Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8158

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Erasmus .
donec infelieem populum vsque ad radicem arroferint . Hoc animo qui fint , an eos putas grauatim arreptiiros oblatam quamcunque belli occafionem ? Diese Dissertation findet sich in des Erasmus Adagien , und ist absonderlich unter dem Titel Bellum gedruckt worden . Der heber verspricht darinnen ein Buch , das er zu Rom unter dem Pabste Julius dem II geschrieben halte . Ich weis nicht , ob eS jemals gedruckt worden : es sollte zum Titel haben - Antipolenuis .
( X ) iLr schien über die Schmähschriften , Sie man wider ihn machte , allfttempsindlich ; u seyn . Dieß erhellet aus seinen Rlagen über die Buchdrucker diestr Schmähschriften . ] Man sehe den III Brief de« XXl B . wo er die guten Dienste tadelt , die einer von seinen Freunden einem Buchhändler geleistet hatte , den man wegen des Drucks etlicher satirischen Schriften strafen wollte . Erasmus zei - gel seinem Freunde , daß diese Gelindigkeit böse wäre , weil dieser Mensch , anstatt daß er dem Drucke der Pasquille absagen sollen , sich mehr als jemals darauf geleget hätte . Man wollte ihn damit entschuldigen . daß er nicht wüßte , wie er seine Frau und seine Kinder ernähren sollte . ( Man hat mir vor einigen Tagen ( , 695 ) gesagt , daß ein gewisser Mensch , der beständig Satiren gemacht , zur Ursache angesühret , daß er nicht wisse , womit er sich zur Unterhaltung seiner Haushaltung be - schäfftigen sollte , wenn er sich seiner Feder nicht auf diese Art bediente . ) Er mag betteln ! antwortete Erasmus , oder seine Frau verkuppeln ! denn dieses Verbrechen würde geringer seyn , als wenn er den guten Namen seines Nächsten zu schänden machet . Die Satire muß einem recht ans Leben gegangen seyn , wenn man solche Reden führet . Die Worte deö Urhebers , werden den Kennern viel besser gefallen ; wir wollen sie also anführen : man wird darinnen gleich vom Anfange sehen , wie Erasmus seinem Freunde vorgestellt , der reformirt war , daß die Schmähschriften und satirischen Figuren , damit die Lutheraner ganz Europa überschwemm - ten , ihrer Partey zum Nachtheile gereichten . An vos credit» talibus praefidiis procefliirum Euangelii negotium ? Magis metuo , ne talium finita malitia et malitiofa ftiutitia , fiibuertat cum bonas litteras , tum Euangeliuni , fi fieri poflit , et vos veftramque citritatem aliquando pertrahat in graue diferimen . Scottus , inquis , habet vxorem et te - neros liberos . Num ifta exeufatio videatur iufta , fi feriniis rneis effraftis fuftuliflet aurum ? Non opinor . Et tarnen hoc , quod facit , longe fceleratius est . Nifi forte putas mihi famam efl'e viliorem pe - cunia . Si deeft , vnde alat liberos , mendicet . Pudet , inquies . Et hu - iusmodi facinorum non pudet ? Proftituat vxorem , et ad calices vi - gilanti nafo ftertat adultero ? Nefarium , inquis : Magis nefariumeft , quod facit . Nulla lex punit capite , qui vxorerri proftituat : at capi - talem poenam denunciant omnes iis , qui libellos edunt famofos . Erasmus , Epift . III . Libr . XXl . p . 1061 . an den Caspar Hedio , im 1524 Jahre , geschrieben .
