Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8233

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Eschylus .
hat . Die beste Ausgabe des Aeschylus ist die Londonsche von 166z ( l . ) . Man sehe km Moreri , auf was für Art dieser arme Poet , der Sage nach , qetödtet worden . Dieß ist durch den Fall einer Schildkröte geschehen ( M ) , und es ist ein Adler gewesen , der ihm diese Schildkröte auf den Kopf fallen lassen . Ich habe vergessen , zu sagen , daß Salmasius , den die Schwierigkeiten abgeschreckt , die er im Aeschylus angetroffen , sich erkläret hat , daß dieser £W viel dunkler fty , als die heil . 0d ; rifc selbst ( N ) . Moreri hat eine gute Anzahl Schnitzer begangen ( 0 ) .
a ) Scholiaftes in vita Aefchyli . b~ ) Sie ist im 2 Jahre der 72 Olympias geliefert worden . Man sehe auch den Baillct , Jugeni . für les Poetes , Tom . 1 ,
Poeten .
( A ) üsc war ron Athens Macrobius , Saturn . Libr . V , cap . XIX . der ihn zum Sicilianer machet , hat sich betrogen ; man sage auch nicht , daß er von einem andern Aeschylus rede ; denn er redet von demjenigen , der eine Tragödie gemacht , Aetna betitelt . Nun ist es gewiß , daß die - ser , der diese Tragödie gemacht hat , von demjenigen nicht unterschieden ist , der vom Sophokles überwunden worden , und sich ans Verdruß aus seinem Vaterland ? Athen selbst verbannet , und zum Hiera , dem Kö - nige von Syracusa , begeben hat . Hiero har damals die Stadt Aetna gebanst , und dieses ist Ursache gewesen , daß Aeschylus die Tragödie die - ses Namens gemacht . Schol . in Vit . Aefchyli . Der gelehrte Giraldi würde nicht so gestrauchelt haben , wenn er auf diesen besondern Um - stand Acht gegeben hätte . Er giebt , in Dialogis de Poetis Graecis , vor , daß der Aeschylus des Macrobius , ausSicilien gewesen , und von demjenigen unterschieden sey , dessen Tragödien wir noch haben . Er weis auch nicht , ob nicht Athenäus von diesem andern Aeschylus , dem Sicilianer , habe reden wollen , wenn er im IX V . saget , daß sich Aeschylus sicilianischer Redensarten bedient hätte . Ich weis nicht , was diese Worte sagen wollen , Fuit Cyreraeus ( Aefcbylns ) familiaris Callimachi . Athen . Libr . VIII . Sie sind in dem Valerius Maximus Variorum über das XII Cap . des IX T> . Man giebt sie für des Co - lerns seine aus .
( k ) Es giebt tausend Streitigkeiten über das Jahr seiner Ge , fctitt . ] Das Leben des Aeschylus , weiches von seinem Scholiasten auf - gesetzt worden , enthält , daß er in der XL OlympiaS gebohren worden , und in der Schlacht bey Salamis Proben seiner Tapferkeit abgelegt ha - be . Diese zwo Sachen können nicht bey einander stehen : denn diese Schlacht ist im letzten Jahre der 74 Olympias geliefert worden . Nach andern im ersten Jahre der 75 Olympias ; welcher Unterscheid daher kommen kann , baß die letzten Monate der einen Olympias , und die er - sten der folgenden in ein Jahr der Römer fallen . Konnte nun wohl Aeschylus die Pflicht eines guten Soldaten in einem Alter von unge - fähr 140 Jahren verrichten ? Man streitet unter den Kunstrichtern gar nicht , ob sich die Zahl 40 in dieses Leben des Aeschylus durch unwissende Abschreiber eingeschlichen hat ; jedermann bekennet es : allein darüber streitet man noch , was man für eine andere Zahl an derselben Stelle tzen soll . Casaubon de Satyrica Poefi , Libr . I . cap . V . beym Stanley Not . in Aefchyl . pag . 70a , 703 . sehet 63 dafür ; Samuel Petit Mif - cellan . Libr . III , cap . XIV . bey eben demselben , setzet 65 ; Meursius de Archont . bey eben demselben auf der 704 S . setzet 70 . Diese letzte
8 . u . f .
