Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8432

446
LuklideS .
! q ( v«« yitf ti & iv To eüfiu ität t4« £ip - tttn ( yfyc'fmvcj , ctir & mn' «'« tb irfo ri ftviffi«» a^T« iriyfxnna eytoi .
E«yt , fiAifräf Hfl ) ' Acym £ * i / tu3ofxsvöf / i$ lotete , vjj wk'wv Qforrlht saxefioi .
Eft itaquc periculum , nc ob ha« curas aliquando , vt Philetas Cous ,
KTueftigan» ex rationibus , falfas , et mendaccs , exfolutus pereas . ain corpore ob id ftudium valde attenuato is obiit : quod infcul - ptum eins monumento declarat hoc Epigramma :
Hofpes , Philetas fum , mendax et captiofa ratio
Me perdidit , vefpertinacque ac nochirnae ftudiorum curae .
Man könnte also ohne Hyperbel« und ohne Figur sagen , daß die Erfin - düngen de« Eubulides Trugschlüsse gewesen , die Leute umzubringen . Die Spitzfindigkeiten des Slilpo , seine« Mitschüler« , find eben so derisch gewesen . Siehe in dem Artikel die Anführung e . Dieses ma . chet dasjenige ziemlich wahr , was Timon , der Phliasier , unserm de« vorgeworfen : sein Ausdruck , sie Disputierwmh , wird dadurch weniger hyperbolisch .
A'Xk' 5 IUI th'tuv ( pAlioval , fifM , uSi yitf cc ) k *
Oitaof , i» orif yi pn , » J * igiifarut
Ei / xAaJ« , MsyWfJi'ff'v o< Ai'warnt tgit / tu .
Non ego horum nugatorura curam gero , nec alter im Cuiusquani ; non Phaedonis , quisquis ille fit , nee litigiofi Euclidis , qui Megarenlibus contentionis rabiem inuexit .
Timon , beym Diog . Laertius , Lib . II . n . 107 . p . m . 14 ? .
Man merke , daß sich die Scholastiker über diese Materie brav herum - geschlagen : man darf nur dasjenige besehen , was sie von denen Sätzen sa - gen , die sie le ipfas falfificantes nennen . Siehe den Arriaga , Diip . II . in Summulas , 8e6t . IV . Subfe & IV . p . m . 21 . 22 .
Weil ich in der Anmerkung ( 0 ) des Artikels Chrysippus , sehr weit - läuftig von dem Sorires geredet habe , so ist es nicht nöthig , solche« zu wiederholen . Ich will nur sagen , daß nach meinem Bedünken das So - phisma , der Kahlkopf genannt , eine Gattung des Sorires gewesen ; und daß es darinnen bestanden , nach der gewissen Zahl Haare zu fragen , die man einem Menschen ausrupfen müsse , wenn man ihn zum Kahl - topfe machen will . Sind eins oder zwey genug ? man muß antworten nein : man fährt mit Fragen fort , von dreyen auf viere , von vieren auf fünft , u . s . f . und wenn man endlich antwortet , diese Zahl ist , urei - X chend : so findet man sich verbunden , »u bekennen , daß der Unterscheid de« Kahlen und Rauchen , in einem einzigen Haare besteht . Man sehr den Gassendi auf der 4» S . de« I Bande« seiner Werke .
