Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7960

Nie . um aus diesen unförmlichen Klötzen , ein ordentlich Haus auf - zuführen ; oder einen Steinmetzen , der von einem ungeheuren sen die Werkstücken abhacket« , einen prächtigen Tempel ren ? Es ist hier nämlich gar nicht von Städten und Republiken die Rede . Dergleichen Dinge waren ja in dem ersten Chaos nicht . Das Recht der Menschen auf die Thiere brauchen wir hier zwar aar nicht . Wie aber ? wenn wir einen Fürsten fetzeten , der bloß zu seinem Vergnügen einen Thiergarten anlegre , darinnen er nicht nur
? großes Wild , von allerlei Art , aus den Wäldern zusammen triebe , öndern auch allerley schönes Geflügel , als Pfauen , Strauße , Kra - niche , Tauben von mancherley Arten , u . d . gl . versorgete ; schöne Teiche voller Schwanen und andern Wasservögeln unterhielte ; auch Vogelhäuser , voller Gesangvögel ernähren ließe ; mir dem ausdrücklichen Befehle , allem diesem Wilde kein Leid zu thun , viel - weniger eines zu tödten : Könnte man da wohl sagen , daß dieser Fürst tyrannisch handelte , da er diesen wilden Thieren ihre Frey - heir genommen , und sie zu seinem Vergnügen zusammengebracht ? Müßten nicht vielmehr alle diese Thiere sich glücklich schätzen , daß sie so sreygebig ernähret würden ? Eben so muß man ja von dem unförmlichen Klumpen urtheilen , daraus Gott , aus lauter Güte , und so zu reden , zu seiner bloßen Belästigung , dieses ordentliche Weltgebäude hervorgebracht ; darinnen er allen seinen Geschöpfen lauter Gutes thut , in so weit sie dasselbe zu ertragen fähig sind . Doch wir wollen nun noch auf alle die besondern Einwurfe worten . Denn weil HerrjBayle sich so viel Mühe gegeben hat , das epikurische Lehrgebäude recht verführend zu mache» : so ist es schon der Mühe werth , alle seine Scheingründe zu entblößen . G .
I . Zum ersten würde er fragen : ob eine Sache einen anständigem Zustand , als denjenigen , haben könnte , worinnen sie beständig gewesen , und worein sie ihre eigene Natur , und die Notwendigkeit ihres Da . seyns von Ewigkeit her , gesetzt hätten : Ist ein solcher Zustand nicht der «llernarürlichste , den man sich nur einbilden kann ? Kann dasjenige , was die Natur der Dinge , was die Notwendigkeit , welcher alles , was von sich selbst besteht , sein Daseyn schuldig ist , geordnet und bestimmet hat , wohl einiger Verbesserung nöthig haben ? Müßte eS nicht nochwendiger Weise in Ewigkeit dauren ? Und ist dieses nicht ein Beweis , daß alle besserung zu langsam kommen würde , und folglich mit der Weisheit de» Verbessererö nicht bestehen könnte ? *
* Die Allgemeinheit dieses Satze« wird sich leicht unterbrechen lassen . Der Zustand , darinnen eine Sache , so zu reden , von sich selbst ist , ist nicht allemal der beste . Ein großes Stück roher Mar - mor , so wie er noch in seinem Bruche liegt , ist gewiß nicht besser , als wenn die Hand eines Phidias darüber gekommen , und ein vor - treffliches Stück Arbeit , die Bildseule eines Gottes oder Helden daraus gemacht hat . Ein Dintensaß voller Schwärze ist gewiß in einer solchen Vollkommenheit nicht , als wenn eine geschickte Hand und Feder ein vortreffliches Gedichte , z . E . dieJliaS , oder die Lehr« buch« des Euklide« damit zu Papier gebracht hat , daraus lauter Schönheit , Ordnung , Wissenschaft und Gründlichkeit hervorleuch , ten . Warum sollte nun der unordentliche Zustand der Stäub - chen , die wundersame Vermischung aller Materien , oder ein wü - ster finstrer Klump , etwas bessers seyn , als eine Welt voller Orb . nung und Schönheit ?
