Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8049

Eppendorf . 407
quium cum D . Molinaeo ftudio declinauerim , neque vnqtiam de compellando eo cogitauerim : Quam rem falfam et van am efle , tu , fi ita videbitur , teftimonio tuo confirmare potes , et quicquid e'a in re a te et me faftum eft , verbulo fi^nificare , etiamfi forte opus non fit futurum . Manifeftum enim hüuumodi mendacium vanitate fua propria diffluit tandern , et fponte fua extinguitur atque euanefcit . Epill . Eccl . et Theol . pag . 414 . Ich bemerke , ohne daß ich etwas auf die Materie deute , davon die Rede ist , daß , überhaupt zu reden , die Häupter der Partey , bey den Streitigkeiten der Litterarur oder Religion , nicht genug auf Kundschafter verwenden . Nicht darum , daß sie nicht eine außerordentliche Neubegierde besaßen , alles zu wissen , was ihre Wider - sacher thun und sagen ; sondern weil sie alle Berichte leichtsinnig glau - ben , und sich allzusehr zwingen , dieselben mit dem Gewichte ihres Zeug - nisses zu unterstützen . Der Eifer ist zuweilen Ursache , daß man sich uberredet , ein Ketzer sey zu den allerschändlichsten Verrathereyen gend ; und von dieser Ueberredung schreitet man ganz leicht zu einer an - dern , nämlich daß man sich einbildet , er treibe die verratherischen An - schlüge wirklich , dazu man ihn vermögend hält . Wenn man sich dieses einmal in den Kopf gesetzt hat , so übet man dasjenige aus . was die H . igjchrift deym Matth . XII , 34 . saget rves öaa Her ; voll ist , deß geht Oer Mund über ; man verwandelt seine Vermuthungeu , seine Ueberredun - gen , in öffentliche Reden , in förmliche Beschuldigungen .
Eppendorf ( Heinrich von ) ein deutscher Edelmann ( A ) , würde heutiges Tages in der Republik der Gelehrken ganz unbekannt seyn , wenn er nicht einen großen Streit mit dem Erasmus gehabt hätte . Er hat diese Streitigkeit mit vieler Tapferkeit ausgeführt , und vielleicht hat der große Erasmus niemals einen Gegner gefunden , der ihn zu so unangenehmen Vergleichöbedtngungen gebracht hat . Da die Artikel dieses Friedensvertrags nicht beobachtet wurden , so machte Eppendorf deswegen Lärmen , und gab ein Werk heraus , welches die Historie dieser Streitigkeit enthält ( B ) . Wir erfahren daraus , daß er sein Vaterland verlassen , um in den Wissenschaften zu zunehmen ; daß er ein Schüler des berühmten ZasiuS , Professors der Rechte , gewesen ; daß er sich sehr lange in Straßburg aufgehalten hat ; und daß er unparteyisch unter den heftigen Spaltungen geblieben , die Luthers Glaubensverbesserung in Deutschland erreget hatte ( C ) . Man muß bekennen , daß er sich eines sehr geschickten Mittels bedient , die allerschmähsüchtigsten Schriftsteller zu zähmen , um sich gegen eine schimpfliche ist zu rächen , die man wider ihn gemacht hatte ( v ) .
