Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8133

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Erasmus .
erst zur Cardinalswürde ernennet hätte . Wenn er eine solche Both - schaft erhalten . so würde er in den zween Briefen davon geredet haben , die ich angeführet ; denn dieses wäre etwas gewisseres gewesen , als das Vorgeben : daß man gearbeitet hätte , eine von den Hindernissen seiner Beförderung zu heben , indem man Pfründen und Beyträge für ihn , als für einen armen Cardinal , gesucht hatte . Ich müßte mich auf das schändlichste von der Welt berriegen , wenn Richard nicht diese Worte , er ist zu erst bemerkt und ernennt , u . f . w . aus einem Briefe genom - men hätte , den er nicht anführet . Es ist der LXVIII des XXX B . wo Erasmus erzählet : daß , da der Pabst Paulus der III zween Cardinälen aufgetragen , die Gelehrten in Deutschland zu ermahnen , der Religion beyzuspringen , einer von diesen Cardinälen beschlossen gehabt , den Eras - mus unter allen zuerst zu nennen . Allein , wie weit ist eine Benennung zur Cardinalswürde hiervon entfernet , die durch einen Expressen des Pabsts hinterbracht wird ? Es ist nichts gewöhnlicher , als daß man den Sinn desjenigen , was man anführet , weiter ausdehnet ; die Ur - fache davon ist , daß man diese große Beschwerlichkeit nicht leicht ? als vermittelst einer genauen Aufmerksamkeit , vermeidet , welche machet , daß man einen Tag über , nur wenig Seiten verfertiget .
Nunmehro kann man urtheilen , ob Patin , der Sohn , die wahrhafte Ursache getroffen hat , wenn er gesager : daß Erasnms , ohne den frühzeitigen Tod eines pabstes , ; u den ersten rvürden derRir - cke würde ftyn erhoben worden . Charl . Patin , Relat . Hill . p . 129 . Ohne Zweifel meynet er Hadrian den VI : allein wir haben gesehen , daß die wenige Ehrbegierde des Erasmus , und nicht das kurze Leben dieses Pabstes , ihn von dem Purpur entfernet hat .
( O ) Da« Gerückte , - - - dafi man ; u Rotterdam an ei - »er neuen Ausgabe seiner Xverkc arbeite , iff übel gegründet ge , xvefen . 1 Veit Patin ist e« , der mich belehret , daß dieies Gerüchte in Paris herumgegangen ist . Jck vernehme , saget er Tom . I . Lettr . CXV , untern , 15 August , 1657 , daß die Rottcrdamer jut re des Nackruhms von demsenigen , der die Ehre ihres Landes gewesen , auf ihre Rosten einen neuen Druck von allen U ? erkcn de« i£tasmua machen lassen . Dieß ist eine Zeitung , die mick sehr erfreuet . giebt docli nock Tugend in der XVelr , und ehrliche Heute , die Her ; haben . Gott gebe ! daß es wahr seyn möge .
( ? ) Man hat Hoffnung ; » seinem Leben gemacht . ] Wir len den Patin noch einmal hören : U ) ir haben hier einen ehrlicken Mann , der an dem Lebendes guten Erasmus arbeitet , wel - cker ein großer und vortrefflicker Mann gewesen , und den >2 des - Heumonats , im > ; z6 Jahre ju Sasel gestorben ist . Er hat Sas Unglück gehabt , den Mäncken nickt * u gefallen ; allein dieß ist ihm mit so vielen ehrlicken beuten gemein , Saß ick den rathe , fick deswegen ) U kranken . Tom . III . I . cckr . LVLVIII . den 2 des Herbstmonats , 1667 , unterschrieben . Er redet von eben die - sem Werke ein Jahr darauf : tPir haben hier einen sebr ten , vornehmen und ehrlichen Mann , welcker das Leben des Erasmus bald fertig hat , und woraus man sieht , daß es nock ehrlicke Leute in der XPelt giebt , die die Tugend lieben : er hat vor 200 Jahren an der Brust gelegen , denn er war im 1467 Jabre gebohren , und nack meinem Erachten ist er nack dem beil . Augustin und dem beil . Thomas von Aquin . der beste Ropf in der ganzen Christenheit gewesen ; tron einigen Mon - cken , die ihn nickt geliebet , weil er sie allzusehr verjckrieen , und all ; ugur abgesckilderr hat . Patin , Tom . III , I - cttr . Lvl . XXVI , - unter dem >z des Herbstmonatö , >668 .
