Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8034

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Epi'scopills .
„ ist , weil man sie , »ach seiner Meynnng , nicht deutlich in der H . Schrift „ findet . Gleiches Urtheil fället er von unfern andern Geheimnissen : „ woraus er schließt , daß man nicht den geringsten Grund habe , die So - „ cinianer von seiner Gemeinschaft zu verstoßen . Der P . Mabillon „ würde viel eher zu entschuldigen seyn , wenn er des Episcopius Buch „ nicht gelesen hätte : allein er hat selbst bezeuget , daß er es von dem „ Aufseher der Bibliothek des Erzbifchofs zu Rheims geborgt , und länger , „ als zween Monate , behalten har . „ Man urcheile hieraus , wie selten die Werke des Episcopius in Frankreich gewesen . Die Benediktiner haben sie von einem Prälaten entlehnen müssen , der ein großer ber gewesen , diejenigen Bücher zu sammlen , die man am schwersten be - kommen können . Man sehe das Bücherverzeichniß seiner Bibliothek , welches 169z zu Paris in Folio gedruckt worden . Der Verfasser des Anis redet zwo Seiten darauf von einen Domherrn , welcher gegen seine Freunde bezeuget , daß ihm die Lesung des Grotius die Augen zu eröffnen angefangen habe . „ Er ist nicht der einzige von „ seiner Gemeinschaft , der auf diese Art redet : verschiedene darinnen leh - „ ren es : nnd es giebt einige darunter , welche die Werke des Courcelles „ absonderlich lesen , welche einen Auszug von der Gottesgelahrrheit des „ Armitüus , und einen guten Theil von der Socimaner ihrer enthalten . „ Es ist sehr zu befürchten , daß die übermäßigen Lobeserhebungen , die »der P . Mabillon den theologischen Institutionen des Episcopius gege - „ ben , nicht Key einigen Benedictinern die Begierde erwecken , seine Wer - „ ke zu suchen , oder dastheol . Lehrbuch des Courcelles zu haben . , ,
( H ) Die Arminianer - - , haben einem von ihren fessoren aufgetragen , den Jurieu der Lästerung öffentlich zu be , fthuldigcn . )
Stücke aus einem Briefe des - Herrn le Clerc .
Le Clerc , Professor des Collegii der Arininianer zu Amsterdam , und ei - ner von den gelehrtesten Mannern dieser Zeit , hat von seinen Obern Befehl bekommen , wie man saget , einen a» den Jurieu gerichteten Brief heraus zu geben , worinnen er säget , daß 0ie>enigcn , welche einige Belesenheit in den Schriften des ÜJptfcoptiis haben , t und die Gesellschaft der Remonstranten kennen , nicht nothig hätten , daß man sie bey ihnen rechtfertigte ; und daß diesenigen betref - send , die diesen Schriftsteller nicht gelesen haben , und niemal» mit einigen Remonstranten umgegangen sind , wenn sie gleich so ungerecht wären , nach der bloßen Anklage des Jurieu zu ur , theilen ; ohne daß sie sich weiter in den Sachen unterrichteten , davon die Rede ist , nickt verdienen würden , daß man ihnen zu rechte hülfe . Sic wüßten nickt , was Billigkeit wäre , und sie wür - den vermuthlick ihren Geist vor allen Gattungen der Rechtfer , tigung verstopfen , ob man gleich auch überzeuget ist , daß es keine einzige Billigkeit liebende Person weder in den vereinigten Provinzen , noch anderwärts geben wird , die geneigt wäre , die , fem Ankläger auf sein wort zu glauben ; daher ich diesen Brief nicht , die Welt zu hintergehen , an Yen Iurieu richte ; sondern zu versuchen , ob es möglich ist , ihn zu vermögen , daß er wieder in sich selbst gehe , und Gott wegen der Sünde um Verzeihung bitte , die er durch eine so verhaßte Verlästerung seines