Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8244

ihrer Schüler zu gebrauchen . Plato de Republ . Libr . II . zu Ende . Die Vcrse , davon ich rede , sind vom Aeschylus . Er zieht die Götter darin - nen grausam durch : er führet die Thetis fast aus diese Art redend ein . Apollo sang an meinem - Hochxeittage einen ^ . obgesanz , worin , nen er Mick versichert , daß ich einen Sohn bekommen wurve , der lange Zeit ohne Rrancheir leben sollte ; er hat mich durch seine ^obsprüche und süße Hoffnungen , die er mir machte , mir Freude angefüllt . Ick bade geglaubt , er würde ein wahrhaft tiger Prophet seyn , und gleichwohl hat er felbfr meinen Sohn getodter . giiemand nimmt sich in gottlosen Grundsätzen mehr Frey - heit , als diejenigen , welche theatralische Stücke verfertigen ; denn will man sie zur Verantwortung ziehen , so können sie antworten : daß sie weiter nichts thun , als daß sie die Gottlosen oder wider das Glück er - zürnte Personen solche Worte reden lassen , wie sie die Wahrscheinlichkeit von ihnen erfordert . Es ist wohl gewiß , dap der Urheber einer Tragödie nicht dafür gehalten werde«' darf , als wenn er alle Gedanken glaubte , die er vorträgt ; allein es giebt auch gekünstelte Bestrebungen , welche dasje - nige entdecken , was man auf ihre Rechnung setzen kann : und dem sey auch , wie ihm wolle , so kann man doch der Schaubühne von Rechts - wegen gewisse Stücke untersagen , der Urheber mag seine Gedanken darinnen vortragen oder nicht . Cirano Bergerac hat in seiner Agrip - pina einige Gottlosigkeiten ausgestreut , die derselben Verboth veranlas - set haben . Siehe la Guerre des Auteurs , par Gueret , p . m . 155 .
CG ) Seine Stücke haben den Arheniensern weniger gefallen , als die Stücke des Sophokles , ob dieser gleich viel jünger war . ] Hier ist eine Widerwärtigkeit , welcher die allerberühmtesten Schnststd - lcr unterworfen sind . Es giebt einige , die sich dermaßen über ihre Ne - benbuhler erheben , daß ihnen die Welt ohne Scheu den höchsten Platz in der Wissenschaft zufpricht , die sie getrieben haben . Einer herrschet über die Stücke der Schaubühne , ein anderer über die Liebesgejchichte u . d . m . Zum Unglücke dauert diese Herrschaft nicht allemal auf Lebenszeit . Es kommt eine aufgehende Sonne , die nach und nach alle Stimmen an sich zieht : und dann sieht sich der große Schriftsteller , der etliche Zahre die Krone ge - tragen hat , durch einen jungen Menschen herunter geletzt ; und d . ep sind für ihn hundert Herzstiche , wider welche es em schlechter Trost . st , sich über den bösen Geschmack oder die Ungerechtigkeit der Welt zu beklagen , und sich von derselben auf das Urtheil der Nachkommenschaft zu berufen . Dieß hat Aeschylus auch qethan , da er unterlag . Ich widme , sagte er , meineStücke derZeir . Adieu . Lib . VIII , p . 374 . Der Poet Iuvenal , der die Schäden eines langen Lebens in der 10 Satire im 190 u . s Verse so wohl vorstellet , hätte nicht vergessen sollen , daß selbiges die Schrift ; Keller vom ersten Range dieser verdrüßlichen Widerwärtigkeit aussetzet . Sie sollten so gleich sterben , wenn ihre Ehre zu der höchsten Stuffe men ist , und einem neuen Gestirne nicht die Zeit lassen , den höchsten «vunct des Horizonts über ihnen zu erreichen :
