Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7934

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der die Frage beträfe , ob ältere ; , der in dem Anfange seines Gedichte» die Venus anruft , hierinnen nicht wider die L . ehre LLpikurs fündige , und ob dieses roohl mir der Umhätigkcit^ be , stehen könne , die dieser Philosoph Sen Göttern zugeeignet hatte .
CM ) Es haben sich so viele berühmte Verrheidiger seiner Sit« tenlehre aufgeworfen . ] Der gelehrte Gassendi bemerket , daß , so bald die schönen Wissenschaften im XV Jahrhunderte wieder aufzuleben an - gefangen , sich geschickte Leute gefunden , die für den Epikur geredet ; der feit so vielen barbarischen Jahrhunderten unter einem Haufen von Vor - urtheilen unterdrückt gewesen . Cum Epicurus infamis fuifl'et habitus tota illa pene faecnlorum ferie , qua Jitterae bonae fepultae iacue - runt ; vix tarnen libros huitianiores , puluere excufib , rediifie inma - nus ante duo fere faecula , auain omnes pene eruditi fymbolum pro eo contulerunt . Gaffendi de Vita et Moribus Epicuri , Libr . VII , cap . VII , pag . 111 . 224 . Er nennet den Philelphus , den Alexander ab Alexandra , den Cölius Rhodiginus , den Volaterran und den Johann Franciscus Picus . Ich wundere mich , daß er den Laurentius Valla vergessen hat . Er beobachtet auf des Johann Trithemius Wort , daß Baptista Guarinus ein Buch von der Secte EpikurS gemacht hat . Er füget dazu , daß auch Marcus Antonius Bonciariuö eines davon ge - schrieben , um zu beweisen , daß Epikur unter allen den alten Weltweisen derjenige ist , der der Wahrheit am nächsten kommt . Siehe die Worte des Gassendi oben in dem Artikel Donciarius , in der Anmerkung ( C ) , wo ich einen Fehler gefunden habe . Endlich bemerket er , außer dem Palingenius , aus welchem er viele Verse zum Lobe EpikurS anführet , daß Andreas Arnaud , ein Schriftsteller aus der Provence , , eine schrift für diesen Philosophen gemacht hat . Andrea» Arnaudus For - calquerienfis in hac Prouincia Profenefcallus in libello , cui nomen loci , Apologiam pro Epicuro inter caetera edidit , breuem illam quideni , et foliolis paucis ; fed in qua tarnen ea delibantur exLaertio praefertim , atque Seneca , vnde conuincatur , quod vir ille pereru - ditus initio propofuit , fuijje Epicurum iniußius lacejjitum , et lania - turn ab obtrettatoribus . Gaflendi de Vita etc . Libr . VII . cap . VII , p . 224 . Die Neugierigen werden es mir Dank wissen , wenn sie hier eine etwas lange Erläuterung von dieser Schutzschrift finden . Ich bin sie dem höflichen und gelehrten Herrn Minutoli , Pastorn und Profejsorn zu Genf , schuldig . Hier istS , was er mir im Wintermonate 1693 ben . „ Ich habe abgewichnen Tages ein kleines zu Avignon gedrucktes „ Buch gefunden , welches betitelt ist : Andreae Arnaudi , loci , Epiftolae , „ Rara , Epigrammata , Tumuli , Apologiae . Diese letzte Classe von „ Stücken enthält die Schutzschriften des Bacchus , des EpikurS , deSPha - „ laris und des Apulejus . - - - In der Sammlung von Briefen „ ist einer von dem Guirandus Arnaudo , worinnen er , nachdem er „ vortheillhaftig vom RavisiuS Texter gesprochen , dessen Gespräche er „ ihm als etwas neues überjchickt . zu ihm saget , In nono Dialogo mi - „ raberis Textorem , cuius fcripta tantam doärinam teftantur , tarn „ male de Epicuri voluptate teftari , nec animaduertifle Epicurum „ opinione Sardanapalum re Stoiciffimum , Bacchanalia fimulafle , et „ Curios vixifle . Epigram . i ; s .
„ Nam licet illecebris bominem velit ejfe beut um ,
„ Stoicus interea moribus ipfe fuit .