Nächsten begangen hat ; daß noch ein einziger Grund zur Hoffnung vor - banden wäre , daß er nach Lesung dieses Briefes im Stande fey , Gott die Ehre zu geben : nämlich daß in demjenigen , was er saget , vielmehr unbedachtsamer Eifer und Einbildung , als Arglist und Ueberlegung ist . Denn kurz , einen berühmten Schriftsteller , dessen Bücker in der ganzen Welt - Händen sind ohne Beweis zu beschuldigen , daß er Meinungen hege , die er förmlich verwirst , und die keine nothwendige Verbindung mit seinen Grundsätzen haben , dieß ist nicht das Mittel , jemanden
^Nach diesem Eingänge schreitet le Clerc zur Sache . 'Jht diget den Episcopius zweyer Dinge , saget er : das erste tft , daß er ein Socinianer , und das andere , daß er ein Feind der cbrist , licken Religion wäre . Dieser lepte punct ist nach eurer Art zu schließet nur eine Folge des erster» ; so daß , wenn man sen hätte , daß das erste , eine grobe Lästerung wäre , man euch auch , nach eucrn Grundsätzen , überzeugt haben würde , eine Person der aller abscheulichsten - Heucheley , die man sich nurvor - stellcn kann , ohne Grtrnd beschuldiget zu haben , die allezeit Profes - - sion davon gemacht , an Iesum Christum zu glauben , und herrliche Proben ihres Glaubens gegeben hat . Ic heftiger die Beschul , Vigung ist , um so viel klarersollten dieBcweise styn ; und gleich - wohl führet ihr keinen einzigen an , der nur einigermaßen wahr - scheinlichkeit hatte . Man zeiget hierauf , daß Episcopius in Absicht auf die Dreyeinigkeit , und da« Opfer Jesu Christi , sehr weit von der Meinung der Socinianer entfernet gewesen : man zeiget viele von seinen Büchern an , worinnen er über diese zween Hauptpuncte seine Gedanken sehr deutlich erklärt , und der Socinianer ihre widerleget hat . Man beweist , daß jurieu zwo Stellen des Episcopius «»getreulich an - geführt , die eine das Geheimniß der Dreyeinigkeit , und die andere die ewiae Strafe der Verworfenen betreffend : und nachdem man die erste Beschuldigung widerlegt hat , so wirft man die andere gar leicht übern Haufen ztheils weil sie keine Folgerung der ersten ist . theils well die Auf - fuhrung und Bücher des Episcopius auf das deutlichste bezeugen , daß er Tugend , Gewissen , nnd Eifer für die christliche Religion gehabt . Man bemerket die Stelle seiner Institutionen , nämlich das VI B . I Seck . Il und III ( Sap . wo die Wahrheit de« Christenthums auf eine so deutliche und starke Art bewiesen wird , daß , wenn die Freigeister seine Gründe wobl erwägen wollten , man hoffen konnte , daß künftighin keine mehr in der XPclt seyn würden . Und ihr , mein - Herr , geht mit ihm als mir einem Feinde des Christenthums um , also redet le Clerc den Jurieu an , ohne daß es nur scheint , daß ihr seine Schriften gelesen , oder sein Lcbcn untersuchet hättet ! Jn Wahrheit , es ist nichts als die Unruhe des blinden Eifers , die in euch seit geraumer Zeit erscheint , und die mich ZU sägen be , wegen könnte , Herr , vergieb ihm , denn ihr wisset in der Chat nicht , was ihr thut . Ihr konntet kein besser Mittel erwählen , für einen Menschen gehalten zu werden , der in den Pflichten de« Chri , stcnthums und der bürgerlichen Gesellschaft wenig unterrichtet ist , als da ihr auf solche Art rsSet . Es giebr nur noch wenige
mit Sünden beladene Weiblein , und die in die predigt gehen , ohne daß sie etwas davon verstehen ebenso , wie sie nichts vom Evangelio verstehen , die sich dadurch berriegen lassen können .
