Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8457

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Eudes .
vereinigte sich mit dein Heere Chiherichs bey Paris , und führte , nachdem sie geschlagen worden waren , diesen unglückli - chen Prinzen nach Aquitanien : welcher diese Freystadt nöthig hatte , um vor den meuchelmörderischen Unternehmungen des Siegers sicher zu ftyn : denn dieser Sieger bahnte sich offenbar einen sreyen Weg zum Kronenraube , welcher nach diesem mit den seyerlichsien Geprängen ausbrach b . Die Flucht ChilpcrichS nach Aquitanien , und seine Niederlage bey SoissonS eraugeten sich 719 . Carl verfolgte ihn bis in Touraine . Einige Zeit darauf schickte er Gesandten an den Eudes , und ließ ChilpcrichS Ausantwortung fordern . Eudes wollte ihn nicht eher ausliefern , als bis er das Wort erhalten hatte , daß ihm nach seiner Würde begegnet werden sollte . Er gab ihm große Geschenke , und ist vielleicht die einzige Ursache ge - wesen , daß dieser Prinz nicht in einem Kloster geworben ist . Zwey Jahre hernach leistete er der Nation durch den Sieg einen großen Dienst , den er vor Toulouse über die Saracenen erhielt . Diese Ungläubigen , die nach der Eroberung Gallien strebten , hatten sich kaum zu Meistern von Narbonne gemacht , als sie bis nach Toulouse durchdrungen^ und dasselbe bela - gerten . Wenn sie dabey nicht ihren Feldherrn Zainan , und einen guten Theil ihres Kriegsvolks eingebüßet hätten , so kann man sich leicht einbilden , auf was für einem guten Wege sie gewesen waren . Diese Niederlage verhinderte sie nicht , kurz darauf wieder zu kommen , und Carcassone , Nimes , nebst ganz Septimanien bis an die Rhone zu überwältigen ; so daß Eudes , welcher es nicht weiter für klug hielt , zu erdulden , daß Carl Martel mit großen Schritten nach der unrechtmäßigen Kronbeschung eilte ( B ) , sich in gt - oßer Bestürzung befand , da er die Saracenen zu furchten hatte , und einem Menschen nicht unterthänig ftyn wollte , der nicht mehr Recht zur obersten Gewalt hatte , als er . Die Vorsicht , die er brauchte , war , daß er an einer Seite , die Rotten unter der Hand nährte , die sich in NeuMen ansponnen f , und an der andern , mit dein Mu° nuza , einem tapfern mohrischen Heerführer , dem die Saracenen Cerdaigne anvertraut hatten , ein Bündniß machte . Mu - nuza , der sich in des Eudes Tochter verliebt hatte ( C ) , die sehr schon war , versprach , sich zu empören , um dieselbe zu erhal - ten . Also geschah eS , daß Eudes , in der Versicherung , daß sich die Saracenen seine Abwesenheit nicht zu Nußen machen könnten , weil ihnen Munuza bey sich selbstgerniazu schaffen machen würde , einen Einfall in Neustrien rhat . Diese nehmung gelung ihm nicht ; er ward vom Carl Martel überwunden d , und sein Land von dem siegenden Heere geplündert . Sein Schwiegersohn war noch unglücklicher , wie wir an seinem Orte sagen werden er kam in den von ihm erregten ruhen um ; und hierauf drang Abderama , der ihn überwunden hatte , und keine Hinderniß fand , mit einem zahlreichen Kriegsheere in Aquitanien ein . Eudes fertigte Gesandten an Carin ab , ihn um Beystand zu bitten , und war so kühn , sich , ohne Erwartung dieser Hülfe , mit den Saracenen in ein Treffen einzulassen , so bald sie über die Dordogne gegangen ren f . Die Staacskunst hatte vielleicht mehr Theil an dieser That , als die Herzhaftigkeit : er hatte sich eingebildet , daß , wenn er vor Carls Ankunft den Abderama schlüge , er im Falle der Roth noch einen andern Sieg über diesen erhalten könn» te : des Ruhms nicht zu gedenken , den er zu erwarten hatte , wenn er die Ungläubigen ohne Beyhülfe eines andern verjagte . Er hielt sich gut ; allein er ward endlich nach einem langen Widerstande in die Flucht geschlagen . Ob man gleich saget , daß sein Verlust sehr groß gewesen ( D ) ; so eilte er dennoch mit dem Kriegsvolke , jö viel als er zusammen bringen konnte , nach dem Orte , wo Carl über die Loire gehen sollte , und focht mit ihm in der berufenen Schlacht , worinnen Abderama , den 7 des Weinmonats 752 erschlagen worden ( E ) . Allem er konnte sich nicht entschließen , Neustrien im Friede zu lassen ; er ergriff die Waffen noch einmal im 735 Jahre . Dieß ist das ichtemal gewesen ; . denn er ist in eben diesem Jahre vor Verdruß gestorben ( F ) , da er sehen müssen , daß Carl m Aquitanien eingefallen war , und alles mit Feuer und Schwerdt verheert hatte . Hunold , sein Sohn , der eben so herrschsuchtig war , als er , wollte Carln nicht erkennen . Dieß gab Anlaß zur Erneuerung des Krieges , welcher sich nach verschiedenen bald glücklichen , bald unglücklichen Erfolgen , zum Nachtheile Hunolds geendiget . Er war gezwungen , sich zu »mterwerfen , und man ließ ihm das Herzogthum s .
