Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8205

Eremita .
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Sc bene diu tlirpiflltiuim anteaedes conuiciumeisfacerenondeftitit . Ebend . g5y S . Allein da er ein wenig ernsthafte Betrachtungen über die Beschwerlichkeiten gemacht hatte , sich bey lebendigem Leibe vetbrennen zu lassen , so hat er seinen Zorn gegen die öffentlichen Buhlschwester besänfti - get , und die Furcht nicht geachtet , sich die Franzosen zum andernmale an den . Hals zu schaffen . Mox tarnen vt fttietatem hominis , poftquam fi alicubiin Magni aliciiius axnici flore Liberi ( aiiciadct , libido diftenta rurfutn tentare coepit , quod a mala illa Beltia , quam Viuicomburium dicunt , male metueret , vtcumque in gratiain cum Suburranis puellis rediit , etrecidiuiGallicani illiusmorbi periculum infra fiduciain po - iiiit , fraudauitque animum diflidentem . Ebend . 360 0 . Weil er die Hi - storie Zesu Christi für eine Fabel hielt , so hat er gern viel Übels von den Ketzerrichtern und den Geistlichen gesagt , und hundert Mährchen über diese Materie erdichtet , die er auf eine kurzweilige Art eingekleidet . Ebendas . 363 , 364 @ . Da eine« TageS Scipio de Leseale diese satirische Sprache nicht vertragen konnte , so hat er ihn weidlich maulschelliret . dum more fuo Eremita fcurraretur et de Inquifitorum faina atque honore ita , vti dixi , improbilTime maledicentiflimeque detrahere nec monitus defineret , Scaliger , qui tum aderat , feurram pugnis et cola - phis ita aeeepit , et os eins ferreuin adeo molle reddidit , vt etc . Ebendas . 369 S . Dieß ist der Begriff , den uns Scioppius vom Da - niel Eremita giebt . Ich will nicht dafür stehen , ob er ungetreu oder treu ist ; ich weis nur , daß Scioppius ein sehr satirischer Mann gewe - sen . Allein Casaubon hat uns in der Anmerkung ( C ) Dinge gesagt , welche den Erzählungen des Scioppius ziemliche Wahrscheinlichkeit geben .
( ? ) Er hatte eine Neigung zur Schmähsucht : er bat sie durch seine Erzählungen von Deutschland an den Tag gelegt . ] Sein herausgegebener Brief enthält etwas satirisches . Conring ent - scheidet nicht , ob die Schmähungen , die sich wider einige Höfe des ches darinnen finden , falsch sind ; allein er bekennet , daß sie eine Schaamröthe austreiben können . Nonnihil illa Epiftola fmiile quid habet famofis Litteris , liquidem quaedam de Germanicis Principibus corumquc aulis fcriplit , quae pudoretn ineutiunt . An falfo an vero feripferit animo , nefeio . Conring . Diflert . MSS . Rerum PP . beym Magirus , Eponxmol . p . Z - o . Ich habe bereits von den Vorwürfen er - wähnt , die Scioppius dem Eremita gethan , daß er die Italiener mir gu - ten Mährchen von derNeigung zum trinken belustiget , die man in Deutsch - land verspüret . Dieß ist für die Italiener ein Trost , welche mit tausend tiren wegen der Sünde der Ueppigkeit beladen sind , daß sie der Trun - kenheit der mitternächtigen Völker ihre Nüchternheit entgegen sehen können 1 von welchen dieses satirische Ungewitter über sie kommt : und mich dünkt so gar , daß sich die Religionsstreitigkeiten selbst in diese ge - genseitige Vorwürfe gemenget haben . Man kann nicht leugnen , daß die Christen in Europa nicht den zweyen großen Lastern , der Völlerey und Unzucht unterworfen wären . Das erste von diesen Lastern Herr - - schet in den kalten Landern , das andre in den heißen . Bacchus und Venus haben also diese Völker unter sich getheilet . Man findet , daß , d» die Glaubensverbesserung diesen Theil des Christenthums , zerrheilet , daß das der Venus unterworfene Antheil geblieben , wie es gewesen ; al - lein der Haupttheil von dem Antheile des Bacchus dem Pabstthume abgesagt hat . Daher kömmt es , daß Italien und Spanien viel terer ist , die Trunkenheit zu verschreyen , und den mitternächtigen Ländern ein großes Verbrechen daraus zu maclKi ; gleich als ob dieses zu einer Aushebung der Verbrechen der Unkeuschheit dienen und hindern könnte , daß eine von den Religionen durch den Vorwurf eines bösen Lebens die
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ßme imparatus füturus fuerit , etc . Sciopp . iti Opor . Grub . Amphot . Scioppian . p . 338 -
( H " ) Conring , wenn er ihn zu einem hohen Alter kommen laßt , bctriegt sich . ] Scaliger und Casaubon reden im 1603 Jahre von ihm als einem jungen Menschen ; siehe die Anmerkungen ( L ) und ( C ) ; da er nun im 1613 Jahre gestorben ist , so kann man nickt so von ihm reden , wie Conring gethan hat . Diu in Italia vixit , ibique in aula Florentina tandem confenitit . Conring . Diflert . MSS . Rerum PP . beym Magirus Eponymol . p . 320 .
