408 
Erasmus . 
ftiti . ne quam darem occafionem . Petiit praefationein in librum ipli dicandum . Id , quanqiiam abfurdum et ineptum , tarnen autore Bonifacio feci . Quid eonfecutuin eft ? Mox dicitur miiifie famulum proprium , qui fub nundina» vulgaret atrocem rumorein . Erafmum efle damnatmn Bafileae , conditionibus grauiffimis , vt fcriberet Ii . bruin et Epiftolam contra fe ipfum , deinde daret pecuniam . Et hic ante abitum iaflauit fe adegiße Erafmum ad conditiones , ad quas ipfe nollet defcendere pro tribus millibus aureorum . Hic rumor miriun quantum exhilarauit Pfeudo . Euangelicos . Qui triumphi ! Quae exfultatio de nihilo ? Haec ego fufpicabar futura , fed neque Beato , neque Bero potui perfuadere , qualis eflet artifex . Erafm . Epift . XLVI . Libr . XXX , pag . 1933 . Er ist zu Basel im Aprilmonare 1528 unterschrieben . 
Dieser Friede ist sehr schlecht gehalten worden , die Feindseligkeiten mit Worten und Schriften haben fast niemals aufgchöret , und endlich traten die Bücher mir zur Partey . Erasmus hat eines herausgegeben , worin - nen er dem Eppendorf sehr übel begegnet . Dieses ist in einem Werke von Eppendorfen widerlegt und zu Hagenau 1531 gedruckt worden : ich habe den Titel davon anaeführet . Wir wollen merken , daß diese Feder - kriege der Prinzen ihren sehr ahnlich sind ; jeder von den Streitenden rühmet sich , den geschlossenen Frieden auf das heiligste gehalten zuhaben , und beschuldiget den andern Theil tausend und aber tausenderley Ueber - tretungen . Eppendorf erkläret sich , daß er nach getroffenen : Vergleiche aewarnet worden , daß Erasmus fortführe , ihn zu verschreyen , und daß er wohl thun würde , wenn er sich vertheidigte . Nomen meum igno - miniofe in libellos fuos transfundere . Er hat nichts davon glauben wollen , bis man ihm des Erasmus Briefe gezeigt Refpondi me nihil horum exfpeöare ab Erafmo , nec putare eum bonorum et praecla - rorum virorum arbitrium violaturum : quid dicam , litteras mittunt huius animi teftes , queror apud amiculos , alterum item ex iudici - bus coram appello : quid mihi poft padhim accidat , iniurias tarn atroces diu fuftinere non pofie . Et tarnen interim exfpeflat Dorni - nus Erafmus a me multas falutes , honorificam mentionem , literas amicas : nee faltem has efflagitat , venim etiam vrgere me vult , vtin omnibus conuiuiis eum per ora hominum veham . In Vtopia forfi - tan otTenduntur , qui pro tarn infignibus maleficiis bonas gratias re - ferunt . Officii ducat , quod par pari non retulerim : poft initam concordiam non fcripfi vnam litteram in Erafmum , et quae ante con - cordiam ad tuendum nomen meum adornaram , concordia fic iuben - te fuppredi . Ziehen wir hergegen den Erasmus zu Rathe , so wird er uns belehren , daß sein Gegner den Frieden noch eher gebrochen , ehe er den Ort der Unterzeichnung verlassen ; und daß er ein vortrefflicher Lü - gner gewesen , der nur darum auf dem Reichstage zu Augsburg im , 530 Jahre gewesen , damit er Lügen daselbst aussprengen möchte . Qui videtur haec potiflunum de caufa venifle Augußam , vt in ea ce - lebritate hominum feminaret fua mendacia , quae non aliter ex fe gi - gnit quam aranea fiium . Erafm . Epift . LI II , Lib . XXX , pag . 1940 . Scripfit ad me Dux , vt Julii litteris fidem haberem . Iulius fcripfit amantifliine doöifiimeque multa , quorum haec erat fumma , vt prae - fationi adderem libellum Eppendorpio dicatum , veluti ex foederc ; quoniam ille multis modis violarit foedus , priusquam exiret Baß . Itam , nec poft deftiterat de me hoftiliter et fcribere et loqui , fub - inde recitans furiofum librum , quem in me fcripfit . Nec in aliud quaerebat librum , nifi vt iterum gloriaretur , ad quas conditiones adegiifet Erafmum . Sperabat ex arbitrorum fententia non nihil praedae : id quonianj fefellit , fadtus eft ex inimico inimicior ; et quum nemo nefciret , illum omnia fecifl'e contra pafta , tarnen per - inde petit fuum ius , quafi omnia praeftiterit , nec pudet quicquam . Decreueram omnia perpeti potius , quam leuiflimi hominis nomine meas Chartas contaminare : fed poftcaquam ille iniUum facit menti - endi finem , caufae fummam perftrinxi excufo libcllo , ne toties fati - gem amanuenfes meos . Ebendas . Den Anfang dieser Stelle zu ver , stehen , muß man wissen , daß Eppendorf , da er mit dem Herzoge von Sachsen nicht reden können , nachdem Simon Pistorius , an welchen ihn dieser Prinz verwiesen hatte , seine Ursachen sagen wollen , endlich erhal - ten . dieselben dem JuliuS Pflug zu sagen : landein improbitate fua perfecit , vt Dux caufam delegaret lu / io Pflug , cuius aures Eppendw . pius nofter expleuit innumsris mendaciis , quod erat illi bonum at - que commodum , quod Iulius nec Eppendorpium nollet , nec caufam . Ebendas . Er hat ihm seine Sache von der schönen Seile unter dem Mantel unzähliger Lügen vorgestellet . Dieß versichert Erasmus . Hierauf hat der Herzog an den Erasmus geschrieben , daß er dem Briefe des Julius Pflug Glauben geben möchte . 