Was nun die Natur ver Dmge , oder die Notwendigkeit hier so unverbesserlich gemacht haben soll , das hat entweder gar keinen Sinn ; oder es zeiget ein weises Wesen an , welches nach Regeln wirket . 3st nämlich diese Notwendigkeit , diese Natur mit heit begäbet : so wird sie alle Dinge ordentlich gemacht haben ; so , wie wir es von Gott behaupten . Epikur aber saget ja nichts weni - ger , als das . Seine Natur der Stäubchen ist blind , ohne Witz und Verstand , und kann also nichts nach Regeln machen . Seine Stäubchen fliegen von ungefähr , rechtsum oder linksum : Und an ei - ner so unordentlichen dummen Natur der Stäubchen kann noch wohl wa« zu verbessern seyn . Man schütte einen Schriftkasten voller Buchstaben über einander aus : so wird die Natur dieser metallenen Körper sie zwar nach einer gewissen Notwendigkeit hinwerfen ; aber wird denn dieses der beste Zustand seyn , den diese Buchstaben haben können ? Ein geschickter Setzer kann sie ohne Zweifel in eine viel bessere Ordnung setzen , daraus der große Ver - stand und Witz eines Scribenten erhellen wird . G .
N . Allein wir wollen den Grundsah voraussetzen , e» ist besser spät , niemals : praeftat fero quam nunquam : wie sollte es dieser Verbessere ? anfangen , den Zustand und die Beschaffenheit der Ma - terie zu verändern ? Müßte er nicht eine Bewegung darum hervor brin« gen , und müßte er deshalben dieselbe nicht berühren und stoßen ? Kann er sie berühren und stoßen , so ist er von der Materie nicht unter« schieden ; und wenn er davon nicht unterschieden ist , so läßt man mit Unrecht zwey unerschaffene Wesen zu ; eines . daS man Materie , das andere , welches man Gott nennet . Es ist solchergestalt in der That nur die Materie indem ganzen Weltgebäude : unser Streit ist geendiget ; dieser Urheber der Welt , dieser Regent , diese göttliche Vorsehung , davon man handelte , ver - schwinden im Rauche . * Wenn er von der Materie unterschieden ist , so hat er nicht die geringste Ausdehnung : man sage mir also , wie er sich an die Körper machen kann , sie von ihrem Platze zu verjagen ? Der Platoni - ker wird antworten , daß die Materie allezeit Bewegung gehabt , und daß er sie also nur einrichten dörfe : allein man wirderwiedern , daß zur Einrichtung der Bewegung gewisser Körper , auch andere beweget wer - den müssen Dieß erhellet aus der Lenkung der Schisse und aus allen Maschinen : dieserwegen könnte die göttliche Natur , wenn sie nicht ma - terialisch wäre , einer daseyenden Bewegung eine neue Richtung nicht leichter geben , als die Bewegung von neuem hervorbringen . Man merke , daß Aristoteles die Voraussetzung von der ewigen gung der Materie für ungereimt erkannt hat . Er hat den Plat>> sehr wohl Ärle ? et welcher gesag - t - daß m : der Jrr Welt
An - ! » . n ÄÄÄÄ
Ariftotelem de Coelo , Libr . III . cap . ll . p . «• 370 . G . Et«beruh - r , t ihn des Widerspruches , und er beobachtet überhaupt w'der aUe d . e^ nigen , welche gelehret , daß die Bewegung , die vor dem Daseyn ver
Epikur . Z99
