Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8488

Eva .
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Siehe die folgende Anmerkung . II . Wollen wir auch das Widerspiel vermeiden . Es hat Leute gegeben , welche gesagt , daß Adam die Voll - Ziehung seiner Ehe fünfzehn , jawohl dreißig Jahre verschoben hätte . Andre treiben die Sache noch weiter , und behaupte» : e6 hätten Adam und Eva , um ihre Sünde zu beweinen , mit gemeinschaftlicher Bewilli - gung ihre Keuschheit nicht eher gebrochen , als nach Verlauf von hun - dert Jahren . Die Gründe , die dieses widerlegen , sind sehr gut ; man mag sie von derBedursniß , welche die Welt damals hatte , bevölkert zu werden , und von der Vollmacht , die sie dieserwegen von Gott erhalten hatten ; oder von den Neigungen hernehmen , welche ihr Alter , ihre Lei - besbeschaffenheit . nnd das erste Feuer ihrer Fleischeslust rege machen Mußten , Probabiliter cen5et Torniellus in Ännal Cain genitum eile mox poft expulfionem Adae ctEuae ex Paradifo , fcilicet primo anno Muncfi et Adae : tum quia Adam et Ena creati funt in ftatura cta ac habili ad generandum , tum quia polt peccatum mox acres li - bidinis et copulae ftimulos fenferunt , tum quia ipfi erant foli in Mundo , et per eos Dens volebat ftatim propagari et multiplicari toto orbe genns humanum . Cornel . a Lap . in Gen . IV , v . i . III . Diejenigen , welche sagen , daß Adam nicht den geringsten Theil an dieser Enthaltung von verschiedenen Jahren gehabt , ' sind Träumer , die nicht Werth sind , daß man sie höret . Sie setzen beym S Romuald , Abrege du Threfor Chronol , Tom . I , p . m . z ; , voraus , daß Adam hundert und fünfzig Jahre im Banne gewesen wäre , weil er von der verbothenen Frucht gegessen hätte , und daß er unter dieser Zeit mit einer Frau gele - bet , die , wie er , aus Erde gebildet gewesen , die sie Lilia nennen . Sie se - tzen dazu , daß er aus dem Umgänge mit dieser Frau Teufel gezeuget hät - re , und daß er endlich , nachdem die Zeit seines Bannes zu Ende gewesen , die Eva , die aus seinem Kopse entsprungen , geheirather , und Menschen mir ihr gezeuget . Diese Erzählung ist noch viel verwirrter , als diejeni - ge , die man in andern Büchern findet , ( siehe Heideggers Hiftor . arch . Tom . I , p . >68 ) daß nämlich Adam , welcher Buße thun wollen , sich von der Eva hundert und dreißig Jahre entfernet , und sich mit einer Frauen , Namens Lilitha , verbunden , von welcher er nichts als Teufel ge - zeuget . Diese Frucht ist einer so unregelmäßigen Buße anständig ge - wesen . Allein an der andern Seite gedenket Epiphanius Haeref . XL , einer Secte von Ketzern , welche gesagt , daß der Teufel mit der Eva zu thun gehabt , als wie ein Ehmann mit seiner Ehftau , und mit ihr den Cain und Abel gezeugt hätte . Man sehe oben die Anmerkung ( G ) . Dieß sind Widervergeltungen : Adam verläßt die Eva , um mit einer andern Frau Teufel zu zeugen , und der Teufel findet sich zu der Eva , mit derselben Menschen aus die Welt zu bringen . I V . Allein der gottlose und ruchlose Jrrthum derer , ist vornehmlich zu verdammen , welche sa ? gen . daß der Baum des Erkenntnisses des Guten und Bösen nichts an - ders gewesen , als die Wollust der Liebe : woraus sie schließen , daß der Fall unserer ersten Eltern von Seiten der Frau nichts anders gewesen , als die Begierde nach dem Verluste ihrer Jungferschaft , und von Seiten des Mannes , nichts anders , als die Erfüllung dieser Begierde . Eorne - lius Agrippa ist nicht der erste , der diese Thorheit vorgebracht hat : die Cathari , die Manichäer , die Priscillianisten , die Basilidianer hatten sie schon lange zuvor aufs Tapet gebracht . Siehe den Hadrian Beverland de Peccato Orig . 