0 In dem Leben der griechischen <0 Scholiaft . in Vita Aefchyli .
welches man für eine Entzückung des Gottes Mars ausgeben wollte , * ett« «ri eijßxti , Septem contra Thebas betitelt , die Wirkung einer bacchifchett Eingebung wären . Plutarch . Sympof . Libr . VII . Quacft . X , p . in . 715 . Stanley Not . in Aefchyl . pag . 701 . hat diese Stelle sehr sinnreich wieder hergestellt ; er will , daß man fwi» aV * > ? anstatt txt - yiyov " a ? £«c lesen soll . Alle Zweydeutigkeit zu heben , so muß ich sa - gen , daß ich durch die bacchische Eingebung eine wirkliche Trunkenheit und ohne Metaphore verstehe ; und nicht derqleiä ) ? » heftige Bewegun - gen , wie diejenigen , davon Horaz in der XIX Ode des II 2b . und in der XXV des III B . redet , wo es ganz augenscheinlich ist , daß er von der Entzückung des Gottes der Dichtkunst redet . Man sehe Dariers Auslegung : man wird darinnen finden , daß Bacchus und Apollo nur einerley Gottheiten gewesen .
( E ) Lr har viele Verandcrungen in der Tragödie gemacht . Z Horaz har sie nicht alle bemerken können :
Ignotum tragicae gemis inueniße Camoenae .
Dicitur , et plauftris vexifle poemata Thespis ,
Qiiae canerent agerentqne perunfti faecibns ora .
Port hunc perfo / iae pallaeque repertor honeftae Aefchylus , et modicis inftrauit pulpita tignis ,
Et docuit magnumque loqui , nitique cothurno .
Horat . de Arte Poetica , Verf . 275 .
Dieß ist Daciers Note . , , Es ist nicht so leicht , etwas zu erfinden , als dm „ Erfindungen anderer etwas beizufügen . Die Veränderungen , welche „ Thespis bereits in der Tragödie gemacht hatte , haben dem Aefthylus „ Anleituirg gegeben , neuere und noch viel wichtigere darinnen zu ma - „ chen . Er hat den spielenden Personen eine Larve gegeben : denn per . „ fona ist hier eine Larve , und keine vorgestellte Person ; er hat sie mir „ schleppenden Röcken bekleidet , ihnen Halbstiesel angezogen ; anstatt „ des Wagens , eine mittelmaßig erhöhte Schaubühne bauen lassen , »ml» „ die Schreibart völlig geändert , welche gravitätisch und ernsthaft wurde , „ anstatt daß sie zuvor sehr kurzweilig gewesen war , Allein
„ ich wundere mich , daß Horaz nichts von den allerwichtigsten Verände - „ rungen saget , die Aristoteles dem 'Aeschylus zueignet : denn er saget in „ seiner Poetik , daß er des Thespis Person noch eme beyqefügt hat , daß „ er den Gesang des Chors vermindert , und eine erste Rolle erfunden „ hat , KeuTuyntviiv Äiyov . Dieß hätte verdienet , bemerkt zn werden . ,
Zahl ist nicht zu behaupten , weil Aeschylus sich in der Schlacht bey Ma - Dacier für Horace , TonOf , pag . 250 . holländischer Ausgabe . Man rathon im zweyten Jahre der 72 Olympias hervorgethan hat , wie der eignet
Urheber seines Lebens sager . Voßius von den griechischen Poeten auf der 25 S verbessert« ! wie Meursius : und damit ihn der Einwurf nicht hindern soll , so seket er zum Voraus , daß der Scholiast nicht von der Geburt , sondern von dem blühenden Zustande des Aeschylus redet . Dieß ist ein Jrthum : der Scholiast hat sich des Wortes yeymiit dienet . Stanley , der sich auf die Marmorsteine Arondels gründet , je - het die Geburt dieses Dichters ins vierte Jahr der 6z Olympias . Nach diesem Marmorsteine ist Aeschylus im 69 Jahre seines Alters gestorben , da Kallias Archen gewesen , d . i . im ersten Jahre der 80 Olympias . o>ie Folgerung , die Stanley auf der 704 S . seiner Noten über den Aeschylus daraus aezogen , ist richtig . Barnesius , in dem Leben de«
dem Aeschylus eine Neuerung zu , die sich zu der Heftigkeit seine« Geistes nicht sonderlich schicket . Die Alten geben ihm das Lob , daß er der erste gewesen , 0er den Augen der Zuschauer die Mordthaten und abscheulichen / Dinge myogen har . Dacier ebendas . - 14 S . über diese Worte des Horaz .
