Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7893

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Epikur .
Epikureer gewesen , der die Parte ? verlassen , und daß er sie darum lassen , weil die Zärtlichkeit Epikurs , der seit langer Zeit gestorben war , annoch in der Secte gelebet . Quod bonitas vero Epicuri grauis illi ( Mttrodoro Strafoniceo ) fuifle dicatur , intelligi poteft de ea quam Epi - curus , tametfi mortuus , fpiraret adhuc in fumuia illa confenfione , charitate , et fui memoria apud fedtatores . Ebendas . Man hat ei - ner so Übeln Entwickelung nicht nöthig , wenn man die Stelle so erkläret , wie de la Monnoie thut . Ich muß nicht vergessen , daß sich Foucher ( siehe das Tagebuch der Gelehrten vom 6 August 1651 , pag . m . jm . ) dieser Worte des Diogenes Laertius zur Behauptung seines falschen Sa - hes bedienet , daß KarneadeS und Epikur zu gleicher Zeit gelebet hätten . Lantin hat ihm , unter andern Dingen , geantwortet , daß Diogenes Laerz kein allzusicherer Schriftsteller ist , und daß in seiner Historie ganz leicht viele Stellen zu bemerken wären , die sich widersprechen , weil er solchen Seribenten gefolget , die einander zuwider sind . Im Tagebuchs der Gelehrten vom 24 März 15ya , pag . m . 210 . Wir werden einen von sei - nen Widersprüchen finden , ohne daß wir unsere Materie verlasset» dür - fen : Wir haben gesehen , daß er versichert , es sey Metrodorus von Stra - tonikum der einzige gewesen , der abtrünnig geworden , und gleichwohl hatte er kurz zuvor gesagt , daß TimokrateS , Epikurs Schuler , dies ? Schule auch verlassen , m2 * «'«■£ t« i^oirieat . Ipfi - iisque { Epicuri ) diicipulus eius relidta fchola . Diogen . Laert . Lib . X . num . 6 , und darauf viele Lästerungen wider seinen alten Lehrer heraus - gegeben hätte , flehe die Anmerkung ( K ) . Ich habe keinen einzigen gele - sen , der diesen Fehler entdeckt hätte . Wenn ihn Gassendi gewahr ge - worden wäre , so würde er folgenden Vernunftschluß nicht gebraucht ben : Sane , saget er de Vita et Moribus Epicuri , pag . 205 , fi Metrodo - rus a viuente adbuc Epicuro defecißet , quaefitum non fuiJJ'et ex Arce - fila ( qu't duodecim annis Epicuro fuperuixit ) . ( BkyM Laerz IV B . ) cur homines a caeteris ad Epicureos , ab Epicureis vero ad caeteros non commigrarent ? Ist es nicht gewiß , daß sich TimokrateS vom Epikur abgesondert ? hat denn seine Ueberlausung die Frage nicht verhin - dert , die man an den ArcesilauS gethan : warum geht man von andern Schulen zu Epikurs seiner über , und nicht von dieser zu andern ? Die Verlassung Metrodors hat diese Fraqe nicht verhindert , und folglich be - dienet sich Gassendi eines sehr Übeln Beweises . Das Sprüchwort , eine Sckwalbe macker keinen Sommer , ist die Auflösung davon ; denn ob man gleich die Unbeständigkeit eines einzigen Anhängers Epikurs wußt , so hak man doch überhaupt geurtheilet , daß niemand die sche Lehre verlassen hätte .