„ Ita Frufius , fed tu fufius nuper dicebas et docebas , " cum non fine „ miratione opinionem quorundam rapiebas ad paradoxuni de „ Bacchoj Epicuro , Phalaride , et Apuleio . O noftri faeculi felici - „ tudo , n omnei Epicuri eflfent , nulla hypocriiis , fi Bacchi , nulla „ Bacchanalia , fi Phalarides , nulla iniuftitia , fi Apulcii , nulla inelo - „ quentia . , ,
Ich habe vergessen , zu sagen , daß Gassendi auch des Erycius Puteanus unter denen gedacht har , die den Epikur gelobt haben . Der berühmte Don Francisco von Quevedo hat zuMadrit im 1^5 Jahre eine schrift dieses Philosophen drucken lassen . Sein Buch ist betitelt : Ept - öeto Efpanol en verfos con confonantes , con el origen de losEftoi - cos y tu defenfa contra Plutarcho , y defenfa de Epicuro contra la opinion conuin . Nicol . Antonio , Bibl . Script . Hifp . F . I . p . 354 . Ich habe diejenige nicht gesehen , die Sarazin in unserer Sprache für Epikur« Sittenlehre geschrieben hat . Colomies gedenket derselben auf der >2 ; S . seiner auserlesenen Bibliothek . Allein ich habe die Betrachtungen des S . Evremond hierübergesehen : sie sind merkwürdig und von gutem Ge - schmacke . ( Diese Betrachtungen sind dem S . Evremond mit Unrecht zugeeignet worden . Sie sind vom Sarrazin , und den neuen Xverken dieses Autors , 1674 zu Paris gedruckt , eingeschaltet worden . Man sehe das Leben des S . Evremond vom des Maizeaux 241 S . Ausgabe von 1746 . ) Man findet sie in der Ausgabe seiner Werke , die 169z in Holland nachgedruckt worden , zu Ende des III Bandes . Man hatte sie 1684 mit drey oder vier Stücken desselben Schriftstellers zu Amsterdam ge - druckt . Der Baron des Courures hat die Sittenlehre dieses Philoso - phen mit Betrachtungen im i6g * Jahre herausgegeben : die Ausgabe von Paris ist in eben demselben Jahre zweymal m Holland nachgedruckt worden . Siehe les Nouv . de la Republ . des Lettres im Jenner >686 IX Art 86 S Dieses Buch läßt den Epikur von einer sehr schönen Seite sehen , und ist so gut , als eine Lobrede . Er führet uns den Kanz - ler von der Kirche und Universität zu Paris , den Herrn Cocquelin in der Billignngsschrift , welche 4 Seiten enthält , auf den Fuß eines teidigers Epikurs auf . La Mothe le Bayer von der Tugend der den im V Bande seiner Werke in 12 , und Sorbiere im XXXlll Briefe in 4 . haben eben diese Nolle gespielt ; allein ich glaube nicht , daß man , in irgend einem Lande oder zu irgend einer Zeit , wo man für diesen Philosophen geschrieben hat , dem Gassendi gleich gekommen ist . Dasjenige , was er hierüber gemacht hat . ist ein Meisterstück , die allerschön - sie und scharfsinnigste Sammlung , die nian sehen kann , und davon die Einrichtung die netteste und ordentlichste ist . Der Ritter Temple , der wegen seiner Gesandtschaften und schönen Bücher so bekannt ist , har sich seit kurzem für einen Vertheidiger Epikurs mir einer ganz besondern Geschicklichkeit erklärt . Man sehe seine vermischten Werke : sie sind ans dem Englischen ins Französische übersetzt , und 1694 zu Utrecht ge - druckt worden ,