( E ) Nickt« ist geschickter , die Materien - < , w keln , und Zweifel - - 5» erregen , als die Anwendung - ,
* n« W 1 —ci
ne res nos , non verba deeipiant ? Quid mihi vocum fimilitudine» diftinguis , quibus nemo vnquam , nili dum difputaf , captus eft ? re«
fallimt : illas difeerne . Pro bonis mala ampleftimur
Adulatio quam fimilis eft amicitiae ? . . . Doce , quemadmodum hanc fimilitudinem dignofeere poflim . Venit ad ine pro amico blandus inimicus : vitia nobis fiib virtutiun nomine obrepunt : te - meritas fub titulo fortitudinis tatet : moderatio vocatur ignauia : pro cauto timidus aeeipitur . In his magno periculo erratur : hi» certas notas imprime . Ceterum qui interrogatur , an cornua best ? non eft tarn ftultus , vt frontem fuam tentet : nec rurfus tarn ineptus aut hebes , vt non habere fe nefeiat , quod tu illi fubtiliflima collectione perfuaferis . Sic ifta fine noxa deeipiunt , quomodo prae - ftigiatorum acetabida et calculi , in quibus fallacia ipfa dele & at . Ef - fice , vt quomodo fiat intelligam : perdidi vfum . Idem de iftis ca - ptionibus dico : quo enim nomine pOtitis fophismata appellem ? nec ignoranti nocent , «ec feientem iuuant . Si vis vtique verborum ambiguitates diducere ; hoc nos doce , beatum non eum eflfe , quetn vulgus appellat . Senec . Epift . XLV . pag . m . 240 . Man kann Nicht« vernünftiger« , nicht« schönere sehen , al« diese Worte de« Seneca . Wir wollen zum andern Fehler schreiten .
Der Disputiergeist artet gar leicht in eine falsche Grübeley aus . Die - jemgen , die sie nähren , fallen in ihre eigne Netze , und wenn sie ihren Widersacher verwirrt haben , so finden sie sich selbst unvermögend , sich wider dieBerrugschlüsse zu vertheidigen , dir sie erfunden haben , und die man wider ihre Lehren anwenden kann . Man sehe dasjenige , was ich vomChrysippus in den Anmerkungen ( E ) , ( F ) und ( Q ) seine« kel« gesaget habe : dieß ist ein großes Exempel von dem , was ich erstlich bemerket habe . Er hat ausdrücklich ein Dogmatiker seyn wollen , und gleichwohl hat er zum Nutzen de« Scepticismus , fast eben so viel als Karneadeö . gearbeitet , der gar nicht« bejahen wollte . Alle bevde haben hauptsächlich den Spitzfindigkeiten ihre« Geistes geopfert , und sich we - nig um die Wahrheit bekümmert , wenn sie nur die Freude hatten , ihre Einwürfe schimmern und siegen zu sehen . Derjenige , welcher gesaget hat , daß man durch allzustarkes Widersprechen , die Wahrheit verliere , nimium altercando veritas amittitur , ist kein ungeschickter Mann ge - wesen . Wie viele Leute leben nicht in einer stillen Ruhe , bey einer festen Ueberzeugung von der wahrhaftigen Lehre ; die sich mit Zweifeln anfüllen würden , wenn sie die Gründe von dieser und jener Partey ho» ren wollten ? Und wie viele würden sich nicht , anstatt ihre Ungewiß - heir zu zerstreuen , noch tiefer hinein stürzen , wenn sie den Antworten und Gegenantworten , zweener Dispntiergrübler , Gehör yäben ? Jene , ich will sagen diejenigen , die nicht zweifeln , würden sich über den ten Dienst beklagen , den ihnen die Disputierkunst geleistet , und dieselbe fast mit eben dm Worte« , verfluchen , welche ein Redner angewendet hat , die Gewalt der Beredsamkeit auszudrücken . Malam , inquit , cru . cem importtinae ifti eloquentiae , quae me fectirum animi , compofi -
tiimnii«» «« «»U«« - — *
rem , uno srvelfez - - w hio - -
Auf das innerste tiefen der Streitfrage . ) Unter allen philosophi - schen Hebungen ist keine . der die Mittelstraße nöthiger wäre , als das Disputiren ; denn so bald man dabey gewisse Grenzen überschreitet , so verfällt man in unnützes Zeug , und so gar in Schwierigkeiten , welche den Geist verführen , und die Wahrheit zu finden , hindern . Dieses ists , worauf man diese Worte des Aulus Gelliu« , in des V B . XV Cap . sehr wohl deuten kann : Hos aliosque tales argutae dele & abilisque deli . diae aculeos quum audiremus , vel le6titareimis ; neque in his feru - pulis , aut emolumentum aliquod folidum ad rationem vitae perti - nens , aut finem vllum quaerendi videremus : Ennianum Neoptole - mum probabamus , qui profe & o ita ait :
Philofophandum eft paucis : nam omnino haud placet .
