Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8465

Eva .
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Ich habe dieses bereits in der Anmerkung ( I ) des Artikels Abderama ten Worten betrogen , wo er saget , daß Carl Martel den Eudes des Lebens
widerlegt . Und Königreichs beraubet . Fredegarius erzählet die Sache viel richtiger :
( ? ) iLr iß vor Verdruß in eben demselben Jahre gestorben . ^ er saget , daß Carl , nachdem er des Eudes Tod erfahren , Rath gehalten ,
Der Jahrbuchsckreibcr von Fulda hat sich betrogen , wenn er seinen Tod über die Loire zurück gegangen , bis an die Garonne fortgerückt , Bl«e
ins 72» Jahr setzet . Nhegino hat sich auch in den hier oben angeführ - erobert u . s . w .
Em , Adams Ehftau , ist von ihrem Ehmanne so genennet worden , weil sie die Mutter aller Lebendigen werden sollen " . Sie ist aus einer Ribbe Adams gemacht , und demselben zugeführt worden , damit sie seine Ehgattinn seyn sollen K Gott hat ihnen den Segen gegeben , und ihnen befohlen , fruchtbar zu fl - yn , sich zu mehren , unt> die Erde zu erfüllenc : und gleichwohl hat Adam nicht eher an seine ehliche Pflicht gedacht , als bis er lind seine Frau das Verboth übertreten hatten , das , ihnen von Gort gegeben worden war . Es war Eva , die der Verordnung Gottes am ersten ungehorsam gewesen . Sie hat sich durch die Lügen und schönen Versprechungen der Schlange bekriegen lassen ( A ) , und hierauf hat sie ihrem Manne angelegen , demselben gleichfalls ungehorsam zu seyn . Die Beschwerlichkeiten der Schwangerschaft , die Geburtsschmerzen , und die Unterwürfigkeit gegen ihren Mann , waren die Strafen , wozu sie Gott verurtheilete . Adam hat sie nicht eher er - kannr , als bis sie aus dem Garten Eden gejagt worden wareii ( Ii ) . Dieß ist kein notwendiger Beweis , daß dieses sich mit dem Stande der Unschuld nicht zusammen gereimt ( C ) . Sie haben viel Kinder gehabt , darunter Cain das erste war , Abel das andere : den Seth betreffend , so ist er nicht eher zur Welt gekommen , als bis Abel vom Cain erschlagen war . Hieran darf man nicht zweifeln , weil es das Wort Gottes saget : weil es aber nichts mehr saget , so kann man auch von den andern Dingen , die man , die Eva betreffend , vorgegeben hat , so viel halten , als man will . Zum Exempel , daß sie alle Jahre d , und jedesmal mit einem Sohne , und mit einer Tochter ins Wochenbette gekommen ( D ) , auch wohl noch mit einer größern Anzahl von Kindern von beyderley Geschlechte ; und daß sie 940 Jahre gelebt hat ' ( E ) . Hierbey ist noch nichts wider die Wahrscheinlichkeit ; allein was ich iht erzählen will , das jchmecket ganzlich nach dem Roman , und nach den Mönchserfindungen : daß sie nämlich das Gestifte gewisser Töchter gemacht , die Jungfern bleiben , und das Feuer unver - löschlich erhalten müssen , das auf Abels Opfer vom Himmel gefallen war , und welches man Vesta oder die Flamme reo genannt / . Hier ist nach diesem schönen Mährchen der Ursprung der Vestalinnen . Wir werden anderswo sehen , daß man dieses von des Noa Ehfrau herleitet . Es ist auch noch eine sehr grobe Fabel , wenn man saget s , daß Eva von dem Baume des Erkenntnisses des Guten und Bösen einen Ast abgehauen , und einen Prügel daraus gemacht , mir welchem sie ihren Ehmann gezwungen , von der Frucht dieses Baumes zu essen . Außer diesem , ist es ein durchaus gottloser Gedanke , wenn man , wie einige gethan haben , saget * , daß Eva selbst der Baum des Erkenntnisses des Guten und Bösen gewesen , dessen Frucht verbothen war - . Diejenigen betreffend , welche glauben , daß , wenn sie diese Frucht nicht gekoster hatte , nie - malS Liebe unter den z - veyen Geschlechtern gewesen seyn würde ( F ) , sondern nur Freundschaft : so weis man ihren Gedan - ken weder gründlich zu widerlegen , noch mir tüchtigen Beweisen zu unterstützen .
