Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8289

Esopus .
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Numae Porapilii Sacris , welches den Römischkatholischen sehr Missal - len hat .
( L ) Mexerai nennet ihn Jacob du Dose Manvreville . ] Mezerai bekriegt sich öfters in dem Taufnamen . Was den Fehler Mandremlle für Esmandreville , betrifft , so muß man sich an fol - aendes halten . Die Aussprache ist in den meisten Provinzen , und un - cer den meisten Personen , fast durch das ganze Königreich einerlei ) , man mag so wohl der Präsident von Mandremlle , als Oer dent von Esmandreville sagen . Diejenigen , welche auch bey den geringsten Dingen aufmerksam seyn wollen , verlassen sich nicht auf die Aussprache ; sie ziehen die wahre Rechtschreibung zu Rathe . Thuanus muß sie nicht zu Rathe gezo'ge» haben , weil er den Namen dieses Präsidenten im XXXIII B . 668 S . aufs 1562 Jahr , durch Mantreuilla lateinisch gegeben hat . Dieß ist in Vergleichung desjenigen nicht sehr zu bewundern , was man in der Kirchenhistorie der resormirten Kirche findet . Beza , welcher Verfasser davon ist , erzählet die gerichtlichen Verfahren , und ergangenen Befehle wider den Esmandreville , Marlorat , u . s . w . und nennet ihn
beständig Mantreville . Sollten denn die Gerichtschreiber selbst , die diese Verfahren und Befehle aufgesetzet haben , den wahren Namen die - ses Missethäters nicht gewußt haben ? oder hat sich Theodor Beza einer bösen Abschrift bedient ? ( « )
§ . ( a ) Man liest Mandremlle im II Bande 620 der Kirchen , Historie des Beza , und das Register dieses Bandes scher voraus , daß man in allen Stellen des ganzen Bandes nicht anders liest , wo von die - fem unglücklichen Rathsgliede geredet wird . Der Index Thuani neu# net ihn Mantreville , und Aub' . gne im I Bande 2»2 Seite seiner Histo - rie , letzter Ausgabe , Mandreville . Allein es ist wahrscheinlich , daß man ohne Unterscheid Mantreville , oder Mandreville und Lsman - dreville gesagt hat : eben wie Paquier im III B . XXIX Cap . seiner Un - rersuchungen den berühmten Cardinal , Verbesserer der hohen Schule zu Paris , Touteviile nennet , der vom Naude im VI Capitel seines Znsat - . es zu der Historie König Ludwigs des XI , 192 S , nach der Ausgabe von i6zo , Eftouteuille genennet wird . Lrir . Anm .
EsopUs , besser Aesopus , der Name etlicher Alten , davon ich in absonderlichen Artikeln reden will . Ich mache mit demjenigen den Anfang , welchem so wohl die Ordnung derzeit , als das Verdienst , den ersten Rang geben müssen .
EsopUs , vder UesopUs , der erste oder vornehmste Urheber der lehrreichen Fabeln ( A ) , war ein Phrygier , und blühte zur Zeit Solonö , nämlich um die SoOlympias * . Sein Leben , so wie eö uns Planudes gegeben hat , ist aller Welt , auch so gar dm kleinen Kindern , so bekannt , daß mich dieses allein bestimmen könnte , keine Auszüge daraus zu geben . Allein mich bestimmet noch eine andre Ursache , nicht die geringste Acht auf dieses Werk zu haben ; weil nämlich alle geschickte Leute bekennen , daß es einR» man ist ( BJ , und daß die groben Ungereimtheiten , die man darinnen findet , es alles Glauoens unwürdig machen . Wir wollen also diejenigen in den Moreri verweisen , die gern einen Artikel sehen wollen , der aus dem Planudes genommen ist ; und ich will hier nur solche Dinge sagen , die von guter Hand kommen b . Plutarch versichert c , I , daß Crösus den AesopuS dem
Tyrannen von Cormrh , Periandern , und zu dem Orakel nach Delphis geschickt habe . I ! , Daß SokrateS kein ander Mittel ge - funden , dem Traumgorre zu gehorchen , ohne seiner Proseßion Schaden zu tbun , als die Fabeln des Aesopus in Verse zu bnn - gen d ( D ) . III , Daß Aesopus und ^solon einander an dem Hose des Crösuö , Königes von Lydien , gesehen IV , Daff die von Delphis , nachdem sie den Aesopus auf eine grausame und ungerechte weise umgebracht ( E ) , und sich wegen dieser Un - gerechtigkeit verschiedenen Strafruthen ausgesetzt gesehen , bekannt machen lassen : daß sie bereit wären , dem Gedächtnisse des / lesopns Genugthuung zu leisten / . V , Daß sie , nachdem sie sich deswegen mit einem Manne von SamoS verglichen , von dem Uebel befteyt worden , das sie gedrückt hat . Man kann aus der Unterredung , die