( E ) Er hat viel Bücker gesckrieben und fidb einen Ruhm aus aemackr , nickts anzuführen . ] Diogenes Laertius , wenn er in Prooemio 91 um . 16 von denen Philosophen redet , dir am meisten geschrie - ben haben , so setzet er denChrysippuS in den ersten Rang , und den Epi - kur in den andern : also ordnet er die Stellen in seiner Borrede ; allein in seinem X B Num . 26 saget er ausdrücklich und ohne Vorbehalt , daß Epikur uuter qllen Schriftstellern am meisten geschrieben hätte . «><> . « Zr sroAi / yfalpwTaro ? e v & jtw ; wVifCaAAeV * «« ßt & lwv . Scri -
pfit autem Epicurus infinita volumina , adeo vt eorum multitudine
c v n c t o s fuperarit . ®6etib . L . X . n . 26 . Seine Werke , fahrt er fort , stei - gen bis aufzog Bände , und man sieht nichts darinnen , das nicht von ihm wäre ; er führet die Worte keines einzigen Schriftstellers an , er führet gar keinen Menschen an . Allein ChrysippuS , welcher nicht leiden len , daß ihn Epikur an der Zahl der Schriften übertreffen sollte , hat Zeugnisse mir Zeugnissen gehäufet ; so daß , wenn man seine Ansührun - gen weggenommen hätte , ein leeres Papier übrig geblieben seyn würde . Kai 'ArcMÖSafOf Ss e 'ASwumt iv rp cvvuyuyy rüv toynirut ßuAeitsvot 0a ? < ? «vei» , ort ra 'Etikk ? « clxttx yeygxnntvoc , kvxgxäiret
Jvra , w' " tAe / w i%< rwv XgvftTZ * , $>»» ) » Stu ; uvt£ rij Afff - ,
e ! väf nt ipiAoi rüv X^vthrr« ßi£ti * >v »o «aaotfwt zagariänrui , kivo« kutü o x & ? rni x«t«Aiatt^ercu . Apollodorus quoque Athemenfis in colledlione dogtnatum cum vellet afierere , Epicurum viribus fuis fretum confcripfifle et absque auflorum teltiraoniis , ene eius mcom - parabiliter plura quam Chryfippi opera , fic ad verbum dixit . Nam fi quis tollat de Chryiippi libris , quae aliena liint , vacua illi Charta relinquetur . Ebendas . 7 B . Num . , 81 . Sein Nacheifer ist dermaßen groß gewesen , daß , so bald er ein neu Buch Epikurs zum Vorscheine kommen sehen , er ein anderes gemacht . Ebendas . >o B . Num . 26 , und dieses in solcher Eil , um nicht lange zurück zu bleiben , daß er seine Ar - Heiken nicht wieder überlesen , welches ihn zu vielen Wiederholungen und Unrichtigkeiten veranlasset . Diogenes führet den Apollodor au einem andern Orte aN , der durch diesen Grund bewiesen , daß Epikur mehr Bü - cher , als ChrysippuS , geschrieben hat . Dieser har nur dasjenige abge - schrieben . tvas andere gesagt hatten ; allein Epikur hat alles aus seinem eigenen Kopse genommen
Betrackmngen über die Bücker , die voller Anführungen sind .
Meil es die Gelegenheit hier so mit sich bringt , so wollen wir etwas von diesen zwoen Arten zu schreiben sagen ; ich rede von Epikurs seiner , und von des ChrysippuS , einer . Man wurde groß Unrecht haben , wenn man , überhaupt zu reden , vorgeben wollte , daß Epikur - - Art der größten Geister ihre wäre , und die me«ste Muhe kostete ; und daß die Lehrart des ChrysivpuS , der kleinen Geister ihre sey , und am wenig - sten Mühe mache . Man nehme wohl in Acht , daß ich durch des Chry - sippus Lehrart weiter nicht - verstehe , als die Gewohnheit , Zeugnisse zu - stimmen zu raffen . Ich verstehe die persönliche Nachlaßigkeit diejeS Weltweisen nicht , und die Ausschweifungen , wozu ihn sein Bucherschrei - ben angetrieben . Dieß vorausgesekt , behaupte ich , daß ben der Secte des ChrysippuS eben so große Schriftsteller , und so erhabene Geister sind , als bey der gegenseitigen Secte : und ich beweise es durch drey große Namen , die Gabriel Naude ins Feld stellen wird . Mick dünkt , saget er in der Borrede der Apologie des grands Hoinmej , daß es nur fut diejenigen gehöret , die niemals - Hoffnung haben , angcstchrer 5» werden , daß sie niemand anführen wollen : und e« ist ein allzu großer Ehrgel ) , rvenn man sick überredet , solcke Begriffe zu haben , die vermögend jmd , e , ne so große Mannickfalrigkeir der ilefer ? u vergnügen , ohne auck etwa» von andern zu entlehnen . Denn wenn es jemals Sckrlftsteller gegeben bar , die fid ? mit Xvahrhcir für dergleicken halten können , so sind es obnc Vvider - fpruck . Plurarck , Seneca und Momagne gewesen , wclcke den«
