Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8194

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Eremita .
fem Abgesandten in die Schweiz . Sein Bater , ein ehrlicher Greis und guter Protestant , wurde durch diese Rebellion zu Boden geschlagen : er hat sich bemühet , seinen verlohrnen Sohn wieder auf den rechten Weg zu bringen ; und es schien auch , als wenn er ihn zum Widerrufe bringen würde : allein es war nur ein Betrug . Easaubon hat nach Leiden be - richtet , daß Daniel Eremita ein Bilderfresser , und der größte Messen - narr wäre . Scito neminem hodie viuere Mifiarum inexplebiliorem , auf fitientiorem , quare illa irxiivuSU ( imulata fuit , mendax et ureKgi - tixi ) . In dies eins heros exfpedtatur , quo praefens veram vocem au - diat a me ifte Proteus . Ebend . 332 Br . an Scaligern VI Kai . April 1604 geschrieben . Dieß war ein neuer Betrug : denn er hat dieses nur gethan , um Jahrgelder zu erhalten . Man hatte ihn sagen hören , daß ihm alle Religionsstteitigkeiten der Katholiken und Protestanten gleich - gültig schienen , und daß er für seine Person bereit wäre , sich nach der Zeit , wie es der Nutzen seiner Angelegenheiten erforderte , zu bequemen ; und er hat eine« Tages über die Thorheit derer gespottet , welche den Weg des Glückes nicht wohl erwählten . Vir fidc dignus et fibi notifli - mns his diebus narrabat mihi , audifle fe cum diceret , omnia fibi quae bodic difputantur aeque et probari et impwbari , paratumque fe ad omnia pro tempore et rerum fuarum emolumento . Cum vir pius hanc vocem abominaretur , cachinno Ereniitae eft exceptus , ftultitiam eo - rum ninfät «dentis , qui nefeirent rät 1h» tu rlSi^oy . Ebendas . 28y Brief .
( v' ) Er hat für den Scaliger wider den - > 1 Scioppius gefebtriebtrt . ] Scioppius versichert in Oporinii Grubini Amphotid . Scioppian . p . 335 , tvelches Buch >6 , 1 gedruckt worden , daß Daniel Ere - mita , der Urheber von der Epiftola nobiliOimi er litteratiflimi viri Pa - tauio ad Gafp . Scioppium Romam feripta . Excufa 'anno 1610 , ist . Mir deucht nicht , daß er sich bekriegt .
( E ) - - - Scioppius hat ihn , , - widerlegt , invcm er tausend schimpfliche - Histörchen - , , in die Welt ge - fdbeieben . ] Scioppius harte ihn vor fünf Jahren in Rom gesehen : Eremita . saget er , vereinigte sich mit zween Brüdern Rubens und zween andern Flamändern , um nach Tivoli zu gehen , und diese Herren sind , unter wahrender dieser kleinen Reise , durch seine Reden entsetzlich geär - gm worden . Er hat von nichts mit ihnen geredet , als aus dem Petro - nius und von Aretins Posituren , und er hat diejenigen grausam ge - schimpft , die über die Unreinigkeit dieses Gespräches sich zu ärgern nen . Noch mehr , er hat alle Unflätereyen an die Wand des Wirths - Hauses gemalt , wo sie geherberget . In toto illo itinere ilhid vnum agere vifus eft , vt Petronium velut vnicum et quemadmodum ipfe lo - quebatur , diuinijjtmum paederaftiae deferiptorem , magijlrum , et artifi - cem . . . omnibus quotquot funt , Graecis ac Latinis feripto - ribus multiim ad laudem anteferret . In quo ne parum profeeifle crederetur , non modo obfcoeniffimis picVuris diuerforii parietes im - pleuit , fed perpetuo varia rfjt muaatoa fchemata in ore habuit , et tanquam Elephantidos libellorum commentatorem atque interpre - tem ageret , bißorias peccare docentes , quibus vel Hippolyto fibula la - xari ac nequitia perfuaderi passet , recitare non cefläuit . Ac fi quis ex comitibus , eins ncquitiam reprehenderet , fuasque aures tarn im - puris et nefandis fevmonibus violari nollet , huic ille hypoerifin et pudicitiae fimulationem inuidiofe obiieiebat . Nec eiiim quemquam mortalium caftum ac pudicum efle perfuafum habet , coniectura fei - licet de animo fuo dudla , fed plcrosque fiue propter Dyfopian , fiue quod animi fatis non habeant poenasque metuant , fuam cuiuscunque generis libidinem dillimulare ac occultare credit . Itaque verifiniile non eft quam fe comites eins eauifos efle dixerint , fimul ac Romam retierfi atam propudiofo monftro liberatos fefenferunt . Nampia - ctilares fibi fach videbantur , cum eiusmodi exfecrabiles turpifluni et impudentiffimi feurrae fermones , quo * neque fubm - ranae puellae aequo animo audirent , in aures Oias admifcriuit . Scioppius vbi fu - pra p . 335 , ? 37 - Nachdem er einige Zeit darauf unsichtbar geworden , so hat man sich eingebildet , daß ihn das Elend gezwungen , sich etwan in eine Carthause zu sperren ; allein man hat erfahren , daß er nach Siena gegangen , wo er dem Erzbischofe , Ascaniuö Piccolomini , seine tung gemacht , der ihn an Silvio Piccolomini , den Oberkammerherrn des Herzogs von Florenz , ein Empfehlungsschreiben gegeben : und durch diesesMinel hat er von diesem Prinzen ein Jahrgeld zur Vergeltung ei , «er Lobrede erhalten , die er auf die Vermählung des Großherzogs mit Magdalenen von Oesterreich gemacht hatte . Er hielt so eifrig darum an , mit dem Abgeordneten nach Deutschland geschickt zu werden , wel< cher vielen Reichsfursten und Reichsstädten den Tod von dem Vater des Großherzog« bekannt machen sollte , daß er seine Bitte erhielt . Hierzu haben die Gründe des Silvio Piccolomini viel beygetragen , welcher vor - gestellet , daß ein solcher Mensch , als ein Deutscher , zualeich zu einem gu - ten Dolmetscher und Kundschafter dienen könnte . Eremita hat sich in einem von Augsburg geschriebenen Briefe gerühmet , daß er einer von des Großherzogs Abgesandten gewesen , welches dem Leonhard le Coq . der Christine von Lothringen . Großherzoginn von Toscana , Beichtvater , sehr lächerlich geschienen . Nach seiner Zuruckkunft in Florenz hat er hunder - terley Mährchen von der Säuferey der Deutschen erzählet , um sich dadurch bey den Italienern beliebt zu machen . Et hat diesen tüchtig zu lachen gemacht 7«enn er ihnen von den Studien Moritzens , Landgrafens von Hessens , und den Versen vorgeschwatzt , die dieser Prinz den jungen Leu - ten zu Ehren verfertiget , die man zu Baccalaureen gemacht . Er hat ih - nen erzäblet , daß dieser Landgraf , nebst dem Marggrafen von Anspach und dem Fürsten von Anhalt , auf die Gesundheit der Könige von Frank - reich und England , und auf einen bösen Tod des Koniges von Spanien getrunken , auch rundum mit diesem Wunsche habe trinken lassen , und es dem Gesandten des Großherzogs zugebracht . Florentiam rcuerfus , hil prius habuit , quam Germaniam veluti porcorum patriam Itaiis , quorum in eo gratiam aueupabatur , deferibere , quantumque Princi - pes Germani auotidie potare ac vomere foleant , fatis feftiue comnie - morare : fed in nulla hiftoria tarn fauentes expertus eft auditores' , quam cum de GrammaticaMauritii HaJJtac Landgrauii , deque carmi - nibus , quibus ille nouis Baccalaureis etMagiftris honorem gratulari foleat , narrauit . Hoc enim Italis , praefertimque Florentinis , vsque adeo infolens ac noimm videtur , vt id ad Ouidii Metamorphofes re - dViflime adiiei pofle exiftiment . Cum porro ex eodem Aretalogo fuo andiunt , quod idem Landgrauius fimitl cum Marckione Branden - burgin Onfpacenfi et Chrißiano Anhaltino , pro felute Regum Galliae et