Verschiedene wichtige Ursachen überreden mich , daß das Leben , davon Patin hier redet , nicht dasjenige ist , rortchcs Mercier , Unteraufseher des Colleaii von Navarra , mit den ausgelegten und gereinigten Gesprä - chen des Erasmus , in Paris herausgegeben hat . Ich würde mich leicht überreden , daß es dasjenige wäre , davon Battier , ein gelehrter Mann zu Sasel in der Schwei ? , gegen den Colomies , im 1668 Jahre qe - redet hat . Colomies , Bibl . Choifie , p . izyl Er sagte zu ihm : daß Joh ) , Domherr unserer lieben Frauen zu Paris , das Leben des Erasmus machte , und daß er dieserwegen alle die Werke dieses großen Mannes siebenmal gelesen harre . Hier ist also ein Leben des EraSmuS , das in die Bibliotheca promifi'a et latens , des Almelo - veen zu setzen wäre . Dieß ist ein Verzeichniß der Bücher , die der Welt versprochen und nicht gedruckt worden sind . Es ist im 16 ? - Jahre ge - druckt worden . Ein Deutscher , Namens Rudolph Martin Meelführer , hat , 699 Accefliones zu dieser Bibliotheca prorniflä et latens gegeben . Siehe A<$a Lipfienfia , 1699 . p . 359 . Das in der Vorrede des Tra & atus de Arte Typographica , vom Mallinkrot , Dechanten zu Münster , versprochene Leben des Erasmus ist auch noch ein Stück in diese Bibliothek . Dieser Dechanr hatte das Leben des Erasmus Jahr - weise gcmachet . welches eine vortreffliche Methode ist , und welche tau - send Dinge erklaret . wie man aus dem durch FranciscuS Fa - bricius aufgefetzten Leben Cieerons sehen kann . Es wäre qut . wenn man nach diesem Muster an des Erasmus , einem arbeitete , und daß man darinnen die erste Ausgabe aller seiner Bücher bemerkte ; denn hierinnen bekriegen sich auch die Gelehrtesten . Siehe die Anmerkung ( R ) . Ver - hcjden hat ein großes West» von einem Manuscripte gemacht , das als ein Heiligthum vom Otto Werkniannen zu Nimwägen verwahret wird , und das Leben des Erasmus , von der eignen Hand des Erasmus geschrieben , enthält . Dieses hat Mcrula fünf Jahre darauf unter der Presse hervorgebracht . Dieses Leben des Erasmus enthält in der Aus - gäbe , welcher ich mich bediene , nämlich der leidnijchen von >642 , einen Bericht an den Leser ; wo man sieht , daß sich die Urschrist in dem Bü - chervorrathe des Hieronymus von Backeren befindet . Ein sehr arbeir - samer und richtiger Schriftsteller , Teißier , Catal . Anthor . p . Z7Z . hat den Merula und Scriverius unter die LebenSbefchreiber des Erasmus gesetzet , welche nur die von andern verfertigten Stücke herausgegeben haben , und den Beatus Rhenanus hat er nicht darunter gefetzt , der wirklich einen schönen Diseurs über das Leben dieses berühmten Man - ueö aufgesetzet hat . Dieser kleine Fehler steht nur in dem zehnten gister : das Hauptwerk saget davon , was man wissen soll .
Es geht ein Gerüchte , ldieß ist 1699 geschrieben , ) daß Joly sein ben des Erasmus in die Hände der Bücderrichter gegeben , ihre Bewil - ligung und nach diesem die Druckfteyheir zu erhalten . Wir wollen
wünschen , daß diese Zeitung wahr sey , und daß diese Herren nicht die Härte haben , die so viele Scribenten zu klagen zwingt , daß man die Manuscripte lange Zeit behält , und viel Dinge darinnen ausstreicht . Man sehe die Nouvellen von der Republik der Gelehrten im III Arn - kel des Hornungs , >685 .
