Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8071

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Erasmus .
denheiten über des Erasmus Tod sind nicht geringer . König in der ten und neuen Bibliothek auf der 277 S . setzet ihn ins 1526 Jahr . Der Urheber von den Noten über den Priol'o ins >546 Jahr . Moreri den n des Heumonats 1516 . Du Verdier Vauprivas , Pro5c>x>c>Zr . I'om . III , 2428 , und Hofmann begehen diesen letzten Schnitzer . Melchior Adam etzet ihn den 6 Jdus des Heumonats , d . i . der 10 . Unter dem Kupfer - stiche des Erasmus vor den Briefen in der londvnschen Ausgabe , hat man gesetzet , daß er den 30 des Heumonats gestorben . In der Ausgabe sei - nes Leben« in 12 , sind einige Stücke zu Anfange , und unter andern die Erzählung von der erdichteten Wiedererstattung des Geldes , das man ihm zu Douvres genommen hatte , siehe die Anmerkung ( BB ) nach deren Endigung man gesetzet hat , daß er den Tag der JduS des Heumonats gestorben ist , das ist der 15 . Eben so wenig darf man sich auf die Schriften in Marmor Und Metall verlassen , weil man die auf des Eras - mus Grabmaale auf so vielerley Art verfälschet hat , welche mit großen Littern enthält , daß er den 4 der Jdus des Heumonats , das heißt den 12 de« Heumonats , gestorben ist . Sie bemerket auch , daß Bonifacius Amer - bach , des Erasmus Erbe , und Hieronymus Froben und Nicolas Episco - pius die Vollstrecker seines letzten Willen« gewesen . Also führen Mel - chior Adam in Vits Erafmi , Swertiu« in Athen . Belg . p . 207 , Magirus Eponymol . p . 319 , Bullart Academic des Sciences , Tom . II , p . 162 , die Grabschrifr nicht so an , wie sie ist ; denn sie geben ihnen darinnen allen dreyen gleich den Titel der Erben . Freher in seinem Schauplatze auf der $44 S . rhur es auch , und Catherinot in der Buchdruckerkunst , auf der 6 S gleichfalls . Es ist eine verdrießliche Sache , daß sich die derungen der A bschreiber so gar bis auf die Grabschriften erstrecken ; denn bey andern Dingen könnte dieses viel Streitigkeiten erregen , die nicht so leicht zu endigen wären . Es giebt Scribenten , z . E . der , »velcher die Delices dela Hollande gemacht hat , aufder 1 ; 6 S der Ausgabe von 1635 , die sich auch so gar wegen des Orte« betriegen , wo Erasmus gestorben ist . Sie sagen , er sey zu Friburg im Elsaß gestorben . Siehe auch il Ce - loniale Politico Tom . V , p . 76z .
Huic vni forfen potui fuccumbere culpae .
rcmoniale
( B ) Man kann nidbt leugnen , daß er ein Hurkind gewesen . ]
Umstände , den Vater und die Mutter des Erasmus betreffend .
