Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8449

Eudes .
447
'Halst 5v schaffen , der den Seinen in die Enge treibt . Jener lew tere sieht nicht» mit Vernunft , sondern er halt euch unter den dialektischen Mauren seiner Llauseln und unter den Formeln sei - ner Runs ? belagert . Man sehe , was der Verfasser von der Kunst zu denken im III £h . XlX Cap . ? Num . z ; 6S von diesen Gedanken des Monragne geurtheilet hat .
Man könnte mit allem Rechte sagen , daß der Geist und dieGemüths - art unsers Euklide« und seiner Nachfolger in de» christlichen Schulen , seit dem berufenen Dialektiker Abälard , regiert haben . Allein was hat man dadurch zum Besten der Wahrheit hervorgebracht ? Wo sind doch die philosophischen Lehren , welche die Nominalisten und Realisten , die Thomi - sten und Scotisten , erläutert haben ? Was haben sie anders aethan , als die Mennungen vervielfältiget , und die Kunst erfunden , durchpulse vie - ler barbarischen Kunstwörter das Ja und Nein zu behaupten ? Was einer behauptet , das verneinet der andre ; und sie haben alle Unterscheidungen und Ausfluchte , die sie schützen , daß sie nicht zum Stillschweigen gebracht werden . Sie haben wechselweise den allerwiderwärtigsten Lehren den Sieg verschafft ; dieß ist nun die natürliche Folge von dieser Art zu philosophiren . Rohault beschreibt sie in der Vorrede seiner Naturlehre unvergleichlich . Man bemerket , saget er , eine unüberwindliche - Halsstarrigkeit / „ bey den meisten von denen , die ihre philosophischen „ Studien zu Ende gebracht , und vermuthlich nur dadurch in einen so „ gefahrlichen Zustand des Geistes gefallen sind , weil sie zu keinen über - „ zeugenden Wahrheiten gewohnt sind , und sehen , daß diejenigen , welche „ öffentlich eine Lehre , sie mag seyn wie sie will . vertheidigen , allezeit über „ diejenigen den Sieg erhalten , die sich bemühen , das Gegentheil zu weisen ; daß solcher gestalt alle Dinge bey ihnen nur Wahrscheinlichkei - , , ten sind . Sie sehen das Studieren nicht als ein Mittel an , neue „ Wahrheiten zu entdecken ; sondern nur als ein Spiel des Verstandes , „ in welchen» man sich übet , und dessen ganzer Zweck weiter nichts ist , „ als vermittelst einiger Spitzfindigkeiten , das Wahre mit dem Falschen «dergestalt zu verwirren , daß man das ein - , sowohl als das andre be - . »haupten kann , ohne jemals gezwungen zu scheinen , daß man einigem „ Grunde nachgeben müsse ; die Meynung , die man vertheidiget , mag „ auch so albern seyn , als sie will . Und dieß ist in der That der ordenr - „ liche Ausgang aller öffentlichen Handlungen , wo vielmals auf eben „ demselben Lehrstuhle ganz widrige Meynungen wechselsweise vorgetra - „ gen werden , und auf gleiche Art siegen , ohne daß die Materien dadurch „ besser erläutert , oder einige Wahrheit mehr befestiget worden wäre . , , Ich will nichts von einem unendlich wichtigern Uebel sagen , das dieser Disputirgcist hervorgebracht hat . Er ist von den philosophischen Lehr , stühlen auch in die theologischen Hörsäle übergegangen , und hat daselbst die allerwichtigsten Puncte der christlichen Sittenlehre zweifelhaftig macht , ( flehe den Artikel Hoyol * in derAnmerkung ( S ) ) ; denn wo'ist wohl ein Lehrsatz der Moral , den die gelinden Casuisten nicht erschüttert und dergestalt verdunkelt haben , daß das einzige Mittel , einige heit zn haben , dieses ist : wenn man die Einfalt der h . Schrift einzig und allein höret , und nicht die geringste Acht auf die spitzfindigen und verfänglichen Vernunftschlüsse dieser Lehrer hat ?
Wir werden in der folgenden Anmerkung einige Gedanken des P . Rapin sehen , welcher den Fehler unserer megarischen Philosophen nicht weniger vorstellt , als der Scholastiker ihren .
