Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8383

- Hau - verlassen , als sie Sie - Herzogin» besuchte , um ihr von der - Heftigkeit dieser Rarhsperson Nachrichtzu geben ; und nicht eher von ihr gieng , als bis sie mir derselben d : e Mittel abgeredet hatte , den Ranzler bey demRomge aus der Gnade ju bringen . E6 ist ja allerdings eine große Unordnung , dap das Schiccsal der Leute , ihre Gnade , und Ungnade auf der Phantasie einer Buhlerinn beruhet , welch - das ganze Königreich durch den lasterhaften Umgang ärgert , den sie ohne Scheu und offenbar mit dem Prinzen treibt ; allein , wenn man die Zeit mit Ausrufen verderben wollte : o tempora ! o res ! wenn man sich darüber erstaunt und verwundert stellen wollte : so würde man mit Recht für einen Fremdling gehalten werden ; denn man würde dasjenige als eine außerordentliche Sache bewundern , was zu allen Zeiten sehr gemein gewesen und noch ist , und allem Ansehen nach , bis ans Ende der Welt bleiben wird :
Cafe multis hic cognitns .
Et e medio fortunae dudhis accriio .
Iuuenal . Sat . XIII . VerC 19 .
Dasjenige , was die verdrießlichen Gemüther hierüber tröstet , ist : daß dergleichen buhlerische Gewalt dem Schaukelspiele sehr auSgesetzet ist . Siehe oben die Anmerkung ( I ) , bey dem Artikel Aesöpus der er - sie u . s . w .
( E ) Sie ließ sichzu einer schändlichen Treulosigkeit verlei - Die Herzogin» von Estampes , al« sie wahrnahm . daß die sundheit Franciscus des I von Tage zu Tage abnahm , und da sie nach dem Tode dieses Prinzen alles zu fürchten hatte ; entweder , weil sie nicht hoffen konnte , daß sie ihr Gemahl wieder würde annehmen wol - len , oder weil die Beyschläferinn des Dauphins alle erdenkliche Gewalt in Händen hatte ; diese Herzoginn , sage ich , hat in diesem Zustande mit Carln dem V heimliche Verständnisse gemacht . Es war ihr der türliche Widerwille zwischen den beyden Brüdern , dem Dauphm und dem Herzoge von Orleans , nicht unbekannt ; dieses hat ihr die Bahne zu ihren Unterhandlungen gebrochen : sie hat den Kaiser vermocht , der Parten des Herzogs von Orleans , Vorschub zu thun ; und so bald , als sie die Neigung 0r . kaiserlichen Majest . erfahren , diesem jungen Prin - zen die Belehnunq des MaylSndisthen oder der Niederlande zu geben , ein so genaues Bündniß mit dem Kaiser geschlossen , daß weitet nichts an dem - Hofe und in Sem Rache vorgieng , davon er nicvt die genaueste Nachricht bekam : und in der Chat hat ihm der erste Brief , den er durch Vermittlung des Grafen erhielt , ( «cimlich des Grafen von Boss» , der Herzoginn von Estampes Staats - bedienten und Unterhändlers bey Carln dem V . Er ist aus dem Hause von Longueval gewesen , ) einen so großen Dienst geleistet , daß er seine Person und seine ganze Kriegsmacht gerettet . Varillas , Hift . ae Francois I . . XI . p . 101 . aufs 1544 Jahr . Er befand sich mals mit einem sehr mächtigen Kricgsheere in Champagne ; allein es fehlte ihm an Lebensmitteln , und also stunden seine Soldaten auf dem Puncte , auseinander zu gehen , als ihm der Graf ein Bmef - chcn dieses Inhalts geschrieben : Daß der Daupbm einen qroßen Vorrarh von allen Norhwendigkeiren , Mr Erkaltung seines Rriegsheers , in iLspernai zusammen bringen lassen ; daß der Ort an " sich selbst sehr schwach wäre , daß aber die Franzo - sei , qeqlauber , es würde der Raiftr nicht daran gedenken , den - selben zu überrumpeln , weil sich der Fluß Marne zwischen ihm und der Gradr befände ; daß zwar Defehl gegeben wor - den , die einzige Brücke abzubrechen , worüber er gehen konnte , daß aber die - Herzoginn die Ausführung sehr verschmiNt Wasser gemachthatte , unddaß dieselbe noch im Stande sey^u nen ; worauf der Graf beschlossen , daß Ihro Rayserl . Maiest . nur eilen dorften . alles ; « : Erfrischung ihres - Heers zu haben , und das französische in eben den Mangel ; u versetzen , daraus cr sich retten würde . Der Raiser hat sich diese Nachricht JU Nutte gemacht , und ist vorEspernai erschienen , da man es am wenigsten vermutbcr , dcsien erschrockene lLinwohner ihm die Tbüre eröffnet . ÜEr war noch in voller Freude über diese oberung , welche seine Sacken wieder hergestellet , als cr ein an« der Briefchen von dem Grafen erhalten , welcbes ibm meldete , daß zu Thareau - Tbierri ein gleicher Vorrarh von Mehle und Gerraide befindlich , der eben so wicbrig wäre , als der Z» Eper - nai . Daß daselbst nicht die geringsten Soldaten zu dessen wahrung wären ; und daß es dem Dauphin , wenn er ben verlohre , unmöglich siy , sich der Armee Gr . Raiserl . Mai . zu nähern , und folglich dero vornehmsten Unternehmungen zu hindern . DerRaiser , der durch die unvergleichliche Frucht gere - zet war , die er aus der ersten Nachricht eingeerndtet hatte , wen * dere seine Fahnen gegen Chateau - Thierri , das er mir wenigem Verluste überwältigte , weil die Bürgerschaft , der man kerne Soldaten zu - Hülfe geschickt , unvermögend war , den Sturm auszuhallen . Der Ueberfiuß an allen Dingen , der daselbst ge , sunden worden , hat so gar die - Hoffnung der Ratierlichen über - troffen u . s . w . Ebendas Der in die äußerste Verwirrung versetzte französische Hof „ that alles , was er bey dergleichen Umstanden thun konnte : allein das Geheimniß , welches die Seele bey dieser wichtigen " Sache seyn sollte , ward nicht bewahret , nnd Frankreich würde unfehl - . " bar seinen Herrn verändert haben , wenn nicht etwas stärkers , als die 'menschliche'Vernunft , sich der nahen Staatsveränderung entge - " ge , , ciestellt hätte , welch - ihm drohete . Der Dauphin that nichts , nfm« Ueberlcqung mit dem Könige , seinem Vater , und der Kö - ' , ' , nig faßte keinen Entschluß , welchen die Herzoginn nicht so gleich dm , . Kaiser durch den Grafen von Boss» wissen lieg . , _ Ebe . ^s , '°J ©• Die Bettüruma ist in Paris so groß gewesen , daß die reichsten Sur - qer ^r ibren besten Sachen , einige nach Orleans , die andern
treten . Ebendas . . 04 S . Ein Weib ist die che alle ? dUr ttnordnum qewesen . Die Beschreibung , die Mezerai m IIBande in Fol Z - S - v°n d« Bestürzung der Pariser gemacht
Orte gestanden , oder wennsich nicktvielmehrz M b ^ ^n Kü - nige von England , Heinrich dem VIII , der »u g> 1 ^hoben
sten der Picardie war , und Städte wegnahm , tlne * ■ ! I w II Band .
Estampes . 441
hätte , mit welchem er bereits zum Voraus das Königreich getheilet hat - re . Franciscus der I ist guten Kaufs davon gekommen , und hat sich noch im Herbstmonate , desselben Jahres , im völligen Frieden gesehen Der Vertrag zu , Crespi ist den >8 des Herbstmonats , 1544 , geschlossen worden .
' Wie Varillas allezeit gerne Sachen erzählet , welchen etwas Wunder - bares anklebet , so würde ich seiner itzt gemachten Erzählung nicht sehr trauen , wenn ich nicht das Wesentliche davon in dem Mezerai sähe : Die franzosische Armee , saget er im II Bande , auf der , 031 S . re Ueberfluß an allen Gemächlichkeiten , und den Raiserlichen fehlte es dermaßen daran , daß sie in wenig Tagen hatten ver - lohren ftyn müssen , wenn ihnen nicht die Verrathercy eines A0ei - bes die Rrafte wiedergegeben harre . ( t ) Mezerai redet viel bejahender in dem Leben Heinrichs des II . Nicolaus Bossu - Longueval , saget er auf der iojs S des II Bandes , welcher von der Rotte der Frau von Estampes gewesen , und nicht oh« ne Ursache beschuldiget worden , daß er den Kaiserlichen Nachricht ge - gebe» , Espernai und Chateau - Thierri wegzunehmen ; hat sein Leben mit seinem schönen Hause , de Marchez , erkauft , welches er dem Erzbi - schofe von Reims , unter einem Schemkaufe , geschenket . Siehe die sol - gende Anmerkung .