Welt hergegangen , unordentlich gewesen war« ; daß sie eine Ungereimt , heit behaupteten ; angesehen , die Bewegung , welche vielen Dingen und sehr langen Zeiten zukömmt , für natürlich gehalten werden müsse ; woraus folger , daß die Hervorbringung der Welt vielnuhr eine Umteh - rung des Zustande« , der Natur , als eine Einführung des wahren natür , lichenZustandes feyn müsse : 'Et1 , re «Tax™« , üSsv tfiv Ingov , 1 } ri * «<>4 ch varj . yicg t££ to yag tl txehq TÜv jxguyn & Tm , « ! - - » tcc «Ali« , yjrf rot
nf . ciu %govov . cvpßahuv «v auroi ( Tbvavrfov , rijv fliv arccfyuv tZoq xxrct ( pvctii , rijv Si t6%iv yjrf ro» Kof / iov irxgic «Jiffiv . yy ] toi iSiv u ( * Tv%t ylynTOH tBv xari Qvrtv . Praetcrca inordinate quippiam fieri nil aliud eft , quam fieri praeter naturam : ordo enim propriu * fenfibilium natura nimirum eft . At vero et hoc abfurdum eft ac impoflibile , infinitum , inquam , inordinatum motum habere . Eft enim et natura rerum quam plures et maiori tempore habent . Con . trarium igitur ipfis accidit , inordinationem quidem efle fecundum naturam , ordinem vero mundumue praeter naturam : et tarnen hil eorum , quae funt fecundum naturam , fit forte fbrtuna . Ari - ftot . de Coelo , Libr . III . cap . II . p . 371 . B . Dieserwegen bemerket er , daß Anaxagoras , welcher vorausgesetzt , daß die Theile der Materie in Ruhe gewesen , da die Welt hervorgebracht worden , diese Sache wohl
verstanden hätte . * Eoixi Si tbto ye avro K^ayägat vroAa -
ßs7v 1% Sckiv^tuv yag igxcTOf mtnonoiüv . Videtur autem ras hoc ipfum bene acctpifle : ex immobilibus enim incipit con - ficere mundum . Ebend . C . Wir wollen wieder zum Epikur kommen . * Hier läßt Herr Bayle den Epikur zum Cartesianer werden , und einem Geiste alle Kraft , in die Körper zu wirken absprechen . So dachte Demokritus nicht , der den Stäubchen geistige See - len gab ; ohne Zweifel sie dadurch in Bewegung zu fetzen . Allein , so werde ich auch meinem Platoniker neuere Lehrsatze ge» den dörfen . um diesen cartesianischen Zrrthum zu bestreiten . Ge - setzt also , die erste ewige Materie wäre in vollkommener Ruhe , und Gott wollte sie in Bewegung setzen : so wird ers dabei ) eben so machen , wie der cartesianische Gott es machet , wenn er den er» schassenen Klump in Stücke bricht , und in gewisse Wirbel zu dre - Hen anfängt . Ja , spricht man : hier ist Gott Herr über sein Ge . schöpfe ; aber bey der ewigen Materie ist ers nicht . Ich antworte : die erschaffene Materie ist eben so wohl ein ausgedehntes undurch , dringliches Wesen , als eine unerschaffene seyn würde . Kann also diese nicht ohne eine Berührung ihrer Oberflächen beweget werden ; so kann es jene auch nicht . Nun hat aber Carttsius eben nicht ei» nen materialischen Gott nöthig gehabt , seine Schöpfung der Welt zu erklären . Er hat es einem unendlichen Geiste zugestanden , daß sein bloßer Wille und Befehl Bewegungen wirken könnte ; ohne sie mit dem Anstoße seiner Flächen zu erwecke» . Warum sollte nun der pla» tonische Gott das nicht anch können ? Hernach , wenn alle Körper aus wahrhaften , nicht aber epikurischen Atomen , das ist , aus Mo« naden oder einfachen Substanzen bestehen : so können auch unma - terialische Stäubchen oder Elemente aneinander stoßen und auf einander wirken , ob sie gleich keine Oberflächen haben . Z . E . ein« Kugel stößtauf die andere , und theilet derselben ihre Bewegung mit . Hier berühren nur zween Puncte einander , und gleichwohl wirket der einePunct in der ganzen andern Kugel eine Veränderung des Ortes . Kann nun eine endliche Monas dergestalt wirken : wie vielmehr wird eine von unendlicher Kraft , nämlich Gott , solche« thun können ; ohne daß er die Materie erschaffen haben darf
