Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8401

Estampes .
würde . Wenn Varillas die Manuskripte wohl gelesen hätte , die man ihm , wie er sich rühmet , geliehen gehabt , sowürdecrvondenBewegungs - gründen des Herzogs von Etampes lncht so geurtheilet haben , wie er ge - than hat ; er würde gewußt haben , daß die Untersuchungen , ivezen der Auf - fuhrung der Herzog , »n , lange Zeit nach FranciscuS des I Tode , angefan« gen worden , und daß der Gemahl nicht zum Endzwecke gehabt , eö bekannt zu machen , daß seine Gemahlinn die ehliche Treue nicht gehalten hätte . Er müßte der größte Dummkopf unter allen Menschen gewesen seyn , wenn er geglaubet Mte , daß seine Hahnreyschaft viel Untersuchungen nöthig hat« te , um zur Gewißheit gebracht zu werden . Ganz Frankreich war da - von überzeuget ; es würde darauf geschworen , und einen jeden ausgelacht haben , der sie für eine zweifelhafte Sache gehalten hätte . Die Untersuchung »st also keine Wirkung der Eifersucht gewesen , und hat keinen Anschlag der Rache zum Zwecke gehabt , wenn Frandscus der I todt seyn würde . Ich habe es bereits gesaget : daß sie nach dem Tode dieses Mo»archen angestellet worden , und ich setze darzu , daß ihr Zweck gewesen , nicht den Nachtheil zu zeigen , den der Herzog von EstampeS durch die führung seiner Frau an seiner Ehre gelitten ; sondern den Schaden , den er an seinen Gütern gelitten , darüber er Beweise sammlen wollen , um sich derselben in einem Proeesse zu bedienen . Le Laboureur wird uns dieses in den Zusätzen zum Castelnau berichten : Der - Herzog , saget er im l Bande , auf der 864 Seite , bat nickt nur nickt» weiter , als Vem Namen nach , Sie Güter besessen , Sie ihm Lranciscu» Oer I gegeben , sondern er bar auck Sie Zinsen davon aas feinen nen Mitteln bezahlet . - Hier ist ein Äewei» davon , aus dem ci< gnen Munde , rvelckm Rönig Heinrich der II , vor Gerichte mir einem LLiSe bekräftiget bat , den er gebethcn , zu seinem fiel» , bey dem processe ein Zeugniß abzulegen , den er rviSer den det von Bretagne , Grafen von Vertu» , / einen Vetter , als Er , Ken SesFrancifcu» von Bretagne , feine» ältesten Bruders , fen von Verms , gebabt : weil sie , nacköem Sieser Lrancifcu» Charlotten von pisseleu , die Gckwester der - Herzoginn von tkstampes geheirathet batte , den - Herzog , ihren Gemahl , geno , thiger , demselben seine Ansprücke , wcgei» Magdalena von se , von Bretagne genannt , seiner Großmutter , nack seinem cige , iten Gefallen zu vergüten . Zu Folge der künftigen chung , welcke ihm ver Ronig den z Oes Brackmonat» , >556 , »w Paris verwilliqer , hat er ihm auck nock die Gnade crzeiaer , sicl ) ven > - besagten Monars der 3eugenbeftagung in dem - Horel zu unterwerfen , gemeiniqlick Sa» - Hau» Maigret genannt , in Oer Straße St Avove , rvelcke» er nack diesem dem Conestabel von Msntmorenci gegeben : in dessen Gegenwart er sick erklaret hat : es habe ihm der Herzog von Estampes öfters gesaget : er befürchte sehr , daß die Heirath des Grafen von Vertus , mit der Schwester der Frau von Estampes , auf seine Unkosten geschlossen worden . - - - Es sey das Gerüchte allgemein , daß Longueval alle diese Geschaffte der Herzoginn unter Händen hätte , ( siehe die Anmerkung ( E ) , ) und daß sich der Herzog öfter« beklaget hätte , daß er ihn zwange , viele Dinge zu sei - tum Nachtheile zu thun . Daß die Ehrenstellen , die besagter Longueval gehabt , bekannt genug wären , und von der Gnade dieser Dame her - kämen . Daß sich besagter Herzog öfters beklaget : es nähme besagte Da - me seine Besoldungen , als Statthalter von Bretagne , in Empfang , und er genösse nicht« davon . Daß er die Contracte sehr bedaure , die man für die Frau von Avaugur gemacht . Daß sich der Herzog öfters gegen , hn beklaget - - - daß er gezwungen gewesen , verschiedene Vertrage und Verbindungen , zu seinem und seines Hause« Nachtheile , nach dem Willen besagter Herzoginn , des vbbenannten von Longueval , und anderer ihrer Bedienten zu machen ; worauf u . s . w .