44 , 4 ; S Und es scheint aus dem Buche des Grafen von Gabalis , daß dieß einer von den Lehrsätzen der Cabbale gewesen , und daß dieLehrlinge undAdepten derselben dieHistorie der Versuchung nicht anders erklären . Der " weise entwickelt diese keuscke Figuren gaw leicht» saget dieser Schriftsteller : wenn cr sieht , daß der Gesckmack und der Mund der Eoa nickt gestrast worden , und daß sie mit Gcl , merken qebohren , so erkennt er . daß der Gesckmack nickt» verbrochen hat : und da er durck die Sorgfalt , die die ersten Sünder gehabt , gewisse ( Detter ihres L . eibe« mir Blattern 5» be - decken , verratb , welches die erste Sünde gewesen ; so schlieft er , daß ©ott die Vermehrung der Menschen durck diesen sckandli - eben rvcg nickt gewollt hat . Robert Fludd sah sich also wohl vor , daß er sich von dieser abgeschmackten Meynung nicht entfernte . Iacob . • Mollerus in Tradl . de Hermaphr . C . VI , p . 176 . Grauiter errauit Cornelius Agrippa in declamat . deOrig . fcccati , et Robertus Find , fub nomine anagrammatifato Rudolphi Otreb , in Traft . Theologico - Pbile - fopbico , de vita , tnorte et refurreftione , Hb . II , c . 2 et 3 , dum tradunt , primum et originale peccatum aliud nihil fuifle , quam copulam car> nalem viri mulierisque , et nulluni alium Daemonem Euam tentafle arbitrantur , quam illum , de quo ait lob , cuius virtiis eft in lumbis et in vmbilico poteftas . A qua etiam opinione non plane alienus videtur Philo Iudaeus de ofific . mund . fol . z6 et feqq . Siehe in der Anmerkung ( I ) dasjenige , was aus dem Leo dem Hebräer angeführt wird . Wenn man zugeben wollte , daß etwas figürliches in des Moses Erzählung wäre , so würde man eben so ungewiß seyn , ob man es in Ab - sichr auf die Ordnung der Zeit , nach dem Buchstaben nehmen müßte . Nun ist es unstreitig , daß die erste Beywohnung Adams und Evens in der b . Schrift erzählt wird , als wenn sie auf dasUrtheil gefolgt wäre , das Gott wider ihr Verbrechen ausgesprochen hätte . Reyßenius hat die Fabel dieser Freygeister gründlich widerleget . In iulta deteftatione fcele - rati Libelli Adr . Beucrlandi . Man sehe auch Polygam , triumphat . p . u . s . f . Saldeni Otia Theol . p . 59 ; u . f . f . Dieß sind vier Unwahr - heilen über einen Punet .
( L ) Dieß ist kein notbwendiger Beweis , als wenn solckes mit dem Stande der Unsckuld unr>ertraqlick gewesin . ] Verschiedene alte Väter , die von den Vorzügen der Jungferschaft allzusehr einge - nommen gewesen , haben vorgegeben : ( siehe den Salianu« im IBande aus der 174 S ) daß der Mensch , wenn er im Stande der Unschuld geblieben wäre , sich in keine Ehstandspflicht eingelassen haben , und die Vermehrung des menschlichen Geschlechts auf eine ganz andere Art er - folgt sevn würde ; allein der heil . Augustin , de Ciuit . Dei Libr . XIV . cap XXI it . f hat das Gegentheil mit mächtigen Gründen unterstu - fcet • denn kurz der Segen Gottes , die Verordnung sich zu vermehren , und der Unterscheid der Geschlechter sind Dinge , die vorder Sünde her - gegangen sind , und es würde ungereimt senn , wenn man sagen wollte , daß die Sünde ausdrücklich nöthig gewesen wäre , damit die men , chli - che Zeugung Gott die Anzahl seiner Auserwählten verschaffen möch - te . Ebenders . XXIII Cap . Es ist wahr , der heil . August . » g'ebt zu , daß die Zeugung in dem Stande der Unschuld ohne die germgileEin - Mischung der Leidenschaften und ohne Verlust Kr ÄungferckM ge - scheken seyn würde ; und daß die natürlichen Gliedmaßen lediglich der I I Band .