( I ) Einige Sammlungen unv Noten , vie mit denen Absichten einige Verwandtschaft haben , die er mir gütig mitchei , len wollen . ] Er hat mir geschrieben , daß er , da er sich an den Oer - tern in Europa befunden , die der päbstlichen Lehre am allerergebcnsten waren , eine »«»gemeine Lust gehabt , die entsetzliche und unbändige Geil« heit , die darinnen herrschte , mit Aufmerksamkeit zu betrachten . Man hat wahrgenommen , daß er daraus Folgerungen zum Vortheile der Pro - testanten ziehen wollen , und man hat nicht ermangelt , ihm zu sagen , daß er sich betröge ; daß man die Religion bey dieser Sache keinen Theil nehmen lassen müsse ; daß die Laster , davon die Rede ist , Laster des Himmelstrichs , und nicht Lasier der Religion waren ; daß Italien , wenn es protestantisch wäre , eben denselben Mangeln unterworfen sepn würde , die man itzo darinnen findet ; und daß man eben dasielbe von den nor - dischen Kronen denken müsse , wenn sie katholiich wären . Man hat dazu gesetzt , daß die Katholiken in Deutschland den Trunk , nicht mehr , nicht weniger liebten , als die Protestanten desselben Lande« , und daß die Verschiedenheit der Religion zwischen den Pohlen und Moseowitcrn n cht verhindere , daß sie nicht eine ausgelassene und erstaunliche Nei - gung zum Vollsaufen hätten . Siehe Matthias a Michow Lib . II , C . z , de Sarmatia Europaea . Allenfalls müsse man gegen einander auche , den . UeberfeHt uns unsern Fehler in Ansehung unserer Nüchternheit , hat man zu ihm gesagt , und wir wollen euch die Trunkenheit über - sehen : ihr werdet bey dem Tausche gewinnen ; denn wegen der Keuschheit der kalten Länder , werden wir ihnen ihre Ausschweifungen der Baechusfeste nicht nachsehen . Diese Keuschheit ist ein Hirngespinnste . Man ist so unzüchtig in den mitternächtigen Ländern , als in den mlt - täglichen ; und der ganze Vortheil , der jenen zuwachsen könnte , betrifft nur die Sünde wider die Natur : die andere betreffend , so herrschet sie daselbst nicht wenigcr , als in Italien . Man hat zum Beweise dieses widersinnigen Satzes die Wirkungen der guten Speisen und des guten Weins angeführt . Die Speisen sind in den heißen Ländern viel ger ; dieß hat man bekannt ; und sie treiben ihre geistigen Th - ilchen durch den ganzen Körper viel geschwinder und in größerer Anzahl aus : diese Theilchen sondern sich gar leicht von dem zähen , feuchten , und irdischen Wesen durch die Dauung und den Umlauf des Geblütes ab : die Sonne hat das Werk schon halb vollbracht , ehe der Magen noch zu wirken an - saugt . Allein dasjenige , was in den kalten Landern an der Beschaffen - heit der Speise fehler , das ersetzet man durch die Menge . Man ißt da - selbst viel , und trinkt noch mehr : Die Einwohner der heißen Länder es - sen nicht viel , und bedienen sich , an statt des Weins , kühlender Getränke , und vergeringern dadurch die Starke der Venus so sehr , als sie die andern durch ihre Schwelgerey vermehren . Die Person , die mir diese« ge - schrieben , hat sich nicht genugsam über dergleichen Reden verwundern können , und , wie sie durch ihre Reisen , die viel wichtiger , als de« Ulysses seine sind , das Lob verdient , das^man diesem griechischen Prinzen ben hat , ( ru^Kwv & ivfyusu / ihvartti yjjJ y$ ( y Jyyeilt Multorum autem dominum vidit vrbes et mores cognouit . Homer . OdylT L . I v . «\Sot» mio ( Saivii Ar * " — 1
andere nicht zum Stillschweigen bringen sollte . Ich habe sagen hören , ^derweHoraz Art ? oe i^ ? ? ^L'n " ari aT £dy'C L k v r' daß ein flamändischer Mönch seinen Zuhörern geprediget : Gorr wurde ^w>e Art . Poeüc - J - . ^2 , biejen gnechnchen Vers der Odyssee
flamändischer . . . .