( ? ) - - - Deren Bestraft , ng der Cardinal von Löchrig gen verhindertes Ich will mich der Worte des Varillas bedienen , dieses ganze Geheimniß der Bosheit zu erklären : Hier ist dasjenige , was er saget , wenn er den Zustand erzählet , darinnen sich die Sacken das erste Jahr der Regierung Heinrichs des II befunden : „ Der Graf „ von Bossu ist die vornehmste Ursache des glücklich Fortgangs gewe - „ ftn , den der Kaiser vor dem Vertrage zu Crespi in Champagne gehabt , „ und man hat sich eingebildet , daß der einzige Schuh der Herzoginn „ von Estampes vermögend gewesen , ihn von der Todesstrafe zu befreyen . „ Nachdem die Gnade dieser Dame mit dem Tode dieses Königes erlo« „ sehen war , so ist man darauf gefallen , den Bossu vor Gericht zu stel» „ len , und man hat geglauber , daß sein Proeeß dazu dienen würde , den „ Ruhm Frankreichs zu erhalten , wenn man den Ausländern bekannt „ machte : daß der Kaiser bloß durch Vorschub einer schändlichen Ver« „ rätherey der Hauptstadt so nahe gekommen ; deren Bestrafung man „ zwar ausschieben aber nicht gänzlich vergessen können . Bossu hat sich „ bey einem so gefährlichen Umstände nicht vergessen ; und , da er sich „ für strafbar erkannt , kein ander Heil . , als in dem Schutze des Cardi - „ nals von Lothringen gesucht . , , Varillas , Hift . de Henri II . Livr . I . pag . 67 . aufs H47 Jahr . Er hat ibm sagen lassen : daß er ihm sein Schloß deMarchez schenken wollte , in so fern seine Person und seine andern Güter in Frankreich sicher wären . Er hat diese» durch den Nicolas von Pclve , den Sohn seiner Schwester und einen Hausgenossen des Cardinals , vortragen lassen . Der Vortrag ist ange - nommen worden : „ Das Mittel , das ihm am meisten zu statten „ kam . war , dcm Könige vorzustellen , daß des Grafen von Bossn „ Verbrechen , ihm mit der . herzoyinn von Estamves gemein sey . und „ daß er folglich keine gerichtliche Untersuchung wider ihn anstellen konn - „ te , wenn man diese Herzoginn nicht mit darunter begriffe , und er de» , „ Anfang seiner Regierung nicht durch eine große Beschimpfung des „ väterlichen Ruhms anschwarzen wollte , indem er denjenigen Gegenstand , „ der Rache der Gerechtigkeit Preis gäbe , den er bey nahe e - Jahre so „ zärtlich geliebet hätte . Der König hat dieser Vorstellung nachgegeben . ob sie gleich nicht ohne Gegenantwort geblieben war , und Boss» «fl glucklich „ au« der Sache gekommen . , , Ebendas . 68 S .
( G ) Sie sah sich gezwungen , ihre übrigen Lebengtage auf ei - nem Landhause zuzubringen . ] Hier istS , was Mezerai davon sa - get , wenn er von den Veränderungen redet , die nach dem Tode Fran - ciscuS des I , am Hofe vorgegangen sind : „ Die Frau von Estampes be - „ treffend , so hat sie sich aufeines von ihren Landhausern begeben , da sie von „ aller Welt und auch von ihrem Gemahle selbst verachtet war ; welcher „ Johann vonBrosse qewesen , allwo sie noch einige Jabre in der geheim „ menUebung der reformirten Religion gelebet , und viele andere Per - Jonen durch ihr Beyspiel verführet hat . „ Meiern , Tora . II . p . iojg . in Folio . Varillas urlheilet n^eitläuftig über die Be>v ? gungsursacl>en , welche die Seneschallinn , nämlich die Diana von Poitiers , Heinrichs des II Beyschläferinn , bewogen , ihre Rache nicht bis aufs äußerste z« , treiben , und er beschließt mir diesen Worten , in der Historie Heinrich« des II , Z4 S . aufs 1547 ^Jahr : „ Dem sey , wie ihm wolle , so hat sich „ die Seneschallinn begnüget , bey allem , was die Herzoginn angieng , „ Gleichgültigkeit zu zeigen , nnd sie alles dasjenige in Friede genießen zn » . lasse« , was sie unter der vorigen Rezieninz erworben hatte , obgleich Kkk „ in

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