Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
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Eresson . Erfurth .
In amore baec omnia insunt vltia : iniuriae ,
Sufpiciones , inimicitiae , induciae ,
Bellum , paxrurfum : incerta haec fi tu poftules Ratione certa faccre ; nihilo plus agas ,
Quam fi des operam , vt cum ratione infsnias .
Terent . Eunuch . A & . L 8c . I . v . 14 .
ES ist seltsam , daß man nicht mehr , als einmal , in diese Gattung der Verbindlichkeit fällt : man entzieht sich derselben allezeit mit einem Stücke von der Kette , das gar bald eine neue Gefangenschast zuwege bringet :
Nec tu , cum obftiteris femel , inftantique negari«
Parere imperio , rupi iam vineula dicas .
Nam et ludtata canis nodum abripit : attamen illi , Cum fiigit , a collo trahitur pars longa catenae .
Perfius , Sat . V . v . 157 .
Man wird mir bekennen , daß ein Mensch , der nach dem Bevspiele des Erasmus die Feder und Bücher fast beständig in der Hand hat , nicht Zeit genug zu allen dergleichen Dingen zu finden weis ; und daß also Erasmus aufrichtig geredet hat , wenn er saget , daß ihm seine Studien nicht erlaubt hätten , sich der Liebe zu ergeben .
( EE ) Mattbaus Gladus » - * bat heftig wider ihn gezogen . ^ Er hat eine Stelle so boshastig vergiftet , als er nur
könnt , die er in der ersten Ausgabe von des EraSmns Briefen gefunden hatte , warum der Verfasser das Zeugniß des Ap . Paulus in Zweifel zu zieben schien . Ego fane nec Hieronyino , nec Auguftino fic addidtu» efie vellem , vix etiam Paulo , vt omnia illius feripta tuerer ac pro - barem . Erasmus , Epift . ad Petr . Barbirium . Es ist der III des I B . und zu Brügge den >z August 1521 unterschrieben . Man merke , daß Erasmus in den andern Ausgaben diese Verbesserung dazu gesetzet hat : Vt aliquid dicam BarläilS in Bogermanno
pag . 47 . u . f . hat nicht ermangelt , tapfer über den Matthäus SladuS zu fchreyen , daß er nicht die Billigkeit gehabt , auf diese Verbesserung Acht zu haben . Er hat die Ungerechtigkeit hoch aufgemutzer , die man begeht , wenn man den Schriftstellern Fehler vorwirft , die sie selbst verbessert haben , und er hat eine gute Schutzschrift des Erasmus , über diesen Punet gemacht , wie auch wegen der Anklage , die derselbe Sladus wider ihn geführt hat , daß er der arrianischen Lehre Vorschub gethan . Diese war nichts anders , als eine Erneuerung der alten Klagen , welche die Mönche herausgegeben hatten . Der Vertheidiger erzählet einige von ihren Ungereimtheiten , und vergißtauf der 58 und 59 Seite , des Johann Standitius , eines englischen Franeifeaners , und des Bischofs von S . Afaph ihre nicht , der sich bey dem Könige , feinem Herrn , darüber be - klagt , daß Erasmus femio , anstatt verbum , zu Anfange des Evange , Iii Johannis , gesetzet hat . Er bemerket auf der 60 Seite , daß die ne Martins LydiuS , Professors der Gottesgelahrtheit zuFranecker , das Manuscript von der Schutzschrisr , pro ErasmiTheologia , die ihr Bater verfertiget , als eine Kostbarkeit bewahrten .
Ere^on , auf der Insel Lesbos , war des Theophrastus Vaterland * . Die Gerste , die in ihrem Gebiethe wuchs , hat ein so weißes Mehl gegeben , daß man dasselbe geschickt zu seyn geglaubet > einen göttlichen Bissen daraus zu machen . Daher kömmt es , daß die Poeten vorgegeben haben , es sey Mercur nach Eresson gegangen , daselbst dieses Mehl für den Mund der Götter einzukaufen ( A ) . Heinrich Stephan redet davon bey Gelegenheit des guten Tisches der Geistlichen ( B ) : allein ei ? hat den Athenaus nicht angeführt , wie er hätte thun sollen . Man ziehe den Hadrian Iunius zu Rathsb .
a ) Strabo , Lib . XIII . p . 482 . Ii ) Animadu . Lib . III . cap . IV .