Angliae , proqiie pefte ac mala morte Regis Catholici votitium pocu - lum circumtulerit , idque legato Florentino propinare nihil veritus fuerit , non videntur Itali tarn barbaram immanitatem fatis pro me - rko exfecrari pofle . Ebendas . Z - »I , Z4 - S . Er ist sehr dienstfertig ge - gen den lutherischen Adel , der aus Deutichland nach Florenz kam , ge - wesen . Diese jungen Edelleute waren erfteuet , einen Flamänder anzu - treffen , der Italienisch verstund , und der sie in den Gebrauchen unter - richtete , und nahmen sehr gern ihre Wohnung bey seinem Wirthe . Durch dieses Mittel hat er mit wenig Kosten wohl gelebet , und sich nach diesem die Mühe genommen , sie bey den Buhlerinnen einzufüh - ren : wo sie so höflich waren , daß sie ihn ftey hielten , ohne welches es ihm sehr schwer gewesen wäre , seiner Natur ein Genügen zu thnn . Cum ille nefcio quid fatietatem eins , tentare coepit , venasqite infla - uit tetra libido , quia non habet infelix Quintillae quod dare poffit , le - nonis opera ei nauanda , et aduentoribus ad ipfani perducendis amicam , fibi propitiam morigeramque facit . Ebendas zqz S Eines Tages hat er einen Katholiken , der den Tag zuvor communicirt hatte , in das Haus einer Hure geführet : und , weil dieser nicht Willens war , so bald in Fehlttitte zurück zu fallen , und argivohnte , daß man ihn in ein Hurenhaus führte , sich bedachte , ob er hinein gehen sollte . Eremita hat ihm geschworen , daß dieß der Ort wäre , wo er seinen Büchervvr - rath und seine Studierstube hätte . Man glaubte seinem Schwüre und gieng hinein : die Buhlerinn war ausgegangen , und gleichwohl erkann - te man an verschiedenen Wahrzeichen , daß es ein böser Ort war . Man beklagte sich darüber beym Eremita , der nur über diese Klage lachte , entweder weil er über seine Gewissensscrupel gespottet , oder ihn für ei - nen Heuchler gehalten . Er hat alles zusammen getrieben , was er nur von politischen Dissertationen und Pasquillen bekommen , und sie den lu - cherischen Edelleuten anaeschmiert ; welche sich durch diese Waare völlig in Staatsleute umgegossen zu seyn glaubten , und des Daniel Eremita Namen im hohen Tolle ausposaunten . Quicquid confultationum ac rclationum de rebus politicis vndeunde corrogare potuit , ( ficut eiusmodi friuolorum , quo« vocant difeurfuum plena eft Italia ) tum praeeipue pafquinos fiue fatyras , quibus fummi Pontifices , les , omnis Clerus praeeipue lefuitae , contumeliofiflime ac plerumque mendaeiflime infainantur , cum eis communicat . Et illi poftea mer - eibus eiusmodi onufti , plurimumque fibi de tantarum rerum feien , tia - - - gratulantes , confummatiiTimos politicos fe faflos pu - tant . Ebendas . Z45S . Dieser hat sich überdieß für einen vollkominenen Staatskundigen in den Regierungsgeschäffte» zu Florenz ausgegeben , und eine Auslegung versprochen , die alles dasjenige übertreffen sollte , was bisher über den Tacirus geschrieben worden . Parum adhuc feeifle fe putat , nifi etiam Florentinis imponat , feque ingentem Sta - tiftam , quem vulgo dicunt , fiue politicum et citiilis feientiae impri - mis gnarum videri faciat . Eo confilio paflim iaftat , fe commenta , rios politicos in Tacitum moliri , quibus cornici oculum configat . Ebendas . Er hat das Ketzergericht außerordentlich gehasset , und einen