Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8118

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Erasmus .
denn er rühmte sich , im Kriege gewesen zu seyn , und nichts konnte ihm rühmlicher seyn , als zugleich für einen Soldaren und Schriftsteller ge - halten zu werden . Er hatte sich selbst und mir Schimpfen genihmet , daß er seinem Gegner , so jung und soldatisch , als er auch >vare , eine Vor - lesung über einen Aphorismus des Hippokrares gehalten hätte . Hem Erafme , quanto pudore tno , quanto gloriae tuae periculo ab iuiie - ne hominc , a nidi Oratore , a non Oratore , aMiLlTE . . - doccaris ! Orat . L Allein sein Geschmack mag hierüber gewesen seyn , wie er will , so ist es doch wenigstens ganz gewiß , daß er nicht den geringsten Beweis angeführet , daß ihn Erasmus dadurch zum Zorne gereizet , weil er ihm als einem Soldaten begegnet .
Ich habe zween gute Gründe davon : der eine ist , daß man in der andern Rede Scaligers nicht die geringste Klage , noch Gegenantworr , wegen dieses Vorwurfs , sondern dagegen ( auf der >6 , 17 , 42 S . der ser Ausgabe , von 1620 , in 4 . ) Stellen findet , wo der Verfasser selbst den Einwürfen vorbeuget , die , nach seinem Bedünken , sein Bekenntniß , daß er im Kriege gewisse Sachen gelernet , die er herausgegeben hätte , den guten Namen des Erasmus anzuschwärzen , seiner Gegenpart darbiethen möchte . Man wird dieses besser verstehe«» , wenn man sich erinnert , wie Erasmus bey der Welt vorgegeben hatte , daß Scaliger nicht der Urlieber von der unter seinem Namen herausgegebenen Rede wäre . Scaliger , der sich dadurch sehr beleidiget fand , hat dieses Vorgeben des Erasmus widerleget , und weil er befischtet . er hätte dasselbe durch sein Bekenntniß , daß er die Waffen gerragen , bestärket , als wenn ein Mann , der nicht seine ganze Lebenszeit studieret hätte , unvermögend wäre , ei - nen Redner abzugeben , so ist er diesem Einwurfe entgegen gegangen . Dieses beweist unwidersvrechlich , daß sich Erasmus desselben nicht be - dient gehabt . Mein anderer Beweis ist aus dem Briefe des Erasmus selbst genommen , dem Scaliger zu Anfange seiner andern Rede heraus - gegeben hat : sein Sohn hat davon geredet , wie wir hier oben gesehen haben . Die zwem Freunde , an welche ihn Erasmus gemeinschaftlich geschrieben , haben ihn dem Scaliger mitgetheilet , ohne daß sie das ge - ringste Wort einiger Höflichkeit oder Erinnerung dazu gesetzt halten . Erasmus saget in diesem Briefe , er wisse von guter Hand , daß die de , welche Scaliger wider ihn herausgegeben hätte , keine Geburt Sca - ligers wäre ; allein er saget keinesweges , was ihm Scaliger beymißt , wie er sich verwundere , daß ein Soldat auf sein £>ucb wortet hätte : Iuliiis Scaliger Lutetiae edidit in me Orationem , impudentiflimis mendaeiis ac furiofis conuitiis differtam , cuius rnen ipfura non efle autoretn nuiltis ac certis argumentis comper - tiim habeo . Sed hoc calceamentuni ab alie mihi non ignoto con - futum ille inquit . Man merke , daß man induit an statt inquit sen muß .