( A ) Die Poeten haben vorgegeben , es sty Mercur nach
fon gegangen , Mehl für den Mund Oer Gotter «»fjufrwft» . ] Ein sieilianifcher Potte , mit Namen Archestratns , gedenket dieses Mär - - chens , in einem Gedichte , wo er von gutem Essen und Trinken hau , delt . Es ist Txreovoiiix betitelt . Man führt es auch unter andern Ti - teln an . Siehe des 'AthenäuS I B . 4 © . Wir haben dieses Gedichte nicht mehr ; allein AthenäuS hat verschiedene Stücke daraus , und unter andern auch dasjenige angeführt , davon hier die Rede ist , im III Buche XXIX Cap . . . . S . bey mir .
( B ) - / ' - Heinrich Stephan redet davon , bey Gelegen -
heit des Tisches der Geistlichen . ^ Hier sind feine Worte : Apol * gie pour Herodote , pag . m . 264 . 265 . u ? enn es darauf ankömmt , einen recht guten rpein mir einem Xvorre auszudrücken , und wenn es für den Mund eines Roniges rväre : so muß man ihn den Xvein der Gorresgelehrxen nennen . Gleichfalls , rvenn man von einem ^rodre redet , das alle Eigenschafren eines gmen und wohlschmeckenden Brodtes hat , ( wie das in der Stadt Eresus , weswegen sich Mercur so viele Mühe gegeben hat , von - Him - mel herunter zu kommen , und einen Vorrath davon für SieGob» ter zu sammlen , wenn wir dem Poeren Archestratus glauben , ) so muß man es j« wohl das Lapmlbrodt nennen ?
QrfftU'tf ) , die Hauptstadt in Thüringen , und eine von den größten Städten in Deutschland ( A ) , wurde den Erzbischö» fen von Maynz , nach dem Tode Burchards , Herrn von Thüringen , von dem Kaiser Otto gegeben ( B ) . Dieser Kaiser ver» willigte , daß sein Sohn Wilhelm , welcher dieses Erzbischofthum erhielt , nicht allein diese Stadt , sondern auch ganz Thüringen' besitzen möchte . Die Nachkommen Wilhelms haben sich bey diesem Besitze erhalten , bis Ludwig , der Bartige , sich Thürin - gens bemächtigte , und es seinen Nachkommen hinterließ , die dasselbe fast zweyhundert Jahre unter dem Titel der Landgrafen genossen haben . Es kam endlich durch Heirath an das Haus der Marggrafen von Meißen , welches mit dem Haufe der heu - tigen Herzoge von wachsen einerley ist . Eine so lange Entbehrunades Genusses hat gemacht , daß die Erzbischöfe von Maynx sich von ihren Rechten auf Thüringen losgesagt ; allein sie haben ihren Ansprüchen auf Erfurth niemals abgesagt : sie sind derzeit als Herren davon erkannt worden . Es ist wahr , daß sie eine sehr lange Zeit nichts , als den bloßen Titel , davon gehabt : die Bürger haben vorgegeben , daß sie in verschiedenen Zeiten alle Rechte der Erzbischöfe abgekaufet , und so gar behauptet , daß diese Prälaten , da sie nicht Herren des Gebiethes waren , keine Handbreit Erde in der Stadt , als ein Eigenrhum , besitzen könnten . Die Erzbischöfe erhielten mehr oder weniger Gewalt , nach der Verschiedenheit der Parteylichkeiten^welche die Bürger zertheilten ; allein da sich die^Stadt , nach der angenommenen Glaubensverbesserung Luthers , unter den Schutz der Herzoge von Sachsen begeben hatte , so konnten die Erzbischöfe sich darinnen nicht weiter empor bringen . Gustav , der König von Schweden , versicherte sich dieser Stadt , und sie wurde , weil sie sich von der Partey der Schweden abgesondert hatte , von neuem durch die Waffen des Feldherrn Bannerö überwältiget . Sie gaben , vermöge des westphalischen Friedens , zu , daß sie wieder unter den Gehorsam der Erzbischöfe kam . Die Einwohner wollten , daß dieses nur von einem eingebildeten Gehorsame verstanden werden müßte , der demjenigen gleich wäre , den sie in den letzten Zeiten geleistet hatten : allein der Erzbischof von Maynz behauptete dagegen , daß er durch diesen Artikel des Friedens in alle Rechte einer wahrhaftigen Herrschaft treten müß - te . Der Kaiser nahm seine Partey , und erklärte die Stadt Erfurth in die Reichsacht . 'Hierauf zwang dieser Erzbischof , mit Hülfe des Kriegsvolkes , das ihm Frankreich zuschickte , die Einwohner , sich zu unterwerfen ( C ) ; so daß er itzo Meister von der Stadt 0 und dem Schlosse ist b . Die Akademie zu Erfurth , die so blühend gewesen , ist wegen der Unbändlgkeic derStu« deuten , zu Grunde gegangen ( D ) .