Nec puerot coram populo Medea trucidet , etc .
de Arte Poetic . Verl ! 185 .
Er ist also der erste gewesen , der die Reqel ausgeübet hat , daß man auf der Schaubühne kein Blut vergießen müsse . Dacier will , daß diejeni - gen sich betriegen , welche in dem Aeschylus die Verabsäumung dieser Regel finden . Dasjenige betreffend , was er nach dem Aristoteles saget ,
Euripides , richtet sich wegen des Aeschylus Geburt nach eben diesen daß Aeschylus den Chor vermindert , so will ich nur noch dieses wenige
^ dazu setzen . Ein sehr verdrießlicher Zufall hat zu dieser Verbesserung
Anlaß gegeben . In der Tragödie der Eumeniden , ( einem Stücke des Aeschylus ) hat der Chor , der aus fünfzig Personen bestund , und mit fürchterlichen Kleidern auf der Bühne erschien , ( dmn Aeschylus ist der erste gewesen , der den Kopf der Plagegeister ( Furien ) , anstatt der Haare , mit Schlangen geziert , ) die Zuschauer dermaßen erschreckt , daß sich die - schwangern Frauen Schaden gethan , und die kleinen Kinder in Ohnmacht gefallen sind . Hierauf hat man ein Gesetz gemacht , daß die Personen des Chors bis auf fünfzehn eingeschränkt seyn sollten . Man sehe den Scholiasten de« Aristophane« in Equit . und den Julius Pollux im IV D . XV Cap . beym Stanley 70» , 707 S . Philofnatus in dem Leben bei Apollonius VI B . Vi Cap . hat sehr vortheilhaft von der Verbesserung der Schaubühne geredet , die vom Aeschylus erfunden und zur Vollkommenheit gebracht worden . Die Äusserungen , die nen , die Grabmäler , die Altäre , die Gespenster , die Plagegeister , die Trompeten , die auf der Schaubühne erschienen , sind von der Trfindunz dieses Dichters gewesen . In dem Leben des Aeschylus vor der Auega - be des Robvrtellus , beym Stanley auf der 702 S .
( F ) { Er hat bey einigen Vorfallen die Religion nichtgenogsam Zesckonr , welches chm Handel ) «ge ; ogcn , die ihn bey nahe r~
Marmorsteinen
( C ) Er hat es selbst berichtet , daß er sich auf Befehl des Sacchua darauf gelegt , Tragödien machen . ] Da er noch ein kleiner Junge war , , 0 ist er aufs Land geschickt worden die Weinstöcke zu hüten . Eine Nacht hat ihm geträumt , daß ihm Bacchus besohle , Tra - gödien zn machen : so bald eö Tag ward , bat er sich bemüht , dieser Gott - heit zu gehorchen , und gefunden , daß ihm seine Arbeit glücklich und ohne Mühe von statten gegangen . " e$i ü iu' ? * * " » - »
itn ! v icygif tyvk & ctw «t , ig ] tl AiSivtrov imir / tvra xtAfCffaf TgaytpSltn noisiv . w ; ii ijv ifnifu ( iretöirto11 yk<> i5fAkw ) paf« >fätf irttfu - ( xfy»c Troteh . Hoc aiitcm ipfe de fe fcriptum reliquit , puero fibi olim dum vuas cuftodiret , in agro dormienti Baccnuin iniperafle , vt tragoediam fcriberet , feque cum primum illuxiflet , diöo audi - entem periditatmn quid in ea re pofi'et , omniaque fc minimo ne . gotio confecutiim . Paufanias , Libr . I , pag . 19 .