Nun verlasse man sich auf dasjenige , was uns gelehrte Männer bey ihrem Camine sagen ; hier ist einer davon , der am höchsten gestiegen , und der bey aller Gelegenheit , seinen Bater betreffend , zwo oder drey Lü - gen saget und wiederholet , welche durch öffentliche und Originalstücke augenscheinlich widerleg ! werden . Er will , Erasmus habe geleugnet , daß Scaliger der Urheber der Rede gewesen ; er habe es , sage ich , aus der Ursache geleugnet , weil Scaliger ein Kriegsmann gewesen : er will , daß Erasmus den Scaliger dadurch sehr zum Zorne gereizt hätte ; er will , daß sich Erasmus verwundert , daß ihm ein Soldat geantwortet ; endlich will er , daß man diese Verwunderung in einem Briefe sehe , den sein Vater drucken lassen : alles diese« giebt er vor ; und gleichwohl ist nichts daran : und auf fein Wort geben es alle Schriftsteller vor , z . E . Pope Blounr , in feiner mühsamen und sebr nützlichen Sammlung , Lenlura celebriorum Authorum betitelt , zu London , 1690 , in Folio ge - druckt , und MagiruS in seinem Eponymologico , zu Frankfurt und zig , 1687 , m 4 gedruckt , wovon die Historie von den Werken der Ge - lehrten , im Ehristmonate , >68« , geredet hat . u . a m , Die vom Joseph Scaliger angeführten Entschuldigungen , daß sein Vater den Erasmus , als ein Soldat , und ehe er studiert gehabt , angegriffen , und daß er den Eras - muS vielleicht nicht gelesen oder verstanden hätte , scheinen ungegründet zu seyn : denn die Rede , wider den Ciceronianus , ist im > ; zl Jahre ge - druckt worden . Der Verfasser hatte damals volle sieben und vierzig Jahre , viel Litteratur , eine gute Erkenntniß von den Schriften feines Gegners und eine große Gelehrsamkeit . Er hatte mir einer baren Begierde studieret , so lange er die Waffen getragen , und sich mals schon vorlängst den Wissenschaften gänzlich gewidmet , wie es uns der Urheber der Scaligeranen selbst berichtet . Epift . de vefuftate Gen . tis Scaligerae et Iul - Caef . Scalig . Vita . Dasjenige , was er von der Unterdrückung der Briese seines Vaters wider den Erasmus saget , und lvelche« sehr aufmerksame Scribenten , als Baillet . Jugem . des Sav . Tom . II . p . IZ . und Tom . III . p . 134 . Beauvall , in der Historie von den Werken der Gelehrten , im Christmonate , 1688 , 359 Seite , von dm zwoen Reden verstanden haben ; weil er auch in der That seinen tel nicht geschont hätte , die zwo Reden zu unterdrucken , wenn er nicht in der Einbildung gestanden , daß sie verschwunden wären ; ist schön , und muß für gewiß gehalten werden : ob gleich seine Absicht durch die Sorg - falt utmulMtch gemachet worden , die sich Maussae gegeben , so wohl die Reden , als die Briefe , davon die Rede ist , ifao zu Toulouse wieder drucken zu lassen . UebrigenS hat Scaliger diese Fehler nicht allein bey Unterredungen begangen : man findet auch einen guten Theil davon in seiner Antwort an den ScioppiuS , ( ich werde die Stellen in den An - merkungen ( L ) und ( M ) anführen , ) das heißt in einem Werke , wo er allen Fleiß angewender ; weil er wohl wußte , daß er mit dem allerfurcht» barsten Kunstrichter von der Welt zu thun hatte .
Ich wollte wünschen , daß man uns gesaget hätte , wo , wann und durch wessen Vorsorge die Ausgabe gemacht worden , die Joseph Scali - ger unterdrückt hat . Die Reue , davon er redet , kömmt sehr wohl mit ei - nem Briefe , den er an den Omphalius geschrieben , ( es ist derXVII , in der toulouser Ausgabe . Der Verfasser bezeugt darinnen seine Nei - guiig zur Versöhnung mit dem Erasmus . ) und mit den Versen über - ein , die er auf des Erasmus Tod gemacht hat . und die sich ansangen : Tune etiam inoreris : Libr . III . c . LXXXIII . allein nicht mit einigen Stellen seiner Bücher , Poet . L . III . c . LXXXIII . IV . c . I . Not . in Ariftot . Hiil . Animal . Libr . IV . cap . VIII . vid . Vofll de Idololat . Libr . IV . cap . XIII . Exercit . in Cardan . CCXXXIX . und hin und wieder , wie das Register unter dem Worte Erasimu , anzeiget , wo er ihm sehr harr , tind manchmal wegen einer falschen Voraussetzung , begegnet .