( QJ Seine Gespracke sind unter seinen Werken am öftersten gedruckt . ^ Hofmann und Moreri sagen : daß ein wenig nach der Aus - gäbe , die Erasmus von seinen Gesprächen zu Basel , in seinem sechzig - stcn Jahre , machen lassen , Colinet , der sie im 15 - 7 Jahre zu Paris wie - der gedruckt , bis auf 24 tausend Abdrücke davon gemacht , welche , wie Hosmann saget , alle verkauft worden . Eineso seltsame Sache , als die - se , erforderte eine viel umständlichere Erklärungj so , daß sich diese Herren hier sehr schwerlich von der UnterlassungSsiinde werden reinigen können . Sie sollten uns belehren , daß dieser Buchhändler Kunstgriffe gebrauchet , den Verkauf zu vermehren , den er sich anßer diesem sehr reichlich versprechen können , weil die Ausgabe schön und von sehr kleinem Formate war . Seine Kunst »var , daß er ausgesprengt , das Buch würde verbothen werden . Lolinens quidam exeuderat , vt aiunt , ad 24 millia Colloquioruni in modurn enchiridii , fed eleganter . Id feterat non ( Indio rnei , fed arnore quaeftiis . Quid rniiltis ? nihil erat in rna - nibns praeter Colloqnia . Praeceflerat , nefcio quis rnrnor , forte a typographo ftudiofe fparfus , fore vt hoc opus interdiceretur , ea res aciiit emtorum auiditatem . Itaque Bedda etc . Erafni . Epift . XXIX . Libr . XIX . Man merke , daß in dem Buche , Sentimens d'E - rafme betitelt , auf der 73 Seite gesaget wird , es sey dieser Brief an den Alphonso Valdesco , >528 , gerichtet ; allein es ist Alfons« ? Valdesio . »5 - 9 . Die Furcht , die man deswegen hatte , machte , daß sich ein jeder bey guter Zeit damit versehen wollen . Dieser große Vertrieb ist che gewesen , daß Bedda , ein abgesagter Feind des Erasmus , um die Untersaqung der Gespräche angehalten , und dieselbe auch erhalten hat ; allein ohne allen Zweifel hat dieses Berkoth dem Collinet mehr Nu« tzen , als Schaden , gebracht . Hieraus sieht man , daß die listigen Strei - che , die demjenigen ähnlich sind , den der Urheber von der Religion der - Holländer , einem Buchhändler von Amsterdam , in Absicht auf ei» focinianisches Buch , beymißt , in Holland nicht angefangen haben . Er giebt voi^ es sey dieses Buch auf eigenes Anhalten des Buchhändlers , zum Feuer verdammet worden , damit es im Preise steigen sollte . Der - gleichen Betrügereyen sind es nicht gewesen , darüber sich Erasmus am meisten beklager hat : man spielte ihm Streiche von ganz anderer Wich - tigkeit . Man gab Bücher unter seinem Namen heraus , die er nicht gemacht hatte : ( Epift . Xl . II . Libr . XXVII . ) man verkaufte den händlern Manuscripte , die er nur zum häuslichen Gebrauche in die Fe» der gesager hatte ; und alles dieses that man aus Gewinnsucht , weil man sich eingebildet : es müsse ein nichtötaugliche« Buch , wenn nur sein Name davor stünde , verkaufet werden . Auf diese Art haben seine Ge« spräche zum erstenmal« das Licht gesehen . Ebendas . Er hat niemals in seinem Hause , weder das Original , noch eine Abschrift gehabt ; sondern ein gewisser Holonius , da er anderswo ein geschrieben Exemplar davon fand , verkaufte es für vieles Geld an den Froben , der es lange vor dem 1522 Jahre drucken lassen . Epift . LVII . Libr . XXX . Es hat den Verfasser verdrossen , baß er , da er solches nicht wehren konnte , sich be - mühet , das Werk durch eilfertige Zusätze in bessern Stand zu se - tzen . Colloqnia me inuito atque etiarn irato prodiernnt . Qui - bus adieci quaedarn in gratiatn typographi , leui fane brachio , vt qui vno die interdum tria abfoluerim colloqnia . Erafm . Purgat . adti . Epift . Lnth . p . 