( N ) l ? r , und viele von seinen Anhängern haben eine bose re gehabt , und gut gelebt ] Nichts ist vermögender , die Andacht in dem Herzen des Menschen auszulöschen und ihn zu vermögen , allem Got - tesdienste gänzlich abzusagen , als wenn man glaubet , daß Gcir dem mensch - lichen Geschlecht ? weder das geringste Gute noch Böse erweist , daß er
diejenigen nicht bestraft , die ihn beleidigen , und diejenigen nicht belohnt , die ihm dienen . Die allerandachrigsten Christen , wenn sie ausrichtig handeln wollen , werden bekennen , daß das allerfesteste Band , welches sie mit Gott vereiniget , darinnen besteht , daß sie ihn unter einer wohlthätigen Vorstellung so betrachte» ; nämlich , daß er denen , die ihm gehorchen , unendliche Belohnungen auStheilet , aber außerdem die - jenigcn ewig strafet , die ihn beleidigen . Hier aber ist ein Mann , der sich der Religionspflichten nach der Gewohnheit seines Landes ohne al - len Eigennutz entlediget : man sah ihn bestandig in den Tempeln , Er brachte viel Opfer und Geschenke u . d . m . ( Du Rondel Vie d'Epicure , pag . ay . man sehe die ganze Folge dieser Stelle , und in der lateinischen Ausgabe die 60 S , ) denn er bekannte öffentlich , daß die Götter weder Strafen noch Belohnungen ausrheilten . Ebelidas , auf der 34 S . der französischen Ausgabe . „ Er war sehr fleißig in dem Tempel , und da» „ erstemal , da ihn Diokles sah , konnte er sich nicht enthalten , auszuru - „ fen , was für cin Fest ! was für ein Schauspiel für mich , den Epikur „ im Tempel zusehen ! ( Man sehe eine Anmerkung hiervon in den Nouvellen der Republik der Gelehrten im Christmonate »634 , in dem Verzeichnisse neuer Bücher Num . > , . ) alle meine Übeln Argwohnever« „ schwinden , die Gottesfurcht nimmt ihren Platz wieder ein , und ich „ habe die Größe Jupiters niemals besser erkannt , als seit dem ich den „ Epikur auf den Knien gesehen , xf - P5«^ / etc . , , Ich
füge diesem , folgende Worte des Laertius bey : t ? « ( «i» ©s» ?
iffiörijTC ? , >97' srjo« rar^lsa ( piAfac «Aektoi ; ij iitätnu . Laert . Libr . X . nmn . 10 . Sie wollen , nach einigen , so viel sagen , daß er eine unaus , loschliche Ergebenheit gegen die Gorresft , rchr und . flicbe des terlands gehabt . Gassendi hat sie so übersetzt : nam fan & itatis qui - dein in Deos et charitatis in patriam fuit in eo affedhis ineffabilis . Allein bis hierher biethen uns die Ausgaben des Laertius eine andere Auslegung dar . Die griechischen Worte bedeuten darinnen , daß Epikur weder in dein Dienste der Götter noch in dem Eifer für das Beste des Vaterlandes jemals nachgelassen habe : Nam quid de cultu in Deos , et de amicitia aduerfus patriam dicam , quam conftantiflime vfque ad finem tenuit ? Es scheint , daß der Uebersetzer nicht Zmxth ; , wie in dem Gedruckten steht , sondern u^kto ; gelesen habe . Man über - setze sie , wie man will , so findet man ein großes Lob von der Gottes , furcht Epikurs .