Haec data poena diis viuentibus . Ebend . 24z Vers . Dem sey , wie ihm wolle , so giebt man vor , daß der Sieg des Sophokles über den Aeschylus mit einem wunderbaren Vorzuge begleitet gewesen . Der Wettstreit war zu Ehren eines berühmten Gepränges angestellet worden , das man damals feyerte , nämlich die Erfindung und Ueberbrin - auna der Gebeine des Theseus . Plut . in Cimon . p . 483 . Simon , der die vornehmste Person bey diesem Feste spielte , hatte aus einem jedemStamme einen Richter ernennet - und dieß ist das erstemal gewesen , daß Sophokles en theatralisches Stück aufgeführt . Wasfür ein Donnerschlag war dieß nickt für den Aeschylus , sich durch einProbestuck uberwunden zu sehen ; ? r der als ein alter Soldat , _ mit Ehren bedeckt , und von vielen haltenen poetischen Siegen aufgeblasen war ! dieß war die Ursache , daß er sein Vaterland verlassen hat . »« r« ( p« * 8c . * * * « * ♦ * *
Ti / , m Jw« . ViSore Sophocle , Aefchylum fama tenet d . fcrucia - «um , atque id iniquo animo ferentem lion diu Athenis haelilie , indo profeöum fuifle ex indignatione in Siciliain , vbi defunchis quoque et circa Gelam humatus eft . Plut . ebendas F . Der Schollast erzahlet es : er seker zwar dazu , es wollten andre , daß es Simonides und nicht Sophokles gewesen , der den Aeschylus überwunden hat . Der Streit «vischen dem Simonideö und 'Aeschylus , ist , nicht durch Tragödie gegen Tragödie , sondern mit Elegie gegen Elegie geschehen . Und hier hatSi - monides mir seinen stärksten und Aeschylus mit seinen schwächsten Waf - sen qefochten . Eine riesenmäßige Einbildung , wie des Aejchylus seine , seine Redensarten , seine gezwungene Schwulst , gkett ; die alle waren nicht « - schickt zur Elegie . Siehe den Tanaq , Faber in dem Leben des Aeschy - Ks Man bemerket , daß die ^rau - nSperMien niemals verl . - bt . n sc , nen Tragödien erschienen sind : er wiirde auch diese Leidenschaft übel vorge - stellet haben - allein er ist unvergleichlich gewesen , wenn er eine von
Wuth außer sich gebrachte Frau vorstellen sollen . Foeminam araan - tcm nunquam exhibuit , ficut ab Anftophane in Ranis obferuatum eft : at in exprimenda infania vsque ad ftuporem fimul et commife - rationem eliciendum : qui Cafiandrae orationem in Agamemnonele - £Crit , nemo vnquam fuperatum agnofcet . Stanleius , p . 706 . - Die Stelle des Aristvphanes in Ranis steht A£t . IV , S . II , p . m . 243 . Uebri - «ctis muß man bekennen , daß der Inhalt dieser Elegie für den Aeschylus vortheilhaftig qewesen ; denn sie sollte denjenigen zur Ehre gemacht wer - den die in der Schlacht bey Marathon das Leben verlobren hatten : nun nahm er außerordentlichen Äntheil an diesem Tressen , weil er daselbst ivroben seiner Herzhaftigkeit abgelegt hatte , und diesen Ruhm demjeni - oen vorwa , den er durch seine Verse erworben hatte : man sehe die fol - «ende Anmerkung . Im Vorbeygehen muß ich erinnern , daß nicht je - iLi - mann den Suidas verstanden hat , wenn er gesagt : daß Aeschylus des - wegen nach Sicilien geflüchtet wäre , weil , unter währender Vorstellung einer von seinen Tragödien , die Bänke eingefallen wareii . Einige ha - - m buchstäblichen Verstände genomnien , und haben nicht be - ttachtet daß Ar ZuM in diesem Virstande dem Aeschylns viel Ehre wäre ein Merkmaal aewesen , daß seine Stücke eine LcheÄ Zuschauer an sich gezM " hätten ; daß die Sitze unter ih - ImLSi miSn Man muß diese Sache nedmen , wie sie Sealiger
occafionem inm . it Saidas , mü Aefchylum « Katern gL „ ~y 1 " fert , quod dum fabiila . u exhibuerit ruerent Iubfdlig
W , Subfellia fixere loquuntiw non ftctit , fed excidit ; hoc eft HON placuit , ficut a vir« II 2band .
Eschylus . 427
doäiffimo Iofepho Scaligero iam diu Monitum eft . Aufon . leö . Nee nie mouet , quod alii aliterluuenalis verba \fregit fubfeliia verfu , fint interpretati . Stanleius p . 707 .