Aesopus und Solon miteinander gehabt , leichtlich erkennen , daß jener als ein Hofmann , und dieser als ein wahrer Philosoph geredet hat ( F ) . Dieß verhindert nicht zu bekennen , daß sich Aesopus wider die Fehler der Menschen , der allervernünftigsten und scharfsinnigste ! , Lehren bedient habe , die man nur er - denke» kann ( G ) . Diejenigen , welche gesagt haben , daß seine Lehrfabcln die nützlichsten Fabeln des Altertbums sind ( H ) , wis . sen sehr wohl von Sachen zu urtheilen . Die Antwort , die er dem Chilo gegeben , ist unvergleichlich ( I ) . Es ist nicht wahr - scheinlich , daß die Fabeln , die heutiges Tages seinen Namen führen , ebendieselben waren , die er gemacht hat : sie kommen zwar meistentheils von ihm , was die Materie und die Gedanken betrifft , allein die Worte sind eines andern ( K ) . Wenn alle die Fa - - bei» der Poeten diesen ahnlich wären , so wäre es nicht nöthig gewesen , daß Strabo derselben Vertbeidigung unternommen hat - te ( L ) . Es ist schwer zu begreifen , warum Seneca , als etwas gewisses , setzet , daß die Römer ihre Feder , bey dergleichen Aufsaßen noch nicht versucht hatten ( M ) . Die Athenienser haben dem Aesopus eine Bildsaule ausgerichtet & . Einige ben , daß er es ist , der unter dem Namen Lockmann , bey den Morgenländern so berühmt geworden ist . Er ist unter die Zahl der wiederauferstandenen Personen gesetzt worden ( N ) .
Seit der ersten Ausgabe dieses Werkes habe ich das von dem Meziriac aufgesetzte Leben des Aesopus , . gelesen . Man wird unten einige Auszüge daraus sehen ( 0 ) .
a ) Siehe die Anmerkung ( C ) . 6 ) Das heißt , aus den alten Schriftstellern entlehnt . d ) De audiendh Poetis , pag . 16 . i ) In Vita Solonis , pag . 94 . f ) De fera Numinis Vindiäa , pag . ; ; 6 . 557 . Fab . X . Libr . II .
<0 In Conuiuio Sapientum , pag . 150 .
g ) Phaedrus ,
( A ) iSx ist der erste oder vornehmste Urheber 'der lehrrei - che , , Fabeln . ^ Ich habe nicht sagen wollen , daß Aesopus der Erfinder davon gewesen ; denn Quintilian , Inftit . Oral . Libr . V . cap . XI . pag . m . 241 . ist nicht dieser Meynung . Illae quoque fabulae , sager er , quae etiatnfi originem non ab Aefopo aeeeperunt , ( nam videtur eormn primus antor Hefiodus ) nomine tarnen Aefopi maxime celebrantur , ducere animos folent , praeeipue rusticorum et imperitorum , qui et fimplieius quie fidla funt , audiunt , et capti voluptate , facile iis , quibus deleöantur , confentiunt . Also wollte ich lieber dem Hesiodus den Ruhm der Erfindung zutheilen ; allein ohne Zweifel hat er die Sache noch sehr unvollkommen gelassen : Aesopus aber hat sie so vollkommen gemacht , daß man ihn als den wahrhaftigen Bater von dieser Gattung Geburten angesehen hat .
Aefopus auflor quam materiam repperit ,
Haue ego poliui verfibus fenariis .
Hiermit sängt Phädrus seine Fabeln an . AvienuS machet eben diese Anmerkung in der Vorrede der seinigen . Huiui materiac ducem nobis Aefopum noueris , qui refponfo Delphici Apollinis monitus ridictila orfus est , vt legenda firmaret . Priscian bedienet sich in Absicht auf den Aesopus des Wortes Erfinder ; allein er bessert sich kurz darauf , und verfasset die Sache in folgende Ausdrücke : Vfi funt ea ( fabula ) saget er , vetuftiHitne quoque autores , Hefiodus , Archilochus , Plau - tus , Horatius . Nominantur autem ab inuentoribus fabularum aliae Aefopiae , aliae Cypriae , aliae Lybicae , aliae Sybariticae , omnes au - tem communiter Aefopiae ; quoniani in conuentibus frequenter fo - lebat Aefopiu fabulis vti . Diese« ist nicht richtig : denn wenn Hesio . duS , der viel alter , als Aesopus . ist , sich der Fabel bedient hat . so folget daraus , daß Aesopus nicht der Erfinder davon gewesen ist . Unter vier Gattungen der Fabel , davon Priscian redet , sind deren dreye , die den Namen voi» einem Lande haben , und nicht den Namen ihres Erfinders . Endlich , wenn alle diese vier Gattungen gemeinschaftlich Aefopiae ge« , nennet worden , weil Aesopus gemeiniglich durch Fabeln geredet : warum hatte man denn in wenig Zeilen zuvor gesaget , daß die so genannten Fa - beln Aefopiae wegen ihres Erfinders also genenner worden wären ? Aphthoniu« ist in den Pracexcrcitamentis , ilidie meisten von diesen Feb - lern gefallen . tt» saget er , k / a * .
