Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8063

Erasmus . 409
Versprechungen seiner Freunde in England vermocht hatten , zu Anfange der Regierung Heinrichs des VIII , in dieses Land zurück zukommen . Er würde seine ganze übrige Lebenszeit bestandig daselbst geblieben seyn , wenn er dasjenige gefunden , was man ihm versprochen hatte : allein da er dieses nicht fand , so gieng er nach Flandern über , wo er zum Rache Carls " von Oesterreichb gemacht wurde . Ich habe nicht gesagt , daß er von der Universität zu Turin zum Doctor der Göttesgelahrtheit aufgenommen worden . Er lebte viele Jahre zu Basel , und hat daselbst eine große Anzahl Bücher herausgegeben : er reiste von da weg , als die Messe daselbst abgeschafft wurde , und begab sich nach Freyburg im Brisgow , welches er einige Jahre darauf , Gesundheits halber , verließ und nach Bafel zurück kehrte ( G ) , wo er den 12 des Heumonats 1536 gestorben ist . Er ist da - selbst ehrlich vegraven worden , und man erweist seinem Ruhme allda noch viel Ehre ( H ) . Wir werden anderswo sehen c , wie er in seinem Vaterlands geehrt worden , und ov man der Stadt Rotterdam die Ehre seines Geburtsortes streitig machen könne . Es würde überflüßig seyn , zu bemerken , daß er einer von den größten Männern gewesen , die man jemals in der Republik der Gelehrten gesehen hat : denn dieß ist ausgemacht . Er hat viel Feinde gehabt , und unter andern den Julius Cäsar Sca - liger , der die aller beißendsten Beschimpfungen wider ihn herausgegeben , aber nichts von seiner unehlichen Geburt gedacht hat ( I ) . Die Ursache ihres Streits ist in den Scaligeranen nicht wohl erzählt worden ( K ) . Dieß ist ziemlich wundersam ; denn wer sollte die Wahrheit von dieser Sache wohl besser wissen , als der Sohn des Anfängers ? Erasmus ist sehr empfind - lich über diese Schmähschrift gewesen , und hat sich bemühet , die Abdrücke davon ausrotten zu lassen ( L ) . Er hat einige Zeit den wahren Urheber verkannt ( M ) , und sie einem andern mit ungemeinem Vertrauen zugeeignet , welches beobach - tet zu werden verdienet . Diejenigen , welche geleugnet , daß man in Rom Lust gehabt , ihn zun» Cardinale zu machen , haben Unrecht gehabt ( N ) . Das Gerüchte , welches in Paris herumgegangen , daß man zu Rotterdam an einer neuen Ausgabe sei» ner Werke arbeite , ist übel gegründet gewesen ( 0 ) . Man hat zu seinem Leben Hoffnung gemacht ( ? ) ; allein wir haben die Erfüllung dieses Versprechens nicht gesehen . Von allen seinen Werken sind seine Gespräche ( QJ , und sein Lob der heit ( R ) am öftersten gedruckt worden . Er hat mit schwerer Mühe zugeben wollen , sich abmalen zu lassen ( 8 ) ; allein endlich hat er darein gewilliqet : Holbein , ein berühmter Maler und sein besonderer Freund , hat sein Bildniß gemacht , welches Beza mit einer Sinnschrift geziert , die man sehr gelobt hatd . Weil Erasmus die Glaubensverbesserung Luthers nicht angenommen hatte , ^und gleichwohl viele Dinge verdammte , die im Pabstthume geübt wurden , so hat er sich tausend Schimpfwort ? , so wohl von Seiten der Katholiken , als von Seiten der Protestanten , zugezogen ( T ) . Niemals ist ein Mensch mehr , als er , von dem gewaltsamen Gemürhe gewisser Gottesgelehrten entfernet gewesen , welche den Weg der Thatlichkeit billigen und gern Lärm blasen . Er für feine Person hat den Frieden geliebt , und die Wichtigkeit desselben erkannt ( U ) . Er ist ein wenig allzu» empfindlich über die Schmähschriften gewesen , die man wider ihn gemacht . Dieß erhellet aus seinen Klagen über die Buch» drucker dieser Schmähschriften ( X ) . Man bat ihn für den Urheber verschiedener Bücher gehalten , die nicht von seiner Arbeit gewesen ( Y ) . Man erzahlet , daß die Lesung der Briefe obicurorum Virorum bey ihm eine große Wirkung gethan ( Z ) . Hier unten wird sich eine Anmerkung für die Fehler des Moreri finden ( A & ) , und eine andere für einige andere Jrrthü . wer ( BB ) , die ich nur anzeigen werde . Nach meinem Bedünken hat man nicht Recht gehabt , zu sagen , daß Cölius Rhodi - ginus den Erasmus als einen gelehrten Dieb angeklagt ( CC ) .
