Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7925

Epikur .
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'Holle over das Legefeuer gemartert rverde . und Saß sie eben die - selben Gckmer^en empfinde ? die man empfindet , wenn man brannt wird ; rveil auck , wenn sie gleick in dem Rörper i»i , der Sckmerx von dem Brande in ihr und nickt in dem Rorper wäre , und daß dieses nickts anders fty , als ein Gedanke der Traurigkeit , den sie bev Gelegenheit desjenigen empfinde , was in dem Rorper vorgeht , womit sie Gott vereiniget hat . Art de penler Part . 1 , ch . IX , p . m . 8 ( 5 . Allein er hat keinen Grund , voraus zu se - Ken , daß Gott eiuen gewissen Theil der Materie inAnsehung eines Geistes , dermaßen einrichten müsse , daß die Bewegung dieser Materie diesem Gei . ste eine Gelegenheit sey , betrübte Gedanken zu haben . Ein vollkommen unmaterialischeS Wesen könnte die Verrichtung einer solchen gelegenheit - lichon Ursache vertreten , und in diesem Falle könnte unsre Seele eben dieselbe Vergnügung empfinden , die wir sinnlich und körperlich nennen ; sie könnte , sage ich , dieselbe empfinden , ohne daß ste solche einem Munde oder einem Ohre zuschriebe , eben wie wir itzo das Vergnügen einer guten Mahlzeit und der Musik daher leiten . Hieraus folget , daß die Wol - ( »st , von welcher Gattung man sie auch voraussehen will , die Glückse - ligkeit der Seele machen kann , in was sür einem Stande man sie voraus sehet , entweder mir der Materie vereiniget oder nicht . Dieses verdiente ei - ne absonderliche Abhandlung . Wenn der Nouvellenschreiber der Repu - blik der Gelehrten gksund gewesen wäre , da ArnauldS Dissertation schien , so würde er sie widerleget haben ; und er hat es für zu spät ge - halten , sie zu widerlegen , da ihm seine Gesundheit erlaubte , die Feder zu ergreifen .
( IV Man hat Lügen wider seine Sitten ausgesprengt . ]
Man hat ihn sür einen Vielfraß , für einen Unzüchtigen , und für einen neuen Sardanapal ausgefchrien , und wie er nach der Gewohnheit der damaligen Zeiten ( siehe den Gassendi de Vita et Moribus Epicuri Libr . VII , cap . ; ) unter die Zahl seiner Schüler auch einige FrauenSper - sonen aufgenommen , welche die Weltweisheit liebten : so har seine le ein öffentliches Hurenhaus heißen müssen . Man hat gesagt , daß die Hure Leontium , nachdem sie eine Liebhaberinn der Philosophie gewor - den , und sich zu diesem Weltweisen gewendet hat , ihr erstes Handwerk sortgetrieben und der ganzen Bande , namentlich aber dem Epikur , mit ihrem Leibe zur Wollust ganz öffentlich gedienet habe , 'h Si S« * 0 * > H / V ivaqiavSöv . Quae Philofophiae operam naiiare cum incoepifTet , non ideo fcortari deftitit , fed Epicureis omnibus in hortis fe proftituit , et palam quidem Epicuro . Athenaeus . Libr . XIII , pag . ; »8 . Man hat sich nicht damit begnügt , diese Lästerungen bey Unterredungen auszubreiten , man hat sie auch so gar den Buchern einverleibet ; und was das ungerechteste ist , so hat man geile Briefe ge - schmiedet , und sie unter dem Namen dieses Philosophen herausgegeben .
