Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8426

Euklldes .
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IvS sind . At nunc , 'mqms , videre cft Philofophos vitro currere , vt doceant , ad fores iuuenum diuitum ; eosque ibi federe atque oppe - riri prope ad meridiem , donec difcipuli noäurnum omne vimim edonniant . Ebendaselbst . Es wird wohl Leute geben , welche sich , wenn sie dieses lesen , der Comödie des bürgerlichen Edelmanns erinnern wer , den , Wommen einer von den angenehmsten Austritten , der dritte in der ersten Handlung ist , welcher aus einem Meister in der Philosophie , ei - nein Musikmeister , einem Tanzmeister , einem Fechtmeister , u . s . w , steht . Ich weis nicht , ob AristophaneS und Sudan die Philosophen Musamer durchgezogen haben , als wie sie Moliere in dieser Stelle durch - zieht . Er stellet sie als Leute vor , die , wie ein Tanzmeister , oder ein Fechtmeister in die Häuser gehen , zu lehren ; und dann sehet er voraus , daß sie sich mit den andern Meistern zanken , und weidlich geschlagen werden . * Man merke , daß die Rechtsgelehrsamkeit nicht weniger als die Weltweisheit erniedriget worden . Die meisten jungen Leute ließen einen Stümper in den Institutionen zu sich ins Haus kommen , und gaben sich nicht die Mühe , in die öffentlichen Lehrstunden zu gehen . Tellier . der als Kanzler von Frankreich gestorben ist , hat Verordnungen wider diesen Misbrauch machen lassen .
* Der gute Meliere hat nicht allemal eine reine und gute Sa , tire gemacht , die sich nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit ver - theidigen ließe . SeinPhilosophin diesem bürgerlichen Edelmann« qiebt einen Deweis davon ab . Ich will nicht etwa darauf beste - ben , daß der Philosoph zu dem neugebackenen Junker auf die Stu - be geht , um ihm Leetion zu geben : denn wenn dieses gleich kein Professor in Deutschland thun würde , indem hier auch Grafen die Vorlesungen der akademischen Lehrer besuchen ; so kann es doch wohl in Paris die Mode seyn , so unwahrscheinlich es uns auch vor - kömmt . Ich will nur erwähnen , daß dieser Philosoph seinem Schüler , auf eine unerhörte Art , das A , B , C , erkläret , ihn von den Mäulern unterrichtet , die er bey der Aussprache desselben chen müsse ; und ihn endlich lehret , was Profa und Verse seyn . Wer hätte sich alle diese Dinge von einem Weltweisen vermuther ? Und ich zweifle sehr , ob Moliere dergleichen Sachen , entweder beym Bernier gelernet , oder dem Rohauit , den er sonst verspottet , mit Grunde nachsagen können . Noch seltsamer und unwahrscheinlicher ist es , daß Tanzmeister , und Fechtmeister , und Musikmeister zu - «leick Lecrion geben sollen . Denn außer den Hundötagen , und dem hitziger Fieber , würde auch wohl der allerdümmste Schuster - junge nicht auf die Gedanken kommen , daß dieses angienge : ge , schweige denn ein so reicher Mann , der sich für sein Geld adeln lassen . Noch närrischer müßten die Meister selber seyn , wenn sie einem Thoren , der dieses von ihnen verlangte , zu Willen wären . Mit einemWorte , dieß ist ein Stück , das dem Moliere keineEhre , und den Philosophen keine Schande machet . Jener hat dem Pö - bel zu gefallen ein abgeschmacktes Possenspiel , nach welschem Ge - schmacke , aufführen wollen ; wie er auch in den Betriegereyen Sca - pins , und in verschiedenen andern gemacht . Diese aber haben sichs eben so wenig anzunehmen , als Sokrates , da ihn Aristvphanes auf der Bühne Dinge sagen liess ) die er niemals gelehret hatte . Denn sie dörsen nur mit ihm sagen : der Poet kennt weder uns , noch unsre Lehren . G .