Brief an den Secretär des Großherzogs geschrieben , in welchem er ent« seblich wider die Ketzerrichter losdonnert , die ihn gezwungen hätten , ge - wisse Sachen in seiner Lobrede wegzulassen , die sie für gottlos und im» christlich gehalten . Atbeias quidein fpeeimen vel hodie Panegyricu» eius nobis exhiberet , nifi non pauca , impictatem et omnis Chriftia - nae religionis vaeuitatem rcdoIentia , Inquifitores inde fuftulifl'ent : quod quidein vsejue eo Eremitae doluit , vt Epiftola Laurentio V / im . bardo MagniDucis Secretario inferipta dolentifliine , et rabiofiflime in Inquifitorum ruditatem , barbariem , infeitiam ac Tyrannidem inue - chis fuerit . Ebendas . 351 , 352 S . Die Furcht vor dem Zukünftigen hat ihm nicht weniger Haß gegen diesen fürchterlichen Richrerstuhl , als Rache wegen des Vergangenen eingeblasen . Er hatte sich durch den Umgang mit dem Frauenvolke eine häßliche Krankheit zugezogen , und seit dieser Zeit seine Liebeshändel aus eine andere Art gelrieben . Cri - minis nomine quam habeat Eremita , cur ab Inquifitione metuat , nequaquam ignorant ii , qui eum feiunt , ex quo Scabiem ei Gallicam alfrieuit
famae non nimium bonae fuella ,
Quales in media fedent Suburra ,
tot ! propemodum femineo , et quemadmodum ipfe ferio cenfet , / « - quiori fexui inimicum efle faftum , et illud vmbri Callimachi fiium feciiTe :
Hoßis fi quis erit nobis , amet ipfe puellas ,
Gaudeat in puero , fi quis amicus erit . Ebend . 3Z2 0 .
ES hatte ihm noch eine andere Ursache einen Ekel vor dem Frauenvolke gemacht . Als er erfahren , daß eine Bande Sängerinnen , zur Zeit des großherzoglichen Benlagers , nach Florenz gekommenem daselbst mit ih - rer Musik , und vielleicht auch durch andre unerlaubte Wege etwas zu gewinnen : so hat er sich mit einem reichen Schlesier nach ihrer Woh - nung begeben , und unglaubliche Mühe angewendet , in ihre Kammer eingeführet zu werden ; allein , da er seinen Zweck nicht erlangen konn - te , so hat er sich deswegen durch die allerschandliä ) sten Schinipsworte < ; e - rächet , die er nur erdenken konnte , und die er lange Zeit vor der Thürs abgesungen . Sie beklagten sich darüber bey der Großherzoginn , und ihre Bittschrift hat solchen Eingang gefunden , daß Eremita ins Gefäng - niß geworfen worden , und vielleicht niemals daraus gekommen seyn würde , als um auf die Galeeren zu wandern , wenn Scipio de Leseale nicht für ihn gebechen hätte ; vermittelst welcher Verbitte , er mit der Wippe losgekommen ist . Cum plus femel svrsvm CHORDA fubdudhis ac vieiffim demifliis fuiflet , nec paulo moleftiore quam Pe - tronii fui Eumolpus ofcillationis gencre lufiflet . _ Ebendas . 360 S . Auxit eius erga mulieres odium , quod propter ipläs non vt prius Pena / em , fed pene Capitalem in fraudem incidifle fe perfenfit . Cum enim Cithariftrias fiue Fidicinas quasdam mulieres fatis fpeciofas , quae occafione nuptiarum Magni Ducis ex arte , atque haud fcio an etiam ex corpore fuo , quaeftum faöurae Florentiam venerant , in hofpitio Coronae diuerterc aeeepiflet , comite Silefio quodam Equite , codemquc Lutherano , quod is bene nummatus non minus in fe le - nonem et perduäorem futini , quam in ipfas amicas liberalis fore vi - deretur , ad diueriorium illamm venit , omnique vi diruptis paene clauftris atque valuis , in cubiculum earum vt admitteretur conten - äit , ac poftquam nihil prefecit , irritus et exelufus oftiura occentare ,
ac

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