( H ) Dieses ist nicht ohne Schwierigkeit . ^ Ich habe bereits ge - sagt , daß man nach den Marmorsteinen Arondels des Aeschylus Geburt in das letzte Jahr der 6z Olympias , und seinen Tod in das erste Jahr der 81 sehen muß . Nun muß nach dem Diodor aus Sicilien in des XI B . 66 Cap . der Tod des Königes Hiero in das a Jahr der 78 Olympias gefetzt werden : es ist also nicht wahr , wie so viele Leute versichern , daß Aeschylus zu dem Könige Hiero geflüchtet , und drey Jahre darauf ge - sterben ist . Er hat diesen Prinzen ungefähr zwölf Jahre überlebet . Ich weis nicht , ob man nicht voraus setzen könnte , daß er sich zweymal nachSicilien begeben , und daß die Schriftsteller , die von ihm reden , diese zwo Reisen nicht unterscheiden . Man gesteht , daß der Sieg , den So - phokles über ihn erhalten , ihn geuörhiget , an den Hof des Königes Hie - ro zu gehen . Sophokles hatte damals angefangen , die Laufbahn zu betreten , und konnte etwan acht und zwanzig Jahre alt seyn . Dieser Streit fällt in dle letzten Jahre der 77 Olympias . Hiero ist drey Jahre dranf , etwas mehr oder weniger , gestorben . Es ist währschein , lich , daß Aeschylus , nach dem Verluste eines solchen Gönners , Sicilien verlassen hat , und nach seinem Vaterlande zurückgekehrt ist , wo ihn andre Widerwärtigkeiten gezwungen , einige Jahre darauf dasselbe ganz von neuem zu verlassen . Was konnte er sich nun für einen bessern Aufent - halt erwählen , als Sicilien , wo er ohne Zweifehals er das erstemal von da weggereiset war , Freunde zurück gelassen hatte ? Man merke , daß es die Einwohner zu Gela gewesen , die ihm ein Grabmaal erbauet haben . Siehe die Anmerkung ( I ) . Würde sich nicht Hiero , wenn er noch am Leben gewesen wäre , mit diesem Grabmaale haben eine Ehre machen wollen ? Und es ist wahrscheinlich , daß er e6in Catanea , seiner liebsten Stadt , würde erbauet haben , die er Aetna heißen lassen . Diodor . Si - cul . Lib . XI , c . 49 . Uud hier folget eine neue Schwierigkeit . Er hat zu Anfange der 76 Olympias gewollt , ( ebendas ) daß die Stadt Catanea ihren Namen und ihre Einwohner verändern sollte , und mit derEinrich - tnng dieser neuen Stadt sehr geeilet . Nun sagen die Schriftsteller , daß Aeschylus , da er sich an den Hof des Königes Hiero begeben , denselben mit dem Baue der Stadt Aetna beschädiget gefunden , und« daß er ein Gedichte auf diese neue Stadt gemacht habe . Also hätte er sich nicht aus Verdrusse über den Sieg des Sophokles wegbegeben ; denn dieser junge Poet hat ihn erstlich nach dem Mittel der 7 / Olympias überwun - den . Anno tertio Olympiadis feptuagefimae feptiniae . Sam . Peti - tus Mifcell . Lib . III , c . 18 , p . 173 . Unter allen Theilen der alten Histo - rie ist die Historie der Gelehrten ohne Widerspruch die allerverwirrteste , und am allerschwersten zu einer richtigen Zeitrechnung zu bringen .
( I ) Die Einwohner ; u Gela haben ihm ein Grabmaal mir einer schonen Aufschrift aufgerichtet . ] Hier sind die Worte des Scholiasten , der des Aeschylus Leben geschrieben hat : 'a™ämovra Ii
rsAüo , noAtTfAÄi« iv to7 ( Se [ xoftei ( ftni / juttt 3i\pavTt ( , srl / ivirav ZÜ ( , bt» { :
A ? %< / A * y { . üpagluvot AOqvatov roh xsvüit
M xurxipSittevn sru ? o 'AAxijv äs ivSoxipev Magiämiov i\ao ; av iiitot Kai ßc & vxaiTysit MljSot iviiiptvot .