( B ) Eg ist sehr schwer , etwas in seinerLehre von der Natur des Guten ; u begreifen . ^ Er hat es einzeln unter verschiedenen Na - men gemacht : man nennt es , sehet er dazu , bald Klugheit , bald Gott , bald Verstand , und so weiter . Diogen . Laert . Libr . II . mim . 106 . Er hak alle Dinge verworfen , die dem Guten zuwider sind , und auch geleh - ret , daß sie keine Existenz hätten . Ebendas . Also wird seine Lehre in dem Diogenes von Laerz vorgestellt ; allein Cicero stellet sie also vor : Eudides Socratis difcipulus Megaraeus , a quo iidem ilii Megarici dicti , qui id bonum folum eile dicebant , quod esset vniim et fimile , et idem et femper . Cicero , Acadcm . Quaeft . Libr . IV . cap . XLII . Entweder Cicero oder Diogenes Laertius muß diese Lehre des EuklideS übel beschrieben haben ; denn wenn nur ein einziges Gut ist , und wenn dieses Gut beständig sich selbst ähnlich , und allezeit einzeln ist , wie Cice - ro voraus setzet : wie bar man denn sagen können , daß die Klugheit , Gott , und der Verstand das Gute wären ? Sind die Klugheit und der Verstand des Menschen nicht von Gott unterschieben ? sind sie Gott qleich ? sind sie ein einfaches und einziges Wesen mit Gott ? Ich glau - be offenhenig , daß keiner von diesen Schriftstellern die Lehre der Me - qarier wohl begriffen hat ; und daß diese selbst , sie entweder nicht griffen , oder keine gute Erklärung davon gegeben haben . Man steht darinnen einige Stralen von demjenigen , was unsere Gottesgelehrten von dem höchsten Gute lehren . Es scheint auch , als wenn unser Eu - klides einen kleinen Begriff von demjenigen gehabt hatte , was sie von der Natur des Bösen lehren . Sie sagen , daß das Böse nichts ist , und daß es in einer bloßen Beraubung besteht . Wen haben die Megarier wohl zu überreden gehofft , daß die Krankheiten , die Verdrießlichkeiten , die Laster , und alle andere dem Guten widrige Dinge , Hirngespinnste sind , die nicht das geringste Daseyn haben ? Ihr Lehrgebäude ist in die - sem Stücke ein verwirrter Klumpen gewesen . *
* Die megarischen Philosophen haben so was unrechtes nicht gesagt , als Herr Bayle glaubet , indem sie behauptet haben , daß das Uebel nichts wirkliches ( pofitiuum quid ) sondern etwas sey , das nur in der Beraubung oder Entbehrung besteht , ( in priuatione , »der defeftu . ) Es ist wahr , in dem physikalischen Uebel hat es das Ansehen , als ob eine schmerzhafte Krankheit etwas mehr . als eine Beraubung wäre : weil man die Schmerzen wirklich fühlet . Allein was wollte Herr Bäyle sagen , wenn man ihn von den Schal - ten und der Finsterniß fragte , ob sie deswegen nicht priuatiuum quid nämlich eine Beraubung des Lichtes wären ; weil sie einem Menschen sehr verdrießlich fallen können ? Ich frage eben das von ^ Armmh die nur ein Mangel de - Geldes ist ; so wie die Krank - heit ein Mangel derGesundheit Wen kann Doch ich willernst -
Nachricht * von * " W
Gut , dasjenige , was vollkommenst : so ist das ihm entgegengesetzte Uebel nichts anders , als der Mangel derselben , oder die Uuvoll - kvmmenheit . Was ist diese nun anders , als priuatiuum quid , eine Beraubung oder Entbehrung eines wirklichen Gutes ? Z . E . Der Verstand und eine gute Einsicht in den Zusammenhang der Wahrheiten , ist ein metaphysisches Gut , eine gewisse Vollkommen , heit eines Geistes , insoweit er ein wahres und gründliches Erkennt - niß vieler Dinge hat . Die Unwissenheit aber , die Unvernunft und Thorheit , sind nichts positives , oder wirkliches ; sondern nur eine Beraubung oder ein Mangel einer bessern Einsicht , ( defedlus vi . tenoris perfeftionis . ) Diese Lehre ist nicht nur bey den Scho - lastikern hin und wieder anzutreffen ; sondern es hat sie auch der Engländer King , in seinem Buche , deOrigine raali , und noch ser , Herr von Leibnitz in seiner Theodicee , erkläret und behauptet . Ans dieser eingeschränkten Einsicht eines endlichen Geistes aber entsteht auch das moralische Uebel ; nämlich die bösen Handlungen , die wider des Menschen eigenes Wohl laufen , die er nämlich nim - mermehr begehen wurde , wenn er Verstand genug hätte , solches einzusehen . Aus dem moralischen Uebel aber , kommen auch die Strafen , oder da« physika ! >iche Böse , welches allezeit einen Schmer» bey sich führet . Folglich haben denn die megarischen Weltweisen nicht ubel behauptet : daß der Grund und die Quelle , ja das ei - gentliche Wesen des Uebels , bloß in der Entbehrung oder Berrau - hing , das ist , in dem Mangel größerer Vollkommenheiten , be - stehe . G .
