Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4272


Camden .
uerfa quae poft in Annalibus pofuit , olim fcripfifle , quicquid in eontrarium fingitur , vcro verius eile videbitur . Smith , in Vita Camdeni , pag . 54 .
Man muß bekennen , daß diese Betrachtungen einige Stärke haben ; denn I . bezeuget der Brief , welchen Thuanus im Hornunge , 605 , an den Camden geschrieben . daß sie einander noch nicht gekannt haben . Vix fpcraucram , vt rogatus a nie faceres , quod fola D . Infulani ami - ciffimi viri commendatione fccifti . Quid enim fum , vt feria tua lhu dia tantifper remorcr ? Camdenum in meis legendis iaehiram bo - narum horarum fecifle ? Xanto hominein fibi iGNOTVM bene - ficio deuinxifle ? Pag . 62 . Epiftolar . Camdeni . Camden hatte die Bücher Thuans auf das Ansuchen des Herrn von Lisle gelesen : Thuanus , welcher sich verwunderte , daß Camden sich diese Mühe , wegen eines Schriftstellers , genommen , der ihm unbekannt war . und nicht selbst darum gebethen hätte , bedankte sich deswegen bey ihm desto sorgfäl - tiger . Man kann versichert seyn , daß dieses das erstemal gewesen , da er an ihn geschrieben . Allein , weil die Bücher von seiner Historie bereits unter der Presse gewesen , welche von den Unruhen in Schottland Han - deln , so hatte er sie nicht nach den Nachrichten Camdens einrichten können . Ebend . II . Erfraget ihn in eben diesem Briefe um Rath : er weis , daß der König Jacob zornig gegen den Buchanan ist , er weis nicht , ob Buchanan so scharf geschrieben hat , ( Acerbius haec fortasse a Buchanano scripta , et audio difcipulum praeceptori ob id fuccen - fere , et tarnen quia gefta funt citra flagitium dillimulari non pofiunt . Pag . 68 - Epiftolaruin Camdeni . ) Er wollte den englischen Hof nicht beleidigen ; allein er kann sich nicht entschließen , wahrhafte Sachen zu unterdrücken : er bittet also den Camden , ihm bey einer so kutzliäM Angelegenheit , mit seinem Rath« beyzustehen , Er verlanger keine Nachrichten von ihm . sondern nur einen guten Rath : ( gleichwohl ke man , daß er ihn um Nachrichten von Inland gebethen , und verspro - chen , sich der von ihm erhaltenen Anmerkungen , bey dem bereits druckten Bande zu bedienen , nämlich bei , der nächsten Ausgabe . ) Sc« , be , et amico confiiii inopi tuurn ne denega . Innuere VERBO potes , nec opus eft vt D1S TIN C TIV S feribas . Pag . 68 . Epiftolar . Camdeni . III . Man weis dasjenige nicht umständlich , was ihm Cam - den geantwortet ; allein man weis , daß er ihm gerathen . viel Mapigung ju beobachten : denn als ihm ThuanuS zu Ende des Heumonats 1606 , den andern Band von seiner Historie zugeschickt , so giebt er ihni zu er - kennen , daß er befürchte , er hatte die ihm vom Camden angcratheue Mäßigung nicht beobachtet : Mitto ad te - - - fecundum Hifto . riarum noftrarum tomum , fed valde vereor , vt temperamentum il - lud , de quo monueras in rertim Scoticarum narratione , vbique 5er . uauerim . Pag . 73 . Epiftol . Camdeni . und darauf machet er eine sehr scheinbare Schubschnft für dm Grafen von Meurrai , um sich unter derselben selbst in Sicherheit zu stellen . IV . Der Ausgang hat ihm ge - zeiqer , daß seine Furcht mehr als zu viel Grund gehabt . Der Konig Jacob hat sich heftig wider ihn erzürnt , und dem Wilhelm Camden befohlen , ihm ein Verzeichniß von den Fehlern zuzuschicken , welche die Angelegen - heilen von Schottland betreffen , V . Es erhellet aus einem Briefe ThuanS vom , z April , >608 , daß Camden noch keine Nachrichten her - gegeben gehabt ; tvenn man dasjenige ausnimmt , was er wegen ^rr - land überschickt hatte ; denn ThuanuS bezeuget , daß er wohl hätte schen wollen , dergleichen Nachrichten von England uiid Schottland be - kommen zu haben ; und in diesem