Man würde mehr Grund haben , wenn man gesagt hätte , daß er beschuldiget worden , er habe eine sehr kleine Erkennt , niß der griechischen Sprache gehabt ( DD ) , und einen guten Theil von dem , was er drucken lassen , mir allzugrvßer Eil ae - schrieben e . Wir« haben den Vorwurf gesehen f , den man ihm gemacht , daß er den Trunk sehr geliebt habe : ich zweifle nickt , daß dieses nicht eine Lästerung gewesen ; denn an eben dem Orte , wo er bekennet , daß er nicht allzukeusch gelebt , ver - sichert er , daß er allezeit sehr nüchtern ( EE ) und verdrießlich gewesen , daß er nicht ohne Trinken und Essen leben können . Dasjenige , was Matthaus Sladus , Rettor der Schule zu Amsterdam , und ein großer Feind der Arminianer , mit der hef» tigsten Art wieder ihn ausgestoßen ' ( FF ) ist im 1615 Jahre vom Caspar Barläus in einem Werke gründlich widerleget wor - den , welches den Titel hat , Bogermannus Es geht ein Gerüchte s , daß man zu Leiden eine Ausgabe von allen
Werken des Erasmus anfangen will , darüber le Clerc die Aussicht haben wird . Diese Unternehmung ist sehr löblich , und alle Liebhaber der schönen Wissenschafren müssen die Vollstreckung derselben wünschen . Man giebt vor , daß diese neue Aus - gäbe etliche Schriften enthalten wird , die niemals gedruckt worden . Sie wird ohne Zweifel viel schöner seyn , als diejenige , ite man im 1540 Jahre zu Basel in neun Foliobänden gemacht , und dem Kaiser , Carl dem V , zugeschrieben Hat . Die Zu - schrift war vom Beatus Rhenanus gemacht worden .
- 7 ) Der nach diesem Kaiser , Carl der V , gewesen . V ) Aus dem von ihm selbst aufgesetzten Leben . 0 In dem Artikel Rotterdam . d ) Siehe die Critik in der Anmerkung ( 8 ) . e ) Siehe oben in dem Artikel Bndaus die angeführte Stelle . / ) In der Anmerkung ( I ) die angeführte Stelle aus Scaligers II Rede , g ) Dieß ist im Jahre 1699 geschrieben .
( A ) war den - 8 des Aveinmonars 1467 ; u Rotterdam ge - - schicket , der den izbeeSHeumonats , 536 gestorben ist , wenn man voraus -
bohren . ) Wenn ich mich für dieses Jahr erkläre , so geschieht es nicht setzet , daß er vor dem - 8 des WeinmonatS 1467 gebohren worden , als
etwa , weil ich nicht weis , daß verschiedene den Erasmus im 146 ; Jahre wenn man voraussetzet , daß er an diesem Tage gebohren worden . Bea -
gebohren werden lassen ; es geschieht darum , damit ich mich der Auf - tus Nhenanus giebt sattsam zu erkennen , daß Erasmus seinen Freunden
schrift von oer Bildsäule zu Rotterdam gemäß bezeige , wo man , allem dieserwegen nichts gewisses berichten können ; er giebt eS , sage ich , satt -
Ansehen nach , nicht ohne reife Ueberlegung lieber »467 als 1465 gesetzt ha - sam zu erkennen , wobey er aber dennoch dem David dasjenige zueignet ,
den wird . Herr Joli hat sich gleicher Betrachtung bedienet . Voiage was Moses von der Währung des menschlichen Lebens gesaget hat .