Diejenigen vollkommen zu widerlegen , die ihn der Vielfräßigkeir be - schuldigen , so ist es schon genug , sie auf das Zeugniß zu verweisen , wel - ches ihm seine Feinde selbst , ivegen der Mäßigkeit gegeben haben . Man sehe den Seneca , der ihn , als ein großer Stoiker , bey allen Gelegenheit ten hätte anzapfen sollen , so bald ihm nur die Aiischeiliungen ein wenig zuwider gewesen ; der gleichwohl gestanden , daß man in Epikurs Gar - ten sehr übel bewirthet worden . Eo lubentius , saget er im 21 Br . Epicuri egregia dicia comrnemoro , vt iftis , qui ad illa confugient , fpe mala indu & i , qui velamentuin fe ipfos fuorum vitiorum habituros exifti - mant , probem , quocumque ierint , honefte efle viuendum . Cum ad - ierint cos hortulos , et infcriptum hortulis , Hofpes hjc bene mane - bis , hic fummum bonum voluptas eft : paratus erit iftius domicilii cuftos , hofpitalis , humanus , et te polenta excipiet , et aquam quoque large miniilrabit , etdicet : Iicquid bene acceptus es ? Non iriitant , inquam , hi iiortuli fainem , fed extinguunt : nec maiorem ipfis potio - nibus fitim faciunt , fed naturali et gratuito remedio fedant . Es fehlet wenig , daß , nach dem Bekenntnisse des Seneca , die Gäste nnsers EpikurS nicht bey Wasser und Brodte gelebet haben . Ä ! an sehe ver - schieden ? solche Zeugnisse in dem von mir angeführten Buche des Gas - sendi de Vita et Xloribus Epicuri Lib . VI , c . zu , 4 . Die venerische Wol - tust betreffend , so sind die Grundsätze und Nachschlage Epikurs nicht al - lein sehr weise gewesen , ( siehe Laeri . Lib . X , n . „ 8 ) sondern er hat auch durch sein Erempel geprediget , so daß selbst Chrysippus , sein immerwah - render Widersacher , sich genöthiget gesehen , diesen Umstand durch die Un - einpfindlichkeit deS Temperaments zu erklären , die er ihm zugeeignet . Scribic Stobaeus quempiam fxiifle , qui et non iri captuin amorc vi - rum fapientem dixerit , et ipfius Epicuri exemplo inter cacteros id probarit . Chryfippum autein contradixifle , et Epicurum quod atti - neret , excepili'e , nihil ex eius exemplo concludi , quoniam foret mxl - eäiiTii , fenfu carens . Gaflendi de Vita et Moribus Epicuri , Libr . VII , cap . IV . Er führet den Stobä«S , Serm . de ven . et am . an . Ich verweise in die schönen Sammlungen des Gassendi im V , VI und VII Cap , allein diese Worte des Cicero kann ich nicht vorbeygehen : Ac mihi quidem , quod et ipfe bonus vir fuit , et mvlti epic vrei fue - runt , et hodie funt , et in amicitiis fideles , et in omni vita conftan - tes et graues , nec voluptate , fed officio confilia moderantes , haec vi - detur maior vis honefiatis , et minor voluptatis . Ita enim viuunt quidam , vt eorum vita refellatur oratio : atque vt caeteri exiftiman - tur , dicere melius quam facere ; fic hi mihi videntur melius facere , quam dicere . Cicero , de Einibus , Libr . II , cap . XXV . Man sieht hier den Epikur und viele von seinen Anhängern mit dem Lobspruche gu - ter Freunde , ehrlicher Leute und ernsthafter Personen gezieret , welche die Pflichten der Tugend auf das genaueste erfüllten . Man wirst ihnen nur vor , daß sie nicht nach ihren Lehrsätzen gelebet : Ein Einwurf , welcher wider die Rechtgläubigen eben so wahr , und in Ansehung ihrer tausend - mal schimpflicher ist . Cicero behauptet für gewiß , daß wider die Sit - ten Epikurs nichts zusagen gewesen , und daß man ihm nur vorgeworfen , er habe nicht so viel Witz gehabt , seine Lehren mit seiner Auffuhrung zu vergleichen . Ratio ifta quam defendis , pvaeeepta quae didicilti , quae probas , funditus euertunt amicitiam , auamuis cam Epicurus , vt fa - cit , in coelum eflerat laudibus . At coluit ipfe amicitias , quafi qui» iilum neget , et bonum virum , et comem , et humanum ftiifl'e . De ingenio eius in his difputationibus , non de moribus quaeritur . Ebendaselbst .
Untersuchung der Ursachen von der Übeln Meinung , die
man vom Epikur gehabt .
Man wird sich vielleicht verwundern , daß Epikur bey der Ausübung einer so schönen Sittenlehre in eine solche Schande verfallen ist , die so wohl seine Secte , als seinen Nachruhm , viel^Jahrhunderte durch , überall ver« haßt gemacht , wo er bekannt gewesen ist . Ich will hierüber drey kleine Beobachtungen machen . Erstlich beobachte ich^daß man auch hier , wie bey vielen andern Dingen , die Herrschaft des Schicksals erkennen niuß . Es giebt glückliche Leute ; es giebt unglückliche Leute : dieß ist der beste Grund , den man von ihrem verschiedenen Glücke geben kamt . Zum
andern

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