Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8470

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übler ausgesonnene Ungereimtheiten vorgeben ? Würde ein Versucher . der diese BewegungSurjachen gehabt , die Frau den Apfel in Abwesenheit ihres Mannes essen lassen ? III Wenn wir den Abarbanel , beym Rivi - nus ausder y ; u . f . S . glauben wollen , so ist die Schlange , nur vermit - relst der Übeln Folgerungen , Versucher gewesen , die man aus ihrer Auf - fährung gezogen hat . Sie hat nicht den geringsten Vorsatz gehabt , Böses zu chun ; sie hat nicht ein einziges Wort zu der Eva gesagt , sie hat nur die Geschicklichkeit gehabt , welche den andern Thieren gefehlt , auf den Baum des Erkenntnisses des Guten und Bösen zu steigen , und von dessen Frucht zu essen . Eva , als sie gesehen , daß es ihr nicht schadete , hat daraus geschlossen , daß sie nichts von diesem Baume zu besorgen hätte , und hat ohne Furcht , davon zu sterben , von demselben gegessen . Heißt dieses nicht die Schrift noch mehr verachten , als Eva das Geboth ver - achtet hat ; wenn man eine Erzählung so auslegt , wo so ausdrücklich von einem Gespräche zwischen der Schlange und der Frau geredet wird ? IV . Einige alte Ketzer Haben geträumt , daß die versuchende Schlange eine Kraft gewesen , die Jaldcibaoth unter der Gestalt einer Schlange , hervorgebracht . Tertullianus , de Praefeript . adit . Haeret . cap . XLVII . Epiphan . HaercC XXXVII . Diesen Jaldabaoth hatte es verdrossen , daß eine größere Gottheit als er , den Menschen gehend gemacht , der zu - vvr nur ein Wurm gewesen , und daß er ihm die Erkenntniß höherer Gottheiten gegeben hat ; denn Jaldabaoth hätte gern für den einzigen wahren Gort gehalten seyn wollen . Also hat ihn der Verdruß ver - mocht , die Schlange des Paradieses hervorzubringen , deren Worte Eva Glauben gegeben , als wenn es das Wort des Sohnes Gottes gewesen . Diese Keker haben eine sehr große Ehrerbiethung gegen die Schlange gehabt : denn dieselbe , sagten sie , hat dem menschlichen Geschlechte die Erkenntniß deö Guren und Bösen mitgetheilt , da sie die Frucht genom - men . Man hat sie Ophiten genennt . V . Sie haben ihre rasenden Träumereyen noch weiter getrieben , wenn wir hierinnen den« h . Augu - ( tindeHaeref . cap . XVII , glauben wollen ; denn sie haben vorgegeben . eS fey die versuchende Schlange gar Jesus Christus gewesen : und djeserwe - gen haben sie eine Schlange gefüttert , welche auf das Wort ihrer ster sich auf ihre Altare geschlichen , und sich um ihre Opfer geschlungen , dieselben beleckt , und sich darauf wieder in ihre Höle verkrochen . Sie betreffend , so haben sie geglaubt , daß damals Jesus Christus gekommen , ihre Oblaten zu' heiligen , und darauf die Communiou gehalten . Die wahrhaftigste Meynung , daß nämlich Eva von dem Teufel , der sich un - rer dem Schlangenkörver versteckt , verführt worden , ist durch die Frey - heit , die sich der menschliche Witz genommen hat , mit tausend Erdich - tungen verbunden worden . VI . Denn es giebt Rabbinen , ( stehe den Rivinus auf der 43 , 44S . ) welche sagen , eS habe sich Sammael , der Fürst der Teufel , auf eine Schlange zu Pferde gesetzt , die so groß als ein Kameel gewesen , und sich in diesem Aufzuge der Eva genähert , um sie zu versuchen . VII . Es giebt einiqe , welche sagen , ( ebendas 7z S . ) es habe dieser Versucher daraus große Vortheile gezogen , weil Eva das Berboth nicht mit eben denselben Worten vorgebracht , mit welchen ihr Gort das - selbe gegeben . Gott hatte ihr verbothen , von dem Baume des Erkennt - nisses des Guten und Bösen zu essen ; allein Eva sägte zur Schlanzes habe ihr Gott verbothen . von diesem