( Y ) Man hat ihn für den Urheber vieler Bücher gehalten , die nicht von seiner Arbeit gewesen . ] Er hatte sich durch die Frey - heil seiner Feder viel Feinde gemacht . Er hatte die Unordnung der Geistlichen allzukühn beurtheilt ; daher kam es , daß sie keine Gelegen - heit vorbey ließen , ihn für einen Ketzer und Gottlosen auszu , chreyen : vornehmlich schrieen sie ihn für Luthers Beysitzer aus , und eigneten ihm die Bücher zu , für deren Urheber sich Luther bekannt hatte . Quorun - iiam tanta eft peruerfitas , vt ea quoque . mihi tribuant , quae Luthe - rus in conuentu Caefaris , agnouit pro fuis . Erasmus , Epift . XIV . Libri XVII . pag . 758 . col . 2 . Sie ist im 15 - 1 Jahre geschrieben . Man hat ihm das Buch beygemessen , Captiuitas Babylonica betitelt , weil die zwey ersten Worte dieses Werks fast eben dieselben sind , die Erasmus zu Anfange emer Lobrede gesetzet hatte . Faflitseftquosdamfuiflefufpi - catos , hoc opus eile meum , quod initium eilet , velim , nolim , non ad - jnodum abhorrens ab exordio Panegyrici niei , quo Philippo ex Hifpancis reuerfo gratulor , qui fic ineipit , velis nohs : bella con - ieftura ! Ebendaselbst . War dieses nicht ein schöner Beweis 1 So sind die Leute heute zu Tage beschassen , die nicht leiden können , daß man lh , rer gefährlichen Traumereyen wollet ; dieß ist nach dem Grundsatze Tertullians , Plurima funt rifu digna reiunci , ne grauitate adorentur , daß man derselben gespottet , sage ich , um seine Bruder dafür zu ver - wahren ! Sie werfen sich sogleich zu Angebern auf , und fuhren die allerungereimtesten Beweise von der Welt an , und es finden sich Tho - ren genug , die sich damit befriedigen , oder sich doch so stellen . Man hat dem Erasmus zwey andre Bücher zugeeignet , davon er die Titel nicht einmal kannte , und deren eines ihm ziemlich Hart begegnete . Aleander indicauit , mihi tribuiduos libellos , quorum altcri titulus eft Eubulus . alteri Lamentathncs Petri . Emoriar , fi vnquam mihi fiierat audi - tus titulus , antequam ille protuliflet . Prioreni needum quiui nan - eifei . In altero fic traöor , vt fi feiam Autorem , fiin illi gratiamnon optimamhabiturus . Erasmus , Epift . XIV . Libr . XVII . p . 758 . In dem ersten Briefe des Xt B . vom ersten des Brachmonats 1518 ben , erzählet er I , daß ihm die Gottesgelehrten zu Löwen eine Satire des Huttens , Nemo betitelt , zugeschrieben . II , Daß man ihm auch diejenige beygemessen , die den Titel Febris hatte ; und gleichwohl , saget er ist meine Schreibart und Redensarten von diesem Werke sehr weit entfernt , cum tarnen totus genius totaque Phrafis a mea diflentiat . III Daß man ihm die Rede des Mosellanus , gegen die Widersacher der dre'y gelehrten Sprachen , und Fischers , Bischofs von Nochester Buch , wider den Le Fevre beygemessen ; ohne in Betrachtung zu ziehen , wie sehr die Schreibart dieses Prälaten von des Erasmus seiner unter - schieden war , cum tanta fit orationis diffimilitudo . IV , Daß man ihn die Utopia des Thomas Morus , uiid eine gewisse Schrift , zum Vortheile Frankreichs , beygemessen . ^ V , Daß man die migkeit der Schreibart zum Beweise angeführt . VI , Daß er ohne setzung seines Namens , niemals etwas geschrieben hätte , noch jemals et - waö schreiben würde . Nulluni adhuc Opus confcripfi neque confcri . pturus fum , cui non praefigam meum nomen . Diejenigen , welche die Worte erwägen wollen , die ich gleich anführen werde , werden Ursache haben , sich verwundern , daß es noch Leute giebt , die die Schwache der Beweise nicht sehen , welche ans der Aehnlichkeit der Schreibart genom - wen sind Impingunt ( Jufpicionem mihi ) non alio freti argumenta quam ftili , qui tarnen mei non admodum fimilis eft , nifi mens mihi partim eft cognitus : quanquam quid ttiirum adeo foret , fi quid illic aut alibi cum phrafi mea congrueret ? cum nemo ferme feribathifee temporibus , qui non aliquid mei ftili referat ; propterea quod meae lucubrationes multorum inanibus terantur , adeo vt in horum etiam
libris , qui feribunt aduerfum me , non raro ftilum meum agnofeam , meque meis pennis transfigi fentiam . Erasmus , Epift . I . Libr . XL p - 545 - Siehe auch den I Brief de« XIIB .
