Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8264

Ezechiel .
bkymHuetiu« , Demonftr . Euangel . p . 45z . leipziger Ausgabe von 1694 . ) erzählet , daß Ezechiels Grab , mit Hiobs , des Jesse , und David« , nahe bey Bethlehem , einerley fei ) . Benjamin von Tudele , in seiner Reise - beschreibung auf der 78 S . bey mir , berichtet , daß der König Iechonias , nach seiner erlangten Freyheit , mir Z5 tausend Juden dahingegangen , und über Ezechiels Grab , zwischen dem Chobar und dem Euphrat , ein prächtiges Gewölbe habe bauen lassen . Er giebt vor , daß man an den Mauern dieses Gewölbes den Iechonias und alle , die ihm gefolget wä - ren , abgemalt sähe . Des Iechonias Bildmß wäre das erste , und Eze , chiels seines das letzte . Wir wollen weiter unten sagen , was dieser Schriftsteller von den Wallfahrten und Andachten erzählet , die zu und bey diesem Grabe geschehen sind .
( B ) Die Chaldäer - , - allein sie erfuhren , daß Ezechiel ein anderer Moses war . ^ Die Chaldaer , welche bey Erblickung ei - lies so großen Zulaufs von Pilgrimmen nicht ohne Furcht waren , be - schlössen deswegen eines Tages , dem Zusammenlaufe dieser Andächti - gen ein Ende zu machen , und alles in die Pfanne zu hauen , was sich zur selben Zeit bey dem Grabe befinden würde . Allein der Prophet hat das Wasser des Flusses zurück gehalten , und verschaffet , daß , nachdem die Israeliten das andere Ufer gewonnen hatten , alle Chaldaer , die so kühn waren , sie zu verfolgen , ersaufen müssen . Er hat auch denselben Andächtigen , die fast vor Hunger stürben , einen Ueberfluß von Fischen erbethen . Man giebt vor : er scy bey seinem Leben aus Chaldäa nach Judäa geführet worden , um die Ungläubigen zu überzeugen . Aus des Epiphanius Leben Ezechiels . Wenn sich Abrabaniel hierauf gegründet hätte , so hätte er sagen können , daß Ezechiel so wohl in dem Lande Canaan , als in Chaldäa prophezeyet hätte . Er hätte es , sage ich , behaupten können , ohne die Furcht zu haben , daß man ihn auf solche Art widerlegen würde , wie ihn Hue - tius widerleget . Faceflat etiarn Abrabaniel , qui Ezechielen ! et in terra Chanaan , et extra eain vaticinatum efie docet , cum quinto demum poft deportationem fuam anno , futura praedicerc agrefliw ( it . Huet . Demonftr . Euangel . p . 458 .
( C ) Die Juden haben hundert Wunderdinge von seinem Gra - be ecwblet . ] Benjamin von Tudele , der im XII Jahrhunderte gele - bet , versichert in seiner Reisebeschreibung , auf der 78 @ . daß bis zu der - selben Zeit , das Grab dieses Propheten für einen h . Ort angesehen wor - den ; daß man aus den entlegensten Ländern dahin gekommen , um sein Gebeth daselbst zu verrichten ; daß sich diese Andachtsreisen mit dem Jahre angefangen , und bis zum großen Versöhnungstage gedauert ; daß die Häupter des jüdischen Volkes nicht ermangelt , von Bagdad nach diesem Heiligthume zu reisen , und 12 Meilen herum Zelte ausschlagen zu lassen ; daß die arabischen Kaufleute eine Messe daselbst gehalten ; daß man am Versöhnungstage ein großes Buch , von des Prophe - ten eigner Hand geschrieben , aufgeschlagen , und dasselbe j gelesen hätte ; und daß seit der Zeit , da der Prophet selbst eine Lampe über seinem Grabe angezündet gehabt , man dieselbe niemals schen lassen , sondern die größte Sorge dafür getragen hätte , daß allezeit Oel und Dacht in diese Lampe gethan worden , so oft es nöthig gewe - sen ; daß eine sehr schöne Büchersammlung daselbst wäre , welcher alle diejenigen , die keine Kinder gehabt , ihre Bücher vermacht hätten ; daß auch die Söhne der mahometanischen Herren dahin gegangen , ihre Ge - berhe zu verrichten , mit so vieler Liebe wären sie gegen diesen Propheten erfüllt gewesen ; daß die Araber auch dergleichen gethan , und daß man diesen h . Ort wegen des auserwählten Ezechiels dermaßen verehret , daß auch zu Kriegszeiten weder die Mahometaner , noch die Jüden , einigem Menschen daselbst etwas zu Leide gethan hätten .