/ i ) Aiidigier , Origin . des Francois , Tom . II , pag . 226 . b ) Ale fein Sohn Pipin im 752 Jahre den rechtmäßigen König absehen , und sich an seine Stelle erwählen lassen . O So hat man den abendlichen Theil der französischen Monarchie genennt . <0 Im ? ; , Jahre . e ) Siehe den Artikel Munn^a . / ) Isidor von BadajoS , welchen Latel Memoircs de 1'Hißoire de Languedoc , pag . 527 . anführet , saget , daß diese Schlacht zwischen der Garonne und Dordozne geliefert worden . Siehe auch die 5 - 9 S . g ) Cordemoi , Hiftoire de France .
( A ) Chilperich und fein - Haushofmeister - - - erklärten ihn für einen unabbänglichen - Herrn . ] Ich hätte gar sagen nen , daß sie ihn zum Könige erklärt hätten : denn also redet Fredega - rius : Chilpericus itaque et Raganfredus legationem ad Eudonem ducem dirigunt , auxiliiim poftulantes , rogant : REGNVm et mune - ra tradunt . Man darf sich nicht einbilden , daß regmim hier einen ßen Hauptschmuck , wie coron - - bedeutet , die dem Herzoge vonAquitanien geschickt worden ; man muß die Würde und die Gewalt verstehen , davon die Krone das Merklichen ist . Also bat es Adrian Valesius , Hiftoria Franconim , verstanden . Vt luv , saget er , fummoque iure ac regia po - teftate in Aquitaniae dominaretur pronincia regiae ditioni exemtae . <^ch mache diese Anmerkung nach einem neuen Schriftsteller , Audigier Örigine des Francois , Tom . II , p . 235 , welcher den gelehrten P . Coiute zu beschuldigen scheint , daß er geglaubt , man hatte dem Eudes die köni , fllidx : Gewalt nickt qegeben , sondern ihm nur eine Krone geschickt . In der Stelle , die dieser P . anführet , Romanus Pontifex in fignum imperii vtitur regno , et in fignum Pontificii vtitur mitra Jnnocentius der III beym Audigier Orig . des Franc . Toni . II , p . 235 ) wird regnum für eine Krone genommen ; ich gebe es zu : unterde»en ist dieses keine Krone ohne Beziehung auf die unumschränkte Gewalt . Rhcgino bekräftiget meine Meyuuug , wenn er unter dem 735 Zahre saget , daß Carl Martel dem Eude« die Krone und das Leben genommen , Eudonem regno fimul et vita priuauit . Der neuere Schriftsteller führet zum dritten Zeugen eine Aufschrift des h . Marimins an , welche enthalt , daß nian im 710 Jahre unter Eudes dem sehr gotteSfürchtigen Könige der Franken , und zur Zeit der Landung der Saracenen , den Körper der h . Macibalme hin gebracht : Anno natiuitatis Domini 710 , fexta die mcnfis Decem - bris regnante Odoino piifiuno Rege Francorum , tempore
infeftationis gentis perfidae Saracenorum ; allein dieses Zeugnis , hat zweeu große Mängel : der eine , daß das 71» Jahr die Zeit nicht ist , da sich die Ueberschwcmmnng der Saracenen in Gallien furchtbar gemacht : der andre , daß Eudes aust höchste nichts mehr als König vonAquitanien gewesen , und hier ist eine Aufschrift , die ihn für einen König der Franken ausgjebt . Ich wundre mich , daß Audigier den Fehler in der Ziffer 710 nicht wahrgenommen hat . Dieß ist kein Druckfehler in seinem Buche ; allein dem sey , wie ihm wolle , so ist eö ein fehler . Wenn Catel diese Aufschrift anführet , so hat er sie so punctirt , daß sie ins 716 Jahr fällt . Memoir . de l'Hift de Languedoc p . 524 . Anno natiuitatis Domini fe - ptuagefimo deeimo fexto , die menfis Decetnbris etc . Er entlehnet sie von dem Bernard Guido in seiner Chronike der Päbste , und in dem Le - ben Nicolas des III . Ich habe in dem Belieferet , Chroniquc de Fran . ce fol . m . 52 , gelesen , daß die Saracenen im 741 Jahre die Stadt Air In Provence verheert haben , und daß dieses damals gesclxhm , da Girard von Roußillon , Gras von Burgund und der Provence , denRorperder Maria Magdalena von Aix nach Vezelai geführt har .
