Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8168

Erasmus .
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Lachen gebracht , und Briefe an die Commissarien von ihm erhalten , wvrinnen denselben ausgeleget worden , ihm dasjenige wiederzugeben , was sie ihm genommen hatten . Wenn sich die Sache auf diese Art zugetragen hätte , so würde sie Erasmus nicht verschwiegen haben , da er den zu Douvers erlittenen Verlust seines Geldes , in einem Buche er - zählet . In Catal . Lucubrat . ad Ioan . Botzhemum Abftemium . he auch den Rhenanus in Epiftola praefixa Operib . Erasmi .
( CC ) Mich dünkt nickt , daß man Reckt hat , zu sagen , es ha - be Cölius Rhodiginus Sen Erasmus befckuldiget , ein gelehrter Dieb fern . ] Erasmus beklaget sich ein wenig über den Cölius Nhodiginus , ob er ihn gleich sehr lobet ; er beklaget sich über ihn , ( Chil . I . Cent . i . p . 16 . basler Ausgabe , von 1546 . ) sage ich , weil er in dem Dan - de der alten - Lesarten einige Spuren von derjenigen Undankbarkeit der Schriftsteller bemerket hatte , welche dazu verleitet , daß man sich die Arbeit eines andern zu Nutzen machet , nicht allein ohne solches zu be - 'kennen , sondern auch in bösen Absichten wider denjenigen , den man plün - dert . Und weil er sich außer diesem nicht beklaget , daß ihn Nhodiginus eines einzigen Diebstahls beschuldiget hätte , so habe ich einige Neigung zu glauben , daß der gelehrte Morhof eines für das andre genommen hat , wenn er gesaget , daß Rhodigimis dem Erasmus einen kleinen Proceß gemacht , als wenn er ihm einige Gedanken , in hung der Adagien , entwendet hatte . Marhof . Polyhiftor . p . 252 . Nhodiginus , setzet er dazu , darf sich nicht rühmen , diesem Brunnen zween oder drey Tropfen dargebothen zu haben , weil er nur etwas weniges von einigen Sprüchwörrern in seinen alten Lesarten gesaget hat . Es ist gewiß , daß die erste Ausgabe von dem Buche des Nhodiginus etliche Jahre jünger ist , als die Herausgebung von des Erasmus seinem , über die Adagien . Ich wollte noch darzu setzen , daß , da der Verfasser be - reitS gestorben war , als Erasmus die oben gedachte Klage gesühret hat , man nicht sieht , zu welcher Zeit er den Proceß , davon Morhof redet , hatte anstellen , oder sich feiner Hülfe rühmen können ; ich würde dieses dazu setzen , sage ich , wenn ich nicht entdeckte , daß des Erasmus Worte betrieglich sind . Er saget , daß er , indem er diese Klage schrieb , den Tod des Cölius Nhodiginus erfahren : Cum haec lcribcrem , ex eruditorum litteris ' cognoui , Khodigimim obiifie fupremum diem . Erasmus , Adag . Chil . I . Cent . I . p . 16 . Allein dieß ist ein Schwanz , den er einer neuen Ausgabe angehanqet hat . Die Klage war schon in einer vor - hergehenden Ausgabe , und bey Lebzeiten de« Nhodiginus erschienen .
Dieß ist eine Sache , die man durch einen Brief beweisen kann , den Nhodiginus den 22 April 1519 an den Erasmus geschrieben hat . Es ist der dreyßigste in der Sammlung von den Briefen des Gudius , pag . 117 . die zu Utrecht im >697 Jahre gedruckt worden . Er berichtet ihm , wie er sehr erschrocken sey , als man ihn versichert , daß Erasmus ver - drüßlich aus ihn wäre . Die Ursache dieses Grolls , sagte man , ist gewe - sen , daß die Gedanken des Erasmus in den alten Lesarten , mit einer allzuherrischen Mine , und einem allzugebietherifchenTone bestritten wor - den : Te , ait , in antiquarum kckionum Commentariis ab eins fen . tentia diiierfiim abiifle , atqiie id tanquam docere ctiperes . Epift . Giidii , pag . 117 . Nachdem sich Nhodiginus wegen dieses Puncts ge - rechtfertiget , so setzet er dazu , daß er vor einigen Tagen die Klagen gele - sen , die Erasmus in die letzte Ausgabe seiner Adagien eingerücket hätte . Er versichert , I , daß dieses das einzige Werk des Erasmus wäre , das er gelesen hätte , als er sein Buch herausgegeben ; II . Daß er sich durch diese Lesung in dem Innersten angegriffen gefühlt , weil er sich genöthi - get gesehen , da er bereits so lange Zeit über diese Materie gearbeitet , dieselbe liegen zu lassen . Er hat die Partey ergrissen , dasjenige auf eine andre Art einzukleiden , was er schon zugeschnitten hatte : Faöo tue» , qui occupafti , ad reftim mihi rediit res . Euigilatae mihi tot nockes periere , hauftae lucernarum fuligines , fudoribus toties rigatae veftes in nihilum recidere . . . nona fiiit redordiertda tela . Epift . Gudii , p . I>8 . Dieß ist ein Theil der Materialien von den altenLesar - ten gewesen . Er verspricht dem Erasmus ein Buch davon zu zuschrei - den . Alles dieses überredet mich je mehr und mehr , daß sich Morhof betrogen hat .