die Völlerey nach den Begriffen der Italiener »nd Spanier , die Unzucht aber nach den Begriffen der mitternächtigen Völker verurtheilen . Es ist hier die Frage nicht , ob Bacchus der Venus , oder diese dem Bacchus mehr abgewonnen hat ? Siehe die Anmerkung ( l ) . Es ist mir ge - nug , daß ich die Schmeichele» ) des Daniel Eremita durch eine kleine Auslegung erläutert habe . Casaubon und Scioppius , die einander sonst durchgängig so zuwider sind , würden sich leicht wegen der Züge verglei - chen , die zu seiner Abschilderung dienten . Homo procax et dicax , nach dem Casaubon Epift . 458 , p . 551 , beym Magirus Eponym . p . 311 , qua - les eile folent , qui per gradus fyncretifmi in apoftafiam labuntur .
Ich führe deswegen so an , weil dieses mit der Ausgabe nicht überein - kommt , die ich gebrauche .
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Übersetzt hat : Qui mores hominum multorum vidit et vrbes . ) daS beißt / der die Sitten verschiedener Völker mit einander verglichen , hat nicht leiden können , daß man sie zur Erfahrung verwies . Erkundiget euch , hat man zu ihm gesagt , nach allem diesem bey denen , die in den kalten Ländern gereiset sind : sie werden euch sagen , daß man das schone Geschlecht daselbst viel sd ) >vächer , und von weit geringerm Widerstande , als in den heißen Ländern findet . Sie sind über die Geschwindigkeit und außerordentliche Eilfertigkeit ihrer Eroberungen erstaunt : sie haben nach Endigung der ersten Bitte die Schäferstunde gefunden ; und eben dieß hat sie verpflichtet , diese gute Warnung unter die Unterweisungen zu setzen , die sie denen geben , die solche Reiien unternehmen : V ? cnN eucb einige Unpäßlichkeit oder andre gültige Ursachen verbie - then , euch der Gelegenheit zu bedienen : so hütet euch wohl mit
c G ) Die Art . eine Lobrede aufzusetzen , die ihm zugeeignet der Begierde eines Menschen 511 liebkosen , der öas . Tm^X ird , kömmt einer Menge Scribenren 3» . ] Diese Art bestehr in ten will , was erbittet ; man wird euch beym tt3otPM«mS ifnui'ffnmcr Lesuna der alten Lobredner , in Sammlung ihrer Redensar , , hr werdet mit Schanden bestehen . Ein . / - , «X . ; L . IL
aufmerksamer Lesung der alten Lobredner , in Sammlung ihrer RedenSar - ten und Gedanken , und dann in Anwendung derselben auf die Materie , die man zu loben unternommen hat . Auf diese Art machen es eine unzählige Anzahl Leute . Es ist fast kein einziges Lob , das man nicht in den alten Lobrednern findet . Es fehlet wenig , daß Plinius nickt alle Begriffe von der Vollkommenheit eines Regenten erschöpft hat . Ietzo erkundiget man sich nicht viel , ob der Prinz , den man loben will , mit denen Eigen« schaften ausgeschmückt sey , die nian in den alten , so edel ausgedrückt fin - det : man sehtt voraus , daß er sie habe ; die Gedanken und Ausdrückun - gen kosten nach dieser Voraussetzung nicht viel ; man findet sie in andern Lobreden ganz fertig : die ganze Mühe besteht darinnen , daß man eini - ge kleine Veränderungen nach den Zeiten und Oertern mache . Eremita , wenn man seinem Widersacher glaubet , würde sich in großer Verwir - rung