r ( K ) < » - Varillä» hat weder die Zeit , Nock die Dewe - gungsgründe dieser Gegebenheit gewußt . ] Dieses erhellet lich aus unserer vorhergehendem Anmerkung ; allein hier sind noch neue Deweise davon . Anstatt , saget er im XIB . der Historie FranciscuS des I . auf der 98 S . im 1544 Jahre , wenn er v»n der Herzogin» von Estampes redet , daß sie den Herzog , - - - ibren Gemabl , in seiner Gnade erhalten sollen , dessen Gemülbe sehr unempsind - lich und den Xvollüsten der Liebe wenig unterworfen , sick Vurck leickte Merkmaale von der Freigebigkeit de» Ronige» und Surck leere Bedienungen würde baben blenden lassen , wenn er dieselben nur zur Zeit der Noch bekommen harre - so hat sie ihn dermaßen mißvergnügt gemachte daß er sick durch die ab lerseltsamsten Gedanken , welcke die Eifersuckt jemals eingcbla - fen , zur Uebersckreirung des Wohlstandes verleiten lassen , , n - Sem er seine eigene Sckande , vurck die genckllicke Unrersw chung der Aufführung seiner Frau , davon ick bereits geredet habe , öffentlich bekannt gemacht har . Dieß Verfahren , welches sie unversöhnlich gemacht , hat Oer - Herzoginn alle - Hoffnung nommen , wieder zu ihrem Gemahle zurückzukehren , und sie m ein Elend gebrackt , vaß sich die Seneschallinn nach de» Roni - ge» Tode , de« eigenen Gemahls , als eines tverkzelig» , bedienen konnte , sie zu martern , bis sie ihre Rache völlig gesattiget hatte . Hier ist Varillas sehr überzeuget , daß die gerichtliche Unterjuchung des Herzogs von Etampes bereit« im 1544 Jahre , bey FranciscuS des ! Lebzeiten angestellet worden : nichtsdestoweniger ist solches erstlich im « ; ; 6 Jahre geschehen . Also sind alle schöne Vernunfrschlüsse , die er darauf gründet , nicht« als schöne Hirngeburten . Diese« ist eine gefähr - liche Klippe für alle die Geschichtschreiber , welche allzuviel Lust haben , die Bewegungsursachen von der Aufführung der Höfe auszugrübeln , und nicht Lust genug haben , die Zeitrechnung zu Nathe zu ziehen . Ueber - die« leben wir diesen höchst überzeugt , daß ein seltsamer Einfall der El - fersucht den Herzog gereizt , wider seine Ehfrau gericktliche Untersuch» ! , - ctn anstellen zu lassen ; und gleichwohl sind diese Untersuchungen von nickt« als der Begierde , hergekommen , eine aroße Rechtssache zu ge - wMnen Uebriaen« istVarillaS nicht der einzige , welcher vorgiebt , daß ^esir Ebmami dl^ Schwachheit gehabt , seine Schande selbst Vörden
, lich gewesen . E« ist der schönen Herzoginn von Elampe« , der vou II Band .