Er bekennet selbst , daß sein Vater und seine Mutter niemals mit ein - ander verehlicher gewesen . Er saget zwar , daß seine Mutter die letzte Gunst nicht anders verwilliaet , alS unter der Hoffnung der Heirath , und daß auch so gar einige vorgeben , es sey ihr dieses Versprechen gethan wor - den : Clam habuit rem cum diöa Margareta , fpe coniugii , et funt qui dicant interceffifle verba , ( Erasmus in seinem Leben , >607 vom Merula , und , 6 , zvon Scrivern herausgegeben ) - allein dem sey wie ihm wolle , so ist er doch unehlich gebohren , und niemals per fubfcquens matrimonium für rhlich erklärt worden . Er wird also mit Recht , so lange al« die Welt Welt ist , in das Verzeichniß der berühmten Hurkin - der gesetzt werden . Pontu« Heuteru« hat ihn in der langen Liste nicht vergessen , da er in Tra & atu de Iibera hominis Natiuitate , feu de Li . beris Naturalibus , von dergleichen Hurkindern giebt , und bis bieher kann man sich nicht beklagen , daß er dem parteyischen Gemürhe gefolget wäre , da« sich in seinen Schriften verräch : allein er hätte sich ein wenig deutlicher wegen de« Stande« desjenigen erklaren sollen , der dem Eras - mu« da« Leben gegeben hat . Er nennet den Erasmus eines Priesters - söhn : dieß ist in gewissem Verstände wahr ; eben wie es wahr ist , daß eine Person , die ein Monarch wird , den Kindern die sie bereits gehabt hat , den Titel eines königlichen Prinzen mittheilet . Weil man aber , nach dem Grundsatze der RechtSgelehrten , das Vortheilhaftige ausdehnen und da« Nachtheilige einziehen muß . so darf man nur denjenigen schlechtweg und ausdrücklich einen Priesterssohn nennen , welcher von einem Menschen gebohren worden , der zur Zeit seiner Zeugung wirklich ein Priester sen ist . Denn es ist eine weit größere Schande , von einem Menschen , der wirklich ein Priester ist , unehelich erzeugt zu werden . Erasmus findet sich in diesem letzten Falle : er giebt auch vor , daß sich sein Vater erstlich au« Verdruß über die falsche Zeitung zum Priesterthume verbind - lich gemacht , die man ihm aus Rom von dem Tode seiner Liebsten üb«' schrieben hatte , nnd daß er , da er nach ihrer Zurückkunft den Betrug er - fahren , sehr ehrbar in Ansehung dieser Frauensperson gelebet ; die ihrer Seits weiter an nicht« gedacht , als ihren beyderseitigen Sohn wohl zu erziehen , und sich niemal« verheirathen wollen .
Dieses findet man in dem Leben des Erasmus , welches , wie man vor - giebt , von ihm selbst aufgesetzet , und vom Merula im >607 Jahre nach dem Originale herausgegeben worden , welches Erasmus dem Conrad Go - clenius . Prosessorn der lateinischen Sprache zu Löwen , in Verwahrung gegeben hatte . Dieß ist eine mit der größten Nachläßigkeit aufgesetzte Schrift , worinnen man nichts , als eine große Einfalt ohne die geringste umständliche Beschreibung findet . Man berichtet uns darinnen , statt aller besondern Umstände von des Erasmus Mutter , schlecht weg , daß sie Elisabeth geheißen , und daß sie von Sevenbergen , einer Stadt in Bra - bant , drey Meilen von Breda , und die Tochter eines gewissen Arztes , Namens Peter , gewesen , filia Media cuiusdam Petri . Den Vater treffend , so kann man darinnen nicht sehen , weder wo er her gewesen , noch wo er gewohnet hat . Also werde» die Leser nicht übel thun , wenn sie zu einem Briefe des Baudiu« , der den >8 de« Weinmonats 1606 un - terschrieben ist , und den man au« einem Druckfehler als den XXVII an statt de« XXVIII der II Centurie , in der Duodezcmögabe von i<5 ; o merket hat , Zuflucht nehmen , wo man findet , I . daß des Erasmus Vater ein Bürger und Einwohner zu Tergow , aus einer guten Familie , und nach der damaligen Zeit ziemlich gelehrt gewesen ; welcher uberdieß gern gelacht und lustige Einfälle vorgebracht hat , so daß er den Zunamen
graet oder der Rurzweilige erhalten . Baudiu« bedienet sich des
Zortes Eutrapelus . welches diesem gleich kömmt ; wie die Stelle des leCamuö , Bischofs zu Bellai , in seinen Büchern wider den Drelincourt bezeuget . Gewiß diese Redensart , die weiß bezeichnete , die er der Jungfer Maria giebt , ist so kurzweilig , daß es scheint , er habe uns durch die Sammlung dieser fcbonen perlen in der Gabe scherzhaft ) u reden üben wollen . II . daß er bey Annäherung der Niederkunft für dienlich gefunden , die Mutter nach Rotterdam zu fchi - cken , um diese Schande desto besser zu verheelen , und daß der Vater dem Kinde seinen Namen Gerard gegeben habe . III . daß man , außer die - sein Fehler , an der Mutter de« Erasmus fast nicht« auszusetzen gehabt , und daß sie sich , wie Dido , rühmen können :
Es ist gewiß , daß ihre Sünde , die ohnedieß von demjenigen sehr unter - schieden ist , was man liederliche Aufführung nennet , einen so vortrefsti» chenMann zur Welt gebracht hat - daß sie , wenn sie so lange leben sollen , die außerordentlichen Verdienste ihres Sohnes zu sehen , vielmehr Ursa - che gehabt haben würde , als die Mutter Perer Lombards , Gratians und desComestors , ( mau hat eine Erzählung , die falsch ist , als ob diese drey Schriftsteller Hurkinder von einerley Mutter gewesen , die wegen der großen Dienste , die sie der Kirche geleistet , deswegen keiner Reue nöthig zu haben geglaubt ) sich der Antwort zu bedienen , die man dieser zueig - net : denn zwanzig Schriftsteller , wie diese drey , sind nicht halb so viel werth , als Erasmus . Allein sie ist an der Pest gestorben , da ihr Sohn sein dreyzehntes Jahr noch nicht zurück gelegt hatte .