Rabbi Petachias wird uns noch mehr Wunder erzählen : Er hat im XII Jahrhunderte gelebet . Seine Reisebeschreibung ist hebräisch und lateinisch vom Wagenseil im 1687 Jahre herausgegeben worden . Da ein König von Babylon die Ueberblcibsel des Propheten Ezechiels , dieses großen Wunderthäters , zu sehen verlanget , so hat man ihm ge - antwortet , daß dieses unmöglich sey : weil er ein Heiliger ist , sagte man zu ihm . so werdet ihr ihn nicht ausgraben können ; lind weil ihm diese Antwort die Lust »och nicht benommen hatte , so bath man ihn , einen Versuch mit dem Grabe Baruchs , des Ezechiels Schüler , zu machen . Er hat also beföhlen , den Barlich auszugraben ; allein alle , die ihn fen wollten , fiele» todt nieder . Nach dem Rathe eines Israeliten , hat er deil Juden befohlen , denselben auszugrabeil . Sie haben sich durch eine dreytägige Fasteil dazu vorbereitet , und sind mir dieser Arbeit , ohne den geringsten Schaden , zum Ende gekommen . Der König , der dafür hielt . es sey für einen einzigen Ort zu viel , das Grab Ezechiels und Baruchs zu haben , hat befohlen , den Sarg dieses letztern an einen andern Ort zu bringen . Als man ihn eine Meile geträgen , hatten die Träger nicht mehr so viel Stärke , daß sie einen Fuß fortsetzen können : die Pferde und Maulesel , die man dazu gebrauchen wollte , haben sich in gleichem Unvermögen befunden . Man vergleiche dieses mir demjenigen , was man von dem Marienbilde zu Czenstochow in Pohlen erzählet . La - dislaus . Herzog von Oppeln , wollte es im iz - 8 Jahre in sein Herzog - thum führen lassen ; allein , als man es bis nach Clermvnt , nahe bey Czenstochow gebracht , wollte eS nicht von diesem Berge weichen , wo eS dermaßen schwer wurde , daß er angefangen , der Jungfrau Maria Wil - len zu errathen , der ihm nach diesem in einem Traume offenbaret wor - den . Er hat eine Kirche daselbst erbauen lassen . Le Laboureur , Voiage de la Reine de Pologne . Part . III . p . 22 . Am Palmsonntage , 1430 , haben die HuMn aus Böhmen diese Kirche geplündert - - - sie haben daS Bild gegen Schlesien geführet ; allein 400 Schritte vom Berge hat eS sich^so fest angehalten , daß man es nicht wegschleppen können , so viele Muhe sie sich auch gegeben , ihren Zweck durch viel sri - sche Pferde zu erreichen . Ebendas . Der Rabbi Salomen erklärte die - se« Wunderwerk also : Hier ist der Ort , saget er , den der Prophet zu seinem Begräbnisse erwählet hat . Man hat sich dießfalls auf seine Auslegung bezogen , und dem Propheten Barnch an diesem Orte ein schöne« Denkmäal aufgerichtet . Folgendes betrifft da« Grabmaal Eze - chiels . E« ist in einem Holze , eine Tagereise , oder eine halbe Tagereise von Bagdad , mit einer Mauer umgeben , und mir einem schönen Ge - bäude versehen . Es ist nur ein kleine« Pfortchen in der Mauer , die Juden haben den Schlüssel darzu ; wenn sie durch diese Pforte gehen wollen , so müsse« sie auf allen vieren hineinkriechen , so medrigist sie : allem am Lau - berhüttenfeste , an welchem Tage eine erstaunende Menge Volkes daselbst zusammen kömmt , ( die Anzahl der Jüden hat fui ) auf 60 61« 8° tau . send belaufen , die sich da eingefunden . In der Reisebesckreibung de« Rabbi Petachias , beym Johann Christoph Wagens« ! , Exerut . IV .