r« tCnivTcc ; ßertü« ; « hfarx , wxa « , A . « . ro« tV
rov uv 'W«' Vocatur autem et Sy -
baritica , et Ciüx , et Cypria aeeepto ab muentonbus nomine Ve - nun quoniani Aefopus egregic praeter caeteros confcripfit fabulas , euicit , vt potius Aefopin dicerctur . Macrobius machet emeAnmct : kung , die sich nicht unrecht hieher schicken wird . Er machet einen
scheid unter fabula uttb fabidofa narratio : er will , daß eine Fabel dlirchau» eine falsche Erzählung fey , und daß eine fabelhafte Erzählung , ein Hau - fen Erdichtungen seyn , die auf einen wahrhaften Grund gebauer sind . Dieß ist das eigne der epischen Gedichte und der Romane . Macrobius giebt die Erdichtungen des Aesopus für ein Beyspiel der Fabel an ; und die Erzählungen des Hesiodus , die Gebräuche des Gottesdienstes , oder die Religionsbücher für ein Exempel der fabelhaften Erzählung . Ii , quibusdam et argumentum ex fifto locatur , et per mendacia ipfc relationis ordo contexitur , vt funt illae Aefopiae fabulae , elegantia fiftionis illustres . At in aliis argumentum quidem fundatur veri foliditate : fed haee ipfa veritas per quaedam compofita et fidta pro - fertur , et hoc iam vocatur fabulofa narratio , non fabula ; vt funt cerimoniarum facra , vt Hefiodi et Orphei , quae de Deorum proge - nie a & uue narrantur . Macrobius , in Somn . Scip . Lib . I capTlI Freinsheim hat de« Macrobius Gedanken nicht wohl begriffen , 'wmn e» sich derselben zur Erklärung der Stelle Priscian« bedienen wollen : wo gesaget wird , daß Hesiodus , Archilochus , u . s . w . die Fabel in Uebung ge - bracht hätten . Freinsheim giebt hierüber ein Gutachten ; daß nämlich ein großer Unterschieb unter des Hesiodus Fabeln , und unter des Aeso - pu6 seinen sey : des Hesiodus seine sind fabelhafte Erzählunaen ; des Aesopus seine die eigentlichen Fabeln . Freinshem . in Notis ad Fabulas Phaedri , zu Anfange . Er nimmt diese llntersd'eidung in dem Sinne des Macrobius , und er führet ihn an , dieß heißt sich verirren : denn wenn Quintilian und Priscian , und andre sagen , daß sich Hesiodus der Fabel gebrauche ; so wollen sie sagen , daß er sich der Erdichtungen der Lehrfabel bediene : sie haben nicke an die fabelhaften Erzählungen ge» dacht , womit er die Geburt imd Thaten der Götter bejunaen hat . Man betrachte diese Worte des Menage über den Laerz , im I 2> . Num . 7 , . Diäus est Aefopus hoyonow , non quod primus muta loqui docuerit * nam ante eum Hefiodus hoc fecerat , in fermone Lufciniae adAccipi ! trein : fed quia praeeipue hoeferibendi genus feCtatus est . 20 & sind die Fabeln des Hesiodus , wovon hier die Frage ist , und des AesopuS sei , ne , von einerlei ) Art .
( B ) l£s bekennen alle gestnckte L . eute , daß stin JLebtn , »om planudes , ein Roman iff . J Man hat in dem holländischen Moreri die Leser mit Recht erinnert , daß Planudes keine Historie des Aesopus , sondern nur einen Haufen Lugen und Ungereimtheiten gegeben hat . Fon - taine hat das Urtheil der Welt , von diesem Leben des Aesopus wohl ge - wüßt : Ick kenne fast niemand , saget er in der Vorrede der auser - lesenen Fabeln , der dasjenige nicht für fabelhaft hielte , was uns planudes hinterlassen har . Gleichwohl ist er demselben ge - folgt , und hat s» gar gesager , daß er jttletu wenig Gewißheit in der Seurchcilung von den , U ? erke des planudes gefunden hatte .
Sie

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