Allein sollte denn endlich die große Empfindlichkeit wegen des Vorwurfs , daß er ein Soldat gewesen , ein Roman seyn , der nicht den geringsten
Grund in der Historie hatte ? Ich Me keinen andern Ursprung da von , als in einem Briefe , welches der XII in der toulouser Ausgabe ist , wo Julius Cäsar Scaliger erzählet . daß sich unter währenden Strei - tigkeiten , die sich in Paris über die Erlaubniß , seine erste Rede daselbst zu drucken , erhoben , die Freunde des Erasmus Mittel gefunden . eine Abschrift davon zu bekommen , und ihm dieselbe in geheim zugeschickt hatten ; und daß er sie , nach Lesung derselben , bey allem , was am hei - ligsten ist , beschworen , sich dem Drucke zu widersetzen : widrigenfalls die Ehre , die er mit so vieler Mühe erworben , und die ihnen mit ihm ge - mein wäre , durch einen jungen Unbekannten und einen fremden Kriegs - mann ZU Grunde gerichtet würde : vnius iuuenis ignoti , militis pere - grini opera . Es ist also wenigstens wahr , daß Scaliger hatte sagen hören : es hätte ihn Erasmus , da er an seine Freunde geschrieben , einen Soldaten genennet : allein es ist nicht wahr , daß dieses Scaligern zu einem größern Zorne gereizet . Das einzige , was Scaligers Feindselig - keit vermehret , ist die Verachtung des Erasmus gewesen , der ihn keiner Antwort gewürdiget , und in Absicht auf die Rede , für deren Urheber er sich erkannt , mit ihm , als wie mir einem fteywilligen Hahnrey umge - gangen ist . Diese Verachtung ist die allergrausamste Art getvesen . sich zu rächen , die Erasmus hätte anwenden können . Man halte sich auf die Ehre Rechnung gemacht , dessen Gegenpart zu seyn , und sich durch einen großen Namen in der Republik der Gelehrten zu er - werben , und man mußte für dießmal abrechnen , und einen andern Weg suchen . Wer sollte wohl vor Verdruß darüber nicht außer sich gewesen seyn ' ! Julius Scaliger machte eine Rede darüber : EU mihi cta oratio , qua rufticitati quorundam refpondebam , qui ita ditkita - rent , Erasmum a feribendo manum abftinuifl'e , qui me indignum putaret quicum loqueretur . Epift . XIII . p . m . 30 . 31 .
( L ) Erasmus ist sehr empfindlich über Scaligers Schwab , fchrifr gewesen , und hat fich bemüher , die Abdrücke davon aus , jueottm . ] Diejenigen , welche des Erasmus Leben mit vielen von sei - nen bisher noch ungedruckten Briefen in Holland haben drucken lassen , bekennen in einer kleinen Nachricht , die auf der 332 S . der leidnischen Ausgabe , von 1642 , eingerückt ist , daß er durch seine Abgeordneten alle Abdrücke von der andern Rede , die Scaliger wider ■ ihn zu Paris herausgegeben hatte ; zusammen treiben und verbrennen las , sen , solchergestalt , sagen sie , daß man heuriges Tages nirgends keinen davon finden kann . Dieser letzte Umstand ist falsch gewesen , da die Ausgabe , welcher ich mich bediene , gemacht worden : denn sie ist vom 1642 Jahre ; und seit dem 1620 ober 1621 Jahre , waren die zwo Reden Scaligers zu Toulouse wieder gedruckt worden . Dem sey , wie ihm wolle , so bestätigen sie dasjenige , was man in den Scaligeranen , von der Verschwörung des Erasmus , wider Scaligers andere Rede , saget ; diese Verschwörung , sage ich , die so glücklich war , daß man sie , nach Verlauf etlicher Jahre , bey allen Schullehrern in Paris vergeb - lich gesucht hat . Curaui conquiri Pariiiis apud omnes Pedantcs , mo habet : per emiflärios 7 aut 8 curauit omnia exemplaria con . quiri et comburi . Scaligerana , p . 