* ES ist wobl wahr , wie Clericns versichert , daß Episcopius kein Socinianer in dem Artikel von Christo gewesen . Ob aber ClericuS selbst von diesem Vorwurfe ganz frey gewesen , das ist eine andere Frage . Ich halte es nicht für christlich und liebreich , gelehrte Män , ner mit verhaßten Namen schwarz zu machet' ; ich will auch gar nicht behaupten , daß Clericus wirklich mit dem Servetus oderSocinuS und ihren Anhängern einerley gelehret . Allein so viel kann man doch wohl sagen , daß seine Meynungen von Christo mit dem nicä - Nischen Glaubensbekenntnisse nicht übereinstimmen . Gleich in dem ersten Büchlein , welches er nnd ) seiner Ankunft in Holland nnter dem Titel Entretiens fiir diverfes niatieres de Theologie 168S in 12 . in zwey Theilen herausgab , stehen in dem II Theile einige spräche von der scholastischen Metaphysik , welche das Geheimniß der Dreyeinigkeit betreffen , und sehr frey davon urtheilen In leinen Epiftolis theologicis Liberii de S . Arnore , die er Irenopoli 1679 in 8 . herausgegeben , steht auf der 1 und f . @ . ein Stück , welches seine Gedanken fast noch klärer zu verstehen giebt . Nun hat er zwar , diese unter fremden , oder ohne allen Namen geschriebene Sachen hernach nicht vertheidigen , noch die darinnen enthaltenen Meynungen für die Seinigen ausgeben wollen . Allein man lese nur in Hammonds N . T . welches er lateinisch überseht , und ver - mehrt hat , was er bey dem ersten Capitel Johannis über die ersten Verse desselben für Erklärungen gegeben : so wird man sehen , in wie weit er , von der nicänischen Lehre abgeht . Man lese auch in seinem Leben der Kirchenväter und Ketzer , das Leben des Euse - bius , in der Uebersetzung Thomasens die >71 - in 8 . zn Halle her - ausgekommen . G .
Betrachtung über diesen Brief , und über dessen Folgen .
Diese in die Augen fallende Handlung der Remonstranten ist ein offen - barer Beweis , daß Episcopius verleumdet worden ; denn es findet sich nicht die geringste Wahrscheinlichkeit , daß le Clerc diesem Briese , von dem ich det , seinen Namen hätte vorsetzen wollen , wenn er es für möglich gehalten , daßJurieu seineBcschuldigungcn rechtfertigen könnte . - allein dasjenige , was nur ein Zeichen , oder eine starke Vermuthung von der Unschuld des Epi - scopiuS war , ist durch das Stillschweigen des Anklägers ein licher Beweis geworden . Sein Ruhm ist ihm . wie aller Welt bekannt ist , von einem unschätzbaren Werthe : also hat ihn lediglich die ausdrückliche Unmöglichkeit , seine Beschuldigung zu behaupten , zum Schweigen und zur geduldigen Ertragung des öffentlichen Schandflecks gezwungen , ws - mit ihn der Brief des le Clerc belegt . Und nun sage man uns , t - iß Jurieu von einem so rachgierigen Geiste besessen sey , daß er niemals ein Beyspiel der Geduld gegeben habe . Die allerqürigste Seele von der Welt würde nicht , wie er gethan hat , ohne den Mund ausznrhun , die heftige Beschimpfung eiueS arminianischen Professors erduldet haben ; eine Beschimpfung , die bey vorausgesetzter Unschuld des Episcopius , eine bloße Handlung der Gerechtigkeit ist . Man wird sich vielleicht wundern , daß die Obern des Anklagers nicht an seiner Ehre Theil genommen ha - ben ; eben so wie die ganze arminianische Partey an der Ehre des Episco« Pius Theil genommen hat . So bald dieser beschuldiget worden , hat sich seine Parten geregt , um der Welt seine Unschuld zu zeigen ; allein nie - , mand hat den Ankläger genöthiget , sich vor den Äugen des Volks zn reinigen , und den Schandfleck eines Lästerers auszulöschen , den ihm le Clerc angehängt harre Doch darf nian sich über diese verschiedene Aufführung nicht verwundern . Die Ehre dcs Episcopius war von größerer Folge für seine ganze Partey , als die Ehre des Jurieu für die wallonischen Kirchen : und da überdieß die Vernunft will , daß alle Schande , die ein Angeklagter verdient , wenn nian ihn mit Recht be - schuldiget , auf denjenigen zurück falle , der ihn lästert ; so har man doch in den Landern des päbstlichen Rechts nicht also geurtheilc' ( Man ver - stehe dieses nur vvn der sehr gangen Hebung ; denn außer diesem unter - werfen die päbstlichen Rechte sowohl , als die bürgerlichen Gesetze , den Verleumder dem Vergeltungsrechte . ) Ketzereyen in einem Buche zu finden , wo gleichwohl keine sind , das ist eine Sache , die sehr oft für ein Merkmaal des Eifers gehalten wird : man kömmt mir einer Warnung los , künftighin nicht so hitzig zu seyn ; nnd manchmal hat man auch diese Vorstellung nicht einmal auszustehen . Es ist also viel nöthiger , einem unrechtmäßiger weise beschuldigte« , Lehrer zur Hülfe zu eilen , als einem falschen Angeber der Ketzereyen beyzustehen .
Zwo gegründete Ursachen verbinde» mich , diese Anmerkung zu machen . Die erste ist , daß nichts so sehr in dieses Wörterbuch gehöret , als die Unrich - tigkeit der Geschichte ; so daß ich , ohne Verstellung und Annehmung derPer - son , die sehr gerecht getadelt worden wäre , die schmähsüchtigen Lügen nicht mit Stillschweigen habe übergehen können , die wider den Simon Epis - copius in die Welt geschickt worden . Zum andern borh sich eine Gele - genheit dar , den Jurieu von einer schönen Seite zu zeigen : so daß ich ei - nen Übeln Hauöwirth abgegeben haben würde , wenn ich dieselbe verab - siiumer hätte . Es ist ihm rühmlich , daß er durch sein Stillschweigen den Schaden ersetzet hat , den er dem Nachruhme dieses gelehrten nes zugezogen hatte . Er hätte tausenderlei ) Spitzfindigkeiten . hundert Umwege , hundert Zweydeutigkeiten erfinden können , seine Anklage zu behaupten : und er hätte versichert seyn können , daß unzählige Leute alles das auf fein Wort geglaubet haben würden , was er dem arminianischen Prediger nur schuld geben wollen . Le Clerc halte sich gegen die Welt verbindlich gemacht , nicht weiter zu antworten . Wer kann also leugnen , daß Jurieu nicht viel Lobsprüche verdient , da er lieber schweigen und seine Empfindlichkeit mäßigen , als seinen erfindunqsfähigen Geist die Vorurtheile seinem Leser und das Versprechen des le Clerc , zn seinem Nu - - tzen anwenden wollen ? Ich bekenne , daß er noch weit lobenswürdiger seyn würde , wenn er , anstatt , zn schweigen , öffentlich bekannt hatte , M er sich geirret ; allein man kömmt nicht mir einem Sprunge zur Hel -
bentugend : man gelanget nur stufenweise dazu ; und das ist schon ein
schöner Anfang , wenn ma» die Schutzschrift desjenigen nicht beantwor - tet , den man gelästert hat .
( I ) Er hat eine Reise nach Frankreich gethan , wegen welcher seine Widersacher viel falsche Geruchte ausgestreuct haben . ] Sie haben gesagt , daß er gcheime Unterredungen mit dem P . Loten
gehabt ,

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