Mortuum Geloi inter publica nionumenta fepelientes magnifioe ho - norarunt , hoc inferibentes Epitaphium :
Euphorione patre et patria Aefchylus ortus Atheni»
Mortuus ad laeti conditur arua Gelae ,
Virtutis fp«cimen , Marathonie campe , fateris Atque experte tuo , Mede comate , malo .
Paufanias überläßt uns keinen Zweiftl , daß Aeschylus nicht selbst der Urheber dieser Grabschrift gewesen sey . Ich will seine Worte anführen , weil sie RemuluS Amaseus nicht verstanden hat . 2t
in ) rp vlxy raury fiiKira thä^u . KmJ Jij Vj / } Alyikot , dt oi rS ß / « tjo - ceSeKÜre tf rstevrij 9 rSv ixi» aäkm cfivifpovturtv bJsvo ( Sel - tt i { tosStov IfKftiv fjrl ttoititiv . Tfo 'Agrennln yjtf iv ExAeepivl vccvptt%iit * C » ii , ro ti iv»na ngtriSsv , kW tJv hqMv eyga^iv , vjrf ü ( rijt Itviftlaf fitfTVfag t%oi to MafüiSwv / ov «Aa - oj vjrf MtfJwv ra« et cevro hno^ävrctt . Nllllam autem fuifle vidloriam , qua fint magis Athenienfes gloriati , quam ea , quam ex Marathonia ptigna funt adepti , hinc praeeipue vt cre - dain addticor ; quod Aefchylus , cum^propc iam eilet , vt c vita re , qui de fe ipfo ante prorfus contkuerat , vir tanta in poefi nomi - ms celebntate , cuiusque virtus naualibus praeliis ante ad Artemi - fium et Salaminem enituerat , de Marathonia pugna cum fuum carmen ^m , in ipfa operis fronte fuum et patriae nornen inferipfit : Ma - rathonium enim faltum , et Perfas , qui illuc defeenderunt fuae teftes virtutis citat . Paufan . Lib . I , p . 13 . Der Uebersetzer hat sich , wie mich bedunkt , dreymal betrogen : I . Wenn er gesagt , daß zuvor Aeschylus nie - mals von sich geredet hätte ; II . wenn er vorausgesetzt , daß sich dieser Poet bey den Schisstreffen bey Artemisium und Salamis eher hervor - gethan hätte , als in der Schlacht bey Marathon ; Hl . wenn er glaubt , daß Aeschylus dasjenige , wovon Pausaniäs redet , für ein auf diese Schlacht gemachtes Gedichte gehalten hätte . Dieß ist des griechischen Schriftstellers Gedanke nicht : er war Willens , zu beweisen , daß der Sieg bey Marathon derjenige wäre , weswegen sich die Athenienser am meisten gerühmt : und in dieser Absicht führet er an , daß Aeschylus . da er die Annäherung seines Todes gefüblet , alles andere bey Seite gesetzt , uud sich damit begnügt habe , seinen und seines Vaterlandes Namen zu - schreiben , und anzumerken , daß Marathon uud die Meder , die das Le - ben daselbst verlohren , Zeugen seiner Tapferkeit waren . Nichts destowe , Niger hatte er sich durch seine Gedichte einen großen Namen gemacht , und sich in den Schlachten bey Artemisium und Salamis befunden Wenn man des Pausanias SLorte mit der Grabschrift des AeschvluS vergleicht , so kann man kaum zweifeln , daß er sein Augenmerk nicht auf diese Grabschrift gerichtet hätte . Wenn man aber Halsstarrig ver , „ einen wollte , daß dieser Poet der Urheber der Ausschrift gewesen , >vel - che die Einwohner zu Gela auf sein Grabmaal eingraben lassen : so könn - te man in den AthenäuS verwiesen werden ( f ) , welcher bemerket , daß Aeschylus , der durch seine Verse einen ungemeinen Ruhm erworben , gleichwohl diesen Theil seines Ruhms nicht zur Materie seiner Grab - schrift erwählt hätte , sondern lieber denjenigen Ruhm dazu anwenden wollen , den er durch seine Tapferkeit erlanget hatte . Alcäus dachte eben so . Siehe oben den Artikel Archilochns in der Anmerkung ( G ) .
Hhh » Dieses

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