Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8415

Menne . Euklides .
einen Menschen tadeln , der in einem Rechtshandel , wo von der Wieder» erlangung dieses Gutes gehandelt wird , durch gerichtliche Untersuchun - gen beweist , daß ihn seine Frau unrechtmäßiger weise darum gebracht hat ? Man bildet sich ein , wenigstens wenn man nicht genau Acht darauf giebt , daß keine Weiber gefälliger gegen ihre Ehmänner sind , als diejenigen , die sie mit Hörnern beschenken . Man sehe oben eine von den Erzählun - gen des la Fontaine . Alan kann auch ein Buch sehen , welches >68 - in Holland unter dem Titel gedruckt worden , Les Privileges du Cocuage . E« ist ein Gespräch zwischen einem Hahnrey und einem Eifersüchtigen . Dieserwegen hätten die Gegenparteyen des Herzogs von EtampeS vorge - ben können , daß ihm seine Ehfrau hundert Vortheile erwiesen hatte , da - mit er nur den Übeln Titel geduldig tragen sollen , womit sie ihm beschenket . Er ist also gezwungen gewesen , gerichtlich zu beweisen , daß sie ihm großen Verlust verursachet hatte .
Man tadle ihn also nicht , daßler dem Titel eines Chronikenhahn - reyS , den Titel eines Gerichtshahnreys beygesüget hat : denn der letztere war offenbarlich in dem ersten enthalten , und hat seine Schande nicht vergrößern , hingegen einen großen Schaden verhüten können . Man tadle diejenigen so lange und so sehr , als man will , welche nicht zu be - fürchten haben , daß man ihre Schande in die Jahrbücher bringen , und sie in die Parlementöschreiberey tragen , und in die Gerichtsbücher ein - schreiben lassen wird : allein diejenigen lasse man ungetadelt , die ohne dieß der Feder der aufrichtigsten Historienschreiber nicht entgehen können . Der Graf von Bußi Rabutin , hat - 66» einen Brief erhalten , darinnen von einem Menschen geredet wird , der sich im ersten Falle befunden hat . Man sehe in was für Ausdrücken dieses abgefaßt ist . Den Äricf der Lrau von , - - an den - Herrn von - , - be - »reffend , so ist er nicht herum gegangen . Der Edelmann selbst hat ihn dem Ronige gezeigt , und dem parlemente übergeben . Da er also kein Cbronikenhahnrey gewesen , st» wird er wenig - stens ein Gcricbtshahnrey se^n . Lettres de Buffi Rabutin , Tom . II . Lettr . CLIII . pag . ZZ5 . holländischer Ausgabe .
( L ) Ich kann kaum glauben , daß Franc , 'scus Verl , jemals im Ernste gesagt haben sollte , daß er nickt bey dieser Dame schlafen hatte . ] Der Schriftsteller , dem ich hier widersprochen , ist von keinem solchen Gewichte , daß ich mir über die Freiheit ein Gewissen machen sollte , welcher ich mich gegen ihn bediene . Wir wollen seine Worte sehen : Da also der Romg Lranciscua , von seiner Gefangen - sckast befreyt , au» Spanien zurück kam , so ist ihm die - Herxo - ginn Regentinn , seine Mutter , in Begleitung vieler Damen und Frauleins , nack Äourdeaur entgegen gegangen ; unter welcken Anne vonpijseleu gervesen , die seit dem , Gräfin» von Pontievre , und darauf , wegen ihres Gemahls , - Herzogin» von Estampes geworden . Eine Dame , die seit diesem beständig bey Sem R . 6 - »ige in Gnaden gestanden ; denn er hat dasjenige für fie getban , was er andern versaget : und ob man gleick von dieser Vertrau - lickkeit nickts allzuehrbares gemuthmaßet , so hat sich dock der RSnig deswegen gereiniget und betheuerr : daß er diese Dame , bloß wegen ihrer Anmurh und »Kres lustigen Xvesens , liebte . Dem sey wie ihm wolle , so hält man dafür , daß er sich derselben auck im Bette bedient , zumal da er sehr geneigt zur Lrauenliebe ge -