( C ) CSr hat in seinen Disputationen lauter Schlufisttte ge - braucht . ^ Die Worte des Diogenes von Laerz , sind im II B . Num .
107 . diese : Ta ? { Tt ämoSuljevtv ivinraro , « xaret ^fißaTte , i & Jc koct lm - ( v ) Eubulides - < ist der Erfinder verschiedener ausier« ordentlich verfänglicher und schwerer Sophismaren gewesen . ) Hier stnd ihre Namen , der Lügner , derBctrieqer , die Slektra , der Verdectte , der Sorites , der Gehörnte , der Kahlkopf . Diog . Laert . Lib . II . mim . iog . Man findet in dem Gassendi an angezogenem Orte auf der 40 Seite , eine gute Erklärung aller dieser Betrugschliisse , mit Beyspielen bestätiget . Man kann sie auch bey dem Menage im II B . Num . - ioz . über den Laertius finden . Ich will nur dasjenige zeigen , was der Lügner gewesen ist . Man hat einen Menschen voraus gesetzt , der gesagt , ick löge : und daraufhat man auf diele Art arguinentirt , daß man aus dem , was er für wahr gesagt , geschlossen , daß er löge , und aus dem , was er gelogen , hat man geschlossen , daß er wahr rede . Si dicis te mentiri , verumque dicis , mentiris : dicis autem te mentiri , ve - fumque dicis , mentiris igitur . Cicero , Acad . Quaeft . Lib . IV . cap .
3» größerer Verwirrung , hat man vorgestel - let , daß in dergleichen Schlußreden , wie dieser , was die Forme betrifft , der Schlußsatz wahr wäre ; wie kannst du dich also den Schlußsatz von diesem zu verwerfen unterstehen , da du den Schlußsatz von den an - dem znläßrst ? Eicerv bemerket , daß Chrysippus , der sich selbst diese Schwierigkeiten gemacht , die Auflosung derselben nicht habe geben tön - neu . Qui potes hanc non probare , qiuim probaueris eiusdem generis fuperiorem ? HaecChryfippeafünt , neabiproquidemdiflbIuta . Ebel ! - daselbst . Man hat eben dieses Sophisma auf dasjenige gebauet , was Epimenide« , der von der Insel Creta war , gesagt hatte , daß alleCreten . ser Lügner wären . Er hat also gelogen , da er dieses gesagt , schloß man : also sind die Cretenser keine Lügner ; also sind sie glaubwürdig ; also muß man der Bejahung des Epimenides Glauben geben : also sind die Cre - tenser alle Lügner . Aristoteles in der Ethica ad Nicomach . Lib . VII . cap . III . hat bekannt , daß diese Sophismaten fast nicht zu erklären wä - ren . Der Rechtsgelehrte Asrieanus , wenn er einen Fall gesetzt . dessen Knoten unauflößlich war , so hat er ihn mit diesem Sophisma verali . chen , davon hier die Rede ist . Dixi « * <>> * » hanc quaeftionem esse : qui traflatus apud Diale & icos rü dicitur : etenim quidquid
conftituerimus verum eilir , falfum reperietur . Atrican . Libr LXXXVIII . D . ad L . Falcid . Siehe den Cujaz , imgleichen denMma - ge im II B . Num . >o« . über den Diogenes von Laerz . Es ist dienlich , zu sehen , wie Seneca . derjenigen spottet , die ihre Zeit mit solchen eiteln Spitzfindigkeiten verderben : Quid nie detines in eo , quem tu ipfe Pfeudomenon appelJas , de quo tantum librorum compofifum eft ? Ecce tota mihi vita mentitur : hanc coargue , hanc ad verum , fi tus es , redige . Seneca , Epift . XLV . pag . m . 241 . Einige sind b>6 auf die Haut vertrocknet , die sich allzusehr haben angelegen seyn lassen , der , gleichen Dingen nachzudenken : sie haben sich eine Magerkeit zugezogen , die sie ums Leben gebracht , nnd dieses ist auf ihr Grab gesetzet worden : Athen . Lib . IX . p . 401 . E . Siehe auch den Hefyduus Illuftrius , in Phi . leta . Kiyowcvec ri» kots Site tuütut rä ; ( pforrtSac , «in S k£q (
& rüv Tin xecAv / uvgv ^tuSo^öyov r« , Kaym , ipeiu ; Uüvh
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