de Munfter p . , 44 " ( £« iff nicht sehr ivahrjcheinlicb , saget er , Oast Vixit ad feptuagefimum annum , quem cotnniunein humanae vitae
er im 1465 Jahre gefachten rvorScn , wie einige Oafür halten , die terminum regius Prophcta Dauid ftatuit , auf certe non multuin eft
fich darauf gründen , daß in seiner Grabschrift xu Basel enthal - fupergreflus , nam de anno , quo natus eft apud Batauos nobis non
ten iff , ec sev den 12 des - Heumonars 1536 über siebenxig Jahr ( * ) conftat : de die conftat , qui fuit ad quintumKaiend . Nouembr . Apo -
alt gestorben : welches nicht seyn könnte , wenn er 1467 geboh - ftolis Simoni et Iudae faeer . Beat . Rhen . Epift . Dedic Orieenis
ten gewesen : denn diese Aufschrift ; » Rotterdam muß viel ge . Die folgende Stelle wird ein neuer Beweis seyn : ich nebme sie aus ei -
wifjer , als alles andere sevn ; indem ; u glauben ist , daß man 511 nem Briefe , den Erasmus an einen Professor , Namens Peter CurtiuS ,
Rotterdam , welches sein Geburtsort gewesen , die Zeit seiner Ge - der zu Rom die Redekunst gclehret , geschrieben hat , welcher grausam übel
bnrt viel besser gewußt , als ; u Basel , wo er nur ein Fremdling von ihm redete . Erasmus bedeutet ihn . daß , wenn er sich öffentlich arM .
gewesen , vornehmlich da man diescrweqen nichts gewisses au» griffen sehen wurde , er ihn sehr wohl empfinden lassen wolle , daß er
seinen Schriften , noch aus seinen Briefen selbst schließen kann : noch Zähne und Hände hätte , ob er gleich bereits siebenzig Jahre alt
weil er selbst davon nicht vollkommen unterrichtet ; u seyn schei - wäre . Quod fi cognouero , quod equidem non fpero , tu vel tantil -
net , und weil sich viel Irrchümer in der Unterschrift dieser Briefe lum contra ine publicare , experieris ( ni fallor ) Erafmuin iam7oan -
durch diejenigen finden , die sie abgeschrieben und gedruckt nvs natum [ neque edentuluin eile omnino , neque exunguem . Dieser
haben . Brief , welcher den 9 Jenner 1535 unterschrieben , ist der 6s des XXX B in
( * ) Er bekriegt sich : die Grabschrift saget »am feptuagenarius , schon der londonschen Ausgabe . Deser Monat Jenner , wird man sagen ( * )
siebenzig Jahre alt ; welches einem Menschen zukömmt , der sein 69 Jahr gehöret zum 1536 Jahre : es sey so ; so wird es doch , vermöge dieser Stelle ,
«irückgeleget hat . Gleichwohl ist der Einwurf gut , weil die Ausschrift allezeit wahr seyn , daß Erasmus geglauber , er >ey vor dem 1467 Jahre
des Grabmaal« mit der Geburt des Erasmus den - 8 des WeinmonatS gebohren gewesen . Ich bekenne , daß er es nicht allezeit geglaubet hat ;
1467 , wie die Aufschrift der Bildsäule enthält , nicht verglichen werden denn in dem . 9 Br . des l ! B . der im Monate Hornung . 516 unterschrie -
f * n „ ben ist , saget er , daß er erstlich in seinen , neun u»d vierzigsten Jahre ist :
Der letzteTheil dieserStelle ist zu der ersten notwendig ; dennwenn 32 Dr . des
Simonis etYudae SLifHen - 7 de - WrinmonatS ; und gleichwohl se' " ^'erW . lleau . 5 ^ gezogen werden ,
bemerken fast alle Schriftsteller . so wie die Ausschrift zu Rotterdam , den Jedoch die Geburt des Erasmus hat nicht allein mit dem 14 * 5 und
08 des Weinmonats a s seinen Geburtstag . Allein an der andern Sei - 1467 Jahre zu . thun : man laßt sie ein wenig weiter spazieren , Dank sey
tt zweifle ich nicht dak er seine Geburt nicht vor 1467 geseht hätte , es den Druckfehlern , oder vielleicht auch den Schnitzern des Autors .
D«her ist es gekommen daß Bonifaeius Amerbach . sein Erbe . Hieronv - Chytraus in Chron . Salome , setzet sie ins >4^ Jabr MagirnS . Fty -
mu«Proben und Nicolas Episcopius . die Vollstrecker seines letzten W . l - ^^ " 6'^'7 Jahr . Man sehe das chronologische Register Buch -
, zu seiner Grabschrift einen etwas unbedingten Ausdruck . - amle . holzen« aufs 146 ; Jahr . Der P . Theophilus Raynaud weist ihr den
2genarius , InSK welcher sich besser für einen Menschen Platz . m , 469 Jahre an . Sieh , die Anmerkung ( D ) . Die Verschie -
v II Band . fi'I denheiten

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