Ich will noch zwo oder drey Ungereimtheiren der Rabbinen erzählen . Einige unter denselben sagen , daß Eva von Adams Schwänze gebildet worden . Sie gebenvor k , daß Gott , da er Adams Körper anfänglich einen Schwanz gegeben , nach diesem wahrgenommen hätte , daß er die Schönheit dieses Werkes vergringert , und also den Schluß gefasset , denfel - ben abzuschneiden ; aber sich dessen gleichwohl bedienet , die Frau daraus zu bilden , die er dem ersten M - nsche» , gegeben hätte Diese Frau , sagen sie , ist so schön gewesen , daß sich der Fürst der Engel in sie verliebt ( G ) ; und dieß ist Ursache gewesen , daß er aus seinem Stande der Unschuld gefallen . Niemand , als sie , hat die verliebte Flamme Adams auslöschen können : er hatte alle andere Wege vergeblich versuchet ( H ) ; und dieserwegen hat er zu ihr gesaget , dienmal ist diese Bein von meinem Beine , und Fleisch von meinen , Fleische Man sehe , wie weit ihre Wuth acht , daß sie nicht allein ver - fiuchenswürdige Gedanken vorbringen , sondern dieselben auch , vermittelst der abgeschmacktesten Auslegung , auf die h . Schrift gründen . Die Einbildungen eines jüdischen Schriftstellers , der im XVl Jahrhunderte gelebt hat , und gemeiniglich Leo der Hebräer * , genennt wird , sind nicht viel gründlicher . Er giebt vor f , daß der Mensch , den Gott am sechsten Tage der Schöpfung gemacht hat , zugleich Mann und Weib gewesen , und daß dieser Mensch , nachdem er die Musterung über die irrdischen Thiere und Vögel gehalten , ohne ein einziges darunter zu finden , dessen Gesellschaft und Hülfe ihm angenehm und zureichend seyn können , in einen tiefen Schlaf gefallen , damit er aus einander getheilt , und aus der Einsamkeit gezogen wer - den könnte , in welcher Gott es nicht für gut fand , ihn zu lassen . Nach dieser Theilung , ist die ^rau , die zuvor keinen besonder» Namen gehabt , Eva genennet worden . Der Urheber vergleicht seine Meynung , so gut als er kann , mit den Androgynen des Plato ? . und bildet sich ein , daß der Mensch niemals gesündiget hätte , wenn die zwey Geschlechter , die Adam anfänglich in einer einzigen Person enthalten , nicht getrennet worden waren ( l ) . Er giebt auch vor , daß m iedem Geschlechte ein männlicher und weiblicher Theil gewesen . Die Erklärungen dieses Scrrbenten sind nicht sehr geschickt , die göttliche Vorsicht in Ansehung des Falles Adams zu entschuldigen , und gehen nicht weit von dem Gedanken derer ab , welche vorgeben , daß die erste Sünde eine unzüchtige Liebeöthar gewesen sey . Man sehe die Anmerkung ( I ) . Indem wir also diesen ungläubigen Lehrern den Pro - ceß machen , so dürfen wir auch einen aufgeweckten Kopf von der römischen Gemeinschaft , einen Franzosen von Geburt , nicht verschonen . Er hat ein Sonnet gemacht , welches gedruckt worden , und welches , um nichts ärgers zu sagen , sehr weltlich ist ( K ) . Man mag sich immerhin auf die Vorrechte der Dichtkunst berufen ; es wird dennoch nur eine eitle Entschuldigung seyn : die richtige Freyheit der Poeten erstrecket sich nicht so weit ; und wie viel Falle giebt es nicht , wo ihre Grundsätze wider die Sittenlehre , und wider den Glauben , nach allen gerichtlichen Formalien des Ketzergerichts verdammet werden können ? Man sehe die Anmerkung ( I ) bey dem Artikel Garasse . Ein anderer aufgeweckter Kopf , ein Italiener von Geburt , und venetianifcher Edelmann , mit einem Worte der berühmte Loredano ; dieser aufgeweckte Kopf , sage ich , hat einigen Verweis verdient , daß er die Wohlanstandigkeit bey Evens Ehre nicht zur Gnuge beobachtet hat : denn er setzet voraus , daß sie , dem sie mit ihrem Manne aus dem Paradiese verstoßen worden , denselben ermahnet habe , ihr , der göttlichen Verordnung zu Folge , die ehliche Pflicht zu leisten , um zu wachsen und sich zu mehren Der Wohlstand erforderte , voraus zu setzen , daß Adam der Anwerber gewesen . Es sind noch einige andere Dinge in dem Loredano zu radeln ( L ) . Ein deutscher Scribent ist dem ersten Weibe unendlich geneigter gewesen : Er glaubet , daß die Sunde Adams viel größer gewesen , als der Eva ihre , und ba5 Gort sie nicht aus dem Paradiese verjagt habe ; daß nur der einzige Adam mit dieser Strafe belegt worden sey ; wir wolle . i sehen , worauf er sich gründet ( M ) .
a ) I B . Moses III , io . b ) Ebendas . II , - > - . 0 Ebendas . I , »z . d ) Siehe Genebrards Chronike . O Saliarn» , Ann .
