , weil ihre Aufführung in diesem Stücke allen Thieren eine Lehre und ein Beyspiel seyn sollen , an der Vermehrung ihrer Art zu arbeiten : 4 ) daß keine einzige Creatur dem Menschen in dieser Verrichtung zuvor gekommen : non coiuit alt - qua creaturarum ante primum hoininem . j quae minora aettiman - tur , cum de protoparente Adamo ita finilbe fentiant , vt etiam ipfum nefariae incontinentiae , quod referre pudet , infunulent ? In Ialkut Tom , I , num . 24 . ante Euae formationem omnia iuinenta , ferasqu« campi carnaliter cognouilTe aiunt his ver bis . . . dixlt R . Elea - zar , quid fibi vult , hac vice ? ( Vulg . hoc nunc ) Gen . II , sj . ad do . cendum , quod ingrejjus fuerat Adam fuper otnne iumentum et feram , neque ref igerata efi illius concupifcentia , quotisque copulata e ( l ei Eua .
D . r P . Bartolocci bemerket , daß es einige neuere Rabbinen giebt , wel - che sagen , daß man dieses in einem metaphorischen Smne verstehen müsse : allein er behauptet das Gegentheil , angesehen die letzten Worte quousque copulata eit ei Eua in dem buchstäblichen Verstände genom - men werden müssen , und der Gedanke des Rabbinen so deutlich wäre , daß man sich verwundern müsse , warum gewisse christliche Scribenten einen verblümten Verstand daraus erzwingen wollen . Salomen Iarchi in PoftillaGeneC über diesen Ort , fährt er fort , hat es nach dem Buch - staben verstanden . .
( I ) L . eo der - Hebräer bildet sick ein , daß der Mensch niemal« gesündiger harre , wenn die zwey Geschlechter , - * - niemals gerrenner worden waren . ] Leo der Hebräer setzet voraus , die Schlan - ge habe die Frau nicht bekriegen können , so lange sie mit dem Menschen vereiniget gewesen , noch den Mann in der Vereinigung mit der Frau . In der Philosophie der Liebe HI Gefpracf ) 616 bcy mir . Also ist das Vermögen zu sündigen eine Folge von der Thebing der zwey Ge - schlechter gewesen ; eine Theilung , die Gott zu guten Endzwecken gethan hatte , damit ein jedes von den zweyen Geschlechtern , dem andern in der Zeugung zum Gehülfen dienen sollte . Wir wollen etwas von den Allegorien sagen , die er auf der 6 , z S . diesem beyfüget . Er giebt vor , daß ein jeder Mann , und eine jede Frau , aus dem männlichen und weiblichen Theile zusammen gesetzt sind . Der Verstand ist der männli . che Theil , und die Materie oder der Körper ist der weibliche Theil . Diese zweenTheile sind anfänglich in gutem Verständnisse mit einander gewesen : das sinnliche weibliche körperliche Evesen ist dem man» lichen Verstände gehorsam und dienstbar gewesen : so daß nicl ? t die geringste Veränderung in dem Mensclien , und das Heben Ourcbaus recffanöig gerocsen . Ebendaselbst 619 © . Das Verboth , nicht von dem Baume des Erkenntnisses des Guten und Bösen zu essen , hat bedeutet , daß Adam seinen Verstand nicht auf - Handlungen dec Sinnlickrelt , ( 620 S . ) noch auf die Erlangung nützlicher Dinge wenden tollen : denn die sinnlichen , körperlichen und venveslichen Ge - genstände machen , daß der Verstand , der denselben allzusehr ergeben ist , materialisch und vergänglich wird , Has heißr der Straft und Verdammniß unterworfen . Ebend . 6» . S . jedoch , setzet dieser Jü - denlehrer dazu , hat Gort nicht erlaubt , daß der Gehorsam des kor - - perlicken weiblicken , Theils gegen den verstandigen mannlicke» beständig geivejen . Gott hat voraus gesehen , daß die Vereinigung diese« zweenTheile das ZLesen des Menschen ie mehr und mehr unsterblich uud vollkommen machen , an der andern Seite aber auch dem körperlichen und weiblicken Theile , sowohl in Ansehung . ihrer Personals in Ansehung der Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts , sehr nachtheilig seyn wür - de ; denn > ) wenn sick der Verstand in der Erkennmiß und SL . it - fce der ewigen und gorrlicken Dinge entflammet , so verackter er Sie Sorge für den Rorper und laßt ihn r»or der Zeit sterben . a ) Diejenigen , die feurig in verständlichen L»esckaulickkeiten sind , würden die korpcrlicke Äicbe verachten , und die geile Thar der Fortpflanzung fliehen ; so daß diese geisklicl ? e " Vollkommen - he»r örn . Untergang der menschlichen Gattung verursackenwür - Se . Dieserwegen hat Gott berathscklaqet , eine gemäßigte Thei - wng unter dem weiblicken sinnlicken Theile , und dem mannte imen oecffanölidnn Ihetle ; u macken , damit dieSinnlickkeit den - Verfiand zu einigen Begierden und korperlicken Handlungen re . , re , die , ur Erhaltung einzelner Rorper und zur Fortpflan - zung des menfcklicken Geschleckt« nörhig waren . Und dieses ists , roaö der £ett bedeutet , wenn er saget - es tff nickt gut , daß der ZTCensck allem fey7 ick will ihm eine Gehütsinn mackcn , sie um ihn sey , oder - hm gleich über ; das heißt , daß der weibliche sinnliche Theil dem verständlichen nicht solchergestalt folget , daß er ihm nicht «jni - gen Widerstand thun , und emigermaßen zu körperlichen Dingen , zur Hülfe einzelner Personen und der ganzen Gattnng ziehen sollte . Was den Schlaf betrifft , in welchen Adam gefallen , und unter welchem ihm Gott eine Ribbe genommen , um die Eva daraus zu bilden , so giebt unser tor auf der 62z S . vor , solches wolle sagen : daß die erste verstandlicke Xvacksamkeir und feurige Beftbarilickkeit Adams unterbrochen worden , und der Verstand angefangen hat , sick nack dem korper - lickenTheile ju neigen ; wie ein Mann nach seiner Frau , und ge - maßigte Sorge für denselben , als für seinen eignen Theil zu ha , ben , und nack der Zeugung semes gleicken , zur Erhaltung der Art : f> , daß die ^Heilung der mannlicken und weiblicken
halste .

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