Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8019

404 Episcopius .
noftra poteftatc , nobisque pareat , nec id fine cauflä . Eins cnim rei tur der Seite ab , als wie die Bewegung der Schwer« von der Natur
caufiä , ipfa natura eft . Ebendas . Es ist gewiß , daß ihnen Karneades der Atomen , nach EpikurS Meynung , abhangt ? In diesem Falle nimmst
hier nicht allein eine viel gründlichere Antwort dargebothen , als deren du das Schicksal der Stoiker nicht weg ; denn du lässest keine einzige
, sie sich bedient haben , sondern auch die scharfsinnigste und stärkste , die der Wj / ckung zu , die nichr von einer nothwendigen Ursache Ixvwr gebracht
menschliche Geist nur hervor bringen kann . Ich bekenne , daß man ihn wäre . Weder Karneades , noch ein einziger andrer heidnischer Philo -
hatte fragen können , hangen denn diese fteywillige Handlungen der soph wäre vermögend gewesen , etwas grundliches auf diese Frage zu
Seele , die nicht von einer äußerlichen Handlung abhangen , von der Na - antivoxten .
Episcopius , ( Simon ) einer von den allergeschicktesten Männern des XVII Jahrhunderts , und der vornehmste Pfeiler Svn der Secte der Arminianer , war von Amsterdam . Er war daselbst im 1583 Jahre gebohren , und gieng , nach vollbrachten Schulstudien , im 1600 Jahre , Studierens halber , nach Leiden . Er ward daselbst im 1606 Jahre Magister . Er legte sich aus das theologische Studium , und brachte es so weit darinnen , daß er in kurzer Zeit des Predigtamts würdig geschähet ward . Die Bürgermeister zu Amsterdam wünschten dessen Beförderung : weil er sich aber , unter wahrenden Streitigkeiten des Gomarus undArminius , zu derPartey dieses letztem geschlagen hatte , so fand er viel Hindernisse wegen seiner Aufnahme ; so daß er einen Ekel vor der Akademie Leiden bekam , und 1609 von da nach Franeker gieng . Er hielte sich daselbst nicht lange Zeit aus : denn er wurde gewahr , daß er , weil er mit allzuvielem Feuer disputirt hatte , den Professor Sibrandus Lubertus , einen großen Goma - risten , wider sich gereizet hatte . Er verließ also diesen Ort , und kehrte nach Holland zurück , wo er im »610 Jahre , als Prediger aus - genominen , und einem Dorfe gegeben wurde " , das unter Rotterdam gehöret . Er ist einer von den Abgeordneten bey der Un - terredung gewesen , die 16» in dem Haag vor den Staaten der Provinz , unter sechs contraremonstrantischen , und sechs remon» strantischen Predigern gehalten worden ; und er ließ dabey seinen Witz und seine Gelehrsamkeit außerordentlich ausbrechen . Das folgende Jahr wurde er erwählet , dieProfeßion der Gottesgelahrtheit in Leiden zu besetzen , welche Gomarus freywilligver - lassen hatte : und er lebte mit Polyandern seinem Amrsgenossen im Friede , ob sie gleich von der Gnadenwahl widrige nungen hatten . Die Verrichtung seines Amts , und die Studien seines Cabinets , waren eine leichte Bürde , in Vergleichung der Anfälle und Lästerungen , denen er sich unter mährenden Unruhen des Arminianismus auSgeseßet gesehen ( A ) : denn das Feuer deS Zwiespalts und des Hasses , nahm die Gemüther des Volks gar bald ein . Da die Staaten von Holland den Episcopius zudem Synodo in Dordrecht eingeladen hatten , um daselbst , wie die andern Professoren , der sieben vereinigten Provinzen , Sitz zu nehmen : so vegab er sich daselbst , wie die ersten , in Begleitung etlicher remonstrantischen Prediger , dahin ; allein der SynoduS wollte keinen davon bey der Versammlung , als Richter leiden : er wollte sie nicht anders , als vorgeforderte Personen zulassen . Er mußte die - ser Notwendigkeit nachgeben . Sie stellten sich ein : Episcopius hielt eine Rede , und erklärte , daß sie bereit wären , mir dein Synodo in Ui , terredung zu treten . Alan gab ihm zur Antwort , daß die Versammlung nicht beysammen wäre , zu disputiren , sondern zu urtheilen . Sie verwarfen sie , und wollten nicht bey ihrer Verordnung beruhen : weil sie ihre Meynungen , wie sie es der Nothdurft zu seyn erachteten , nicht erklären und vercheidigen konnten . Nach abgeschlagener Beruhigung bey dieser Ver« ordnung , wurden sie von , Synodo verjagt , und man machte sich fertig , sie nach ihren Schriften zu verurteilen b . _ feie vev - theidigten ihre Sache mit der Feder , und Episcopius hat die meisten Stücke verfertiget^ die sie bey dieser Gelegenheit hervor ge - bracht , und die man , einige Zeit daraus , herausgegeben hat . Sie wurden durch den Synodum ihrer Aemter entsetzt ; und weil sie eme^chrift nicht unterschreiben wollten , welche eine Versprechung enthielt , keine Verrichtung eines Predigers besonders , weder mittelbar noch unmittelbar , zu verrichten , aus den Ländern der Republik verbannet . Episcopius hielt sich in den spanischen Nie - landen auf , so lange der Waffenstillstand dauerte ( B ) . Er war mit den Sachen seiner untergedruckten Partey nicht so sehr be - schäffciget , daß er nicht wider die römische Kirche für die , der ganzen protestantischen Gemeinschaft , geineinen Wahrheiten gear - beitet hatte ( C ) . Nachdem der Krieg der Spanier und Holländer geendigetwar , gieng er nach Frankreich , und arbeitete durch seine Schriften , so viel als ihm möglich war , seine Brüder zu stärken und zu trösten ( D ) . Und da sich endlich eine günstige Zeit anboth , so kam er im 1626 Jahre nach Holland zurücke , die Stelle eines Predigers bey der remonstrantischen Kirche in Rotterdam zu vertreten . Er verheirathete sich daselbst in folgendem Jahre ( E^ , und begab sich im 1634 Jahre nach Amsterdam , um daselbst die Aufsicht über das Collegium zu haben , welches die von seiner Secte daselbst ausrichteten . Er ist in dieser Be - . dienuiig den 4 April 1643 gestorben : dieß ist an einer VerHaltung des Urins geschehen . Er hatte etliche Wochen zuvor das Ge» ficht verlohren c . Er hat seit seiner Zurückkunft in Holland viel Bücher geschrieben , und nicht allezeit die Mäßigung der Schreibart beobachtet , welche seine Grundsätze der Verträglichkeit , nebst den evangelischen Pflichten , auf eine besondere , Art von ihm erforderten . Seine Freunde bemühten sich , ihn deswegen zu entschuldigen ( F ) . Man saget , daß seine Schriften in England , unter den Bischöflichen , Beyfall gefunden ; daß aber itzo etliche Schriftsteller aufstehen , die sich angelegen seyn lassen , sie als höchst gefährliche Bücher zu verschreyen . Man kann nicht leugnen , daß die von ihm beobachtete Unterscheidung , wenn er saget , daß gewiift Artikel , die allezeit für Grundartikel gehalten worden , wahr sind ; daß es aber nicht ausdrücklich nöthig sey , sie zur Erlangung der Seligkeit zu glauben , nicht böse Folgen nach sich ziehen könnte . Man hat seit kurzem den gelehrten P . Mabillon , wegen der Werke des Episcopius , getadelt ( G ) . Die Arminianer thaten im 1690 Jahre eine That , die viel Ausse - hei , s gemacht , welche bezeuget , wie lieb ihnen die Ehre dieses Predigers ist . Man weis , daß sie einem von ihren Professoren aufgetragen , den Jurieu öffentlich der Lästerung zu beschuldigen ( H ) , der vom Episcopius übel geredet hatte . Ich habe ver - gelten , zu sagen , daß die nach dein Tode dieses gelehrten Arminianers herausgekommenen Werke , dem Courcellaus durch FranciscuS Limburg , den Eidam des Rembert Episcopius , eines Bruders unsers Simons d . verschafft worden ; und daß in der Vorrede , die inir diesen Artikel dargebothen hat , nichts von der Reise gesaget wird , die Episcopius im 1615 Jahre nach Frankreich gechan , und wegen welcher seine Widersacher viel falsche Gerüchte auSgestreuet ( I ) . Allein anstatt dieser wirklichen Reise zu ken , so hat man darinnen von einer erdichteten Reise , unter dem 1610 Jahre , geredet .
Es heißt Dleiswic . b~ ) Cum Synodus libertatem illam limitibus iftis circumfcribcre vellet , quantum ipfa fatis elf« poflfe et debere iudicaret , ipfi vero tarn iniquis conditionibus , quibus canfam fuam proderent , per confcientiam acquiefcere non poifent , tandem a Synodo funt eiecU , tanquam indigni cum quibus ipfa vlterius quicquam ageret . Synodusque fe ad eos ex fcriptis ipforum iudicandos accinxit . Stephanus Curcellaeus , Praef . Oper . Epifcopii . c ) Aus der Vorrede seiner Werke vom Stephan Curcelläus ver» fertiget . NB . Man will nicht Bürge für die daraus entlehnte Sache , weder in dem Texte , noch in den Anmerkungen dies»« Artikel seyn . d ) Steph . Curcellaeus , Praef . in Op . Epifcopii .
