Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8221

Eschylus .
4 - 5
DieThracier sind von Alters her als ein Volk verschrieen gewesen , das der Vollere» ) und Unzucht , auf gleiche Art ergeben wäre . Fuiile apud Thracas ( Alcibiadem ) homines vinolentos rebusque venereis deditos . Diese Worte sind aus dem Cornelius Nepos im Leben de« Alcibiadev zu Ende . Einer von seinen Auslegern , Janus Gebhardiis , hat eine gute Anzahl Zeugnisse zusammen gehäuset , die Verknüpfung dieser zwey Laster zu be - weisen . Er hat den Scholiasten des Aristophanes in Acharn . ange - führet , welcher gesaget , daß die Sage von dem mit dem Bacchus ver - bundenen Phallus darauf gegründet sey , weil die venerischen Handlun - gen eine Folge des Weins wären . Er hat die Agrippina nicht vergessen , diese abscheuliche Frau , welche sich zur Erhaltung ihrer Gewalt , bemuht , mit dem Kaiser , ihrem Sohne , einen blutschänderischen Umgang zu stif - ten , und die Zeit in Acht genommen , wenn er getrunken gehabte da sie sich ihm geschmückt gezeigt und ihn zuerst gereizet . Tacit . Annal . Libr . XIV , cap . II .
Alle diese Dinge thun denen Vorschub , welche vorgeben , daß die Un - keuschheit in den kalten Ländern nicht weniger in Schwange geht , als in den mittäglichen ; denn es ist gewiß , daß man in den kalten Ländern vielmehr Wein trinkt und Fleisch ißt , als irgend anderswo : auch der stärkste Wein ist daselbst nicht zureichend , es wird auch eine erstaunliche Menge Brandtwein verthan z und man ist sehr besorgt , sich mit hitzigen Speisen zu nähren . Dieß sind große Hindernisse für die Keuschheit . Was kann man wohl von denjenigen flandrischen Jungfern für eine Meynuug haben , die mit dem Glase in der Hand die Kriegsbefehlsha - der von einer Besatzung zu Boden gelegt haben ? Siehe die Furetieri - ana 177 und f . Seiten holländischer Ausgabe . Gesetzt nun , daß sie so einen starken Kopf gehabt , daß sie viel Wein trinken können , ohne sich zu berauschen ; ist er darum so stark gewesen , daß sie nicht auch in die andere Ausschweifung gefallen sind ? Es ist sehr zu be - fürchten , daß die Stärke des obern Theils nicht die Schwä - che der untern gewesen . Und was ist wahrscheinlicher , als wenn man voraussehet , daß eine von diesen Vacckushclvinnen einem von Sie - sen Befehlshabern geantwortet hatte : rvenn rvir die - Herr - jchafr so rvsbl über die Liebe , als den £>accbua hatten , so det ihr eure Sachen in diesem Lande nickt so gut gemacliec ha - den , als ihr sie gemacber babet . Wenn sie den OvidiuS gelesen hat - ten , so würden sie gewußt haben , daß man die Flasche >chvn vorlängst «ls eine gute Ermunterung des Cupido angesehen hätte .
Dant etiam politis aditum conuiuia menfis :
Eft aliquid , praeter vina , quod inde peta» .
Saepe illic pofiti , teneris adduäa lacertij Purpureus Bacchi cornua preflit amor .
Vinaque cum bibulas fparfere Cupidinis alai ,
Permanet , et capto ftat grauis ille loco .
Ille quidem pennas velociter excutit vdas :
Sed tarnen et fpargi pechis amore nocet .
Vina parant animos , faciuntque caloribus aptoi :
Cura fugit , multo diiuiturque mero .
Illic faepe animos iuuenum rapuere puellae :
Et Venus in vinis , ignis in igne fuit .
Quid , de Arte Aniat . Libr . I , v . 229 . U . f .