So wie Baudius davon redet , so hat der gute Gerard die Veranstaltung der Taufe seines Sohne« gehabt . Unterdessen enthält de« Erasmus Le - ben , daß Gerard , da er seinen Vater , seine Mutter und Brüder auf keine andere Gedanken bringen können , welche mit Gewalt gewollt , daß er ein Geistlicher werden sollen , das Land heimlich geräumet und ihnen gemel - det habe , daß sie ihn nicht wieder fthen würden , daß er nach Rom gegan» gen , und das Mägdchen schwanger hinterlassen , das er zu Heirathen willen« gewesen wäre . Valerius Andreas Desselius , Bibl . Belg . p . >7 ; , schreibt dasjenige sehr genau ab , was Baudiu« zum Lobe von dem Vater des Erasmus gesaget hatte ; allein Boxhorn , Theatr . Vrbium Holl . p . 284 / machet eine merkwürdige Veränderung darinnen ; denn er will , daß dieser gute Priester wegen der Beredsamkeit in seinen Predigten praer zuge - namet worden wäre . Er hätte , wenn er die Stelle des BaudiuS dig verändern wollen , den Predigten von de« Erasmus Vater , die Eigen - schaft Menots , Maillards , des Barlette , des kleinen Bruders Andrea« , u . s . w . beylegen müssen ; denn das Wort facundia , dessen sich Boxhorn bedienet , kömmt mit der Stärke der Eutrapeüa nicht überein . Ich möchte wohl wissen , woher er es genommen hat , daß Gerard von Se - venberg gewesen . Des Erasmus Leben saget dieses nur von des Eras - muS Mutter , und Baudius saget nur , daß der Vater Bürger und Ein - wohner zu Tergou gewesen . Valerius Andreas verbindet dasjenige mit einander , was sie abgesondert versichern : Patrem habuit , saget er , Gerar - dum Septimontanum , einem et incolam vrbis Gaudanae . dorf bekriegt sich , wenn er in der Historie des Lutherthums im IB . auf der 14ö S . saget , daß ein junger Mensch von Rotterdam des Erasmus Vater gewesen .