Vernunft unterthänig gewesen seyn würden : so daß , nach ihm , die Em« pörung dieser Glieder die allernächste und unmittelbarste Folge des Un - gehorsam« unserer ersten Aeltern gewesen , wie es aus der Schamhaft tigkeit erhellet , mit welcher sie sogleich überfallen worden , und welche sie genöthiget , sich Schürze zu machen . Voluntati membra illa ( inPa - radifo ) vt caetera cunöa feruirent . Ita genitale aruuin vas in hoc opus creatum feminaret , vt nunc terra in manus . Ebendas . minaret igitur prolem vir , fufeiperet foemina genitalibus inembris , quando ia opus eilet , et quantum opus eilet voluntate motis , non libidine coneitatis . Ebendas . XXIV Cap . Ita tunc potuifie vtero coniugis falua integritate foeminei genitalis virile fernen immitti , ficut nunc poteft eadem imegritate falua , ex vtero virginis fluxus menftrui cruoris emitti . Ebendas . XXVI Cap . Es scheint , daß ge - wisse Rabbinen dieses einer natürlichen Eigenschaft der verbothenen Frucht zugeeignet haben : die mechanischen Grundsätze der neuen Phi - losophie wurden ihnen leicht etwas varbiethen , womit sie diesen Gedanken vertheidigen könnten . Diese Lehrer setzen beym RivinuS auf der 117 u . f . S . darzu , daß die Wissenschaft , welch« der Versucher unsern ersten Aeltern vermittelst die>er Frucht versprochen , darinnen bestanden : daß sie Lust bekommen würden , sich zu galten , die einzige Sache , die ihrer Erkennt - Nlß noch gemangelt . Vnicam rem ignorauit , coi . u . n nempe . Aben Efra beym Rivinus pag . 127 . Da jehe man / w . e ihnen dieser Baum die Augen eroffnen sollen : Adam sollte die Schönheit seiner Frau wahr - nehmen , aus welche er bisher nicht die geringste Acht gehabt ; weit er allzusehr mit den Dingen des Verstandes beschäfftiget war : und sie soll , ten einer an dem andern die Glider betrachten , die zu den Verrichtun - gen des Ehstandes bestimmet waren . Diesem zu Folge sollten sie andre Menschen hervorbringen , und Gott , in dem Vermögen , neue Wesen zu schassen , gleich werden . Kann wohl eine größere Gottlosigkeit , als diese , gesehen werden , die man im Abarbanel , beym Rivinus auf der 129 S . findet ; daß Gott nämlich ans Eifersucht gegen den Menschen , und weil er der einzige seyn wollen , der schaffte , von dem Baume zu essen verbo - then , der die Kraft zu zeugen mircheilte' ! Die Rabbinen deuten das Sprüchwort hierauf : Figulus tigulo inuidet , faber fabro : und einige darunter behaupten , ebendas . auf der 126 S . es habe Adam sehr wohl gethan , daß er von der verbothenen Frucht gegessen ; weil der Mensch ohne dieses wie ein Vieh gewesen seyn würde , da er weder Gutes noch Böses unterscheiden können , und'vor dem Viehe nichts , als die Spra» che , voraus gehabt hätte . Der gelehrte Maimonides hat diese Alber , keil widerleget . Es scheint , daß diese Leute geglaubt , als wenn die Maschine Adams und EvenS so eingerichtet gewesen , daß sie nöthig ge - habt , daß die geistigen Theile der Frucht darinnen einige Berstopfuu - gen eröffneten ; in deren Ermangelung sie allezeit unempfinlich und un - vermögend gewesen seyn würden , wie diejenigen , deren der Titel de fri . gidis et maleficiatis gedenket .