gehabt , um einige gefahrliche Anschläge zum Untergange der reformir - ten Kirche und der vereinigten Provinzen anzuspinnen . Sie haben be - hauptet , daß er sich nicht bemüht , sich mit dem Du Moulin . reformirten Prediger zu Paris , zu unterreden , und daß er nicht einmal daran gedacht hat , einen Besuch bey ihm abzustatten . Er versichert , daß dieses Be - trügerenen sind , und daß er den P . Colon nur ein einzigesmal , von gefähr gesehen , da dieser Jesuit von dem Könige gekommen , und auf die Kutsche steigen wollen . Vtinam Deus hoc illis non imputet ! im . primis chorago ipforum Plancio , qui eo impudentiae deuenit , vt qua dam , qua palam affirmare non dubitauerit , fecreta me et arcana confilia agitafle cum Patre Iefuitarum Cotone , in perniciem Reip . et Ecclefiae noftrae ; cum eo eum non nifi femel redeunteM aRege , etcurrum fuum adfcendentem , idqueobiter et in transcurfu , viderim . Epifcop . Epik , ad Iafonem Bylandium . ES ist der 251 in der FolioauS - gäbe der Epiftol . Ecclefiaft . et Theolog . auf der 414 0 . Er ist den i des WeinmonatS 1615 unterschrieben . Er nimmt die Person zum Zeugen , an die er geschrieben , und saget , daß nichts falscher , als das zwungene Wesen , wäre , dessen man ihn , in Ansehung des Du Moulin , be - schuldigte : und er beobachtet , daß es Plancius , einer von den reformir - ten Predigern zu Amsterdam , ist , der ihn mit diesen Lästerungen beleget . Endlich saget er , daß alle Welt die Falschheit wegen der letztern digung zu erkennen anfange . Neque hoc folum , fed et quod collo -
Schrifi
( A ) Ein deutscher Edelmanns Hier ists , was man in dem Wer - ke findet , welches den Titel hat , ad D . Erafmi Roterodami hbellum , Cui ti tu Ins , aduerfus mendacium et obtreftationem vtilis Admonitio ,
iufta Querela , und welches zu Hagenau bey Johann Sercern , im 1531 Jahre gedruckt worden . Natus fum in agro , cui gens mea nomen dedit , non longe a Friburgo Vrbe Mifniae celebri ; auos , atatios , parentes item ( quibus et claris et optimis progrefliis fum ) tarn foleo iaöare , quam aliis fuas fordes exnrobro . Quid enim mea refert , qua lena , quoue aut Sacerdote aut Monacho , quibusue e fter - quiliniis quis prorepferit , modo ingenii dotibus , damna , quae non fua culpa acciaunt , rependat , fuperetque ? Mich dünkt , daß ich hier einen Vorwurf sehe , den er dem Erasmus stillschweigend wegen seiner unehlichen Geburt machet . Man merke , daß man Eppendorsen vorge - worfen , er habe sich de«Adel« gerühmt ; ob er gleich nur der Sohn eines gemeinen Mannes gewesen . Dux { Saxoniaf ) non admifit hominem , negans fe velle eum agnofcere ; qui non agnofceret patrem fuum . Iaftauit enim fe nobilem , quum fit plebeius . Erafmus , Epift . LIII , Libr . XXX , pag . 1940 . . . . . K . .
( B ) iSx ctAb ein Xverl ? heraus , welches d»e - Historie dieser Streitigkeit enthält . ] De» Titel davon , und das Jahr des Druckes baben wir in der vorhergehenden Anmerkung bereits gesehen . Es ist ein Buch , welches ich nicht gelesen habe ; allein man hat mir sehr lan - ae Auszüge daraus zugeschickt , ( Bachelier Des Marets , von Rheims qebürtig , und zu Paris wohnhaft , der mit einer guten Bibliothek ver - sehen war , hat die Gütiqkeitgehabt , sie zumachen , und sie mir auf die Höf - lichste Art von der Welt , durch den Jannicon , übersandt ) . Diele haben mir den Zustand dieser Streitigkeit so wohl zu erkennen geben , als wenn ich mich meiner eignen Augen bedient hätte . Eppendorf ist Kläger bey diesem Processe gewesen ; er brachte seine Klage wider den Erasmus bey dem Rache zu Basel