Doch Herr Bayle besinnt sich , daß Epikur nicht ruhige , sondern in wirklicher Bewegung stehende Stäubchen angenommen : un ! > hier will er Gott auch da« Vermögen , sie zu bestimmen , oder zi» lenken , streitig machen . Hier darf mein Platoniker sich abermal nur auf den Cartesius berufen , der der menschlichen Seele , die doch un , materialisch ist , die Kraft beygelezt , die Zirbeldrüse , oder den vensaft , nach Belieben zu lenken . Kann das ein endlicher Geist thun , bey Stäubchen , die er nicht erschaffen hat ; so wird es ja noch viel» mehr ein unendlicher Geist thun können . Der Einwurf Aristotels hat hier nicht viel zu bedeuten . Anaxagoras könnte es ihm einräumen , daß die Bewegung der Stäubchen , vor Erschaffuua der Welt , den Stäubchen natürlich gewesen ; daferne sie solche aus ei . nem innerlichen Triebe gehabt , ohne von außen gestoßen zu seyn . Aber er wurde di , Folge eugnen , baß deswegen die Schöpfung eine Verkehrung , nicht aber eine Verbesserung des natürlichen des gewesen . Denn was aus einem blinden Zufalle natürlich ist , das kann doch noch durch Weisheit verbessert werden . Ein Strom hat seinen natürlichen Lauf : aber wenn man ihn durch ordentliche Ca - näle in einen Garten , um eine Stadt , Wiese oder Flur leitet , oder gar durch Springbrunnen zn allerhand künstlichen Wirkungen treibt : So hat man seinen Zustand gewiß besser gemacht , als da er sich durch Sumpf , Schilf und Gebüsche , in allerley krummen Gangen schleichen mußte , ohne die geringste Regel zu beobachten . © .
III . Wir wollen alle meine Schlüsse a priori für nichts halten , würde er drittens zu dem Platoniker sagen : Ich will auch diesen Einwurf fah - ren lassen , daß nämlich die Gütigkeit , wenn sie loblich seyn soll , mit Vernunft verknüpft seyn muß . Allein wir sehen nicht , daß sich scharf , sinnige Personen , so gütig anch ihr Naturell immer seyn mag , aus eis - ner Bewegung in die häuslichen Unordnungen ihres Nächsten schen ; sie begnügen sich , in ihrem eigenen Hanse eine gute Ordnana einzuführen . Siehe den Erasmus über das Sprüchwort : Aedibu ? in noftris quae praua aut re«a geruntur , welches das 8 ? der VI Cent in der I Chil . p . m . ist . Ein weiser PrinzstelletdenSS seine« Staat« ab : allem , er vermengt sich nicht damit , die ten Reiche zu verbessern , «läßt denen diese Sorge , denen sie gehören . Man Könnte , nach dieftm Begriffe , auch von der Weisheit , voraus se - hen : daß es Gott . . . cht unternehmen könne , den Unvollkommenheiten der Materie abzuhelfen . E , durfte dieselbe nicht verantworten , weil er keinen Theil an der Hervorbringung der Körper hatte . Dieß war das Werk der Natur , und also hatte sie darüber zu schalten . Zch stehe auch von dieser Einwendung ab , wird Epikur sagen , und ich erlaube euch , euch der Bespiele derjenigen Helden zu bedienen , welche unter die Zahl der
Dimstt ÄttlA . ' mii i " " " " wch " ^schlechte große
Romuliic

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.