°in dem folgenden Capitel sagte er : Eiusdem illius Enniani Neoptole mi . . - confUio vtencuim eft , qui deguftandum ex Philofophia cenfet , non in eam ingurgitandum . Eine ordentliche und wohl geschränkte Disputation , ( Siehe I'Art de penfer , Part . IIL chap . XIX . num . 7 . r> . m . 554 . wo man die guten und bösen Wirkunqen der Disou -
^ — , mv ie\ . ui'uiii animi , compon -
tumque in alteram partem , iam fufpenfum , et vtroque trahentem male perdidit : quali in foro difeeptaretis apudludicem , adeo me contorto pugnacique ifto genere dicendi exanimaftis . Famian . Stra - da , Proluf . II . Libr . II . pag . m . 242 . Diese , ich will sagen diejenigen , die einige Zweifel haben , würden sich beklagen / daß sie viel wankelmü - thiger als zuvor geworden , und zu den zween Widersachern dasjenige sagen , was Terentiu« einer von seinen spielenden Personen beylegr , Feciftis Probe : Incertior fum multo , quam dtidum . In Phor - mione , Ack . II . Seen . III . verf . ig . und 19 . Augustin hat geglaubet , daß die subtilen Disputationen der Logik dermaßen zu fürchten wären , daß man Gott durch öffentliche Umgänge um die Gnade bitten sollte , denselben nicht unterworfen zu seyn , Facere non poflum , quin hic re - feram , quae de Beato Auguftino , viro Aiatotildcvt & tui , quique de Lo - gica plures libros reliquit , tradit Beatus Ambrofius Serm . 92 . illiu» fcilicet pertinaciam et difputationis r —'
— . . . . . uuumuuiu ocrm . 92 . llllUS
. . « . { . uiuiuius acrimoniam fupplicationibus pu -
blicis compefcendam , et quali auerruncandam exiftimafle . Menag . in Diogen . Laert . Libr . VII . num . 83 . pag . 296 . Es ist ein Werkzeug , daraus man guten Nutzen wider die Lügen ziehen kann ; allein man bleibt „ r „ mirr rarr in . cnav AiA . darbey nicht ; denn wenn man denJrrthum vernichtet hat , sogreift man »rankte ^ ) lipurar>vn , vöicv«1 h ? Äf ^irf . . napn b ( , r jv . fou , die Wahrheit auch an : e§ gleicht denjenigen beizenden Pulvern , welche , 7 . p . m . Z54 - wo man die guten^undboferi«irutgen der ^ ^ fau ( e ? klfrf ) ejnec ^»de weggebeizet , auch das leben -
»1 sehr wohl beschreibt . ) wobey sich dn ch biqe Fleisch und die Knochen angreifen , wenn man ihnen den Willen
. . . laßt . Wir wollen nicht so weit gehen , wir wollen nur die bösen Wir -
kungen des Disputierens nach denen Gründen betrachten , die Montagne vorträgt . Unsre Disputationen , saget er , Efläis , Livr . III . chap . VIII . pag . m . 252 . 253 . sollten wie andre A ? ortverbrechen verdorben und gelirafr werden . " Was für Laster erregen und entzünden sie nicht , da sie allezeit vom Zorne geführt und beherrscht werdend U ? ir gerachen in Leindsckafr . erstlich wider die Vcrnunfrstblüsse , und dann wider die tXicnfdim . Xvir lernen die Disputierkunst nur der A ? idersprechung wegen ; und da ein jeder der U ? ider - Tfiffin e« ist sehr schwer bev dieser Verrichtung eine richtige Mittelstraße sprechcr und dcrU ? idersprochene i SÄ ÄÄÄÄÄ SfÄÄÄÄ W . -
'° -
kömmt man einen
tation sehr wohl ve , a>re>vr . ) wooey man »cy anvers nichts vorsetzet , alt die Wahrheit ins Licht zu bringen , ist bey Untersuchung der Wahrheit die allernützlichste Sache von der Welt : und man hat nicht Unrecht , wenn man saget , daß die Disputation dem Stoße zweener Steine gleich ist , wodurch Feuer au« denselben springt , welche« unsichtbar in ihnen verschlossen ist .