Ein deutscher Scribent , den ich angeführt habe , kömmt dem Vorgeben der Italiener mit seinem Zeugnisse zu statten . Er bekennet zwey Din - ae - erstlich , daß der Wein der Vorläufer und Entzunder der Geilheit sey ; zum andern , daß die kalte Luft die Stärke dieser Leidenschast mehre , indem sie die Hitze in dem Körper zusammen zwingt ; und daß der Wein , wie ein Oel ist , welches in das innert Feuer gegossen , dasselbe viel hefti - «er entzündet . Hier sind seine Worte : Ianus Gebhardus , Not . ad Cornel . Nepot . in Alcibiade , niini . 67 . p . m . 154 . Ebrietatis pedifle - qua eft Libido , Bacchusque certii * Veneris horcator et armiger Apu - leio appellatur , neque fortius homines in Venerem ftimulantur , quam cum mero alioque generoliore potu incaluerunt . - - - - Alterum £ frigido coclo ejje natum ) intendendam ad Iibidinem non minimum conferre norunt omnes , praefertiin cum inferiore parte per frigus cohibitus calor vino , quafi fuffufo oleo , grauius fuccendatur . Lyferus , in Polygamia triumphaf . pag . 352 . beklaget das Verderben , das unter den Schülern in gewissen Collegiis herrschet , und saget , daß es vornehmlich in Sueuia vinofa gespürt werde .
V . Allein hier ist etwas , was dem Vorgeben der Italiener nicht vor - theilhaft ist : man trinkt in den kalten Ländern zuviel , und durch diese Uebermaße vernichtet man dasjenige , was ein mäßig genossener Wein hervorgebracht hätte : das Hülfsmittel entspringt mitten aus dem Uebel : denn so gewiß es ist , daß ein Mensch , der etwas vom Weine erhitzt ist , mehr Neigung und Fähigkeit hat , die Gebothe der Keuschheit zu übertreten : so gewiß ist es auch , daß ein vollkommen berauschter Mensch nicht viel Geschicklichkeit dazu hat . Ovidius , der in dieser Materie so sichere Aphorismen , alsHippokrates geben konnte , soll hier mein Zeuge seyn .
Quid tibi praeeipiam de Bacchi munere , quaeris ?
Spe breuius monitis expediere meis .
Vina parant animum Veneri , ni plurima fumas ;
Vt ftupeant multo corda fepulta mero .
Nutritur vento , vento reftinguitur ignis .
Lenis alit flammam , grandior aura necat .
Aut nul ] a ebrietas , aut tanta fit , vt tibi cura»
Eripiat : fi qua eft inter vtramque , nocet .
Ouidius , de Remedio Amoris , zu Ende 803 V
Ich will diesem Zeugnisse , noch das Zeugniß eines Neuern beyfügen , sen Geist bewundert werden wird , so lange als es Kenner desselben giebr . Ich rede vom Montagne . Er bemerket , daß man in Frankreich weni . ger zu trinken anfange : Sollte es deswegen stvn , fragte er . Essai , Livr . II - ch . II . pag . m . » wir in gewissen T>ingcn zur Best serung schreitend Gewißlich nicht : allem es kann stvn , daß wir uns mehr in die A - rcrey gefttt# haben , als unsere Väter . 2»eß sind 5wo Beschäftigungen , die einander in ihrer Starke h " »dern . Die eine hat emer Seit« unfein Magen geschwächt , und « " der andern Seite machet uns die Nüchternheit zum^ie , besspiele viel munterer und geschickter . Ich würde zu tadeln sevn wenn ich den großen Aristoteles nicht anführte , welcher saget daß das allzuviel ? Trinken zum Liebeswerke ui , geschickt mache , und Ursachen des - wegen anführt . Athenäus erzählt dieses in des X B X Cap . 4u @ an dem Orte , wo erder Trunkenheit Alexanders gedenket , ein Laster' saget er , das vielleicht die Ursache seiner wenigen Frauenliebe gewesen ist :
Mh itvr ww iiee rürt üSi tfi ( ra & yovijv . Ob innnodicam forte illam vini appetentiam , ad Venerein ideo proeliuis non fuit ( Alexander ) : quoniam , vt explicat Arifto . teles in quaeftionibus phyficis , hominum eiusmodi genitura in aquam eliquefeat .