a avacpe ? öpevx «VitoAi« , ü ( 'Ent * H< ; x evvT & %x< ; . DiotiiriUS auteill Stoicus infefto aduerfus illum animo , acerrime infeäatus eum eft , quinqua - ginta circumferens lafciuas , veluti ab Epicuro fcriptas , epiftolas , eas - que quaeChryfippi feruntur , veluti fub Epicuri nomine componens . Diog . Laert . Libr . X , mim z . Wir haben noch einen Brief , welcher der Leontium zugeschrieben wird ; allein dieß ist ein untergeschobenes Stück . Man dichter , es habe Leontium an die Lamia die Verdrießlich - ketten überschrieben , die sie bey dem Epikur , einem «ojährigen Greise ausstehen müssen , der wieder kindisch geworden , mit Läusen bedeckt und so eigensinnig gewesen , daß er nichts anders gethan , als mit seiner Lieb - sten gebrummt , und sie mit seinem Verdachte fast umgebracht : ovtto %utctc>s * oTiPoj , ui iotxh , t'si * «A / v nei ( XKisuoii ( - jH xfefEvrtl . oix \t - i 'Eni * v ? et bto« SiotHtt , vtanx Ao / Sofftjv , ■xijTU virtnrevuv , sntwA«< ü - jiixAuruf 1401 yf & Qvv . sxSiuxuv ix tu xynn ( - ut rtiv 'A^oä / rtfv , kl A Suvit
iht iySotfxovTa ytyovuf eri ) . u'x Xv «vt» tjvirxofitiv , QSeifiüvTOC , va ) no - hviotSSrros rjtf xrtTx7T£niAy [ j . f * H , $v u . ct ? . x xoxois , otvri irlAtw , etc . Nihil eft , vt mihi videtur , repuerafcente fene importunius : Quo fane modo erga me Epicurus ifte fe habet , omnia improbans , omnia in fufpicionem vertens , litteras ad me'ambagiofas fcribens ; abadhirus fane ex Horto ipfam Venerem , tametfi Adonis foret , natus jam , vt eft , annorum o & oginta . Abfit illius amorc tenear , qui et fcatet pe - diculis , et plane morbidus eft , contraöus prae fenio , nec iniuria vel - lera geftans pro pileis , etc . Ex fecundo Libro Alciphronis , beym Gassendi de Vita et Moribus Epicuri , Libr . VII , cap II . Die schiebung dieses Briests ist handgreiflich , weil Leontium eher als Epikur gestorben , und Epikur nur etwas über 70 Jahre gelebet hat . Metrodo - rus und Leontium seine Beyschläferinn haben einen Sohn hinterlassen , dessen Epikur in seinem Testamente als einer Waise gedenket , der man sich annehmen soll . Gassendi ebend . VI Cap . Dieses ist gewiß , daß Metrodor , einer von den vornehmsten Freunden Epikurs , bey der Leon - tium geschlafen : vielleicht hatte er sie geheirathet ; höchstens ist sie seine Kebsfrau gewesen . Nun ist in dem Heidenthume die Beyfchläferen nicht fthr verschrien gewesen . Danae der Leontium Tochter , ist nicht keu - scher , als ihre Mutter , gewesen . Athenaeus Libr . XIII , pag . 593 . Siehe den Artikel Leontium in der Anmerkung ( v ) . Einige geben vor , daß Leontium mit einem gewissen KorniadeS zugehalten , und daß er ae - wüßt , wie oft er bey ihr geschlafen : denn er hat Register über seine Lie - besausscyweifungeu gehalten ; und wenn er sich seiner guten Tage und glücklichen Begebenheiten erinnern wollen , so hat er sein Tagebuch zu Rathe gezogen : Non inepte quis intelligat , dieß sind die Worte des Gas - sendi im VIIB . iCap . exhoc contubernio defumtum , quod Plutar - chus fcribit , Cofniadem quafi ex Ephemeride repetere folitum , quo - ties cum Hedia et Leontio rem habuiflet , Thafium bibiflet , opipare cöenaflet Andere geben vor , es habe sich Gassendi hier von dem latei - nisck , » Ueberseker Plutarchs bekriegen lassen , und das Griechische ent , halte , daß sich sittsame und kluge Leute nicht in Gedanken mit de« Dil - dern tv - r JraaLmeti Ueppiqkeiten unterhielten , und dasjenige thäten , was den NL der Spötterey ausgesetzt hätte - sie erzähl nicht , als wenn sie es aus ihrer Schreibtasel oder aus ihrem Rechnungsbuche töfen tXIm ! ^mif der Hedia oder der Leontium u . a . m . zu thun
ne« ; ich wollte lieber des Gassendi seinem folgen . 0
aufIfovac eho ( , %3larfl & iv ri } invol» rrn - rowm . J , '