an , der ihm versprach . Gerechtigkeit zu handha - ben . Es war die Frage von einem schimpflichen Briefe , davon er den Erasmus , als Urheber anklagte . Er verlangte außer der Widerrufung dieses Briefes , dreyerley : 1 ) baß ihm Erasmus ein Buch zuschreiben sollte ; z ) daß er zu seinem Besten an den Herzog von Sachsen schreiben sollte ; z ) daß er zur Ersetzung der ihm erwiesenen Beschimpfung , ver - bunden seyn sollte , den Armen dreyhundert Ducaten zu geben . Hundert für die zu Basel , und zwey hundert für die zu Straßburg . Erasmus antwortete , daß der Brief nicht sein wäre , ( cum tarnen , saget dorf» vix ouum ouo tan» fimile eilet , fic per oinnia referebat Eraftnum . ) und , wenn er die Freundschaft Eppendorfs wahrnähme , er sich keine Schwierigkeit machen würde , ihm ein Buch zu zuschreiben . Er versprach an den Herzog von Sachsen zu schreiben ; aber wegen des letzten Puncts wollte er nichts versprechen . Hier ist dasjenige viel weit - läuftiger , was er geantwortet hat . At quam poftulationem fic re - fpondit C & * fmus ) : Epiftölarii , quam praelegit , non agnofco , nec arbitror , me feripfifle talia . nec exemplar in tneis fchedis reperio ; et Epiftola Ducis , fi proferatur , teftabitur , nie talia non feripfifle : tan - tum admonui Ducem , vt illum ad honeftam funöionem ab ocio reuocaret , aut certe quietem mihi ab illo impetraret ; de inferiptio - ne libelli , fi videro anäuum illiiis faäum amicum , nOn grauabor , maiora faflurus amicitiae nomine : quam fit illi Princeps iratus nefcio , aut quas irarum caufas habeat , mihi non conftat : habebat Eppcndorphius Emferum hoftem capitalem apud Principem . Si ex mea querela Princeps fadhts eft alienior , non grauabor hoc meis iitteris ciuiliter feriptis mitigare , quatenus licet cum tantis Pririci - pibns agere . De eleemöfynw ipfe eurabo , cum mihi Deus in men - tem miferit , nec mea refert , quomodo hie aut Friburgi vixerit , quo tänÄius vixit , hoc roagis gaudeo : de aureis , quos poftulat fibi dari praeftat filere , ne videatur öb hant caufarn intendifle litem ; agat amice et definat populüm in me concitare , vberius illi prodefle poflum offieiis , quam ti dem aoo äureos BeatuSRHenanus , der sich zum Mittler bey diesem Streite aufwarf , hat des Erasmus Antwort dem Eppendorf überliefert . Da sich dieser wegen de - andern Puncts beschwert fand , weil man von ihm die vorgäng . ge Versprechung seiner Freundschaft gegen eine Person verlangte , die ihm eim gung erwieftn , so hat sich Erasmus ohne Bedingung zur Zuschrift eines
Buches und zwar unter diesem Formular verbinden müssen : Erafmu« Roterodamus Henrico Eppendorphio S . D . Diuites diuitibus mit - tunt equos , aulaea , geminas et aurum , muta nirairum muncra nec duratura ; poftremo quae nec meliorem , nec ornatiorem reddunt eum cui mittuntur , et pauperiorem illum a quo profieifeuntur : in - ter eos vero> quo« litterarum communis amor foederauit , aliud do - norum genus commeare decet , quae nec exhauriunt largientem et fruetum fimul ac decus afferunt aeeipienti . Proinde libellum mitto , tuo dicatum nomini , iitterariae focietatis olim inter nos initae mo - numenturn , quam ego perpetuam efle vehementer cupio , nec tan - tum permittemus malis linguis , vt noftram amicitiain Mufarum aufpieiis conciliatam dirimant , vtcumque moliti liint nos inter no» committere ; fed non te remorabor ampliue , quo tibi vacet audire , quid loquatiur libellus . Eppendorf , welcher wegen der zween ersten Artikel veranügt war , ist es nicht wegen des dritten geworden . Er hat viele Kunst - griffe in