Falle zweifelt er nicht , daß er vermö - gend gewesen seyn würde , selche Maaßregeln zu halten , die den englischen Hos vergnügt hatten . Was kann man mehr entscheidendes gegen die - jcnigen wünschen , welche vorgegeben haben , daß Camden dem Thuanus solche Dinge mitgetheilet hättet die er nach diesem selbst nicht in seine Jahrbücher gesetzt ? Wir wollen sehen , wie es Thuanus bedauert , daß er , wegen ermangelnder Hülse Camdens gezwungen gewesen , dem einzigen Buchanan zu folgen . In Hibernicis iam multum profeci Vtinam quae veftra funt , et ad vniuerfam Britanniam fpeflant pari compendio et limplicitate fcriplifles . Sic enim fadhim eflet , vt'tf mperamentura , quod in Scoticis a me quidam fortafie funt defideraturi , tuis veftigiis infiftens , facilius fecutus eflem , et in veftratium Magnatum olfenfionem , quam vitatam cupiebam , non inenrriffem . Sed cum neminem haberem praeter Buchananum , nccefie mihi omnino fiiit feriem illius tragicae narrationis , per alioi eosque Religioni Proteftantium minime addidtos antea adpro - batae , petere : caeterum omni infectatione omifia . In Epift . deni , pag . 97 . VI . Ein Brief ( ebend . IZ9 S . ) welchen ThuanuS im Jahre 1613 , an den Camden geschrieben , bezeuget zwar , daß er Nach - richten von England erhalten , an welchen Camden viel Antheil gehabt ; allein er hat dieselben von dem Cottvn , auf Befehl des Königes Jacob erhalten . Hieraus muß man schließen , daß diese Nachrichten denjeni - qen gleich gewesen , welchen Camden in seinen Jahrbücher» gefolget ist ; woher sollen denn die Vorwürfe gekommen senn , die ihm Thuanus , wie man vorgiebt , gemacht hat ? VII . Endlich befindet sich unter denen Briefen welche von dem Camden geschrieben , und von dem Lerrn Smith herausgegeben worden , keiner von dem Thumus , dem Herrn vonAuy oder einigen andern , welche dieser Vorwurfe gedachten , siehe die Anmerkung ( H ) .
Gibson hat de« ausgesprengte Gerüchte von diesen vorgegebenen Klagen des ftanzüsischei , Geschicktschreibers heftig bestritten . Er suchet die Umstände gründlich , und zieht starke VcruunMchlusse daraus . Hier ist derAuszuq von feiner Disputation : als Thuanus an den Camden bey Ueberschickung des andern Bandes seiner Historie , ben , so entschuldiget er sich anfänglich und erkläret , daß er befürchte , sei - nen Rathschlägen bey Erzählung der Vorfälle bey Sckoccland nicht wohl gefolgt zu seyn , und saget gegen das Ende desselben Briefs , daß er die Sachen erzählet , wie er sie von einigen Schottländern , als Augen - zeugen , erfahren , nach deren Gewicht er die Schriften Buchanans wogen habe . Ist dieses nicht ein Beweis , entweder daß er vom Wil - Helm Camden keine Nachricht erhalten , oder sich derjenigen nicht be - dienet , die er erhalten haben könnte ? Man setze darzu , daß er in Irr - thum gefallen , und leiner britannischen Majestät zu nahe gettetm wä - re , weil er den Nachrichten Camdens gefolget , und Recht gehabt hatte , sich zu versprechen , daß ihn dieß wegen dieser Sache entschuldigen wür - de . Die Redlichkeit und Ehrlichkeit hätten erfordert , daß sich Wil - Helm Camden in diesem Falle auf das sorgfältigste ben dem Thuanus entschuldiget und ihm bezeuget hätte , daß er sich damals im Jmhume