Küfv« v rz^ttvrru , qiot «WAlylsS'W» ^ 4 t jh
11 Band .
Asrnrlu ffuvij^ov , * eS@äfiov Üriov , xofxf 1 Mitte eStlmutrav toAuteAet« - tx , ijiyv yit ( eV$« / v« y^äittiuin Tffi Tcc yi . o'ptm ^oelcxu^x r ? t tjSovijt e ? yoc tvgj hitsm j Tocaun» iri>ot Aocuvtjireie ßixxsviriq üu - rije rijt + üZ>i« " V Neque probabile eft , modeftos ac tem -
perantes homines huiusmodi cogitationibus immorari , aut ea face - re , ob quae Carneadem fubfannat ille , tanquam ex ephemeridibus repetentem , quoties cum Hedeia aut Leontio rem habuiflet , vbi Thafium vinum bibiflet , quibus Idibus fplendidiflime cöenaflet . Atrocem enim ac belluinam in fruendis aut exfpedkandis voluptati - bus exagitationem animi ac rabiem defignat tanta iplius ad recor - dandum bacchatio atque adhaefio . Plut . non pofle viui fuauiter iuxta Epic . pag . 1089 , C , aus der Übersetzung Xy' . anders . Man sehe in des Gassendi VII B . von dem Leben Epikurs eine gründliche Wderle - gung der Lästerung , die ich angeführer habe . Man sehe auch die An» merkiing ( N ) . Man merke , daß man , wie mir deucht , an starr Ko ? w - - S»v in dieser Stelle Plutarchs lesen müsse ; denn man weis , daß
einer von den Freunden Evikurs Äarneades geheißen , ^ch habe von dieser Materie eine Stelle desCicero in der Anmerkung ( M ) zu dem tikel Arcesilaus angefuhret
( li ) i£s hat einen Ucberlaufer von seiner Gecte gegeben , der viel bäjes von ihr gesagt . ] Dergleichen Leute lästern gemeiniglich die Parrey , die sie verlassen haben , auf eine rasende Art . Die Begierde , sich wegen einer Beschimpfung zu rächen oder andere zu überreden , daß sie dieselbe nicht aus Unbeständigkeit verlassen haben , treibt sie an , die - selbe zu verschreyen , und so verdächtig sie auch seyn mögen , so finden sie dennoch viel Leichtgläubige . Ich erinnere mich gelesen zu haben , daß eine Nonne , welche sehr misvergnügt aus Portroial geganqen , verschie - dene kleine Histörchen ausgestreut , die sich die Jesuiten in ihr . n ten zu Nutze gemacht . Siehe die Briefe , welche betittelr sind , Le« Imaginaircs et les Vifionaires . Allein wir wollen von d>m Ueberlau - ser reden , davon hier die Rede ist . Er ist des MerrodoruS Bruder ge« wesen , und hat TimokrateS geheißen . Er hat ausgesprengt , daß man in EpikurS Garten nächtliche Züsainmenkünfte hielt , welchen er nicht anders als mit tausend Beschwerlichkeiten hätte entwischen können . eWo» t»
SiityeiTOH iioyn ixQüyiiv tsxvaou r« { vvxTegwiis intivat ( ftÄoao^iai vjtf rijv nuvitiiv rxib^v emxywyijv . Seque ipfum narrat vix effiigere po» tuifle noclurnas illas philofophandiconfuetudines , arcanamque illam conuentiunculam . Laert . Libr . X , num . 6 . Da es einige Frauens« Personen unter Epikurs Schulern gegeben , so lasse ich jeden bedenken , was man für Auslegungen über diese Worte des TimokrareS gemacht hat . Man ist so weit gegangen , daß man diese Zusammenkünfte Epikur» mit dem Sabbathe der Hexen verglichen : Cur item illud fodalitium comparetur gregi fociorum Vlyflis , ac iam a noftrorum plerisquc dittae Magorum Synagogae . Gafl'endi de Vita et Mor . Epic . Libr VII . cap . I . und ich zweifle nicht , daß man nicht eben dasselbe davon gesagt haben wird , was man von den Versammlungen der Adamiten gesagt . Praeter comeflktiones et compotationes poil'unt ea intelligi , quae in noclurnis Bonae Deae facris patrari quondam obiecta funt . Ebendas . Ueberdieß hat TimokrateS den Epikur für einen Vielfraß und Trunken - bold , und daß er wegen seiner übermäßigen Vielfraßigkeit sich täglich zweymal übergeben müssen , auSgeschrieen . Laert . Libr . X . iium . 6 . Epikur hat den Ueberläufer von feiner Secte nicht vn'schont ; er hat wi - der ihn geschrieben , und ist ihm sehr hart begegnet . Man sieht in ei» nem Werke des Cicero , daß man , bloß diesen Philosophen zu schimpfen , vorgegeben , es hätten sich seine Streitigkeiten mit dem TimokrateS nur auf Kleinigkeiten gegründet . Cum Epicurus . . . Metrodori fodalis fui fratrem Timoeratem , quia nefcio quid in Philofophia diflentiret , totis voluminibus conciderit . Cicer . de Natur . Deor . Libr . I . cap . XXXIII . Es ist in diesem Einwurfe nicht die geringste Redlichkeit , und wenn jemals die Heftigkeit eines Scribenten zn ent - schuldige» ist , so würde es in dergleichen Streitigkeiten seyn , als Epikur« seine wider seinen flüchtigen Schüler gewesen .