( F ) Ich werde etliche Fehler des p . Rapin bemerken . ] ses soll erstlich geschehen , wenn ich ihn von der schönen Seite gezeigt habe - . Reflexions fur la Philofophie , nurn . 18 , pag . m . 3^8 , 359 . „ Die „ allzubelebten und subtilsten Geister , sind nicht allezeit die geschicktesten „ zur Philosophie . Es wäre besser , die Einbildung durch etwas grobes „ zu verdicken , als sie in allzu subtile Speculationen ausdünsten zn las - „ fen . Der gute ganz einfältige Verstand des Sokrates hat über alle „ Kunst und Spitzfindigkeit der Sophisten gesiegt . Die Philosophie „ wird nicht anders abstract , als wenn sie aufhöret , gründlich zu seyn : „ man hat sich an die Formalitäten gebunden , wenn man nichts wesent - „ liche * mehr zu sagen gehabt , und man ist nicht eher darauf gefallen , „ zur SpitzfiiAgkeit Zuflucht zu nehmen , als bis man nicht mehr ge - „ hofft , die Wahrheit durch ihre Einfalt empor zu bringen . Habet : hoc „ ingenium humanuni , vt cum ad folita non fuffecerit , in futilibus „ atteratur . Vertilam . de Augm . Scicut . Protagoras , welcher „ am ersten verfängliche Vernunftfchlüssc gesucht , hat diese spitzfindige „ Art nur darum angenommen , weil er lauter falsches im Kopfe halte .
- Man hat alles verderbet , saget Seneea im 98 Briefe , weil man „ bey allem allzuviel gekünstelt hat : vide qiiantiim mali fecerit nimia „ ( ubtilitas , et quatn infefta fit veritati . Denn man hat , um einen eit - , , 'en^ochmuth des Geiste« zu zeigen , dasjenige verlassen , was welentli , , , ch« in den Wissenschaften gewesen : Man hat angefangen , die Wahr» „ heiterDinge durch arglistige Worte zu schwächen ; man hat sich der . . Trugst , süsse bedient , wenn eö an tüchtigen Gründen gefehlt . Durch die - „ se neue ^unst haben Nausiphanes und Parmenides alles umgekehrt . «Al>o ist Ue Einfalt der Vernunft durch gekünstelte Schlußreden ver - „ derbet motten , und man hat mit der Wahrheit gespielt , an statt , daß
„ man ihr mit Ehrerbiethung begegnen sollen . Dieß ist der Fehler der „ neuern Spanier gewesen : sie haben es Mit der Philosophie , wie mit der „ Staatslunst , gemacht : sie haben dieselben durch ihren zum Nach - „ denken gebohrnen Geist aus unbegreifliche Spitzfindigkeiten getrie - „ ben : Es ist kein Schüler gewesen , der seinen Meister nicht überkiiüstelt „ hätte . Hieraus ist eine Unordnung entstanden , die derjenigen gleich ist , „ worüber sich Seneea ehmals beklagt hat : Philofophia non in remedium „ animi , fed in exercitationem ingenii inuenta . Seneea , Libro VII „ cap . I , de Benef . Das Disputiren ist die ganze Frucht der Philoso ! „ phie geworden , und man hat sich desselben weniger zur Heilung der „ Seele , als zur Uebung des Verstandes , gebraucht „ Dieß ist gut und schön : unserEuklideS und EubulideS hätten sich darinnen erkennen kon - nen . Allein , wir müssen dasjenige besehen , was der P . Rapin nament - lich von ihnen gesagt hat .
„ Euklide« von Megara hat dasjenige noch mehr ausgekünstelt , was „ bereits in der Dialektik gekünstelt war , und er hat eine viel lebhaftere „ Disputierart darzu gesetzt , indem er seiner Rede viel mehr Feuer gege - „ ben : Ja er hat dieses zu einer Uebermaße getrieben , welche dem Ti - „ mon Anlaß gegeben , ihm vorzuwerfen , daß er denen von Megara eine
„ Disputicwnrh ( ^<> - - - av ifir / iü . Ram . Libr . I , Dialeö . cap . VII ) durch „ diese verfängliche und sophistische Vernunstlehre eingeblasen , die er sie „ gelehrt , und welche Sokrates nicht gebilliget , weil mchr die geringste „ Aufrichtigkeit bey seinerArt gewesen . DieserEuklides und sei» Schü« „ ler Eubuiideö haben diejenigen Trugschlüsse erfunden , welche seit dem „ in der Schule so berühmt geworden ; deren Diogenes von Laerz im II „ B . gedenkt , und welche überhaupt nichts wesentliches , als ihre Spitz , „ findigkeit , haben , z . E . Dilemma , die gehörnte Schlußrede , dieElektra , „ der Sorites , die so berühmten megarischen Fragen , davon Pliitarch re - „ det , ( siehe oben die Anmerkung ( L ) bey dem Artikel Chrysippus und „ alle diejenigen Zungendreschereyen von ihrer Art , welche die Ver - „ nunftlehre zu Athen so verächtlich gemacht , daß Sokrates genöthiget „ gewesen , dieselbe in seinen Reden