( v ) Einige haben gesaget , daß er nicht eher daran gearbeitet , als bis er wacker berauscht gcn ? estn / Z Dieses hat Camäleon in seinem Buche von dem Leben des Aeschylus angemerket . neSvm » txolH ritt TPuytcolxi 'AitxvW , « { pag . 22 und Libr . X , pag - 4 - S . Daher kömmt es , daß man ihm vor - geworfen , er mache seine Tragödien , zwar ganz gut , aber ohne daß
»gödien , zwar ganz gut , aber ohne daß glückUch gemacht hatten . ] Man hatte ihn wegen eines theatrali , er wisse , ivas er machte . Diesen Streich hat ihm Sophokles versetzt : schen Stückes als einen Gottlosen verdammet , und man stund im Be -
~ " " 1 - ? h aj m n - at Xir . WM rrmct ' / iiii / rtt'llTi' . Infi 21t IrPltlirtPfl . A1 & Ca» . ( M » . iL . . . JcCjX\ l nf * t * . .
j " steinigen , als Ämynias , fein Bruder , mir Zurückschiebung seines Nockärmels dem Volke zeigte , daß er in dem Dienste der Nepu - - blik eine Hand verlohren hätte . Amynias war in der Schlacht bey Salamis , 0 verstümmelt worden , da er sich mehr , als irgend ein Athe - nienser , hervor gethan hatte . Siehe den Diodor aus Sicilien im XI B .
v . . . XXVII Cap . Die Richter , nachdem sie seine Tapferkeit und die gegen
geworfen , daß er der erste gewesen , der betrunkene Leute in einem thea - seinen Bruder erzeigte Freundschaft in Betrachtung gezogen , begna - tralischen Stücke aufgeführt , als wenn er gleichsam seine Fehler dadurch digten dm Aeschylus und sprachen ihn ftey . Also erzählet Aelian Var . hätte rechtfertigen wollen , indem er sie den Helden seiner Traaödien bey , Hiftor . Libr . V . cap . XXI . die Sache . Ich habe beym Bentley
£0iJ ) 0KMit «X ( ittttla MTW ÜTI tl wf T« Ihvrct toisT , a ) k' ein tliiif ye . Qtia propter ei Sophoclcs obiecit , etiam fi ea traderet feriptis , quae oporteret , id tarnen infeientem facere . Ebendas . Er ist sehr lich , daß er den Grad der Vollkommenheit mit Tappen und von unge - fähr erwischet , welches so viele andere mit allem ihrem Studieren nicht hatten erhalten können . Man hat ihm noch einen andern Fehler vor -
aemessen . Athen . Libr . X , pag . 428 . Chamäleon ist nicht der einzige Zeuge , den man anführen kann ; CallistbeneS hatte eben dasselbe gefa ,
get . vö töv AiV%< / A«v i yjn>kiräh>it * 4 , '< * ! ins Atyw , reit tqa -
yuSlat tv «iV« y ? affj i$t> ( pü - , Tix scvaSif / iatvtvTa 7 * 1 * Nofl
enim vt Aefchylum dixit alicubi Callifthenes tragoedias feripfifle , qiium vino prolutus incaluifletyLucian . in Demofth . E«com . Oper . Tora . II , pag . m . 924 . Plutarch erzählet eben dasselbe und giebt vor , daß alle die Stücke des Aeschnius , auch dasjenige »ich ! ausgenommen ,
Not . ad Malalae Chron . pag . 14 . gelesen , daß er auf der Schaubühne würde sey» gesteiniget worden , ivenn er nicht zu einem Altare des Bacchus geflohen , und daß man ihn nach diesem bey den Richtern an - gegeben , weil er in einer Tragödie die Geheimni , se der Ceres einigemal angestochen gehabt . Plato ist sehr billig , wenn er verordnet , daß man nicht erlauben solle , Tragödien zu spielen ; worinnen der Götter auf ein« solche Art gespottet wird , wie in einigen Versen geschehen , die er anführet : er vcrbiethet auch den Lehrmeistern , dergleichen Bücher zur Unterweisung
ihrer

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