( C ) Lr ist bey den heftigen Spaltungen anparteyisch ben , die Ä . utbcrs Glaubensverbesserung in Deutschland get . 1 Außer Zweifel ist er von denen gewesen , welche glaubten , daß die römische Gemeinschaft der Verbesserung bedürfe , und daß sie die Protestanten nicht gut verbesserten . Also hat er keinem von beyden ge - fallen Man gieng so weit , daß man ihn beschuldigte , er fe» bey den Papisten und Lutheranern zugleich im Solde gewesen . Er steller sich 
als einen Menschen vor , der bey diesem Ungewitter im Trüben fischen wollen , und da er noch nicht gewußt , aus welcher Seite die Gerech - tigkeit sey , gewartet , bis die Zeit in dieser Sache ein klarer Licht geben würde . Hier sind seine Werte : Oblatae funt nuper litterae fcriptae ad principem quendam virum , vbi nephandiffimus fcurra fcri - pferat , me quingentos aureos habere a Lutheranis , totidemque aPon - tificiis vt vocant , vtrosque a me emungi auro atque haberi ludi - brio , me enim neque nouuni neque vetus Euangelium curare , quill facerem ? Riß impudentiam nebulonis : necita nullo poft in collo - quiuin accerfitus rogatusqueab eo , quiRomanae Sedi pluriinuin llet , quidnam mihi de praefenti rerum ftatu videretur ? Prodidi Ii . bere quae tum in aniino haberem : Rurfum Euangelicis aperui , quae mihi pro meo plusquam iuuenili captu , temere aut exigi aut nouari viderentur , non admodum bonam gratiain apud vtrosque iniens . Volui in hunc vsque diem ab negotio illo , quod Euangelicum cant , efle integer , precans faltem , vt in fatali nunc illa et memora - bili rerum immutatione nobis nüfcris mortalibus eueniat , quod fau - ftum felix bonumque fit . Nec nomen alicui feäae daturus nifi no - uus aliquis Solon huc me perpulerit , tum fcias me faniori fubfcri - pturum parti , etiam fi vita impendenda fit . Wenn man die Sachen nur nach den Grundsätzen des natürlichen Lichtes beurrheilet , so hat Ep - pendorf eine vernünftige Partei ) erwählet . Er hat lung dieser Sache abwarten wollen , ehe er sich zu der Veite , die die MiSbräuche vertheidigte , oder zu der andern geschlagen , die dieselben be - stritt . So wohl die eine , als die andere , schien ihm zu hitzig : das Un - gewitter kam ihm von beyden Theilen allzu ungestüm vor ; er sagte , wie Eieero , quem fugiam habeo , quem fequar non habeo . Cicero ad Attic . Epift . VII , Lib . VIII , und er liebte den Frieden allzusehr , als daß er sich in diesen Religionskneg einlassen wollen . Allein er hat vergeh - lich gehoffet , sich als einen ruhigen Zuschauer bey den Stürmen diese« Meers an dem Ufer zu halten . Er ist dem Sturme mehr ausgesetzer gewesen , als wenn er sich auf einer von dm Flotten selbst befunden hätte . 
Dieß ist das unvermeidliche Schicksal derer , welche bey den bürgerli - che« Kriegen so wohl wegen des Staats , als wegen der Religion , die Unparteylichkeit beobachten wollen . Sie sind den Anfällen beyder Parteyen zugleich ausgesetzt ; sie machen sich Feinde , ohne daß sie sich Freunde erwerben , an statt daß sie Freunde und Feinde gehabt hätten , wenn sie eine von beyden Parteyen mit Eifer ergriffen hätten . Bewei« nenswürdigeö Schicksal des Menschen . ' offenbare Eitelkeit der phischen Vernunft ! Sie laßt uns den Frieden der Seele , und die Stille der Leidenschaften als den Endzweck aller unserer Arbeiten , und als die kostbarste Frucht alles unftrs mühsamsten Nachdenkens ansehen ; und gleichwohl zeiget die Erfahrung , daß nach der Welt , kein kläglicherer Zu , stand , als derer Seelen ihrer ist , die sich den Wellen der Rotten nicht übergeben , und keine gemachlichere Lebensart , als derer Menschen , die mit den Wölfen heulen und dem Strome der allerheftigsten Leidenschaften folgen . Sie haben unter andern diesen Vortheil , nicht zu erkennet , , daß sie Unrecht haben ; denn es sind keine Leute unvermögender , die Män - gel ihrer Partey , und das Gute zu erkennen , daß sich in der andern Par - tey finden könnte , als diejenigen , die von einem feurigen Eifer und einem hitzigen Zorne getrieben werden , und unter den Banden starker Vorur - theile liegen . Beati pacifici , saget die Schrift , Matth . V , 9 . Selig sind die Friedfertigen . Dieß ist lehr wahr , was die andere Welt be - trifft ; allein in diestr sind sie die Elendesten . Sie wollen keinen Ham - mer abgeben , und dieß ist Ursache , daß sie auf allen Seiten beständig der Amboß sind . 