wider die Sophisten lächerlich vorzu - „ stellen , um nur die Gemüther davon abzuwenden . Von diesem Eukli - „ des hat Demosthene« die Kunst des Dilemma und derjenigen dringen - „ den Schließarten gelernt , die ihn bey demCharaeter der Beredsamkeit , „ den er angenommen , so heftig gemacht . . Kapin , Reflexions für ) a Logique , NUM . z , p . Z72 . In dieser Stelle sind sechs Fehler . I . So - kraus war schon rodt , da des Euklide« Vernunstlehre erschienen ; er ist also nicht im Stande gewesen , sie zu radeln II . Da« Dilemma ist vom Diogenes Laerz nicht unter die Trugschlüsse gesetzt worden , die EuklideS und Eubulides erfunden haben . Ich glaube nicht , daß es aiv dre Schriftsteller in dieses Verzeichniß gesetzt haben ; und es ist auch im Grunde falsch , daß das Dilemma ein Sophisma wäre . Es ist eine so gute Art zn urcheilen , als die Schlußreden ; und wenn es falsche Dlem - mala giebr , so giebt eö auch Schlußreden , die diese böse Eigenschaft ha - den : Allein man würbe sich häßlich bekriegen , wenn man die Schluß , rede ein Sophisma nennen wollte , weil man sophistische Schlußreden machen kann . Man wende alles dieses auf das Dilemma an , und man wird finden , daß sich unser P . Rapin betrogen hat , so wohl was die an - geführte Stelle , als was die Sache selber betrifft . III . Wenn Sokrates die Vernunstlehre des Euklide« nicht hat misbilligen können , so hat er de« Eubulides , des Sokrates Schülers und Nachfolgers seine , noch vielweni» ger lächerlich machen können . IV . Demvsthenes hat vom Eubulide« , und nicht vom Euklides die Kunst , Schlüsse zu machen , gelernt Diese« bezeuget Apuleju« in Apologia p . rn . - 8z , und Diogenes von Laerz in Euclide Libr . II , mim . 10g . v . Nachdem er das Dilemma unter die Trugschlüsse gesetzt , welche die Dialektik ; u Athen so verächtlich gemacht , so daß Sokrates verbunden gewesen , sie lächerlich zustellen : so hatte er es zu keinem Merkmaale der Beredsamkeit machen sollen , die dem Demvsthenes Bewunderung erworben hat . Nichts ist bey diesem Redner mehr zu bewundern gewesen , als die Heftigkeit . VI . Dieser Redner hat sich nicht durch das Dilemma , sondern durch da« Enthymema so hervorgethan : man mag nun da« Enthymema nach dem Begriffe der Redekünstler , oder nach dem Begriffe der Berminftlebrer nehmen . Ich will dem P . Rapin die Anführung au« dem Peter Ra - mu« übersehen . Er hätte den Lamm« anführen sollen
Wir wollen die erste von diesen VI Beurteilungen rechtfertigen . Es ist gewiß , daß des Sokrates Schüler bey Lebzeiten ihres Meisters keine Schule gestiftet haben , und daß sich EuklideS erstlich nach des krates Tode von Athen wegbegeben . Man sehe den Plato in Phaedo - ne . wo er sager , daß Euklides bey den letzten Gesprächen des Sokrates ge , aenwärtig gewesen ist . Um diese Zeit ist er nach Megara gegangen , und hat daselbst eine philosophische Schule gestiftet , und folglich ist die Ver - nunftlehre , die er gelehrt , und der er ein gekünsteltes Ansehen gegeben , jünger , als des Sokrates Tod . Im Vorbeygehen wollen wir noch lagen , daß er den Plato und die andern Philosophen von Athen in seinem Hause zu Megara aufgenommen hat , als sie eben dieselbe Tnramiey . die den Sokrates um« Leben gebracht , genöthiget , sich an einen sichem Orr zu retten . Diogen . Laert . Lib . II , num . 106 . Hcfych - llluftr . m Euclide .
Eudes , Herzog von Guienne , der mit Carln Martel zu gleicher Zeit gelebt , fand sich in den größten Angelegen seiner Ztit verwickelt Malt weis die eigentlichen Umstände von seinem Geschlechtregistcr nicht ; allein es ist einiger
Ä SWS ÄÄ
romn ( £ut>eS , da et ) 8bemüht , das Königreich Australien mtt Hülfe der Friesen wieder unter den Gehorsam Haushofmeister Rmftol va l ^ <^art£>1 h^e ihn 716 in Ardenneö zu so gelegener Zeit angegriffen , daß er
der Krone Frankreich zu br g , ^ ^ Haushofmeister Rinftoi waren genothiget , die Flucht zu nehmen , lind harten , »hn m die Flucht Mg . ^^^al gescblagen wurden , alles vom Carl Martel zu befürchten . 3» dieser Bestürzung da sie das folgende Jahr noch T rechtmäßige Eroberungm mit gm 5 ^ ju vereinigen . Eudes versammle« alle seine Kriegsvölker , und

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.