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„ nehmsten Beyschläfertnn FranciscuS de« I , ihrer . Dieser gute Mann „ wollte nach dem Tode diese« Prinzen einen Proceß wider sie er „ neuern ( * ) , den er wegen der Hochachtung bis hierher nicht harte „ verfolgen können , die der König seine ganze Lebenszeit gegen diese Da - „ me gehabt ; und da er diese Unmöglichkeit gerichtlich zu beweisen nö - „ rhig hatte , eine Untersuchung anstellen lassen , wobey Heinrich der II „ und die vornehmsten Personen vom Hofe , auf sein Bitten , in den aller - „ besten Ausdrücken , die sie nur erwählen können , die große Gewalt sei« „ ner Ehfrau über den verstorbenen König , und die genaue Freundschaft „ bezeuget , die zwischen diesem Prinzen und ihr gewesen ist .
( * ) Laboureur kömmt mir viel glaubwürdiger vor : er saget in den Zusahen zum Casteluau , I Bande , 864 S . daß der Herzog nicht wider seine Gemahlinn . sondern wider den Grafen von Vertue , seinen Vetter , gerichtlich verfahren . '
Laboureur geht von dieser Art , zu urtheilen , nicht weit ab . Der arme Herzog , sager er auf der 865 S . muß viel erlitten haben , weil er genothiget gewesen , der Nachkommenschaft dieses schimpfliche Denkmaal ferner Schande und seine« Unalück» , u hinterlassen . Varillas hat also einige beyfällige Stimmen , ob sie sich gleich nicht so stark ausdrucken , als er , wenn er im I B . der Historie Heinrichs des II , auf der Z4 S . bey mir , versichert : daß der - 6er ; oa von Krampe» nicht sehr klug , oder sehr unempsindlick qewckn feyn müsie ; weil er durch Vcrfchreyung feiner Gemablinn , seine eigene Schande mit eben solcher Sorgfalt kund gemacht , al» die Personen von feinem Stande , wenn sie klug sind , anwenden ihren guten Namen zu erhalten und zu vermehren . '
Rechtfertigung des Herzogs von Estampes , wegen der Un . tersuchung wider seine Gemahlin» .
Mit Erlaubniß dieser Herren , so deucht mir , daß sie in dem Urtheile ein wenig irre gehen , welches sie wider diesen Herzog aussprechen . Er hat sich nicht in dem Falle befunden , wo sich die Ehmänner , die ihre Hahnreyschaft bekannt machen , beschimpfen . Wenn man durch eine höhere Gewalt ein Hahnrey ist , und man sich bey der Welt durch kund - bare Thaten vorsieht , welche bezeugen : daß man , anstatt ein ger Hahnrey zu seyn , vor Verdruß birst , daß man den Schimpf nicht zurück treiben kann ; so erhält man öffentlich alle seine Ehre und seinen guten Namen . Wenn der Stand des Regenten die Schande in An . sehung einer Beyschläferinn , nicht auslöschet , so löschet er sie wenigsten« in Ansehung aller Ehmänner au« , welche ihren Widerwillen beherzt an den Tag legen ; und es ist sehr weit gefehlet , daß sich ein Ehmann be - schimpfet , wenn er öffentliche Beweise von der Verachtung an den Taa leget , die er wider seine Ehfrau gefaffet : daß er sich vielmehr beschimpfen würde , wenn er ihr zum Deckmantel dienen , und sich für den Vater der Kinder erkennen wollte , die sie von dem Prinzen harre ; um dadurch zu verhindern , daß sie für keine Unkeiiscke qehalten würde . Ich weis wohl , daß die Hofleute den Eigensinn eines solchen Ebmanne« eine Narrheit nennen , der nicht die Geschicklichkeit hat , durch eine treuherzige Einwilligung , daß seine Ehgattinn dem Fürsten die letzte Gunst erzei . get , zu guren Besoldungen , Aemtern und Statthalterschaften der Pro« vinzen zu gelangen ; allein ich wei« auch , daß sie an