( DD ) ses großes - Heiligen gemacht , von nickts anders hergekommen , als von der Verachtung , die cr gegen ihn gehabt ; weil er zu einem solcken Grade der Unverschämtheit gekommen , daß er sick auch in einem Briefe , an den Bisckof Tonstallus zu rüh - men unterstanden , er wolle , wenn er betrunken wäre , bessere Dinge fckreiben , als der h . Chrysostomus in feinen Auslegungen über die Apostelgefckickt . So büßen die aufgeweckten Ropfe dieser Zeiten ihre Lust !
( 1° ) Qiiod qiiidem eo magis miror , qiiod in Chryfoftomo quo . que , quo nemo vnquam luculentius faciliusque feripfit , hoc illi ni - mis quam accidifle deprehendi : ac praefertim in ofto prioribus in pofter . ad Corinth . Epift . homiliis , in quibus hoc ferio affirmare queam , eiim plusquam jyo errores admififie . Bill . Obferu . Sacr . L . I . cap . IX .
Ich habe den Brief zu Nathe gezogen , der an diesen Tonstallu« geschrieben worden , und ich habe mich dadurch überzeugt , daß sich Girac nicht der Hyperbole bedient hätte : allein es ist in der Stelle de« Erasmus ein kleiner Schwanz , der anzuzeigen scheint , daß er die Schrift - ten , die er so sehr verachte^ nicht für des h . Chrysostomus Arbeit ten hat . Hier ist die ganze Stelle : ich überlasse meinen Lesern das Urtheil darüber . Ex Chryfoßomo in A<äa verteram Homilias tres , cüius operae me poenituit , quum nihil illic viderem Cbryfoßomi . Tuo tarnen hortatii reeepi codicem in manum , fed nihil vnquain legi indoftius . Ebrius ac ftertens feriberem meliora . Habet frxgi - dos et ineptos fenficulos , nec eos ipfos commode poteft explicare . Ex Commentariis in Epiftolam ad Corintbios pofteriorem verti milias fex , eundem artificem ilüc loqui fentio . Itaque non eft ani . mus bonas horas collocare male . Aliud fpirat Cbryfiflomus * mus , Epift . LIX . Libri XXVI . p . 1478 .
( EE ) i£t bekennet , daß er nickt allzukeusck gelebt : er Herheu - ert , daß er nücktern gewesen . ^ Er saget dieses in einem Briefe , den er im 1524 Jahre geschrieben , und welcher ein schönes Gemälde von den Neigungen seines Herzens enthält . Ich will nur diese zween Züge daraus bemerken . Er versichert , daß er niemals ein Sklave der Venus gewesen , und daß cr auch wegen der großen Arbeit de« Studierens , nicht Muße darzu gehabt ; daß aber endlich die Fehler , die er von dieser Seite begangen habeii könnte , bereits vor langer Zeit aufgehört hätten indem ihn das Alter von diesem Tyrannen befteyet , weswegen er dassel - be sehr angenehm fände . Diese letzten Worte enthalten viel Tugend' und es finden sich nur gar zu viel Leute , die sich desselben nicht ohne eine grausame Lügen bedienen können ; so sehr folgen sie dem Geiste des Mal - herbe , und nicht dem Geiste des Sophokles . Siehe die Anmerkung ( Q bey dem Artikel Malherbe . Die Nüchternheit betreffend , so hätte Erasmus nichts sagen können , was einem christlichen Philosophen an - ständiger wäre , und weniger» Leuten zukäme , als was er gesaget hat . Et iuuenis eibum ac potum femper ita fumfi , vt pharmacum . Ac faepenumero dolui , non licere fine eibo potuque perpetuo degere . Veneri nunquam feruitum eft , ne vacaiiit quidem in tanfis ftudio - rum laboribus . Et Ii quid fuit huius mal» , iam olim ab eo tyranno nie vindicauit aetas , quae mihi hoc nomine gratiflima eft . Erasmus , Epift . V . Libri XXIII . p . 