befilnden haben , wenn sich der Fall eräuget hätte , daß er noch eine Lobrede kurz nach der ersten hätte machen sollen : denn er hatte seine Sammlungen bey der ersten völlig erschöpft , und würde lange Zeit ge , brauche haben , neue Blumen zusammen zu lesen . Die ? lu ? drückungen des Scioppius sind schon genug , daß sie von mir angesübret zu werden verdienen . Quoniani a multis jam annis legend is Panegyricarum Orationum Scriptoribus vetuftis , ltemque Martialis , Aufonii et fimi - lium praefatiuneulis pedeftri fermone contextis , quasdatn fententia - rum verborumque argutiolas floiesque laboriofe comportarat , Mf - gni Ducis et Magclaknae Auflriacne nuptias occafionem ftiam ratus eft , qua fuam facundiam iis , qui fatricias artes iftas ac folemnem Criticaftris hodiernis fueum ignorant , venditaret . Edidit ergo fn~ negyricum , in quo omnein fuam fcientiain ita confumfit , vt fi re - pente nec opinanti nouae alicuitis Orationis feribendae hecefTitas im - pofita fuiflet , otnnino ieiunus , ficcus niidusque , et ab ömhi cum ver - Dorum tum fentenciarvitn quoque inftrumento flagitiofif -
~ . . »wvi - n .
ihr werdet mit Sckanden bestehen . Einige wollen , hat man dazu gesetzt , daß diese Leichtigkeit der Bewilligung des Genusses , nicht so wohl von der Geilheit , als einem einfältigen , trägen und gütigen Naturell« herkömmt : dieß ist ein Irrthum : wenn ihr ihnen nur den Geldbeutel nehmen wollet , so werden sie euch von einer außerordentlichen Standhaftig - feit und Stärke seyn . Possen , Possen , hat ihm mein Reisender geantwor - tet , ich weis schon , wie es ist , und daß dieses alles falsche Erzählungen sind . Dieß ist der Auszug seines Brieses , und hier sind meine Sammlungen oder meine Anmerkungen . ^ „ . . .
I . Zum ersten will ich eine Stelle des Sorbiere vnsuoren > wo die Duldung , die man in Rom wegen der Hurenhäuier hat , mit derjenigen in Vergleichung gesteller wird , die man in Holland gegen die Saufhäuset bezeiget . Dieß ist eines von denen Dingen gewesen , die Sorbiere antwortet , die Hoffnung zu widerlegen , die man gehabt hatte , daß ihn seine Reise nach Rom bewegen wurde , der Gemeinschaft der Protestan - ten wieder beyzutreten . Der Fehler einiger Privatpersonen , saget er , muß dem gemeinen Evesen nicht schaden , noch die Freiheit gewisser Polixeyen der Strenge , die bey den Richcerfiül'len des Gewissens beobachtet wird , wo man dasjeniqe vcrvammcr , was die Gründe dieser weisen Regierung mit solcher Scharfe zeitlich ; u bestrafen nicht erlauben . Ihr Vorst nicht zweifeln , mein - Herr , dafi dag>enige , wa« ich hier berühre , und welches ihr , wie es scheint , Italien habet vorwerfen wollen , nicht znm oft teren und zwar von ehrlichen Greisen untersuchet worden ist , vie keinen Nutzen von dieser Nachsicht hatten : und daß , wenn die menschlichen Dinge der Vollkommenheit fähig gewesen wa , ren , die ihr ihnen zu wünschen sehr wohl thur , man sich nicht bemüht hatte , ihnen dieselbe zu geben . Allein die Menschen ha ? den in jedem L . ande lasterhafte Neigungen und absonderliche
Unmas .

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