( 0 ) ( Bs ift ein übelgegründeter Scrupel gewesen , daß ma» dieses 5» Anfange des XVII Jahrhunderts nicht bekannt ma - cken wollen , j Der Brief des Baudius , den ich angeführet habe , zei , get , daß Merula große Scrupel zu bestreiten gehabt , ehe er sich vollkom - men zur Herausgebung der Schrift entschließen können , die GocleniuS in Verwahrung gehabt . Er hat lange Zeit gefürchtet , dem Nachruhme des Erasmus Schaden zu thun , und sich durch Entdeckung dieses Ge - heimnisses den Haß der Anhänger dieses großen Mannes zuzuziehen . Baudius hat ihm durch gegründete Ursachen vorgestellet , daß es die beste Partey wäre , dieselbe drucken zu lassen . Nec eu , quod in - ' feas offenfem cuiusquatn probi , quafi fcilicet inuidiofa proditione detexeris quaedani arcana digna facro filentio . . . nec ipfe alio animo feriem vitae fuae penes prineipem atnicorum depofuit 9 quam vt fe rebus humanis exeinto pofteritas huius horribilis fe - creti partieeps eilet . Baudius , Epift . XXVIII , Cent . II . Weil er aber die Ursache vergißt , die ich sagen will , so muß er den Vorwurf nicht ge» wüßt haben , den mai»dem Erasmus bereits gemacht hatte , daß er eine« Priesters Sohn wäre . Diese Ursache ist , daß man durch die Unterdru« ckung dieses Lebens des Erasmus nichts gewonnen hätte , und daß hinge - gen dieHerausaebung dazu dienen konnte , das herumgegangene Gerüche te wegen des Fehlers seines Baters und seiner Mutter zu vergringern , der bereits mit falschen Umständen kund gemacht war , die denselben ver» größercen . Es ist kein Zweifel , daß sich Baudiu« dieses Grundes nicht bedienet haben würde , wenn er dasjenige gewußt , was in dem Bücher - Verzeichnisse des Looseu« , 158« gedruckt , und in dem Buche des Pontu« Heuteru« , >6oo gedruckt , steht . Ich rede nicht von dem , was Desselius au« dem Paul Joviu« anführet ; und ich wundere mich nicht , daß Bau - dius dasjenige nicht gewußt , was in den unterdrückten Briefen Juliu« Cä - sarjScaligers steht . Man wird bald sehen , was es ist . Baudius war nicht verbunden , ein Buch de« Desselius zu kennen , das noch nicht gedruckt war . Ich glaube auch , daß er gar wohl zu entschuldigen ist , wenn et geglaubet , daß Paul Jovius nicht von der unehlichen Geburt des Eras - mu« geredet hat ; denn es hat mich ein sehr geschickter Mann versichert : 1 . daß sich dieses nicht in den Werken des Paul Joviuö findet , und daß also Desselius übel anführet . 2 . Daß der erste . der dieses Geheimnlß von des Erasmus Geburt durch eine öffentliche Schrift ausgebreitet hat , der Schriftsteller ist , der sich unter dem Namen philalerhes versteckt . Dieß ist nach seiner Meynung Hortensio Lando . Siehe den Artikel Lands in der Anmerkung ( A ) . „ Johann Herold in seinem Philo , „ pfeudes , oder in der dem Gespräche entgegen gesekten Vertheidigungs - „ amwort , die unter dem Namen des Philalethes wider des Erasmus „ Nachruhm , etwan fünf Jahre nach seinem Tode , herausgegeben wor« „ den , findet sich über den Einwurf , wegen des Erasmus Geburt , in „ großer Verwirrung , und scheint , da er sich nicht herauswickeln kann , „ derselben so gleich Beyfall zu geben , wem , er saget : Vt donemus , te ve - „ rum dicere , per Chrifhim die , rogo , an parum videatur tibi homo . „ ille optimusa te totics laceflitus , nifi hanc quoque notam addas . „ Der Gegner , der den Erasmus nicht ausdrücklich für einen Priester - „ söhn ausgiebt , hatte gesaget , daß er ex condemnato concubitu natua „ gewesen . Er betheuret die Abscheulichkeit der Beschimpfung , und saget , „ daß von allen , die bi« hieher wider den Erasmus geschrieben , noch kein „ einziger auf den Einfall gerathen , ihm diesen Vorwurf zu machen . Er „ hatte Recht . » , Diese Worte sind aus einer Nachricht des de la Moii - noie genommen . Ich werde sie in der Anmerkung ( L ) noch einmal anführen . ,
( D ) Man kann etliche verhaßte Umstände wegen seiner Ge - burt leugnen . ^ Die Feinde des Erasmus haben wegen seiner Geburt vielmehr Schande ausgesprengt , als sich in der That dabey befunden . Viel Römischkatholische erkennen es - unter andern Valerius Andreas , welcher , nachdem er gesagt , daß Gerard nach seiner Zurückkunft von Rom den geistlichen Stand angenommen , daraus schließt : daß Paul Jo - Viu« groß Unrecht gehabt , zu schreiben , Erasmus sey von einem Vater ge ,
bohren

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