befundm ; itzo aber durch dA Unterredungen mit dem Könige , und durch Lesung der öffentlichen Urkunden die Wahrheit erkannt habe . Dieses hätte Camden an einem oder dem andern Orte seiner kritischen Anmerkungen über die Historie Thuans thun müssen ; allein , eben die« ses hat er nicht gethan ; er begnügte sich mit dem Tadel . Er menget Bitterkeiten darein ; er tadelt den Thuanus , daß er dem Buchana» mehr gesolget ist , als es seyn sollte . Kann man wohl glauben , daß der auf eine solche Art angestochene Thuanus seine Empfindlichkeit nicht gezei - get , und an seine Beurtheiler geschrieben haben sollte : rvenn ich mich be - trogen habe , fo i ( i niemand GckulO daran , als ihr selbst^ Er mußte ihm dasjenige zur selben Zeit vorgeworfen haben , was er ihm erstlich nach Dnrchlesung des ersten Bandes der Jahrbücher von Elisa - beth vorgeworfen hat . ( Aus dem Leben Camdens , welches Gib« son gemacht und welches man vor die neue englische Übersetzung von Camdens Britannia gesetzt bat . ) Es giebt tausend Erzählungen von dieser Art , welche ganze Jahrhunderte durch ein ganzes Königreich herumgchm , ohne daß sie einen andem Grund haben , als die Phanta - sien einer von Vorurtheilen eingenommenen , argwöhnischen , und hinter - listigen Partey , Wenn man den Grund ein wenig untersuchet , und sich bemühet , die gegenseitigen Beweise zu finden , so ist alles nichts , als Rauch .
( G ) Diese Erzählung tot enthält den historis . pyrrhonis - mus » . s . ro . ] Diejenigen , welche die Parrey der Schottland« : ten , führen den Buchanan an ; diejenigen , welche der Königinn Maria günstig sind , führen den Camden an . In diesem Streite werden die Vorurtheile wider den Buchanan seyn . I . Ein unstäteS und herum - schwärmendes Leben , wie das seinige , und so viele theils satyrische , theils geile und unkeusche Verse , die er gemacht hat , geben kei - nen vortheilhaften Begriff von ihm , und verhindern zum wenig - - sten , daß man von feiner Redlichkeit keine so gute Meynnng fasser , als von Camdens Tugend , welcher beständig , als ein weiser und im - tadelhafter Mann gelebet hat . II . Ueberdieß hat Camden keinen persönlichen Antheil an der Rechtfertigung der Maria , als wie Bw° chanai , an derselben Anschwärzung gehabt . Buchanan hat sich sehe weit bey der Parrey eingelassen , welche die Königin» vom Throne ge - stoßen lind verjagt hatte : er hatte also Theil an einer Aufführung , de - ren Fehler im höchsten Grade zu verfluchen ivar , wenn diese Königin» : nicht höchst strafbar gewesen ; da hingegen diejenigen , welche sie vertrie - ben haben , »im so viel weniger zu tadeln wären ; je abscheulicher die , La - ster dieser Koniginn gewesen . Ich habe in der Anmerkung ( C ) bey dem Artikel Buchanan diese Betrachtung berühret ; Herr Smith hat sie nicht vergessen , und sie lautet also : Buchananum , a quo illas aeeepe - rat , omnes tum ingenii et malitiae neruos contendifle , vt Mariae Reginae famam fpureiflimis conuitiis laederet : qui non aliter fperare poterat , fe perfidiam et flagitiofa rebellium fubditorum , qui vindi - candae Religionis et Legum Scotiae violatarutn , fpecie et praetextu arma fumfiflent , facinora pofie tue» . Smith , in Vita Camdeni , p . 52 , 5z . III . Buchanan hat das Haupt von der Partey , welche dir Ma - ria Stuart vom Throne stieß , zum Gönner gehabt ; und Camden hin - gegen ist der Königinn Elisabeth tausend Verbindlichkeit schuldig gewe - sen . Also hat Buchanan einen Vertheidigungsbrief für seinen Mecäna« zur Last der Königin» Maria gemacht ; allein dasjenige , was Camden zur Freysprechung der Maria bekennet , gereicht dem Andenkender Königin» Elisabeth zur Schande . IV . Endlich ist Buchanan ein Feind der Katholi - ken , und Camden auch . Diese Gleichförmigkeit der Religionen machet ei - ne große Ungleichheit in ihrem Zeugnisse . Buchananö feines wird da - durch viel schwächer , nnd Camdens seines viel stärker . Die katholi - schen Seribenten , ausschweifende Lobredner der Maria , haben nicht vergessen , ihrm Widersachern vorzustellen , daß sie dieselbe nicht durch ein angeführtes Werk eines Mönchs oder eines guten Papisten , sondern mir dem Zeugnisie eines Ketzers , des Geschichtschreibers der Königinn Elisabeth , seiner Wohlchäterinn , rechtfertigten .