( D ) igt hat sich eines sehr geschickten Mittels bedienet , die allerscbmähsucbtigsten Schriftsteller ; u zähmen . 1 Er hat seiye Klage vor fem Richter angebracht , und unter andern Ersetzungen der Beleidigungen gebethen , daß der Angeklagte zum Besten der Armen in eine Geldbuße verdammt würde . Dieses ist ein sehr wirksames Mittel wider die Galle der meisten Seribenten . Sie sind viel zanksüchtiger und viel schwerer zu versöhnen , als die Soldaten . Darum , saget man , weil die Kriegsleute ihre Streitigkeiten mit dem Degen in derFaust ausma . chen ; es geht dabey ans Leben ; allein die Schriftsteller sind bey ihren Zänkereyen nicht der Gefahr unterworfen , Blut zu vergießen ; es kostet ihnen weiter nichts , als Papier und Dinte . Wenn sie ihre Haut der Spitze eines Degens , wie der Spitze einer Feder aussetzen müßten , sie würden wohl friedfertiger fevn . Wir wollen auch sagen , daß ihre Schreibart viel ehrbarer seyn wurde , wenn ihr Beutel in Gefahr stünde , jedes ausgestoßen ? Schimpfwort zu verbüßen , und daß also unser Ep - pendorf sich zu einer guten Rache gewendet . Es muß den Schriftstel , lern erlaubt seyn , einander in Absicht auf die Gelehrsamkeit und eine« falschen Vernunftschlusses zu beurtheilen ; dabey haben die bürgerlichen Richter nichts zu sprechen . Allein es wäre zu wünschen , daß sie die Scharfe der Gesetze durch Geldbußen , wenigstens gegen diejenigen Schriftsteller , auSubeten , die ihren Nächsten anfallen , und wegen ande - rer Ursachen , mit Schimpfworten belegen . Dieses würde tausend schmähluchtige Redensarten aus den Büchern verbannen , und bey den Rechtshändeln des Parnaßes die Mäßigung einführen , wo sie wenig be - kannt ist . 
Erasmus ( Desidenus ) war den 28 des Weinmonats 1467 ( A ) zu Rotterdam geboyren . Man kann nicht leugnen , daß er ein Hurkind gewesen M : es war em ubelgegrundeter Scrupel , daß man dieses zu Anfange des XVII Jahrhundert« nicht bekannt machen wollen ( C ) ; denn d , e Sache war schon allzubekannt . Allein einige verhaßte Umstände kann man leugnen , welche des Erasmus Feinde , wegen seiner Geburt , ausgestreut haben ( D ) . jm neunten Jahre ward er nach Deventer ge - schickt ; wo er es in seinen Studien sehr weit gebracht : denn es ist nicht wahr , wie viele Leute glauben , daß er einen lanasa - men Kopf gehabt ( E ) . Im vierzehnten ^ahre hatte er weder Vater noch Mutter mehr , und er ward der Aussicht ge - wisser Vormünder untergeben , welche ihm sehr schlecht vorstunden . Sie zwangen ihn , in den geistlichen Stand zu treten : er wehrte sich lange Zeit : allein endlich mußte er die Kutte , unter den Domherren in dem Kloster Stein bey Tergow , an - nehmen . Einige Zeit darauf kam er in das Haus des Bischofs von Cambray , mit Erlaubniß seiner Obern , und unter sei - nein Ordenskleide ; und da er sah , daß dieses kein Beförderer war , auf den er sich Rechnung machen konnte , so stellte er es so an , daß man ihn nach Paris schickte . Nachdem er in dieser berühmten Stadt in dem Collegio von Montaigu studiert hatte , so gieng er von da nach England ; er fand daselbst viele Leute , die ihm Gerechtigkeit erwiesen , und er bequemte sich unvergleichlich nach der Gelehrsamkeit und andern Vortheilen des Landes ( F ) : allein da er sah , daß er auch hier nicht alles erwarten durfte , wozu man ihm Hoffnung gemacht Hatte , so that er eine Reise nach Italien . Er hielt sich über ein ^abr in der Stadt Bononien aus ; nach diesem »n Venedig , wo er seine ' " '' " — 
Rom , wo sein Ruhm sehr groß war . 
Adagia geschrieben ; dann in Padua , und endlich zu Er hätte daselbst mit Vottheile bleiben können , wenn ihn nicht die prächtigen 
Verspre -
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.