Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8375

440 Estampes .
Eftampe6 , ( Anna von Pisselm , HerMmn von ) Franciscus des I Beyschläfm'nn , hat diesen Prinz kur ; daraufver - liebt gemacht , da er aus der Gefangenschaft gekommen war . Sie war damals ^taatefräulein bey der Herzogin» Regen - tinn % und hieß Fräulein von Heilli ( A ) : sie hatte diese Prinzeßinn begleitet , da sie dem Könige , ihrem Sohne , bi'6 an die Grenzen von Spanien entgegen gieng ( B ) . Der König ergetzte sich mit ihr , so viel er nur wollte : und ob gleich niemand daran zweifelte , so fand er dennoch einen Gemahl für sie , den er zum Herzoge von Estampeö machte ( C ) . Diese Heirath derte nicht , daß sie nicht ihren ersten Posten bey dem Könige behalten hatte : ihre Gnade stieg auf den höchsten Punct ( O ) , und dauerte so lange , als dieser Prinz lebte . Aus einer würdenden Eifersucht , die sie wider des Dauphins Beyschläferinn gefaßt harte b , ließ sie sich zu einer schändlichen Treulosigkeit verleiten ( E ) , deren Bestrafung der Cardinal von Lothringen verhin - derte ( F ) , und welche Frankreich in fremde Hände gebracht haben würde , wenn Carl der V sich der Gelegenheit zu bedienen gewußt hatte . Wie sie deswegen mit ihren , Gemahle in sehr übelm Vernehmen stund c , so hatte sie , nach Franciscus des l Tode , nichr die geringste Zuflucht , und sah sich gezwungen , ihre übrigen Lebenstage auf einem Landhause zuzubringen ( G ) . Man saget , daß sie daselbst nach den Meynungen der Reformirten aelebet hat ( H ) . Der Herzog von Estampes hatte gerichrli - che Untersuchungen anstellen lassen ( ! ) , worinnen man eine sehr wunderbare >vache sieht , daß sich nämlich der König Heinrich der II , zum Besten dieses unglücklichen Ehmannes , der Befragung unterworfen hat . Varillas hat weder die Zeit , noch die Bewegungsgründen dieser Begebenheit gewußt ( K ) . Ich will anderswo d die Zeitrechnungsfehler untersuchen , die er und sein Abschreiber e gemacht haben . Ich kann es kaum glauben , daß Franciscus der I jemals ernstlich gesager haben sollte , daß er nicht bey dieser Dame geschlafen hatte ( L ) , und ich zweifle sehr , ob sie es gewünschet , daß man es glauben sollte .
Wenn dasjenige wahr wäre , was ein gelehrter Mann erzählet , so müßte man sagen : daß Franciscus des I Liebe gegen sie nicht zu der Zeit angefangen hatte , da man sie bemerkt hat / : nämlich da dieser Prinz , nach seiner Gefangenschaft in Madrid , nach Frankreich zurückgekommen war ; denn dieser gelehrte Mann setzet voraus : daß sie des Königes Beyfchlaft rinn gewesen , ehe der Connerable von Bourbon die Partey Carls des V ergriffen gehabt . Nun hat er sie 152z ergriffen , und ciscus der 1 ist erstlich 1526 in Freyheit gesetzt worden .
a ) Louise von Savoyen , Franciscus des . I Mutter , b ) Diana von Poitiers , Wirrwe des Großseneschalls von der Normandie t ) Siehe die Anmerkungen ( C ) ( I ) und ( K ) . d ) In dem Artikel poitiers . ( Diane von ) 0 Der Urheber der Galanterie * des Rois de France , f ) In der Anmerkung I . B ) .
( A ) Sie hieß Fräulein von - Heilli . ) Sie ist die Tochter 2Sil'
Helms von pisseleu , Herrn von Heilli , und der Annen Sanguin , Inner andern Gemahlinn gewesen . Le Labourair Addit . aux Memoire» de Caftelnau , Tom I , p . 863 . Er ist dreymal verheiratet gewesen , und hat dreißig Kinder gehabt . Er ist ein Sohn Johanns von Pisseleu ,
Herrn von Heilli gewesen , welcher dieThre gehabt , unter OenRro * nungsrirrern ^ . udrvigs Oes Xl zu feyn , und in <0 großem An - sehen gestanden , daß er nach Abwerben Maria von - Hargicourt , seiner ersten Frau , rvilhelms , des Vaters der - Herzogin» von iLstampes , Mutter , Johannen von Dreux , eine Prinzeßinn von königlicbem Geblüre aeheirathtt har .
( . L ) Sie hatte die - Herzogin» Regentinn begleitet , da sie - - - bis an die Grenzen von Spanien entgegen gieng . ) Nach dem Va - rillas , Hift . de Francis I , Liv . VI , p . in . ioi , auf« 1526 Jahr , hat die Regentinn , ohne daran zu denken , diese neue Leidenschaft des Königes erregt , indem sie ihm die junge Anne von pifjeleu , Sie man lein von - Heilli nennte , undalsScaatsfrauteinin das - Haus oicser Prinzeßinn gekommen war , bis an dek Berg von Marfan mir , , ch entgegen geführt . Alle Geschichtschreiber sind einig , daß die Re - gentinn bis nach Bajonne gegangen , und Varillas hatte es einige Seiten zuvor auch versichert . Warum verkürzer er denn hier die Reise ?