Tom . I , pag . 231 . / ) Saint Romuald , Abrege du Threfor Chronol . aufs 99 Jahr der Welt . g ) Beym Saldenus Otio Theo ! .
pag . 607 . h~ ) Ebendaselbst . »' ) Sieix die Anmerkung ( B ) . ö ) Siehe die rabbinische Bibliothek des Bartolocci , Tom . I , pag . 69 .
7 ) Ebendas . Tom . III , pag . 396 . m ) Ebendas . Tom . I , pag . 322 . » ) Im I B . Moses II , 25 . 0 ) Der Sohn des Rabbinen Abra -
banel . Siehe oben die Anmerkung ( I ) bey dem Artikel Abrabanel . / > ) Leon He'breu Philofophie d'Atnour , Dialogue III , p .
612 , <5iz . ? ) Siehe oben die Anmerkung ( F ) bey dem Artikel Adam . O Siehe die Anmerkung ( L ) .
Sie hat sich durch - - - die schönen Versprechungen die Lrkenntniß des allerhöcksten naturllchenGeheimmsses durch einen
der Schlange bekriegen lassen . ) Ich würde niemals fertig werden , sonderlichen Willen GotteS beibehalten . Paracelf . de myfter . Ver -
roennid ) alle Unwahrheiten anführen wollte , die sich in den Büchern , in m . ^beym R . v . nus , Sebent . Seduft . pag . 24 . II Etliche Rabbinen ,
SÄ dieser Schlange , finden . I . Einige haben gesagr , ( Iofeph . als Salomon Ä - >rch . ^beym^»mus auf der »7 S sind mit dem Joseph
An inuit Libr . I , cap . II ; Aben Ezra ad Genef . III ) daß ebendasselbe einig , daß der Versucher der Eva nichts als eine Schlange gewesm : al -
3 - hier das wir Schlange nennen . Adams Frau versucht hat : und lein an statt daß er , wie d^sir Geschichtschreiber gelhan hat , saqen soll -
sie «eben vor daß^e Schlange zur selbigen Zeit vertraute Gespräche Mit te , daß d . e Schlange^»6 Nnd wegen des dem Menschen verspreche -
den knicken «ehalten , und die Sprache erstlich zur Strafe der Dos - nen Glücks , im Falle er Gott nicht ungehorsam wäre , diese gute heit verlohren hätte , mit welcher sie die Einfalt dieser Frauen gemiS - Frau versucht Hätte , so sagen sie , daß sie dieUnkeuschbeit darzu brauche allei . diese Mennung ist so abgeschmackt , daß es erstaunlich ben habe Sie hat^den Adam und die Eva in der - Arbeit mahrgenom - m ^ - in s^r ^ttsteller , als Joseph ist , sich nicht geschämt hat , men , welche die Gesetze des Ebstandeö erlauben : sie hat sie ganz na - dieselbe vorni^m^n Ich wundre mich hierüber nicht so viel , als ckend bey dieser Uebung beschädiget aesehen ; dieser Anblick hat bey ihr wenn ick selä käk - in so aroßer Traumer , als Paracelsus gewesen , ge - sehr unordentliche Begierden erregt ; sie hat gewünscht , Adam« Plah ein - saqt hä ? es bätte nickt allein die erste Schlange , vermittelst einer abson - zunehmen , und die Erlangung diesesGlückeS gehofft , wenn Eva Witwe derlichen ^ulassuna Kv ? da« Vermögen gehabt , den Adam lind die würde . Nun hat sie geglaubt , daß ihre Hinterlist nur dem Manne un - Eva m einra töS'fc« natürlichen Erkennt . » ? zu erheben ; son - glucklich seyn wurde , weil der Mann an , ersten von dem Apfel essen soll - derne / Ä * hat sie denn ihren Anschlag eingefädelt . Kann man wohi
II 2Sand . übler

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