dem Umwege gefunden , den man nahm , indem man sich stellte , als wenn inan nicht verstünde , zu was für einem Gebrauche er das Geld bestim - met hatte , da« sein Gegner , wie er wollte , bezahlen sollte . Cum articuli mei habeant propter impetitam et iriirocentiarti et fimplicitatem meam , pauperibu« efle elargiendam pecuniam . Er beklaget sich über die Beschul - digung , als ob er das Volk verhetzet . Drey Tage verstrichen mit Wort , wechseln über diele Beschwerden : endlich unterwarf man sich dem Aus - spruche zweener Schiedsrichter , welche Bonifacius Amerback , und Rhe - »MiiUS gewesen . Hier ist das Urtheil , das sie in Gegenwart Ludwigs Berus , und Heinrich Glareans gesprochen haben . Quoniam ex con * fenfu vtriusque nobis ius feeiftis diflidii inter vos amice compo - nendi , vifum eft nobis , vt D . Erasmus ad euitandam moleftiam et alendamChriftianamconcordiam praeftet duos articulos ficut feripto reeepit : pro tertio eodem animo non grauabitur in fubfidium pau - perum dare florenos circiter viginti , noftro arbitrio difpenfandos , et haec facienda cenfemus citra notam altenitrius ; tan tum vt vtrin - que ofFenfis , querelis et fufpicionibus abolitis , de integro certamen inter vos fit beneuolentiae , cum obliuione praeteritorum omnium» perinde quafi nihil eilet aut dictum aut fadhun . D . Henricus Eppen - dorfius premat . fi quid fcripfit : et vtrique liberum relinquimiis , an viciflim aliquo beneuolentiae fymbolo , an potius mutuo animo con -
Mnn h£Um Barfilea , e P°ftridie purificationi» anno
M . D . XXVIII . Die Parteyen beruhigten sich bey diesem Ausspruche , und umarmeren einander zum Zeichen der Versöhnung . Den Tag dar - auf ließ man sie mit einander speisen ; allein es fehlte wenig , so wäre der Krieg wieder angegangen : denn da Eppendorf den Erasmus nach geendigter Mahlzeit erinnert harte , den Brief bereit zu halten , den er an den Herzog von Sachsen zu schreiben versprochen hatte , und Erasmus antwortete : daß er nur an den Kanzler schreiben wollte ; so erhub sich ein heftiger Streit unter ihnen , und sie gienaen diesen Tag nicht sehr vergnügt von einander . Den andern Tag ftdrieb Erasmus an den Herzog , und schickte seinen Brief dem Eppendorf offen zu , der dainir vergnügt war . Kurz darauf breiteten sich einige für den Erasmus nachrheilige Gerüchte aus , als wenn er in einen Vergleich 'gewilliget hätte , der ihm schimpflich gewesen . Man wird sehen , wie er sich über die Windmachereyen seines Widersachers beklagt hat . Die Stelle wird ein wenig lang seyn , weil ich gem dasjenige darein ein - schließen will , was den Vergleich betrifft , wie ihn Erasmus erzählt hat . Mein Leser mag die Erzählungen jeder Partey mit einander vergleichen . Opinor DUfmn tibi narrafle de reatu meo . Ego hac in re obfe - cundaui confilio Beati Rhena ) ) ! , et Ludouic't Bert . Alioqui feiebam illum nihil aöurum . Fumos hominis iam olim noui . Sed Beati ingenio femper abufus eft ad huiusmodi dramata . Tiirbam amoliti fumus quahbuscunque conditionibus , pacem iniquam aequo bello praeferentes . Nihil omifliim eft . Corapromifliim eft . Adhibiti duo teftes . Arbitri datis dextris ltipulati funt obfequium . Pronuncia - tum eft de Scripto arbitrium . Aflenfimus vtrique . Subfcripfimu» manu vtrique . Deiude bibimus ex eodem poculo , fraäo inter nos pane , datae dextrae . Ominatus fum amicitiam fore perpetuam . Anmut nie , et comprobauit . Exhibitum eft omnibus conuiuium fiAio» . In abitu petiit epiftolam ad Duteln . Id praeter padta prae -
( Üti ,

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