Wollte er sagen : daß sie ihr Frauenzimmer am Berge Marfan zurück - gelassen , und ohne diesen Anhang von ihrem Gefolge , bis nach Bajon - ne gegangen ? Allein , hieße dieses nicht reckt muthwillig widerwältige Dinge vorgeben ? Der Urheber von den Galanterien der Könige von Frankreich , der , was FranciseuS den l betrifft , den Varillas nur abgeschrie - ben hat , mag mich nicht fragen : ob er sich beym Berge Marfan ausge - halten hat' / Ich kann mich nichr überreden . daß sich Brantome nichr betröge , wenn er saget : es hätte die Herzogini ? Reqentiim die Frau - - lein von - Heilly , dem Ronige Franciscus , bey seiner Zurüct'kunfr aus Spanien , zu Bourdeaur zugeführec . Brantome , Dames ga - lantes , Toni . II . p . 394 .
( C ) Der Roma fand dennoch einen Gemahl für sie . 1 Sie hat den Johann von Brosse , einen Sohn des Renan , s von Brosse , und der Joanne , Philipps von ComineS Tochrer , geheirarhet . Dieler Re - natus war dem Herzoge von Bourbon gefolger , und in der Schlacht bey Pavia den - 4 Hornnng , 15 - 5 , geblieben . Er war durch einen parlementsspruch zu Paris , den >z de« Auguikmonars , 152 ? , ver , urcheilet worden , nebst Einziehung aller seiner Güter , ent# baupret und dann gehenkt zu werden . Er war entsprossen von Johann von Brosse und von Nicolen von Chatillvn , genannt von Bre - tagne , Gräsinn von Penrheure , einer reichen Erbinn : welcher Io - bann von Brosse , der einzige Sohn des Johann von Brojse ,
Marschalls von Frankreick , war ; der in gerader Linie von den alten Vicomten von L . imoges abstammte . Johann von Brosie . des Renatus Sohn , welcher vergeblich um die Begnadigung des madritischen Vertrage« flehte , den Besitz seiner Guter wieder zu erlangen , um welche ihn die Empörung seine« Barer« gebracht hatte , und solche wieder zu bekommen , keinen andern Weg sah , als den Weg einer freywilligen Hahnreyschaft , har sich entschlossen , die Fräulein von Heilli zu heirarhen . Der König ließ ihm , wegen dieser Heirach , die eingezogenen Güter wieder geben , und fügte ncch das Herzogrhum Estampes dazu , ( aus Laboureurs Zusätzen zum Castelnau , Tom . I . v . 86z . ) Er har ihn auch zum Ordensritter und Statthalter von Bretagne gemacht . Der neue Herzog von Estvmpcs hat sich dadurch nicht glücklicher befunden ; denn außer , daß ihm alle diefeGürerundHo» h«>ren „ aus einer vergifteten Quelle zuflössen , in welcher er sich nicht zu » . bespiegeln getraute , aus Furcht , in seiner Perlon ein Ungeheuer zu je - , . hen : so hat er derselben auch so unglücklich genossen , daß , da er seiner „ Gemahlinn nur zum Titel diente , er von denselben nicht allein weiter „ nichts , als den Namen besessen , sondern auch dafür die Zinsen von sei , .
„ nem eigenen bezahlet hat . . . Ebendas 864 © . Weil er keine Kinder hatte , so sind seine Güter an den Sebastian von Luxenbourg , Vicomten von Martigues , den Sohn seiner Schwester Charlotte gekommen , den Vater einer einzigen Tochter , die Emanuels von Lothringen , Herzogs von Mercöur , Gemahlinn gewesen . Ebendas .