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p . l ? y^ wird die Thüre von sich selbst so weit und hoch , baß auch rei - rende Personen auf Kalneelen durchkönnen . Nach geendigtem Feste wird die Thüre wieder in ihren ersten Zustand versetzet , und zwar vor den Äugen des ganzen Volkes , welches sich daselbst befindet , dem Grabe Ezechidis Opfergeschenke zu bringen . Wegen keiner Krankheit pfiehlt man sich der Vorbitte dieses Propheten so andächtig uild fleißig , al« wegen der Unfruchtbarkeit . Ein Mann , der sich nicht geschickt findet , Kinder zu zeugen , und eine Frau , die nicht geschickt ist , zu empfangen , chen gemeiniglich Hülfe durch die Gelübde , die sie dem Grabe Ezechiels thun . Sie nehmen auch Zuflucht dahin , die Unfruchtbarkeit ihres hes zu heben . Mai , vergleiche dasjenige hiermit , was man in den Zu - satzen der Reisebeschreibung Burnets , auf der >92 S von denjenigen Thieren liest , die man am Antonstage zu Rom weihen läßt . Ein Prinz , der eine unsruchlbare Stute hatte , und vier Tagereisen von diesem Gra - be wohnte , machte sich , vermittelst eines Gelübdes , verbindlich , dem pheten das Fullen zu weihen , das die Stute nxrfen würde , wenn sie trachtig werden sollte . Die Stute warf ein Füllen , welches der Prinz so schon befunden , daß er es behalten : allein das Füllen hat die Flucht genommen und ist von sich selbst nach Ezechiels Grabe gelaufen ? wo sich die Pforte der Mauer auch von sich selbst erweitert , daß eS hinein - gehen können . Da der Prinz dieses Fullen nirgends finden konnte , mit so vielem Fleiße er auch dasselbe uberall harre suchen lassen , so ist eS ihm eingefallen , ob er dasselbe vielleicht bey dein Grabe dieses Propheten finden würde : sein Gelübde hat ihn auf diesen Gedanken gebracht . Er hat es daselbst gefunden , und eS auf keinerley Art herausbringen können weil die Thüre zu enge war : hierauf hat er , nach dem Rache eines Juden , einige Stucke Geld aufs Grab geleget , und so bald er den Werth des Füllens damit erreichet , so hat sich die Thüre so viel erweitert , als nöthig war . Pauxijlatim fuccefliue eousque argenturn niönumento ingellit , quoad pretiurn aequauit , et dilatata porta , pullus egreflüs eft . Petach . Peregrin . p . 180 . Alle Jemaeliten , welche zu Mahcmets Grabe wallfahrten , gehen über Ezechiels feine« ; sie lassen Gaden da - selbst , und halten dieses Gebeth : Gnädiger - Herr Ezechiel ! wenn ick in - guter Gesundheit wieder komme , so will ich dir dieses und dieses geben . Don , ine Ezechiel , fi ( fanus ftiluusque ) rediero , dabo tibi hoc vel illuA Ebendas . 181 Seite . Diejenigen , welche eine lange Reise unternehmen , lassen alles bey diesem Grabe in rung . was sie Kostbares bey sich haben , und sagen : Gnädiger - Herr Ezechiel ! verwahre mir diese niedergelegte Rosrbarkeit , bis ich wieder komme , und gieb nicht ju , daß es jemand anders an - rühren darf , als meine Erben . Viele von diesen Niederlagen ha , ben Zeit gehabt , an diesem Orte zu verfaulen . Man leget auch Bü - cher dahin : Ein Mellich , der eines davon stehlen wollen , ist auf der Stelle blind geworden . Dieser Ort ist sehr kostbar ausgeschmückt ; man halt daselbst Tag und Nacht dreyßig brennende Lampen . Das gelobte Geld wird zur Ausbesserung der Synagoge , zur Verheirathung der Waysen und zum Studieren vieler armen Schüler angewendet . ' Die Geschenke und Gelübde sind so häufig , daß 200 Personen dazu bestellet find , das Verzeichnis darüber wechselsweise zu halten . Ehmals ist da - selbst über dem Grabe des Propheten eine Feuersäule gewesen ; allein einige Ruchlose , die sich unter die 80 tausend Andächtige gemischt hat - ten , die am Lauberhüttenfeste versammlet waren , sind ai , derselben Ver - schwindunq Ursache gewesen . Ebendas . i8> S .