54 . Man kann in dem XXXIII und in dem Xl . ll Br . dev' XXI B . seine Rechtfertigungen , wegen seiner Gespräche sehen ? von deren Nutzbarkeit er auch einen Brief gemacht , der gelesen zw den verdienet . Man drucket ihn gemeiniglich zu Ende dieses Werkes . Allein vor allen Dingen ist es dienlich , die Nachricht zu sehen , die er an die Gottesgelehrten zu Löwen geschickt , wo er unter andern Dingen vorstellet : daß man wohl betrachten müsse , wer die Personen wären , die er aufgeführet ; ( LVII Brief , XXX B . ) denn da die Gesetze der Gespräche erforderten , daß jede von den unterredenden Personen nicht nach den Gedanken des Urhebers , sondern ihrer Gemüthsart gemäß rede : so wäre nichts Ungerechrers , als wenn man den Verfassern dache , nige beymäße , was sie ihre Personen sagen ließen . Anderergestale mußte man für einen Türken gehalten werden , wenn man einen Tür - ken nach seinen Grundlehren reden ließe . Nifi forte , fi Turcam lo - quentem facerem , mihi imputandum putent , quidquid ille dixerif . Ebendas . Es ist nützlich , dasjenige zu sehen , was er zur Entschuldigung der Discurse saget , die er der Narrheit in Encomio Moriae angedichtet hat : dieses ist sehr vernünftig . Non perpendunt id , quod in dialogis eft potiffimum , perfonae decorum . - - quafi vero fi quis Eth - nicutn cum Chriftiano loquenteui faciat , nefas fit Ethnicum quic - quam dicere , quod abhorreat a doctrina Chriftiana . Ebendas . Chil . II . Cent . II . num . 40 . Man füge diesem die Auslegung des Lystvius , über die Vorrede des Encomii Moriae bey . Dasjenige , was man diesem entgegen setzen kann , ist , daß ein Gesprächschreiber , oder ein solcker anderer Scribent , der unter der Dichtung einer entlehnten Person . Ge - danken vorbringen will , Materien erwählen soll , die ihn nicht durch die Regeln der Wahrscheinlichkeit verbinden , dasjenige zu sagen , was nicht erbaulich ist . Dieß ist der ganze Einwurf , den man machen kann : wenn man diesen andern dazu füget , daß ein jeder , der den Kekern aU les dasjenige in den Mund leget , was für ihre Kekerey das Stärkste ist , entweder die Sache seines Herzens vertheidiget / oder in ein liches und verwegenes Urtheil verfällt . Dem sey , wie ihm wolle , so giebt es sehr wenig Bücher , die so viel Lärmen gemachet hätten , als die Gespräche des Erasmus . Man hat sie öffentlich in den Schulen sen : man hat sie zu lesen verbothen , in Paris , 1528 , ( Epift . LXX . Lib . XX ; Epift . XXIX . Libr . XIX . ) ja gar zu verkaufen ; in England , 1520 . nach dem XXXIII Br . deö XXI B . zu Dole , 1536 , nach dem LV Br . des XXVII Bnches . Die Cardinäle und Prälaten , welche vomPab - ste Paulus dem III Vollmacht erhielten , die MiSbräuche zu verbessern , haben gefunden , daß das gesuchte Verboth , des Erasmus Gespräche in den Schulen zu lesen , ( Sleidan , im XII B . ) ein Artikel wäre , der zu ihrer Vollmacht gehörte . Sie sind in verschiedene Sprachen übersetzet worden , ( siehe Colomies , Bibl . Choif . p . 140 . >42 . ) man hat AuSle - gungen darüber gemacht ; man hat sie verstummelt , u . d . m . Baillet , jugem . für les Critiqii . Tom . III . p . >52 . Ich erinnere mich einer Stelle in des Erasmus Briefen , wo er sich beklaget : daß seine durch einen Jacobiner verfälschten Gespräche ju Paris mit der Vorrede ans
Licht

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