1211 . F . Von zwey Dingen , die er vorgiebt , eines , daß er seinen Leib nur wegen einer Art der Notbwendigkeit ge - nährt , und daß er die Speisen als eine Arzney und Hülfsmittel zu sich genommen ; das andere , daß ihm seine Studien nicht viel Muße ae - lassen hätten , ist das erste glaubwürdig , und das andre , durch die groß« Anzahl von Büchern , die er herausgegeben , unstreitig bewiesen . Allein wenn diese zwey Sachen einmal fest gesetzt sind , so kann man dasjenige vernunftiger weise nicht leugnen , was er von seiner Keuschheit versichert . Er giebt sie nicht für vollkommen aus ; er bekennet , daß er nicht allezeit der unreinen Liebe widerstanden habe : allein er leugnet , daß er bey dieser Unbilligkeit ihr Sklave gewesen ; er behauptet , daß er niemals dersel - ben Unterthan gewesen , wenn er gleich nicht allezeit derselben Herr seyn können . Ein Mensch , der viel Muße hätte , und seinen Körper sehr sorgfällig fütterte , würde der Lügen verdächtig seyii , wenn er diese Spra - che führte ; denn Müßiggang und Wohlleben , sind die Säugammen der Ueppigkeit .
Esc monitis fngias otia prima meis .
Hacc vt ames faciunt : haec vt fecere tuentur .
Haec funt iueundi caufa eibusque mali .
Otia fi tollas periere cupidinis arcus , etc .
Ouid . de Remedio Amor . v . 136 . et sqq . Sine Cerere et Libero frieet Venus , saget Terenz , Eunuch . M . IV . Sc . V . v . 6 . Siehe die Anmerkung ( I ) bey dem Artikel iktmxte , Num . 4 . Diftento ventre diftendiuitur ea , quae ventri adhaerent , saget der h . Hieronymus . Man wende mir nicht ein , daß es sehr nüchterne und arbeitsame Mannspersonen giebt , die dennoch der Unreinigkeit sehr unterworfen sind ; einige wenige Aus - nahmen von der allgemeinen Negel , die sich auf die verborgenen schaften des Temperaments gründen , dörfen uns nicht zum Wegweiser dienen , wenn es auf die Beurtheilung unsere Nächsten ankömmt ; und also muß man , so lange , als man nicht weis , daß Erasmus von einem Temperamente gewesen , welches durch die allgemeine Negel einen Strich gemachet hat , glauben : daß er durch die nachläßige Pflegung seine« Leibes , und durch sein fleißiges Studieren , den Stachel der Liebe stumpf gemacht , und sich vor derselben Dienstbarkeir verwahret hat . Man füge dazu , daß sein Stand , der erworbene Name , und die Proseßion , welche er trieb , ein weiserund ehrlicher Mann zuseyn , ihn norhwendigerweise verpflichtet haben , den Schein zu vermeiden , und sich zur Uebertretuna der Keuschheirsgesetze nicht anders , als mit großer Behutsamkeit ten zu lassen . Allein darzu wird ein Mensch von großer Muße ersor - dert ; man darf sein Gesichte nicht nach der pöbelhaften Venus , nach einer solchen Thais wenden , die den ersten , den besten , der nur kömmt , stehenden Fußes abfertiget ; sondern man muß sich „ ach solchen Perso - nen Umsehen , die auch ihrer Seits verbunden sind , den Schein zu ver - meiden . Sie erfordern Borbereitungen ; sie lassen sich nack allen Förm - lichkeiten belagern : haben sie sich ubergeben , so ist es eine Pfründe , wel . che die Gegenwart , ( siehe oben den Artikel Egialee , ) und tausenderley große und kleine Sorgsaltigkeiten erfordert : es ist ein Himmel , der nicht mehr , wie zuvor , beständig einerlei , Klarheit erhält : Kaltsinnigkei , ten , Eifersucht , Klagen , Erläuterungen , Zwiespalt ? , Wiederversöhnun - . gen , bringen an demselben unaufhörliche Veränderungen hervor , und dieses ohne die geringste Regel .
Ggg - in

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