( ? ) Die Lesung der Briefe , obfcuronim Virortim , that eine große XVirlung bey ihm . Quibus non tantum genus dicendi , fed mores quoqtie Theologorum falfe perftringuntur . Simler , in vita Bullingeri , fol . 6 . verfo . ] Sie machte ihn so zu lachen , daß dadurch ein Geschwüre aufgesprungen , das er im Gesichte hatte ; es war nicht mehr nöthig , dasselbe aufzustechen , wie die Aerzte verordnet hatten . Ich führe meinen Mann an : Adeo eius leäione in rifum profufus fiiit , vt abfcefiiim in facie enatuin , quem Medici fecare iuflerant , prae ni - mio rifu ruperit . Simmler , der dieses in dem Leben Bullingers an - merket , beobachtet , daß Johann Jacob Ammian , gebürtig von Zürch , dem Erasmus das Buch gelichen , das ihn so viel zu lachen gemacht , und ihm so nützlich gewesen . Sollte man also dieses nicht unter die Exempel von dem Nutzen des Lesens setzen ?
( AA ) - Hier unten wird eine Anmerkung für die Fehler des Moreri feyn . ] Der erste ist dieser : der Vater des Erasmus hat die Flucht mir der Tochter eines Arztes , Namens Margaretha , genommen , die bereits von ihm schwanger war . Wir haben oben in der Anmerkung ( B ) gezeiget , daß Margaretha mit ihrem Buhler nicht entflohen ist , sondern sich nur in eine benachbarte Stadt begeben hat , daselbst in Wochen zu liegen , mittlerweile er davon gegangen . Der andere ist , daß er saget , es wäre Erasmus in dem Kloster Sion , Augustinerdomherr geworden . Es ist zwar wahr , daß ihn seine Vormünder in dieses Kloster zu gehen , zwingen wollen : allein für dieß - mal hat er ihre Verfolgungen zu Nichte gemacht ; und da er endlich nach - geben mußte , sich in dem Kloster Stein , bey Tergou , einschreiben lassen . Ich finde weder aus der Erzählung , die er selbst von seinen Begcbenhei - ren in seinem Leben , und in dem Briefe an den Lambert Grunnins ge - macht , noch aus den Vorreden des Rhenanus , daß er jemals in dem Kloster Sion studiert hätte , wie Boxhorn und Valerius Andreas versi - chern Der dritte ist , daß er saget , er wäre im seclixigsien Jahre nach Basel gegangen ; denn die ganze Folge des Artikels zeiget , daß , nach dem Moreri , Erasmus damals die Reise nach Basel zum mal« gethan hat . Nun ist leicht . <» beweisen , daß dieses falsch ist , und zwar : das sechzigste Jahr des Erasmus fällt entweder in ? 15 - 5 Jahr , oder ins 1527 Jahr , weil seine Geburt vom Moreri unbestimmt , ent - weder ins >465 Jahr , oder ins 1467 Jahr gesetzet wird . Wenn es sich denn nun findet , daß Erasmus im 1516 Jahre , und im 151z Jahre zu Basel gewesen ist , ( dieses ist aber aus seinen Briefen , dem 19 des II B . dem 25 und 55 des III B . und dem XVII des XV B . klar ; wozu man noch dasjenige fügen kann , was Melchior Adam , da er von des Erasmus Abreise aus Basel im 1529 Jahre geredet , saget : daß er vor fünfzehn Jahren angefangen , dahin zukommen , und von Zeit zu Zeit wieder aus Brabant dahin gekommen ist . Dieß ist aus dem X Briefe des Erasmus im XXIV B . genommen , ) so ist