Baume zu essen und ihn ren . Da sie nun nahe bey diesem Baume vorbey gegangen , so hätte sie die Schlange ergriffen , und wider diesen Baum gestoßen : und nachdem sie ihr vorgestellt , daß sie deswegen nicht gestorben wäre , daraus gefol - gert , daß sie eben so wenig davon sterben würde , wenn sie auch gleich da - von gegessen hätte . Einige Kirchenväter und einige neuere GotteSge - lehrten , als Ambrosius de Paradifo , im XII Cap . Rupertus de Trinitate , im III B . Cajetanus Pererius , Calvin , Oeeolampadius , Luther , hard , beym RivinuS auf der 7z , 74S . verdammen die ( £va wegen ihrer wenigen Richtigkeit , in Erzählung dessen , was ihrGott gesagt hätte ; und mai» kann sage»» , daß dieses eine böse Vorbedeutung , für das Gedächmiß des Menschen gewesen . Vermutlich ist dieses das erstemal gewesen , da man dasjenige einem andern wiedergesagt , was man hatte sagen hö - ren : Man hat viele Veränderungen darinnen gemacht , und man ist gleichwohl noch in dem glückseligenSrande der Unschuld gewesen . Muß man sich denn verwundern , daß der sundige Mensch alle Tage ungetreue Erzählungen machet , und daß eine Sache in einigen Stunden nicht aus einem Munde in den andern geht , ohne daß sie verunstaltet wird ? Die - ses sey im Vorbevgehen gesagt , wie auch dasjenige , was ich darzu setzen will ; nämlich , daß es qewisse Schriftsteller giebt . die da wollen : daß Eva dieß Verbock ) nur aus Adams Erzähluug gewußt , und daß Adam es ihr für seinen Kopf weiß gemacht , es wäre ihnen auch nicht einmal erlaubt , den Baum anzurühren ; daß er ihr , sage ich . solches weiß gemacht , um sie desto vorsichtiger zu machen . Unnützliche Vorsicht ! VIII . Einige ( beym Rivinus auf der 103 S ) verneinen , daß die Schlange mit der Eva geredet ; sie hat sich zu verstehen gegeben , sagen sie , entweder durch ihr Zischen , oder nur durch einiges Zeichen ; denn zur selben Zeit hat der Mensch die Stimme aller Thiere verstanden . Cajetan ( ebend . 104 S . ) hat bey der Versuchung der Eva . die Dazwischenkunft der Stimme nicht erkennen wollen , er will , daß sich die Schlange nur innerlicher Eingebun - qen bedient habe . IX . Ein Rabbine , Namens Lanjado , hat über den Ausdruck , ihr wervek des Todes slcrben , dermaßen geklügelt , daß er geglaubt , die Schlange habe vorausgesetzt , daß er die Drohung eines doppelten Todes enthielt , davon dereine von der verbothenen Frucht selbst , und der andre von dcm Verbothe davon zu essen abhängen sollte ; oder auch , daß einer durch das Holz des Baumes , der andre durch die Frucht verursacht werden sollte . Hierauf hat die Schlange vermittelst einer rechten sophistischen Einkleidung , und als wenn sie die Lügen zum Besten der Zweydeutigkeiten vermeiden wollen , geleugnet , daß diese Drohung in Absicht auf das Holz des Baumes von einiger Wirkung seyn konnte : sie hat also die Eva überredet , das Holz zu kosten ; und wie sie darinnen einen angenehmen Geschmack gesunden , so hat sie geschlossen , daß die Frucht noch , etwas viel besser« seyn würde , und also davon gegessen . Ihr Grübler der h . Schrift , ihr würdet weniger zu tadeln seyn , wenn ihr eure Muße in den chemischen Grübeleyen miSbrauchret , um daS Ge - spenste eines Steins der Weisen zu suchen . IX . Mau hat gedichtet , daß sich die Schlange das Gesicht eines schölten Mägdchens gegeben1 , da sie die Eva versuchen wollen . Nieolas von Lyra gedenket dieser närrischen Phantasey beym Rivinus auf der letzten Seite , und man sieht in den deut - fchen Bibeln , die vor Luthern gedruckt worden , unter andern Figuren auch das Bild einer Schlange , die ein sehr artiges Frauenzimmergesicht hat : Definit in pilcetn mulier forniofa fuperne .
