Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8185

Eremit« .
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und sie Deutschlands Paradies genennt . Die Sachen haben die Ge - stalt sehr verändert : die Bürger , welche die Ausschweifung und Be - schimpfungen der Studenten nicht länger erdulden konnten , griffen zun Waffen , belagerten die Collegia , schlugen oder tödteten so viel Studen - ten , als ihnen in die Hände fielen , und ruhet« , nicht eher , als bis sie diesel - ben alle zur Stadt hinaus gejagt hatten . Ich will eine lange Stelle aus einer Rede des Alstedius anführen : De Prouidentia Dei circa Scho - larnni decreinentiini , betitelt , Cfa steht in seiner Encyclop . col . 2764 . u . f . ) in welcher er sich bitterlich über das unordentliche Leben der Stu - denken beklaget . Quam Vellern nobis femper ob oculos verfaretur cataftrophe florentiflimae Academiae Erfordienfis ! Cum ftudiofi illic loci fe petulantius gererent aducrfus ciues , cum tumultibus nockir -
nis vrbem laceflerent , cum lapidibus tedta domosque obruerent , cum feneftras et fores hofpitum frangerent , populus magno ajrinirie excitus collegiorum domos admotis bellicis tormentis obfedit , expu - gnsuit , ac vt quemque ftudioforum iuucnum obuium habuit' vclut hoftem , arripuit , vulnerauit , trucidauit , neque prius quieuit , quam vitulantium adolefcentum multitudo moenibus vrbis efiet pro'fligata . Iacet ex illo die etiamnum , olim florentiflima Academia , quam Lu - therus , qui jpriinam ibi lauream confecutus eft , paradifum Gorma - niae id aetatis fiiiffe teftatur : in qua Eobanus Heflus mille et quin , gentos auditores habuit : quae denique id fuit in Germania , quod Bononia in Italia , mater feilicet ftudiorum .
EreiNlta ( Daniel ) gebürtig von Antwerpen , und Secretar des Herzogs von Florenz a gegen den Anfang des XVIl Jahrhunderts , ist ein sehr guter Scribent gewesen ( ^ ) ; allein seine Sitten und seine Aufführung sind mit der Pro - feßion der schönen Wissenschaften nicht übereingekommen , der er sich gewidmet hatte . Scaliger hat viel Hochachtung gegen ihn gefasset , und ihn dem Casaubon stark angepriesen ; welches ihn bald darauf gereute ( B ) , da er erfuhr , daß dieser junge Mensch katholisch geworden war . Casaubon hat sehr weitlauftig von dieser Begebenheit geredet ( C ) . Diese veränderung hat nicht verhindert , daß Eremita dem fccali'ger nicht gut geblieben wäre . Er hat dich öffentlich bezeuget , auch da Scaliger schon^gestorben war ; denn er hat für ihn wlder den entsetzlichen Scioppius geschrieben ( D ) . Er hat sich übel widerlegte ihn nach seiner Art , das heißt , daß er tausend schmähsüchtige Histörchen , des Daniel
dabey befunden : Scioppius „
Eremita Leben betreffend , in die Welt schrieb ( E ) . Dieser starb im 161z Jahre zu Livorno an den Franzosen . Einige wollen lieber sagen , er sey mit Gifte vergeben worden h . Er hatte eine Neigung zur Schmähsucht , und er hat sie durch seine Relationen von Deutschland an den Tag gelegt ( F ) . Die Art , eine Lobrede aufzusetzen , die ihm zugeeignet wird , kömmt einer Menge von Rrtmm , zu ( G ) . Der gelehrte Coming betriegt sich , wenn er ihn bis zu einem hohen Alter kommen laßt ( I - l ) .
Man drucket zu Utrecht einige Werkchen des Daniel Eremita , und unter andern den Tractat äs aulica et ciuili vita . Sie sind im Manuscripte , in dem Bücheworrathe des Herzogs von Florenz gewesen , und man muß die Originalen wieder dahin zurück schicken , so bald die Ausgabe fertig seyn wird . Grävius wird des Scioppius Lästerungen in der Vorrede nn * verlegen . Ich habe dieses durch einen Brief erfahren , den er im Brachmonate 1699 an mich geschrieben hat . UebrigenS haben die Worte , deren ich mich in einer von den Anmerkungen bedient habe : es ist hier die Frage nicht , ob Bacchuo dec Venus , oder diese dem 25ad ? ue mehr abgenommen hat c , einen verständigen Mann , und der viele Reisen gelhan hat , bewogen , an mich zu schreiben , daß er wünschte , ich möchte diese Materie nicht ausgelassen haben . ^ Er hat mich ersucht , in der andern Ausgabe davon zu reden , und wem , es auch Nur die Widerlegung gewisser Dinge beträfe , die man in Spanien und Italien öfters gegen ihn behauptet hätte . Ich kann weder alles thun , was er will , noch ihm durchaus alles abschlagen , was er verlangt . Man wird also hier unten einige Sammlungen und einige Noten sehen , die mit denen Absichten eine Ver» wandtschaft haben , die er mir gütig mittheilen wollen ( I ) . Die meisten uneigennützigen Personen werden ihm dasjenige ohne Zank zugestehen , was er behauptet hat , nämlich daß die Unkeuschheit in kalten Landern nicht so ausgelassen sey , als sie in Heißen Landern ist .