Das sind , dünkt mich , Fabeln genug ; allein man kann unstreitig die - se Wahrheit darau« folgern : daß die Anrufung der Heiligen bey den Juden bereit« vorlangst in Uebung gewesen ; denn ohne daß wir un« bey andern BeweNen aufhalten dürfen , so sehen wir hier den Rabbi Perachias , der dem Ezechiel Gebethe und Opfer bringt , und vcrgiebt : daß sie große Wunderwerke gewirket hätten . Ipfe R . Petachias ad Eze - chiehs fepulchruin fe contulit , obryzurn , fiue auri grana rnanibus fecum afferens . Ea cum ex manibus forte fortuna excidiflent , Do - mine Ezechiel , inquit , tui honoris caufa excefli , ( et ccu facere me par erat , dona mea , quae tibi litarem , mecum attuli . ) Sed amifi na ( aurea , buic rei deßinata , improuide ) et perierunt illa ; nihil» minus vbicunque locorum iacent , tua funto . { Iiixerat baec ) et mox confpicit oculis fuis , e longinquo , aliquid lideris inftar micare : cum gemmam efle fufpicaretur , eo fe contulit , et rem femtatus eft , reperitque grana fua aurea , ac proinde Ezechielis fcpulchro illa dedicauit . Ebendas . 180 , >8> S . Man würde diese Fabeln unter den Jüden nicht bekannt machen , wenn ihnen die Anrufung der 6eili« gen eine verbothene Sache zu feyn geschienen hätte .
Betrachtung über die Neigung der Völker geaen die Leichtgläubigkeit .
Die Protestanten haben Recht , die schimpfliche Leichtgläubigkeit die . ses Volkes und die Kühnheit ihrer Scribenten , in Ausbreitung hun - derterley Alfanzereyen zu beweinen ; allein ein jeder muß aus denen gen , die bey seiner Partey vorgehen , erlerne» , daß der Weg zu diesem Aberglauben sehr schlüpfrig ist . Wie viele Dinge finden fich nicht , die heutiges Tages bey den Protestanten in Uebung find , die sie vor hundert Jahren wohl nicht gebilliget hätten ? Ich bin versichelt , daß derUrhe - beider Pastoralschreiben viel mehr falsche Wunderwerke bekannt gemacht hat , al« er gesollt : allein ich bin nicht weniger gewiß , daß man ihm weit mehrere derselben zugeschrieben hat , als inan in seinen Briefen fin - der . Nun betrachte man ein wenig , daß , wenige Personen ausgenom» men , die noch meistenrheils Layen waren , sonst niemand bezeuget bat daß er sich an diesem Borgeln geheimilißvoller Begebenheiten gert . Wohin winde man dadurch bereits gekommen seyn , wenn die Weißagungen , worauf sich der Urheber deswegen gegründet , einiae Art des Erfolgs gehabt hätten ? Ueberhaupt zu reden : wohin würde man nicht bereit« geratheil seyn , wenn man nicht durch den Geist der Wider - sprechung , in Ansehung desjenigen , waö bey den Papisten vorgeht , in Ehrfurchr erhalten wurde ? j
( D ) Man hat vorgegeben : es habe wenig gefehlet , daß ihn nicht eine Versammlung der Rabbinen , - A , aus dem Register der heiligen Schriften verbannet hätte . Z Der Tal - mud enthalt einen Tractat , ( de Sabbatho , siehe Huet . Demonftr . Euang . p . 462 . ) wo man liest , daß die Rabbinen , in Betrachtung , daß in den Prophezeyungen Ezechiel« einige Stellen wären , die der Lehre deö Mose« zuwider schienen , in Berathschlagung gezogen : vb es nickt dienlich wäre , das Werk diese« Propheten zu verwerfen ? Nach ge - Hhh Z sammletm

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