. - r Quaeritur pars femina flammae ,
Abftrufa in venis filicis .
Virgil . Aen . Lib . VI . v . 6 .
Titian ceti £i»in „ ur r , „ lutnig icyießen iapt ; 10 oe -
„ . ^Geschmack falscher Ehre , welcher allezeit Materien zum
Widersprechen zu suchen nöthiget : und al«dann giebt man der gesunden Vernunft nicht mehr Gehör , man überlaßt sich der Leidenschaft , für nen qroßen Meister der Spitzfindigkeiten gehalten zu werden . Einem Professor ist die Mühe wohl zu verzeihen , die er sich giebt , durch die« se« Mittel den Geist eine« jungen Schuler« aufzuwecken ; allein den Euklides und feine Nachfolger , kann man nicht beschuldigen , die ihre ganze Lebenszeit über ihr Hauptwerk daraus gemacht , und sich durch Er , findungen haben hervor thun wollen , die gar zu nicht« taugen , als den Verstand zu verwirren . Sie dienen nicht« zur Verbesserung der Laster , sie können keinen einzigen wichtigen Mangel heilen : und überdieß beför - dern sie auf keinerley Art die Erkänntniß der fpeculativischm Wahrhei - ten ; sie sind weit geschickter , dieselbe zu verzögern . Dieß sind zween entsetzliche Mängel . Seneca hat den ersten im XLV Br . auf der 240 Seite bey mir , sehr wohl beschrieben . Intieniflent forfitan necelläria , nifi et fuperflua quaefiflent . Multiim illis temporis verborum ca - uillatio eripuit , et captiofae difputationes , quae acumen irritum ex . ercent . Neftimus nodos , et ambiguam fignificationem verbis alli - gamus , deinde difloluimus . Tantum nobis vacat ? iam viuere , iam mori feimus ? Tota illo mente pergenium eft , vbi prouideri debet
- mMv " t lernet Aepublif den
ten und heimtückischen Gemüthern diese Uebung - - - - Xvas würde endlich daraus werdend der eine geht links , der andre rechts : sie verlieren die - Hauptsache , und verirren sich in dem Gedränge der Zwischenfälle . Nach Verlauf einer Stunde des Ungewittcrs , so wisfen sie nicht , was sie suchen : der eine ist oben , der andre ist unten , der dritte kommt von der Seite . Dieser halt sich an einWort , und an einGleichnifi ; er Hort da« , jenige nicht mehr , was man ihm einwirft : so sehr 'st er auf sei , nen Lauf erpicht , er denket , sich , und nickt euck , ? u folgen : der sich so schwach von Lenden befindet , fürchtet alles , er weigert alles , er verwirrt den Say ; oder er empöret sich über die - Heftige keit des Streits , daß er aus einer verdriefilicken Unwissenheit stock stille schweigt , und eine verstellte hockmuthtgeVerackmng , oder eine sittsame Flucht rhörichter weise annimmt . Mittler - weile dieser bestürmt ist , und nickt weis , wie er sich schützen soll : so xabler der andre seine vi ? orre , und wiegt sie nack der Ver - nunft . Jenec bedienet sick weiter mckts , als des Vortheils sei - ner Stimme und seiner Lunge . - Hier ist einet , der wider sick selber sckließt ; und dieser betauber euck in seinen unnünliche» Vorreden und Aussckweisungen : jener andre wasfnet sick mit lauter Sckimpfworren , und sücket einen nickrswürdigen Zank , um sick die Gesillsckafr und Unterredung eines Ropfes von

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.