wcsen , welckes der einzige Fehler , und das einzige Laster ist , dem dieser Prinz ergeben war . Du Verdier Vau - Privas Profo - pogr . Tom . III . pag . 2347 . Es ist wider die Wahrscheinlichkeit , daß dieser Prinz jemals auf den Einfall gekommen feyn sollte , im Ernste zu versichern , daß zwischen ihm und der Herzoginn von Estampes nichts unehrbares vorgegangen wäre . Er hatte allzuviel Geist , und allzuviel Er - fahrung , als daß er nicht wissen sollte , wie niemand , nach der Erkenntniß , die man von seiner Neigung zum Frauenzimmer hatte , dergleichen Ver - ficherungen glauben würde . Und überdieß hätte er auf die Art , darin - neu sich die Sachen befunden , befürchten müssen , sich bey seinem gan - zen Hofe verächtlich zu machen , wenn er für einen jungen Prinzen wäre gehalten worden , der so lange Zeit einem schönen Mägdchen auf - gewartet hätte , ohne etwas von ihr zu verlangen , noch zu erhalten . Die Versicherung , die man ihm beylegt , würde nicht so weit von der Wahrscheinlichkeit abgehen , wenn er angefangen hätte , sich der Herzo - ginn zu ergeben , da beyde schon bey reifem Alter gewesen wären : allein er schien , nach seiner Zurückkunft aus Spanien , in sie verliebt zu seyn , da er nur zwey und dreyßig Jahre alt , und die Fräulein von Heilly , ein junges Frauenzimmer , voller Liebreize gewesen . Wo ist die Wahrschein - lichkeit , daß er nicht geeilt haben sollte , zum Schlüsse zu kommen , und daß er nicht in einiger Zeit das Ziel getroffen haben sollte ? f Wenn die Tugend dieser Schonen unüberwindlich gewesen wäre , so würde er son - der Zweifel seine Seufzer , noch vor Endigung de« Jahres , gegen eine andre gewendet haben . Allein ich sehe keinen einzigen Schriftsteller , der so emsäl - tig wäre , unsere Anne von Pisseleu , der Keuschheit halber zu loben . Die Leichtgläubigkeit de« Schriftstellers , den ich widerlege , ist aus halbem Wege stehengeblieben : denn wenn er überzeugt gewesen , daßFranciscus der I , diese Betheurung von seiner Unschuld gethan , so hat er nicht geglaubet , daß man derselben Glauben geben dörse . Wenn sie verdient hätte , geglaubt zu werden , und wenn überdieß die Herzoginn von Etampes von der Partey der Reformirten gewesen wäre : so würden diese das allergrößte Exempel der Keuschheit in ihrer Gemeinschaft gehabt haben , das jemals auf dem Erdboden erschienen wäre . In diesem Falle würde diese Her - zoginn , in Absicht auf diese Tugend , nicht allein die heil . Jungfern de« Märterthums , sondern auch die Romanheldinnen übertroffen haben . Man verwundre sich nicht über die Beschaffenheit dieser Vergleichung . : ich bin nicht der erste , der da saget , daß die Beyspiele der Tugend , die man in unfern großen Heldenbüchern , der Cassandra , der Cleopatra , dem Cyrus , der Clelia , u . a . m . ehmals erdichtet hat , die Uebung der aller heiligsten Frauenspersonen bey weitem übertreffen . Siehe den Abt von Villiers in seinen Reflexions für les de'fauts d' autrui . Denn die manheldinnen halten sich bey dem Hofleben , da sie von einem höchst voll - kommenen Liebhaber , den sie lieben , belagert , und von Zeit zu Zeit entführt werden , und sich allezeit mitten unter den gefährlichsten Versuchungen be - finden , rein , und von allem Makel unbefleckt . Die Keuschheit der Klöster , der Jungfern des Märtyrerthums , hat nicht dergleichen Schwierigkeiten zu überwinden : sie ist also nicht so wunderbar , als der Damen in der Cle - lia ihre . Wie aber diese nach Verlauf zweyer oder dreyer Jahre , mehr oder weniger , das Ende ihres Verdrusses durch eine glücklicheHeirath ge - funden : so käme ihre unveränderliche Tugend derjenigen noch nicht gleich , die man der Herzoginn von Etampes zueignen müßte , wenn der König dieselbe niemals genossen hatte .
Etimne von Byzanz , der Verfasser eines geographischen Wörterbuchs , davon uns nur ein sehr unvollkommener Auszug übrig ist . Siehe Grephanue .