Horat . de Arte Poet , verf . 4 .
Die Sirenen sind auchMisgeburten gewesen , deren oberer Theil einem Frauenzimmer geglichen . Ihre betriegliche und verrätherische Stimme könnte sehr wohl mit der Stimme dieser Schlange verglichen werden ; allein wollte Gott , daß Eva dasjenige gethan hätte , was man vom Ulys - ses gesagt hat . Sie hat den Reden dieses Verführers allzuviel hört : Man darf dieserwegen allen den schönen Complimenten nicht viel Glauben beylegen , welche Alcimus Avirus von beyden Theilen darzwi - schen kommen laßt ; Siehe dic Nouvcllen von der Republik der Gelehr - ren im Heumonare * 686 , 764 S Man hat daselbst einiqe Fehler des Garasse aufgedeckt . Dem» nach dem Moses ist diese große Sache mir wenigWörten gethan gewesen . Niemals ist irgend eine Unternehmung von so großer Wichtigkeit gewesen : es betraff das Schicksal des ganzen menschlichen Geschlechts auf alle zukünftige Zeilen ; die ewige Glückse - ligkeir oder die ewige Verdammniß aller Menschen hieng davon ab , alle die Thorheiten und alles das lächerliche des gegenwärtigen Lebens unge - ' rechnet ; und gleichwohl ist niemals eine Sacke so geschwinde zuMEnde gekommen . Vielleicht hat der Teufel niemals den Menschen so gutei» Kaufs gehabt .
Xvie geringe der <£ua XViOcvfianÖ gewesen .
Vielleicht haben die strafbaren Gedanken der Privatpersonen , die von keiner Wichtigkeit gewesen , ihm allezeit mehr gekostet , als derjenige , wel - cher den Ausspruch für die ganze Welt rhat ; und man muß bekennen , daß die beyden Köpfe , welchen Gott das Heil des menschlichen Ge - schlechtes in Verwahrung gegeben hatte , daüelbige weniger als nichts bewahrt : Sie haben fast ohne Kampf dem Feinde den Platz geladen ; und an statt daß sie sich für eine kostbare Beylage so sehr schlagen sollen , als sich der sündige Mensch für seine Religion und sein Vaterla nd schlägt , pro ans et focis , so haben sie weniger Widerstand gethan , alsein Kind , dem man seine Puppe . nehmen will . Sie haben gehandelt , als wenn es nur eine Stecknadel beträfe : fic erat in fatis ! Iedock wir wollen uns wohl Hilten , zu glauben , entweder , daß Moses diese Erzäh - lung allzusehr abgekürzt , oder diesen kläglichen Zufall nach dem Geiste der Morgenländer . unter der Hülle einiger Fabeln versteckt hätte . Dieß hieße den Nutzen unsrer Grundwahrheiten allzugroßer Gefahr unrcrwcr - werfen , und bey allem diesem müssen die große Unschuld der Eva , und ihre Unerfahrenheit in allen Dingen , die Verwunderung über ihren kurzen und schwachen Widerstand vermindern . Es ist nichts bessers zu verhin - dern , daß man nicht betrogen wird , als wenn man außerordentlich boö - haftlg uud betriegerisch ist . Redliche Leute gehen am ersten ins Netz .
Wer zuln Betriegen ungewohnet .
Der wird durch alle sein Bemühn ,
Der Arglist Netzen nicht entfliehn :
Ein redlich Herz , das jeden schonet ,
Sucht auch bey andern keine List ,
Davon es ftey und ledig ist .
Dieß ist also ein unendlich mehr nützlicher als rühmlicher Sieg gewesen , den der Teufel über das erste Weib erhalten hat ; uud man konnte ihn und die Schlange , die er zum Bcystande gehabt , fast also anreden :
Egregiam vero laudem et fpolia ampla refertis ,
Tuque puerque tuus , magnumet memorabile nomen , Vna dolo diuum fi feemina vifta dnorum eil .