" ) Valer . Andr . Bibl . Belg . pag . 169 . 6 ) Obiit Liburnae ex morbo Gallico , anno a Chrifto nato 1613 . Sunt qui veneno ex . tinmim feribunt . Quid iuuat humanos feire atque euoluere cafus , fi fugienda facis , et facienda fugis . Swert . Athen . Belg , pag . 203 . c ) In der Anmerkung ( F ) dieses Artikels .
( A ) Er ist ein ziemlich guter Scribent gewesen . ^ Die Lobrede auf den Herzog von Florenz , die er im 1608 Jahre herausgegeben , ist hochge - schabt worden . DeEpiftolicaRelatio < die Christoph Arnoldus in dem Leben des Marcus Vellerns rühmlich anführet ) de itinere Germanico quod Legatione magni Etruriae Ducis ad Rodolphum II , Imp . Princi - pesque et Respublicas aliquot Germaniac anno 1609 perachim fuit , und sein Brief , de Helueticorum , Rhetorum , Sedoneniium fitu , Re - publica , et Moribus verdienen gelesen zu werden . Hier ist dasUrtheil , das Sealiger von ihm gefället hat . Epift . XCVII , p . 243 , frankfurter Ausgabe von 1628 : Quas ( litteras ) ad te ab * * * feriptas mihi mififti aliquam bonae frugis fpem faciunt . Intcreft illud ingenium qui - busdam finibus coerceri , in quibus fi contineatur et illam luxuriem depafeatur , nihil ab eo nifi bonuin exfpe & andum eft . Dieses schrei» bet er an den Casaubon . Der Brief ist den August unterschrieben ; das Jahr fehlet ; es ist das , 6c>z - Seine lateinischen Verse sind dem an - dern Bande von den Annehmlichkeiten der niederländischen Poe - ten eingeschattet worden .
( B ) Scaliger hatte - - - ihn dem Casaubon sehr ange - priesen : welches ihn bald bernach gereuete , da er erfahren , daß dieser junge Mensch katholisch geworden . 1 Wir haben dasjenige gesehen , was er den 15 August 160z an den Casaubon geschrieben , und hier ist dasjenige , was er den 8 des Christmonats in eben demselben Jahre an ihn geschrieben hat . Proh facinus indignum ! quid de * * * dio ? adeo iinmutatum ingenium eins , vt alius ab eo , quem tibi commendaui difeederet ? Me vero ftipitem qui in aliis <>£« * • * < * r« film , in ifto Eru$Aaifflll portam aperireni ad amicitiam triam . Ich glaube mit dem Colomies , in cizui Epiftolarum 8caligeri p . i ; » , vpufculorum ntrechtischer Ausgabe >66y , das hier von der Religivnsveränderung des Daniel Eremita gehandelt wird ; allein ich weis nicht , warum diejeni - gen , die Seallgers Briefe herausgegeben , das Gedachtniß dieses Mannes geschont , und Sternchen an die Stelle feines Namens gefetzt haben . Sie haben die beyden Briefe in keine gute Ordnung gestellet , die von ihm reden ; denn sie rechnen denjenigen für den XCVII , wo Scaliger dasjenige von ihm geurtheilet hat , was wir in der vorhergehenden gele - sen haben , und denjenigen für den LXXXVIII , wo er dasjenige von ihm saget , was ich gleich itzo angeführer habe . ColomesiuS , der geglaubet hat , es würde so wohl in dem einen als andern vom Daniel Eremita ge - handelt , hätte diese üble Ordnung wohl wahrnehmen sollen . - denn nach seiner Voraussetzung ist es augenscheinlich , daß der XCVII Brief vor dem LXXXVIII hergegangen ist . Dieses ist aus einer andern Stelle of - fenbar . Sealiger meldet in dem XCVII , daß er Cafaubons Auslegung über die biftoria augufta erhalten habe , und IN dem LXXXV bemerket er , daß er den Empfang dieses Buches schon zweymal gemeldet harte : es ist also gewiß , daß der XCVII Brief vor dem LXXXV geschrieben
worden . Nun ist dieser den 19 des HerbstmonatS >6oz unterschrieben : man muß also , zu Ersetzung des mangelnden Jahres bey dem XCVII Dr . zu XV III Kai . Sept . de« Verfassers noch , 6oz fetzen . Hierauf haben diejenigen nicht Ad ) t gegeben , die diese Briefe herausgegeben , sie haben diesen unter die vom 1604 Jahre gefeber ; weit hinter den LXXXVIII , der den 8 des Chrisrmonats 1603 unterschrieben ist .