CD ) ? hre Gnade stieg auf den höchsten Punct . ] Sie hat sich derselben zur Bereicherung ihrer Familie bedienet : durch ihren Vor - spnich ist Anton Sangum , ihr Obeim , Abt von Fleuri , Bischof zu Orleans , Cardinal , und endlich Lrzbifchof zu Toulouse ge - worden : ( Latin , seinem andern Bruder , har sie die Abrey von
Bourgueil und das Bischofthum zu Condom gegeben . Sein dritter Bruder , Franciscus , ist Abt von S . Tornille in Com# piegne und Bischof von Amiens , und der vierte , Namen« rviU Helm , mir dem Bisichofrl ? ume von Pamiers versehen worden . oveo von seinen Schwestern sind auch Aebrißinnen , die eine ja Maubuision , und die andere zu S . Paul in Banvoisis den : die andern har sie in den - Hausern von Barbanson Tanni und von Chabor Jarnac verheirarhet , und die letzre und liebste har vom Francis« , « von Bretagne , Grafen von Vertu« und Goello , Baron von Avaugour keine Rinder gehabt . Vom Adrian von Pisseleu , - Herrn von - Hcilly , ihrem ältesten Bruder , sind die andern - Herren von - Heilig bis itzo entsprossen . Ebend . Es giebt Geschichtschreiber , welche vorgeben , daß diese Herzoginn , der Eonnestabel von Mvnmorancy und der Admiral Chabvt , den meisten Theil bey den Geschafften gehabt ; ( Varillas Historie Franciscus des I» IX B . Z ? o S bey mir . ) und daß Carl der V» da er sich befürchtet , an dem Hofe des Franciscus des I angehalten zu werden , kein besser Mit - tel zu finden gewußt , als diese Dame zu ge>vninen , die den Ronig ganzlich beherrschet . Ebend . Z89S . Er har sie , sager man , durch einen kostbaren Ring gewonnen , den er ausdrücklich des>vegen fallen lassen , damit sie ihn aufheben sollte , und er auf eine verbindliche Art zu ihr sagen können , daß er eine Sache nicht wieder nehmen würde , die in so gute Hände gefallen wäre . Ebend . 590 , 391 Seite . Mezerai verwirst dieses , als ein fucAaft erfundenes Mahrcken . Hiftoire de France , in folio , Tom . II . p . 1007 : allein er bekennet auf der 1009 S . aufs 1540 Jahr , daß der König diesem Frauenzimmer nicht» abschlagen kön« nen , und daß sie durch ihr Ansehen , 1 . viel dazu beygetrage» , daß der Admiral Chabot wieder in Gnaden gekommen , welcher durch einen förmlichen Spruch abgesetzt , und aller seiner Aemter unwürdig erklärt worden war ; 2 . daß der Kanzler Poyet gestürzt worden . Sein Urv glück , wie man dafür halt , saget er auf der 10 , 4 S aufs 1542 Jahr , wenn er von diesem Kanzler redet , ist ihm aus dem Porgema« che des Frauenzimmers gekommen . Die Herzoginn hatte für die Renaudie königliche Briefe erhalten , die wider den du Tiller einen Rechrshandel harre , und sie zur Versiegelung , nebst einer lung , von dieser Dame überbrachr . Der Ranzler , der den du Tiller unterstützte , weigerte sich der Umersieglung ; wenn nicht rvenigstens einige Sachen ausgestrichen würden , die nicht nacb seinem Sinne waren . Nachdem die - Herzoginn Nackrichr da« von bekam , hat sie sich durch diese Verachtung aufs äußerste beleidiget gefunden , und sich deswegen grausam «rächet : denn sie hat den König soweit vermocht , daß er den Kanzler gefangen setzen lassen , der nach diesem , durch einen Parlementsspruch , verurtheilet worden . Einige GeschichtsäMber sagen : ( Varillas , Hift . de Franeoit I . Liv . IX . p . 597 . ) daß sie viel Theil an der Ungnade des Connestabels gehabt ; allein sie sagen auch : daß sich die Königinn von Navarra mit der Her« zog ! »» vereiniget , diesen Kanzler zu stürzen . Die königlichen Briefe der Renaudie wurden dem Könige , nebst dem , was der Kanzler darin - nen ausgestrichen hatte , gezeigt , und man hatte nicht vergessen , dem Prinzen vorzustellen , daß dieses wider sein Ansehen liefe . Ebendaselbst , 4>Z S Er begnügte sich , zur Renaudie zu sagen : sie sollte seine Briefe zum Ranzler zurück tragen , und ihm im Namen Sr . ! Najestät nacbdrückiicii befehlen , daß cr sie ohne Veränderung ausfertigensollte . Dic ^ienaudiebegab sich zudem Ranzler zurück , - undlcgreihreBothjibafr in Gegenwart der Roniginn von Na - varra , mit einem trotzigen Tone , ab ; welche damals , wegen eines von ihren Bedienten , ( ine Fürbitte einlegte , der überzeuget worden war , daß cr eine reiche Lkrbinn entführet harte . Der Ranzler nahm die Briefe der Renaudie , cr zeigte sie der Röniginn von Navarra , und setzte dazu : da ficht man das Gute , das die Da - men bey Hofe stiften . Sie begnügen sich nicht , ihre Herrschaft daselbst auszuüben ; sie unterstehen sich auch , die Gesetze zu ubertreten , und den obrigkeitlichen Personen Lehren zu geben , die ihrem Amte auf das red - lichste vorstehen . Gb gleich der Ranzler nur auf die - Herzoginn mir seinen Reden geziclcr , so hat steh doch die Roniginn von Navarra , zum Unglücke für ihn , derselben angenommen : weil die Ausdrücke zweideutig rvaren , und so wohl auf ihre Vor , bitte , die sie bep dem Ranzler , wegen des von ihrem Bedien , ten begangenen Raubes , gethan hatte ; als g»f die Gewalt ge , deutet werden konnte , da man ihn die Briefe der Renaudie zu unrersiegeln zwang . • ' ' ' Raum hatte sie de« Ranzler«
- Hau *

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