VI . Dem sey , wie ihm wolle , so kann man , wie mir deucht , nicht leugnen , daß die Laster de« mittäglichen Himmelsstriches nicht größer , , Fortgang in der mitternächtlichen Gegend gemacht hätten , als die mit - rernachtlichen Laster in den mittäglichen Gegenden machen : und folglich muß man sagen , daß Bacchus der Venus nicht so viel abgewonnen har als diese dem Bacchus . Die Völlerei ) wird in den meisten heißen dern verabscheuet , sie wird gar für ehrlos gehalten : die allergrößte De' , schimpfimg , die man einem Spanier anthun kann . ist . wenn man ihn einen Trunkenbold nennet Man hat mich versichert , daß ein Diener dem sein Herr diesen Namen geben haben würde , sich deswegen bey derObria - keit und zwar nicht vergeblich beklagei , konnte : ob er gleich souft mir großer Geduld , und ohne einiges Recht , darüber zu klagen , die Sckimvf - worte eines Schlingels , Galgenschwengels u . d . m . leiden müßte Man sieht nicht , daß mit der Hurerey in einem einzigen Lande der zen Welt so umgegangen wurde : die Manner in den allerkältesten Ländern sind im Besitze , sich mit dem Liebesspiele zu ergeben , ohne daß ihnen dieses einen Schandfleck zuziehen sollte ; ja , anstatt daß sie sich des - wegen schämen sollten , so machen sie sich vielmehr einen Ruhm daraus und lachen diejenigen aus , die anders leben . Das Reich der VenuS darf nicht wie die Erdkugel in fünf Gürtelkriche , in einen heißen zween gemäßigte , und zween kalte abgetheilt werden : alle die Gürtelirricke darinnen sind heiß , nur mit dem Unterschiede . der eine mehr der an . dere weniger . Man ziehe die Anmerkung ( E ) bey demArtikclÄocca«« »u Rache . Memals ist eine gi^fen , ÄeS fem emziger Winkel der Welt . st diesem Joche entgangen : Es giebt ei NM Prwatpnsonen , d . e nach der Unabhanglichkeit streben , und die sich so gar durch Gelübde verbundlich machen , diesen Oberherrn nicht zu et , kennen ; allein sie sind manchmal die allergetreusten Unterthanen dieses Reiches . Die Heiden haben kein Bedenken getragen , zu glauben , daß sich die Monarchie der VenuS viel weiter erstrecke , als irgend einer ein - zigen andern Gottheit . Der Himmel war das Erbtheil Jupiters , das Meer Neptuns , die Hölle des Pluto : allein VenuS herrschte in diese« dreyen Reichen , die ganze beseelte Natur war ihr Antheil :
III» , quibus fuperas omnes , cape tela , Cupido ,
Inque Dei peöus celeres inolire fägittas ,
Cui triplicis ceflit fortuna nouiffima regni .
Tu fuperos , ipfumque Iouem , tu numina ponti ,
Tartara quid ceflänt ? cur non matrisque , tuumque Viäa domas , ipfumque regit qui nutwna ponti Imperium profers ! agitur pars tertia mundi . '
Dixit Venus . Ille pharetram Soluit , et arbitrio matris de mille üigittis Vnam fepofuit : fed qua nec acutior vlla ,
Nec minus incerta eft , nec quae magis audiat arcum : Oppofitoque genu curuauit flexile cornu ,
Inque cor hamata pereuffit arundine Ditem .
Ouidius , Metam . Libr . V , verf . z66 .
EschylUs , besserAeschylltF , ein tragischer Poet , 'war von Athen ( A ) . Es giebt tausend Streitigkeiten über das hr seiner Geburt ( K ) ; allein man kann aewiß wissen , zu welcher Zeit er geblüht hat , weil man weis ° , daß er sich mik
den ausschweifenden Regungen seiner Eindlldungskrast vermaßen preis gegeven , oap er meyraiö e , n trunkener Mer denn als ein Mensch von aufgeheiterten Sinnen geschrieben . Der Character seines Wtßes ist von Tanaq . Fabern veraleicklick vorgestellt worden Dieser Dichter ist zwar mcht der Erfinder der Tragödie , aber er hat doch viele Ver - änderunaen darinnen gemachet ( E ) , die sie so nahe zur Vollkoinmenheit gebracht , daß er deswegen mehr Lob verdienet hat , als seine Voraanaer . Er hat bey einigen Vorfallen die Religion nicht genugsam gcschonet ; welches ihm Handel zugezo . gen , die ibm unalucklich hatten gerathen können ( ? ) . Der Verdruß den er hatte , zu sehen , daß seine Stücke den Athenien - sern nicht so aut aesielen , als die Stucke des Sophokles , ob dieser gleich viel mngerwar ( G ) , nochigte ihn , aus seinem Va - terlande zu aeben und sich zu dem Könige Hlero von Syracusa zu begeben < Dieß ist nicht ohne Schwierigkeit ( H ) . Er hat nur drey ^abre nach seiner Ankunft m Stellten gelebt . Die Emwohner zu Gela haben ihm ein Grabmaal mit einer schönen Aufschrift aufgerichtet ( I ) . Dle Athenlenser haben die ganz besondere Hochachtung bemerkt , die sie gegen seine Tragödien aehabt ( K ) . ES sind uns derselben nur sieben ubrlg geblieben , ob er gleich eine große Anzahl verfertiget II Ä«nd . Hhh hat .

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