Wenn man Hierwider nichts einzuwenden hätte , so würden dieje - nigen nicht einen Augenblick in dem historischen Pyrrhonismus bleiben , die auf die Seite der größten Wahrscheinlichkeit treten : allein , man kann ihnen entgegen sehen , daß Camden unter einem Prinzen qearbei - tet bar , welcher als ein Sohn der Maria viel mehr Ursache hat , zu wünschen , daß man die Regierung der Königin» Elisabeth anschwärzte , als die Regierung seiner eignen Mutter ; und also darf sich niemand verwundern , wenn die , er JahrbuchSschreiber in gewissen Dingen die Ehre der verstorbenen Königinn der Zärtlichkeit des regierenden' zen aufgeopfert hat . Ueberdieß ist Camden , ob er gleich ein Feind der Katholiken war , den schonländischen Puritanern dennoch zuwider ge - wesen . Jedermann weis , auf was für Art die Bischöflichen noch Heu - tiges Tages mir den Grundsätzen Buchanans und seiner Partey umge - hen . Hinc , das heißt , seitdem was in Schottland wider die Maria Stuart vorgegangen , ißaimpi * dogmtta , omne ius regnandi a po - P 0 , Reges in ordinem cogendos , Ii contra leges deliquerint , licere populo et lnferionbus Magiftratibus vi et armis religionem etrempu . blicam , iniiitis qui fummo imperio potiuntur , reformare , et eiusmtdi reit jux , 6» . . Dieses ist es . was man zur Schwächung des Zeug , nisses von dem Camden sagen kann , und was man wirklich saget Man säget , daß sein Werk auf Befehl des Königes Jacob verst . im - melt worden , und daß die dadurch verursachten leeren Plätze zum Grunde der andern Stucke gedienet , welche dem Willen dieses Prin - zm gemäßer gewesen Mit dieser Vorausgesehren Meynnng wirft man alle Vortheile über den Haufen , welche die Katholiken aus den Jahr - Kuchem der Elisabeth zu ziehet , vermeynen . Allein , ist dieses Vorgeben «uch wahr ? Ich weis es nicht Ist es gewiß ? Wenn es gewiß wäre , so würde ^>err Smith , em Priester der englischen Kircke , sich md * terstehen , es zu leugnen , Ist es eine Ursache zum Pyrrhonimus ? Oh - ne Zweifel ; weites in London selbst einige verneinen , und andere be , law . Wrr wollen von einer Sache reden , die es wahrscheiniich machet , daß nämlich Camden eine Abschrift von seinem andern Bande nach Paris geschickt . Ist dieses nicht ein Merkmaal seiner Furcht da« man sein Manuscript verandem möchte ? Ist diese Furcht nicht ein Merkmaal , daß er bereits durch diese Probe gegangen ? Und wmn es
kein

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