( D ) Man hat vorgegeben , daß sie - - - jedesmal mit ei - nem Sohne und mit einer Tochter ins X3Dockenbette gekommen . ] Es giebt Leute , welche geglaubt , daß Cain nnd Abel Zwillinge gewesen ; allein man kann das Gegentheil leichtlich durch des Moses Erzählung beweisen . Dieß ist auch nicht die gemeinste Meynung . Man will lie - der behaupten , daß sie jedesmal mit einem Sohne und mit einer Toch - ter niedergekommen ; und dann setzet man voraus , daß diejenige , die mit dem Cain gebohren worden , den Abel , und diejenige , die mit dem Abel gebohren gewesen , den Cain geheirathet hätte , und >0 die andern auch . Man sehe Heideggers Hill . Patriarch . Tom . I , pag . 169 , 198 Man will hierdurch , so viel möglich , die Blutschande vergringern . Al - lein weder hierzu , noch aus einem andern Grunde war es nöthig daß die Zwillinge von verschiedenem Geschlechte seyn mußten ; denn wenn Eva das erstemal mit zween Knaben , und das anderemal mit zweyen Mägdchen niedergekommen wäre ; so hätten die Heirathen eben sowohl , und ohne größere Blutschande , als bey der ersten Meynung , geschehen können . Dem sey aber , wie ihm wolle , so hat sie nach dem Inhalte der gemeinsten Meynung einen Sohn nebst einer Tochter gebohren : und man hat uns auch berichten wollen , wie diese Töchter geheißen ha - ben . Die Zwillingeschwester CainS hat nach dem Cornelius a Lapidc in Genefin , pag . Ys . Calmana , oder nach dein Comestor beym Salian , pag . 178 . Caimana , oder nach dem Methodius beym Rader , Not . in Chron . Alexandr . welchen Salian pag . 17 ; , angeführt , Debora ; oder nach dem Saidus Patricides , beym Heidegger Tom . I , p . 169 . Arnim geheißen : Abels feine hatDelbora nach dem Cornelius a Lapide , an ae - meldtem One , oder nach dein Saidus , wie oben steht , Awina geheißen Der h . Epiphanius gedenket in der z ? Ketzerey , der Azura undSava , alS zwoer Töchter Adams , ( siehe Heideggern ebend . und den Salian p . - sz ) und saget , daß Sava CainS Frau gewesen . CedrenuS und etliche ander« geben Adams ältester Tochter den Namen Asua , und machen sie zu Latus Frau . Nach dem Tostat geben die Rabbinen dem Cain zwar seine Zwil - lingSschwester zur Frau , allein sie heißt Calmana . Siehe die Anmerkung ( F ) des Artikels Adel . Diejenigen , welche sich unterstanden haben , dergleichen besondere Umstände zu bejahen , verdienten zurZüchtigung ihrer verwegenen Leichtgläubigkeit , in noch viel größere Veränderungen zu fallen , als die« jenigen sind , die wir an ihnen bemerken . Die Sprachenverwirrung muß der Lohn einer allzutollkühnen Unternehmung seyn : allein was für eine Tollkühnheit ist es nicht , wenn man bis weit über die Sundfluth hinaus , und bis zum Ursprünge der Dinge , ohne Beyhülse eines gen Geschichtschreibers durchdringen will , den wir noch übrig haben ? Man würde viel eher den Thurm zu Babel bauen , als daß man den Namen der Töchter Adams so weit her finden sollte . Dieses und noch viele andere Dinge betreffend , sollte man sich lediglich an des Moses Text halten . Man sollte nur dasjenige suchen , was man in denen vom heil . Geiste getriebenen Seribenten finden könnte . Sie allein wußten die Sachen : alles übrige sind Mahrchen . Man sollte ihnen dasjenige sagen , was die alten Poeten zu den Musen sagten : Ihr müsset diese Sacken wissen , wir muflen sie lernen :
Et meminiftis enim diuae , et memorare poteftis ,
Ad nos vix tenuis famae perlabitur aura .
Virgil . Aeneid . Libr . VII , verf . 645 . eine Nachahmung der Stelle aus Homers JliaS im II B . v . 485 .
tW« yltg äsxl In ittttni ti hi rs frivrx ,
H'lUit ü xAfo« ciov «Ktfe / Xiy uSi rt li / uv .
Vos enim deae eftis , adeftijque feitisque oumia ,
Nos autem famam foluin audimus ueque quicquaiu feinuu .
211 - Ihr

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