( C ) Casaubon hat sehr weitlauftig von dieser Sache geredet . ) Er hat , auf Sealigers Empfehlung , Freundschaft und Hochachtung ge - gen diesen Manngefasset : Vrgebat optimus et tui obferuantiflimus Eremita nofter . Cafaub . Epift . ad Scalig . Es ist der 28z auf der 324 S - grävischer Ausgabe vom 1656 : er ist im Hönning 1603 geschrieben . Ego illum . femper tua maxime gratia habui chariffimum , et qui - buscunque potui offieiis fum profecutus . Ebendas . Ep . 28> . ad eund . Scaliger . Er hat ihm eine Bedienuiig verschafft , und daran gearbeitet , ihn als Lehrmeister in das Haus des Herrn von Montaterre zu bringen . Die Sache war fast geschlossen , als Eremita Gelegenheit fand , sich bey dem Herrn von Bic einzusä ) leichen , der sich zur Gesandtschaft in die Schweiz fertig machte . Herr von Vic war ein sehr ehrlicher Mann , aber den geringsten Andachten seiner Partey auf das äußerste ergeben , und von einem Bekchrnngsgeiste eingenommen : Eft autem Vicquius optimus vir quidem et lv toT ; cp , A6xaMi , fed fiiperftitiorri^us
i'i fvxvria ( fupra fidem obnoxius . Ebendas . 284 Br . Er hat den Eremita gar bald gewonnen : eine einzige Unterredung mit einem von den größten Schreyern derselben Zeit ist zureichend dazu gewesen . Die - serwegen hat sich Casaubon nicht trösten können . Er hat wohl die Stärke des Bekehrers und des Bekehrten gekannt ; er hat gewußt , daß Eremita viel gelehrter , als der portugiesische Mönch , war : und gleich - wohl erfuhr er , daß der Mönch den Eremita auf den ersten Angriff zu Boden geworfen hatte . Adolefcentem T« ivfvü et
bene dochim ab imperitiffimo plane , cuinullus ineft melioris erudi - tionis fenfus , prima congreflione deuiftum esse , mdigniflime fero . Ebendas . 2z ; Br . Allein er hat gar bald die Ursache eines so kurzen Widerstandes entdecket ; Eremita brauchte iveiter nichts zu seiner Ueber - zeugung , als daß die reichste . Religion die beste wäre . Ergo , m ! niel , Lufitanus ifte mirabile aliquod pictatis arcanum te doeuit , an . tea tibi incognitum ? Ego , qui hominem intus et in cute novii , fati» aeeeptum habeo non te ab illo , fed ipfuin a te pottiiflc doccri : non acumen in eo tantuin , non eruditio , non ledlio patrum , vt ad pri - mum eius congreflum herbain porrigere cogereris . Viäusisytur es , non quia refiftere non poteras , fed quia volebas optabasque vinci . Ebendas . - 86 Br . Er ist im April >603 unterschrieben . Die Begierde nach Reichthume , die er an ihm bemerket hatte , schien eine böse Vorbe - deutung zu sevn . Erat mihi dudum hoc ingenium fufpe & uin pro - pter incrcdibilem in ea aetate opuin fitim , quam non leuibus notis in eo deprehenderam . Ebend . 185 Br . Die Stelle , die er ihm ge - schafft hatte , brachte ihm jahrlich fünfzig Thaler . Collocaueram ipfuin in honefta conditione , vbi praeter vidhim quinquaginta anuuos au - reos habebat . Ebend . Diese Summe schieil ihn aiifanglich sehr groß , nach diesem lehr mittelmäßig , und endlich gar nichts zu fei ) n . Er hat alle Gelegenheiten ausgespahet , sich zu verbessern , und vornehmlich hat er ftine Augen auf die bischöflichen Häuser geworfen . Casauboi» hat ihn zweymal abgehalten , sich daselbst verbindlich zu machen ; allein seinem Eintritte in das Haus des Herr» von Vie hat er sich nicht widersehet . Der junge Mensch ist darinnen papistisch geworden , und gieng mit die .
Gggz sen ,

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