der andern Seite alle fteywillige Hahnreye verachten , welche diese Geschicklichkeit haben und daß sie solche mit ihrem Hörne de« Überflusses erbärmlich durch die He - chel ziehen . Und dieß ist so wahr , daß , auch nach dem verderbten Urheile dieser Zeit , ein Ehmann sich eine Ehre machet , seine Ehftau nicht im ringsten zu schonen , die eine Beyschläferinn de« Fürsten geworden , daß man ihn durch Bemerkung dieser Aufführung in einer Grabschrift , in einer Leiä>enrede , und dergleichen Stücken sehr zu loben glauben wür - de : da man hingegen sich nicht erkühnen würde , diejenigen , wegen einer ganz widrigen Aufführung , darinnen zu loben , die diesen Schimpf , um ihr Glück j>i machen , verschmerzet hätten . Das menschliche Ge - schlecht ist zwar sehr verderbt , allein doch noch nicht in solchem Grade , daß der Handel , den ein Ehmann mit seiner Frau treiben kann , für eine rühmliche Aufführung gehalten werden sollte . Dieß ist ein Mit« tel , da« man nur allzuoft anwendet , Schätze zu erlangen : es ist schon dem alten Rom bekannt gewesen :
Scortator erit , caue te roget : vitro Penelopen facilis potiori trade .
saget Horaz , in der V Satire , des II B . im 7 ; Vers : e« hat noch nie , mals aufgehöret ; und gleichwohl trenner es sich nicht gänzlich von der Verachtung und Schande , die e« verdienet .
Außer diesem muß man den Unterschied wohl betrachten , der sich zwi - schen unserm Herzoge von Estampes und dm , Cäsar findet , oder zwischen einer jeden Privatperson , die es gerichtlich suchet , für einen Halwrey er . klärt zu seyn . Die Buhlereyen der Gemahlinn Cäsars sind nicht offen - bar gewesen : die Angeklagten haben die That nicht gestanden . Wir wollen ein gleiches von den Ehbruchsuntersuchungen sagen , welche manchmal die Richterstuben beschädigen . Allein die Herzoginn von Estampes betreffend , so hat sie nicht geleugnet , daß sie de« FranciscuS Beyschläferinn gewesen . Dieser Prinz hat es noch weniger geleugnet ; ( siehe die folgende Anmerkung , ) so . baß ihr Umgang in ganz Europa sür eine gewisse und unstreitige Sache gehalten worden . Also hat der Herzog durch seine Untersuchung seiner Schande nichts zugesetzt : man darf ihn also weder für einen dummen , noch für einen unempfindlichen Menschen , unter dem Verwände dieser Untersuchung , halten : man darf ihn nicht mit denjenigen Ehmänner» vergleichen , die ihre häuslichen Angelegenheiten ausbreiten , und bey denen e« auf sie ankömmt , sie be - ständig hinter dem Vorhange zu behalten Eine gerichtliche Unters» - chung ist kein so fürchterliche« Denkmaal , als die Historie . Nun hat der Herzog von EstampeS gewiß versichert jeyn können , daß hundert gute Historienschreiber den Ehbruch seiner Gemahlinn verewigen würden ; und da ihm die Untersuchung m einer Rechtssache großen Nutzen brin - gen können : so m»ß man ihn loben , daß er sie angestellt hat ; denn hätte er sie nicht angestellt , so hätte er nicht verhindert , daß seine Schande , ( wenn er einige davon gehabt , ) nicht alles dasjenige behalten hätte , wa« sie offenbares an sich hatte .
Noch eine einzige Sache bleibt mir zu sagen übrig , die allein zu sei» ner Rechtfertigung zureichend ist : daß er nämlich keine Untersuchun . gen angestellet , seine Hahnreyschaft zu beweisen : sondern zu beweisen , daß ihn seine Ehfrau um viel Gut gebracht . Könnte man auch wohl Kkk 2 einen

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