es ja handgreiflich , daß sich Moreri betrogen hat . Wir haben oben in der Anmerkung ( R ) einen Mann angeführet , welcher saget , daßEraSmus kurz nach derEin - setzung Leo des X , nach Basel gegangen . Nun ist dieser Pabst im Monate Marz >55 , 9 Jahre die andre gänzlich zu Grunde gerichtet war ; nachdem man alle Bilder , welche die Ladung von zwölf Wagen ausge - macht , in neun Stöße vor das Rathhaus gestellt , und verbrannt hatte , um den Streit des gemeinen Volkes zu endigen , welches dieselben zum häuslichen Gebrauche beybehalten wollte . Lexicon Hofmanni , Tom . I . pag . 258 . Ausgabe von 1677 . Der sechste ist , daß alle Gelehrte des ^ . anves , den Erasmus auf ihren Achseln , in die Rachedralkir , che * » Basel , getragen , wo er begraben worden . Hierzu hätte der Sarg nicht kleiner seyn dörsen , als das Bette des Königes von san , dessen im III Cap . de« V B . Moses gedacht wird ; denn andrer Ge , stall hallen alle Gelehrten des CanlonS Basel , ihre Achseln nicht anbrin , gen können . Er hätte sagen sollen , daß diejenigen , die seine Leiche ge - lragen , auf der Akademie zu Basel studiert , und daß alle die andern Studenten , nebst allen den Professoren , und dem meisten Theile vom Ralhe dem Leichenbegängnisse beygewohnt hätten . Elatus eft humeris ftudioforum ad aedem Cathedralem atque ibi _ _ _ honorifice fepultus ; nain in pompa funebri non Conful modo , fed etiam e Se - natoribus plerique vifebantur , Academiae Profefl'orum ac rum aberat nemo . Rhenan . Epift . Ded . Origenis . Ich will darüber mchtö sagen , daß man seinen Tod den n des Heumonats 1516 sehet : es i ( l allzusichtbar , daß dieses zween Druckfehler sind . Zum wenigsten sie - het man so viel , daß , wenn auch Moreri den eilften des Heumonats , anstatt des zwölften , gesehet hätte , die Buchdrucker . 516 anstatt 1536 setzet haben . Hofmann hat auch den u des Heumonats gesetzt , und nur den III und IV Fehler des Moreri begangen .
( BB ) t > t Und eine andre für einige Schnitzer , die ich mich an5«5e , gen begnüge . ] Ich will gegenwärtig nicht untersuchen , ob es wahr ist , wie Boi „ ard hatte sagen hören , daß Erasmus Reetor von der Universität zu Basel gewesen ; und daß er , da ihm vvn den Stu - denken übel begegnet worden , einen Theil der Freyheitsbriefe von dieser Universität ins Feuer geworfen habe . Ich will auch das Histörchen nicht widerlegen , das man vor des Erasmus Leben und im Melchior Adam sieht , welches Patin , der Sohn , in dem Leben des Erasmus er - zählet ; welche« er seinem Lobe der Narrheit vorgesetzet hat , das er 1676 ZU Basel drucken lassen , ohne es zu widerlegen : daß nämlich Heinrich der VIII , König von England , befohlen hatte , ihn zu besuchen , und alle Münzen wegzunehmen , die man über dasjenige bey ihm finden würde , was außerhalb des Königreiches mitzunehmen erlaubet ist ; und daß Erasmus , da er sich darüber bey dem Könige beklagte , ihn zu großem
Lachen

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