« ) Es heißt die Cyriacsburg , weil es an einem Orte erbauet ist , wo ehmals ein Mönchskloster dieses Namens gestanden hat . gebuch der Gelehrten vom >9 Jenner 1665 . 6 ) Aus einer Nachricht , die Stadt Erfurth betreffend , davon man einen Auszug in dem Tagebuche der Gelehrten vom 19 Jenner . 66 ; sieht .
( A ) Es ist eine von den größten Städten in Zventfchland . Z „ Man getrauet sich auch zu sagen , daß sie wegen ihres Umfangs alle „ Städte von Deutschland ubertrifft . Sie hat überdieß viel schöne Oer - „ ter , die unter ihr stehen , und in drey Herrschaften und zwev und sie - „ benzig Dörfern bestehen . Ihren Namen hat sie von dem sieben Mei - „ ( en davon gelegenen Schloße Efford , dessen Herr die Zollgerechtigkeit in „ der Stadt hat . Viele Geschichtschreiber glauben , daß das Peters - . »kloster auf dem Berge daselbst , von , Dagobert , dem Könige von Frank ,
„ reich , erbauet worden ; andre , vom Konige Pipin , Herrn von Tlmrin - „ gen ; und man sieht noch über der Thure dieses Klosters sechs Lilien - „ blumen . „ Heifs Hirt , de l' Empire , Liv . VI . cap . I . p . 19z . des II Th . erster holländischer Ausgabe .
( B ) Erfurrbist - > den ( ttjbifchofcrt von Moyn * - < - von dem RaiserGtto gegeben worden . ^ Wie der ganze Text dieses Ar - tikels aue einem Auszug ? genommen worden , der von der Hand des Sallo kömmt , so habe ich mich begnügt , ihm nachzusagen , vom Rai st r Veto ; da - mit ich aber nicht in den Tadel einer außerordentlichen Nachläßigkeit ver - fallen mag , so füge ich hier dazu , baß vom Otto dem I die Rede ist , und ich führe einen Schriftsteller an , der hierinnen Glauben verdienet . Die Stadt Erfurth , saget Heiß , ebendaselbst auf der . 99 Seite , ist erstlich im 116 ; Jahre mit Mauern umschlossen worden , lange Zeit hernach , da sie der Raistr Otto der erste , nebst Thüringen , nem Vruder , ( in dem Auszug« des Tagebuchs der Gelehrten , ist er
Otton« Sohn , ) ^Wilhelmen , Et ? bischosen von Mavnz , gegeben hatte .
c ( C ) Der Erzbischof von Maynz bat mit teilst der Rriegs - volker , die ibm Frankreich schickte , die Einwohner gezwungen , sich zu unterwerfe« . ^ Hier ist eine Stelle aus dem . beiß , «ist . de I' Empire , Liv . VI . chap . I . p . 199 . „ Bey Gelegenheit von Erfurt ! ) ist „ es sehr billig , daß wir uns der Großmuch erinnern , die der König von „ Frankreich im 1664 Jahre gehabt , dem Churfürsten von Maynz , Jo - „ Hann Philipp von Schönborn , feinem Bundsgenossen , «ine mächtige „ Hülfe von Kriegsvolke , unter der Anführung' des Grafen Pradel , der „ Heerführer darüber war , zuzuschicken , ihm die Stadt Erfurth , zur Boll - „ streckung der Acht , die der Kaiser wider dieselbe kund gemacht hatte , „ zum Gehorsame bringen zu helfen . „ Hier ist etwas zum Vergnügen derer , welche wollen , daß eine Erzählung von den Umständen der Zeit , der Personen , u . d . m . unlerstübet seyn soll . Sie sind wegen dieses Ge« schmackes nicht zu tadeln ; denn ohne dieses , ist eine Erzählung ein Kör , per ohne Seele , oder eine auseinandergenommene Maschine , arena fine cake ; und gleichwohl bringen unzählige Scribenten nichts als derglei - chen Erzählungen zu Markte . .
( D ) 2>ie Akademie zu Erfurt , d»e so blubend gewesen , ist we , gen Oer Unbändigkeit der Studenten zu Grunde gegangen . ^ Eoba - nus Hessus hat bis auf fünfzehnhundert Zuhörer in dieser berühmten demiegehabt : Luther hat seine erste akademische Würde daselbst erhalten ,
und

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