( A ) Seine Studien waren eine leichte Bürde in Verglei , klären : baß er dabey nicht anders , als unter einer gewissen Einschränkung ,
chung der Anfalle und Lästerungen , deren er sich unter rvah , ruhig seyn könnte . Der Priester fuhr auf , und schalt ihn einen jungen
renden Unruhen des Arminianismus ausgeftnel gesehen . ^ Die vermessenen Menschen . Der Pöbel wurde hikig , und es fehlte wenig , f»
Streitigkeit über die Gnadenwahl , fing auf den Akademien an , und wäre Episcopius , den man so wohl in derKirche , als aufdenGassen , mit
sprang gar bald auf die Kanzeln der Prediger : sie breitete sich unter den Schimpfworren belegte , geschlagen und qesteiniget worden Will man
Familien aus , und entzündete auch das Feuer der Zwiespalt unter den mich fragen , worüber er sich erklären wollen , so werde ich antworten : daß
Personen von der Regierung . Ab Acadeimae cathedris in Ecclcfia - es darum geschehen , weil Uytenbogard in gleichem Falle , da er durch ein
rum primum ambones et poftea in vulgus dimanafiet , lmo etiam ganzes schlechtes einfältiges Ja geantwortet , etliche Zeit darauf erfahren ,
Reipublicae proceres , quorum erat tanto malo remedium , afterre in daß man ihm auf öffentlicher Gasse vorgeworfen , er hatte die Lehren der Re«
Studia contraria fcidiflet . Stephan . Curcellaeus , Praefat . in Opera monstranten verlassen . Dieser ersten Gefahr des Episcopius , ist gar bald
Epifcopii . Alles war in Unordnung und in Unruhe , und bey diesem eine andre gefolger : denn ein Grobschmid , der ihn eines Tages vorbeygehcn
Zanke war niemand den Lästerungen des Pöbels mehr ausgeschet , als sah , kam aus seiner Schmiede mit einer eisernen Stange hinter ihm drein
die geschicktesten Leute von der arminianischen Partey ; weil man sie als die gelaufen , und schrie , schlaget zu ! ein Arminianer ! ein Stöhrer der Kirche !
erste Ursache dieser Unordnungen ansah . Maximi tempeftatum fludhis Episcopius wäre von diesem groben Kerle gar umgebracht worden , wenn
celeberrinios quosque doärina inter Remonftrantes feriebant , qui - er nicht die Flucht ergriffen hätte , und ihm andre Leute zu Hülfe gekommen
bus veri ignara plebs , et affechi potius quam iudicio du« fohta , wären . Der von mir angeführte Schriftsteller , Stephan Curcelläus ,
omnem turbarum culpam iinputabat . Ebendaselbst . Man urtheile , in der Borrede über des Episcopius Werke , erzählet , daß das Haus des
ob man des Episcopius geschont hat , dessen Geschicklichkeit so bekannt ge - ältesten Bruders des Episcopius , den . 9 Hornung 1617 , von dem Pöbet
wesen . Er ist das andre Jahr seiner Profeßion zu Leiden , in der Kirche in Amsterdam geplündert worden , nnter dem falschen Vorwande , daß
und auf der Straße zu Amsterdam angefallen worden , weil er , da er eine gewisie Anzahl Arminianer darinnen die Predigt hörten . Dieß
einer Taufhandlung einer von seinen Nichteln beygewohnet , dem Prie - sind die unvermeidlichen Folgen der theologischen Streitigkeiten , wenn
ster , der das Amt verrichtete , etwas geantwortet hatte , welcher fragte : sie der Geist der Mäßigung nicht in den Umfang ihrer Hörsäle ein -
ob die Lehre seiner Kirche nicht die wahre und vollkommene Lehre des schrankt , und wenn man den gemeinen Mann hitzig und wild machet ;
Heils wäre ? Episcopius , anstatt , diese Frage nach Gewohnheit , durch welches eine Sache lehren soll , die man niemals ausüben wird , nämlich :
ein Veysallszeichen zu beantworten , nahin das Wort auf , um sich ju er - daß man niemals anders , als im Falle einer äußersten Nothwendiakeir ,
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