( L ) Ein sehr gelehrter LNann har behauptet , daß Epikur die gottlicke Vorsehung nickt geleugnet hätte . ] Dieser gelehrte Mann heißt Du Rondel . Er war seit einer ziemlichen Anzahl ^ , ahre Professor der Beredsamkeit bey der Akademie zu Sedan gewesen , als man diese Akadenne im >68 , Zahre unterdrückte . Er begab sich nach Holland , wo ihn sein Verdienst gar bald eine Bedienung finden ließ : man berief chn als Professor der schönen Wissenschaften nach Mastricht . Er steht diesem Amre daselbst mit vielem Ruhme vor . Ehe er sein Vaterland ver - lassen , hatte er eine Ausgabe des MusäuS griechisch und lateinisch mit Noten , zu Paris bey Cramosin 1678 in 8 . das Leben Epikurs im zösischen , zuParis bey Anton Cellier 1679 in 12 . ( dieses har man in Holland unter einem verfänglichen Titel wieder gedruckt . Siehe die Nouvcllen von der Republik der Gelehrten , im Jenner 1686 , 86 © . , und eine Dissertation de Gloria , zu Leiden 1680 in 12 , herausgegeben . Seitdem er außer Frankreich ist , har er Betrachtungen über ein Capitel des Theo - phrastuS , zu Amsterdam >685 in >2 , eine Dissertation über den Chenix des Pythagoras , zu Amsterdam >690 in 12 , und einen Tractat de Vita et Moribus Epicuri , zu Amsterdam 169 ; in 12 , ans Licht treten lassen . In diesem letzten Werke hat er unternommen , zu beweisen , daß Epikur die Vorsehung Gottes nicht geleugnet hat . Diejenigen , welche den Werth seiner Arbeiten , davon ich hier keine voll>rand>ge Liste ge« geben haben will , besser erkennen wollen , und dieselben nicht haben , werden wohl thun , wenn sie die Taqebuchschreiber zu Rathe ziehen , die davon geredet haben . Sie werden darinnen einen Theil der Lobsprüche finden , die man seiner tiefen Gelehrsamkeit und seinem durchdringenden Geiste schuldig ist . Wenn er die Schätze seiner Studierstube heraus« geben wollte , so würde die gelehrte Welt überzeuget werden , daß die Ta - gebuchschreiber die mit Lobe aiigesüllresteii Ausdrückungen gebrauchen müßten , wenn sie ihm Gerechtigkeit erweisen wollten . Ich würde mich weiter über diese Materie herauslassen , wenn mich unsere Freundschaft nicht belehrte , daß ich ihm damit kein Vergnügen machen würde . Man sehe die Vorrede zu dem Entwürfe dieses Wörterbuches . die ich an ihn gerichtet habe . Uebrigeiiß könnte man das Parodoxon von der Recht - gläubigkeit EpikurS , über den Punct von der Vorsehung , nicht gelehrter und feiner behaupten , als er gethan har . Er har nicht vergessen , sich auf der 79 S . der v 1 z abdita ovaedaM de« Lucrez zu tze zu machen . Nachdem Minuroli erfahren harre , daß dieses Buch des Du Rondel erschienen war , so schrieb er mir , daß in der Sammlung des Johann Michael Brutus , ein ^»rief Peters Vicrorius an den Johann della Cas« , Er ; bi>chof von Benevent , befindlich wäre , Ddd » der

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