l» ) Er hielt es nickt länger für klug , ; u erdulden , daß Carl Martel mir großen Gckrirtcn zum Rüonenraube eilte . J Man weis nickt . welches besser ist , entweder sich über die schändliche Partey - lichkeit so vieler Seribenten zu ärgern , oder darüber zu lachen , die alle diejenigen für Aufwiegler und Rebellcn ausschreyen , die sich der
sucht Carl MartelS und Pipins widersehen wollen . Eben diese Schrift - steller würden die Sprache geändert haben , wenn sich das Glück für die vorgegebenen Rebellen erklärt gehabt : uiid alsdann wären die Titel , Rottierer , Stöhrer der öffentlichen Ruhe , Treulose und Verrather für die Marlelle und Pipine vorbehalten worden : so gewiß ist es , daß e» überall Pöbel giebt , unter den Historienschreibern so wohl , als unter den Spießbürgern .
Sed quid
Turba Remi ? Sequitur fortunam vt femper , et odit
Damnatos . Idem populus fi Nortia Tufco
Fauiflet ; fi opprella foret feaira fenedhis
Principis , hac ipfa Seianuui diceret hora
Auguftum . Iuuenal . Sat . X , v . 73 .
( C ) Munwa verliebte sich in die Tochter des «Sudes . ] Di«
Jrrthumcr einiger Schriftsteller , diese Sache betreffet , sollen in den Anmerkungen des Artikels Munuxa untersucht werden .
( v ) Man saget , daß stin Verlust sehr groß gewesen . ] rich von Toledo , ttifior . Araburn c . , 4 . giebt einen aöscheulichen Begriff davon , als wenn Gott allein dir Anzahl derer wüßte , die bey dieser Ge - legenheit umgekommen wären . Ich habe es bereits bey dem Artikel Abderama in der Anmerkung ( D ) berührt : allein hier sind die Wort - dieses Schriftstellers : Abderameu - - . cum amnes Garuimac et Dordoniae pertranfiflet , Eudonem , de quo diximus , inuet * * ack praelium praeparatum , fed infeücitate praeterita comitatus in fu - gam dilabitur fiigitiuus , et tot ibi de eius exercitu cecidcriit , quod eius numerus omni humanae feientiae occultatur . Er ftket eine ganz falsche Sache dazu , nämlich , daß Abderama die Stadt Tous geplündert und eingeäschert .
( E ) hgt mit Carl Marteln in der berufenen Schlacht gs» fockten , wo Abderama erftblaqen worden . 1 Verschiedene Ge - schichtschreiber von Serres , du Haillan , u . a . m . geb n ihm den meisten Theil an diesem herrlichen Siege ; ( siehe die Anmerkung ( K ) des kels Abderama ) denn er , sagen sie , hat das Lager ^cr Saracenen über - stiegen : und , nachdem er alles ohne Unterschied diö Alters und de« Ge - schlechts über die Klinge springen lassen ; denn die Sararenen , saget man , sind mit Weibern und Kindern nach Frankreich , - kommen : sohater die Feinde von Hinren zu angefallen , worauf sie , weil sie sich von allen Seiten umringt geglaubt , den Much verlohren , und die Flucht genommen . Allein wenn diese Schriftsteller wegen dieser Sack ) « kerne bessern Nachrichten gehabt ; als , wenn sie vorgegeben , daß Eudes dcnAöderama nach Frankreich geführt : so verdienten sie nicht den geringsten Glauben . Ich weis wohl , baß Frcdegarins diese lebte Sache vorgiebt . Man sehe den Catel im HIB . seiner Nachrichten von der Historie LangZedocs , wo er bey Unter' suchung dieser Frage auf die verneinende Seite beugt ; ob er gleich kennet , daß Adon von Vienne , die öffentlichen Jahrbücher vom Pithou , Sigibert , Marianus Scotu« , Hcrrmcmn Co . itract , und verschiedene an - dre Geschichtschreiber , geschrieben haben : daßEudes , um sich dem Carl Martel ZU widersetzen , die Saracenen ) U - Hülfe gerufen hätte .
Ich

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