74 . Dieses muß U»S die Wahrheit von demjenigen beweisen , was Scaliger , der Vater , in einem Briese an den Arnold Ferro« , saget , ( es ist der XV in der toulouser Ausgabe , ) daß ein Flamander überall , wo er durchgegangen , so viele Abdrücke von der ersten Rede , als er , entweder durch Kauf oder durch Lehnen zusammen treiben können , verbrannt hätte . Die zwo Reden sind also bey nahe einem gleichem Scl ) icksale unterworfen gewesen ; warum haben denn Jo - seph Scaliger , und die Herausgeber von dem Leben des Erasmus nicht« von dieser Aufsuchung und Verbrennung der Exemplare , als in Absicht auf die andere Rede , gesaget ? Ich glaube , daß dir ausgeschickten Auf - fucher viel scharfer gegen diese , als gegen die andere gewesen , und daß dieses die Ursache gewesen , warum man nur die erste >600 zu Coln wieder gedruckt hat . Wenn die Herausgeber derselben , die andere hät - ten finden können , so würden sie unfehlbar alle beyde haben drucken las - sen . Joseph Scaliger saget uns : daß die erste Rede , nebst seinem Briefe , von dem ilcben seine« Vaters , gedruckt worden , welche die Jesuiten aber überall , wo sie nur gewollt , verstümmelt haben . Ich weis nicht , ob er die cölnische Ausgabe , von 1600 versteht , die nach dem Draudius , in Bibl . Clafll p . 1327 . 1444 . nach der Ausgabe von 162 ; . und dem Bücherverzeichnisse deSTHuanuS , Part . II . p . 367 . keine dern Zusttze enthält , als die geistlichen Gedichte Julius Cäsar Scali - gers ; oder ob er von einer andern redet . In diesem andern Falle schien es noch handgreiflicher , daß die Unterdrückung der andern Rede besser gelungen , als die erste .
Dieses ists , was ich in meinem Entwürfe von dieser Materie habe sagen können : itzo habe ich , vermittelst der Gewogenheit , die mir der berühmte Abt , NicasiuS , ( siehe oben die Anmerkung ( B ) , bey dem Ar , tikel iSalbus Balbi , ) erwiesen , der mir die Anmerkungen des de la Monnoie zugeschickt , etwas dazu zu fügen . Ich habe dadurch erfahren : daß Erasmus nicht im Stande gewesen , die Abdrücke von der andern Rede Scaligers zu vernichten , weil er schon gestorben war , da sie aus der Presse gekommen . Man wird den Beweis davon in folgenden Worten sehen . Sie sind aus der Nachricht des la Monnoie genom - men . »Die erste Rede Julius Scaligers wider den Erasmus , die im „ '5 - 9 Jahre nach Paris geschickt ward , ist daselbst in 8 . durch Peter „ Vidoue , unter einer Bewilligung des Lieutenants Worin , vom 1 „ des HerbstmonatS , 153 - , gedruckt worden . Die andere , ob sie gleich „ den 25 des Herbstmonats , 1535 , fertig war , ist gleichwohl bey eben die - „ fem Vidoue erstlich - 537 gedruckt worden : es findet sich vor derselben „ ein Brief Huberts Sussanneau , ( La Croix du Maine nennet ihn „ Hubert Susan , allein Susanneau war sein wahrer Name . Sein „ Brief an Huberten von Pradine ist nicht wieder gedruckt worden , ) an „ Huberten von Pradine , worinnen er ihm von diesem andern Stücke „ Scaligers , wider den Erasmus , meldet , worüber er zu Agen mit dem „ Scaliger selbst eine Unterredung gehabt : Intcr colloquendum , sa -
„ get er , deOratione fua aduerfus Erasmum fecunda percunöatus ert . „ LegilTe dixi , fed manu feriptam . Ibi ilje fubiratus : O amici , in . „ quit , Ii vnquam vlli amici funt , iam pridem exifle oportuit , ante „ complures menfes opufculum in hoc Lutetiam miflutn , et huc ad „ me propter viam perlongam , et non lätis tutam raro admodum „ nuncii adferuntur . Proinde te per Mufas , Suflänaee , rogo , atque „ etiam multis preeibus obfecro , fi q«i funt Lutetiae tua niandata „ curaturi , commendatione editionis1 maturitatem adiuua . Worauf „ Sussanneau seinem Freunde die Beschleunigung dieser Ausgabe , und „ den PeterVidoue zum Drucker zu wählen , anpreist . Der Brief ist von
„ Bourdeaur

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