Virgil . Aeneid . Lib , IV , v . 93 .
Denn was uns ein neuerer Schriftsteller vorstellet , daß die guten Engel zwischen einem in allen Dingen erfahrnen Teufel , und einer erst erschaf - fenen Frau , die noch ni«ma ! s die Sonne weder auf noch untergehen ge - sehen , die Partey nicht ungleich gelassen haben würden , verdienet keine andre Antwort , als daß ein solcher Grund , da er zu viel beweist , gar nichts beweist . Quod fi hoc totum , saget Durnet , Archaeol . p . 441 , amsterdamer Ausgabe 1694 , ab infeitia et imbecillitate nuilieris pro - uenirte dixeris , aequum vtique findet ignauac et imbecilli foemi - nae fnccurrilTc ex altera parte bonos angelos . Aequi fpeclatores rerum humanarum haud tuliflent tarn imparem congrcdiim . Quid enim , Ii dolo mali Daemonis multifcii et in rebus verfatilfimi vi6Va fiterit imbellis foemina , quae Solem nondum orientem et occiden - tem viderat , recens in lucem edita , et rerum omniutn inexperta ? Meruit certe tarn charam caput quod annexam tibi tenuit humani generis falutem ; meruit , inquam , cuftodiam angelicam .
( B ) Adam hat sie nicbt eher erkannt , als bis sie aus dem ( Bar« ten Eden gesagt rr>orden . ^ Bloß diejenigen Leute , die ihren Einbil - düngen mehr unterworfen sind , als dem Anjehen der h . Schrift , können leuguen , daß Adam und Eva nicht als Jungfern aus dem Paradiese ge - kommen waren ; und Cornelius a Lapide beschuldiget die Protestanten mit Unrecht , daß sie es leugneten . Ueber das I Buch Moses IV , 1 . Siehe Heidegger Hüter . Patriarchar . Tom . I , p . 168 . I . Ich verweift also diejenigen in das Land der Fabeln , welche sagen , daß Cain im irdi - schen Paradiese empfangen , und Eva gleich nach ihrer Erschaffung zur Frau geworden ; weil Adam , so bald er sie gesehen , nicht den geringsten Aufschub gebraucht , ihrer zu genießen . Der Urheber der sibyllinischen Verse behauptet , daß der Mangel aller Schamhaftigkeir eines von den Vorrechten der Unschuld gewesen ; der Mensch hätte in diesem Zustande die ehliche Pflicht bey Hellem Sonnenscheine , und so ftey , als die Thiere , verrichtet : x«i «'< iij £Wxov U * d cxontfei . Lucc palam vul - go coeuntcs , more ferarum . Lib . I , p . 4 ; , Ausgabe des GalläuS . Allein dieß ist ein apokryphischer Schriftsteller , und nicht glaubwürdig . Die Rabbinen , ( beym Rivinus de Serpent . Seduft . p - »7 ) welche die Uu - Verschämtheit gehabt , vorzugeben , daß sich die Schlange in Even verliebt , da sie dieselbe mit ihrem Ehmanne im Werke selbst gesehen ; und daß sie nach diesem Anblicke den schändlichen Anschlag gemacht , sie zu verführen , sind noch unerträglicher , als die erdichtete Sibylle , und die andern Rabbinen , welche gesagt haben : daß Adam unter währendem Gejprache der Eva mit der Schlange , geschlafen , und zwar deswegen , um von diesen ehlichen Frohndiensten auszuruhen . Ebendas . 77 , 78 S . Diese letztern Rabbi - nen sind gewiß höchst ungereimt . In der folgenden Anmerkung wer - den wir noch andere derselben schen , welche , doch nicht ohne Vermeidung der Tranmerey , die Sache bekräftigen , die wir hier mit einem Kirchen - vater ( Hieron . Lib . I , in Iouin . ) behaupten : daß nämlich Adam nicht eher an die Vollziehung seiner Hochzeit gedacht , als bis er nicht mehr im Paradiese gewesen : Nuptiae terram replent , virginitas paradifum .
Sieh«

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