Euklides , gebürtig von Megara , und ein Schüler des Sokrates ( A ) , ist dem Geiste seines Meisters nicht gefolgt ; denn anstatt , daß er sich vornehmlich auf die Lehre von den Sitten legen sollen , so hat er sich beflissen die Spitzfindigkeiten der Logik zu läutern . Er hat eine Secte gestiftet , die für einen Ast , oder vielmehr für eine Fortsetzung der schule des Tenopha - nes des ParmenideS , und des Zeno von Elea gehalten wird " . Diejenigen , die seiner Art zu philosophiren gefolgt , sind Meqarier , Megarici , nach diesem Dibutanten , und endlich Dialektiker genennet worden 6 . Man kennet seine Meynungen nicht sehr umständlich , und es ist sehr schwer , etwas in seiner Lehre von der Natur des Guten zu verstehen ( B ) . Er hat vey seinem Disputiren nichts als Schlußsäße gebraucht ( C ) ; und daraus können wir von der Hitze und Heftigkeit urtheilen , die er dabey gebraucht hat . Wir können auch davon aus der Beschaffenheit des Geistes urtheilen , den er seinen Schülern eingeflößet hat . Dieser war eine Wuth , oder eine Heftigkeit zu disputieren f . Eubulides , welcher ihm folgte , war der Er - finder verschiedener betrieglichen Schlußreden , womit inan einem leicht fangen konnte , und die sehr schwer aufzulösen wa - ren . ( I ) ) . AlennuS , der dem Eubulides folgte , ist ein großer Liebhaber des Disputirens gewesen , und hat sich mit solcher Hef - tigkeit dabey bezeigt , daß er sich dadurch einen Zunamen erworben * . Diodor , ein andrer Schüler des Eubulides , hat sich von dieser Gattung des Wortkampfs so thörichter weise einnehmen lasten , daß er aus Verdruß gestorben , weil er die Fragen der Dialektiker nicht stehenden Fußes auflösen können , die Stilpo an ihn gethan hatte * . Wenn diese Secte etwas zur Erläuterung der Wahrheit beygetragen hätte , so müßte man dieses als ein Wunder ansehen ; denn nichts ist geschickter , die Mate - rien zu verwirren und zu verdunkeln , und in dem Gemüthe der Zuhörer und Leser Zweifel zu erregen , als die Anwendung auf Grübeleyen , und das innerste Wesen der Streitfrage ( E ) ; welche fast allezeit in Wortgezänke , Eigensinn , Unredlichkeit , und Eitelkeit des Sophisten ausarten . Wir wissen nichts von dem Zusammenhange der Naturlehre dieser Weltweisen ; und es ist fast nicht wahrscheinlich , daß ihnen ihre Neigung , die dialektischen Begriffe aus das höchste auözugrübeln , Lust oder Muße ge - lassen hatte , an Erklärung der Naturwirkungen zu arbeiten . Ich habe in dem Aristoteles gelesen f , daß sie gelehret , eS sey keine Kraft von ihrer Wirkung getrennet , das heißt , daß eine Ursache , die nicht wirklich eine Wirkung hervorbringt , auch nicht die Kraft habe , dieselbe hervorzubringen . Dieß ist eines von den gottlosen Paradoxen der Spinosisten . Aristoteles hat es wohl wi - verleget * . Ich verweise in den Zusatz des Euklideo , des Meßkünstlers , und will hier einige Fehler des P . Rapin bemerken ( ? ) .
* ) Cicero , Acad . Quaeft . Libr . IV . cap . XLII . b~ ) Diogen . Laert . Libr . II . num . 106 . c ) Siehe die Anmerkung ( v ) <0 A'vtjf $iAovhko't ( xt0 { ' i / o ima#« . Vir acer et contentiofus viribus ac neruis clarus : vnde et Elenxinus cogno - minatus eft . Diogen . Laert . Lib . II . num . 109 . - ) Ebendaselbst . / ) AriftoteJ . Metaphyf . Lib . IX . cap . III . g * ) Ebendaf .
ein Schüler öes Sokrates . ^ Cicero , Acad . Qu . Tum Euclides , qui indidem Megaris erat , quique ante id decretum
et eile Athenis et audire Socratein confueuerat , poftquani id tum fanxerunt , fub noöem , quum aduefperafeeret , tunica longa liebri indutus , et pallio verficolore amiöhis , et caput rica velati
( A ) Sr war ein Schüler des Vorrates . J Cicero , Acad . Qu . Libr . IV . cap . XLII . Strabo , im IX Buche zu Ende , auf der - 7> S . bey mir , und Diogenes von Laerz , Libr . II . in Socrate : num . 47 . zeugen dieses ; aber kein einziger darunter hat einen sehr merkwürdigen Umstand erzählt , den wir im Aulus Gellius finden ; daß nämlich Eu - klides , da er sich nicht getrauet , nach Athen zugehen , weil die Athenien - fer wider alle Megarier , die dahin kommen würden , die Todesstrafe ein - geführt , des Nachts als eine Frau verkleidet hinein gegangen , und , dem er von dem Sokrates Unterweisungen erhalten , des andern Tages früh , unter eben derselben Verkleidung , wieder nach Megara zurück gekeh - ret . Man merke , daß er ein Schüler dieses Philosophen gewesen , che dieser scharfe Befehl derAthenienfer gegeben worden war . Decreto fuo Athe - - nienfes cauerant , vt , qui Megaris ciuis eilet , fi intulific Athenas pe - deni preheniui eilet , vt ea res ei homini capitata eflet
pallio verficolore amiöus , et caput rica velatus c domo fua Megaris Athenas ad Socratein commeabat ; vt vel ncxSHs aliquo tempore confiliorum fermonumque eius fieret partieeps : rurfusque fub lucem millia pafliium paulo ampliu» viginti , eadem vefte illa te & us redibat . Aulus Gellius , Libr . VI . cap . X . Aulus Gellius erzählet hier dasjenige , was er von einem berühmten pla , tonischen Weltweisen , Taurus genannt , hatte sagen hören , der zu gleicher Zeit , das , was man gegen den Sokrates verübt , demjenigen entgegen gesetzt , was die Philosophen damals gethan : heutiges Ta - ges , sagte er , sehen wir die Philosophen in die reichen Häuser gehen , und sie bis Mittags warten , ehe die Schüler die Dünste des Weins
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