noch bey den andern nichts von demjenigen zurück gelassen ha« ben , was zur Aussckmücknng ihrer Sacken dienen können Zum Beweise dienen die griectiiscken und lareiniscken Verse , die sich fast auf jeder ? eile von ihren Xüecten finden , und unter andern in derjenigen Trostsckrift von sieben bis aclit Bogen , die See erste an Sen Apollonit , s gesckicket ; worinnen man , nack gemackrer Recknung . mehr als 500 Verse Homers und fast eben so viel aus dem - Hesiodus , pindarus , Sophokles undiLuripides bcmev - ken kann . Und überdieß glaube ick nickt , Saß diese neuen Tadlev der Art zu sckreiben so wenig sckarfsiimig stnv , daß sie denen vorhv - rigen Feugnijsen^Ses Epikurs seines entgegen stellen , welcker in drey hundert Banden , die er hintevlasstn , nickt eine einzige An - fühning gesent und eingerückt hat : weil mir dieses die Mittel z«» ihrer Verdamimmg Sarbierhei» würde , angestben die U ? erke Plurarcks , des Seneca und des Montage taglick gelesen , ge - drauckr , verkauft und wiedexgedruckt werden ; da uns kaum das Verzeickniß von Epikurs seinen in dem Diogenes L . aerz übrig geblieben ist . Man könnte diesen dreyen Exempeln rioch den Cicero beysügen , und man kann diejenigen nicht verdammen , die den Apulejus dazu setzen : denn er ist einer von denen Männern seiner Zeit gewesen , die dm meisten Witz gehabt . Man rechne alle die folgenden Beyspiele wohl zusammen . Wir sehen in diesem schönen Ge'präche der allerbe - „ rühmtesten Redner Roms , wie sie nicht geglaubt , daß ihre Beredsam - „ feit durch Anführungen verderbet werden könnte ? da uns die Red» „ Apers belehret , man habe damals verlangt , daß die Reden mit den „ Schönheiten der Poesie des Horaz , Virgils oder Lucans auögeschmü - . . cket seyn sollen : des Ennius lMd Nävius ihrer Schriften nicht zu geben - „ ken , welche ganze Seiten in den philosophischen Werken des Eicer» „ einnehmen ' - ( Man sehe den I Th . der ? ro5e cbagrine de la Modie le Vayer p . 341 , des IX Bandes , wo gesagt wird , daß Cicero , Seneca und Plutarch in ihren philosophischen Werken keine einige Ge - legenheit vorbey gehen lassen , dasjenige anzuführen , »vas sie in Ansehung ihrer von den alten größten Dichtern , Rednern und Pilosvphen gelernt , deren Werke sie nachzuahmen sich bemühet , und woraus sie ihre Samm - lungen gemacht , ) „ und wir können durch die Schutzschrist des Apule - „ jus bemerken , welche , ungeachtet der Unreinigkeiten einiger RedeuSar - „ ten , davon wir bereits geredet haben , eines der schönsten Stücke des „ ganzen Alterthums ist , daß man zur Zeit der Antoniner nicht gedacht , „ daß die griechischen und lateinischen Stellen ein schönes Werk verder - „ ben sollten ; ilimaßen dieses mit den Texten des Plato und verschiedener „ andern Philosophen , nebst einer großen Anzahl von Versen Homers , „ Catulls und Virgils angefüllt ist . La Mothe le Vayer Difcour * de l'Eloquence Francoife p . 84 , IV Tom . Ausgabe in 12 . La Moth» le Vayer vertheidiget'seine eigne Sache ; * denn dieß ist der größte Cita - tor von der Welr . Man mag sagen , was man will , daß seine Bücher doch besser seyn würden , wenii sie nicht mit so vielen fremden Gedanken gespickt wären : fowird nian doch niemals leugnen , wenn man nicht wi - der die Einsicht und den Geschmack handeln will , daß er nicht viel Witz ge» habt . Man mag sägen , was man will , daß CostarS Schriften mit all - zuvielen Zeugnissen augefüllet sind ; man mag ihn den Beschützer dev Sammluligsbucher nennen , wie man will , ( diesen Titel giebt ihm Fure - tier in der Nouvelle Allegorique ) so wird es doch wahr bleiben , daß e» ein sehr alisgeweckter Kopf gewesen . Menaqe , der ihm dieses Lob giebt , ist selbst einer von denen Schriftstellern , die Frankreich die meiste Ehre bringen . Ich sehe nicht viel Leute , die ihm den Titel des französischen Varro streitiq machen . Ja er hat den Varro noch übertreffen , wel» cher zwar gelehrt aber nicht höflich gewesen . Menage hat bey viele» Gelehrsamkeit auch so gar die Kleinigkeiten des schönen Geistes besessen . Mit einem Worte , er ist ein großer Schriftsteller ; nnterdessen hat er selbst gesagt : die Jungfer Scudery - t - hat 80 Bande ge - sckrieben , die sie alle aus ihrem Ropfe genommen ; und ick habe selbst von allen Seiten hergenommen , was ick gemackt habe . Menagiana p . 290 . erster Ausgabe von Holland . Wir wollen uns mit diesen Beyspiele» begnügen : wir wollen die Tiraquels , die BrissonS , vis Servins und andere dergleichen große Lichter des Parlements zu Pari« nicht anfuhren : wir wollen nicht sagen , daß sie erstaunlich anführen , und daß malt auch dergleichen Vorrath in denjenigen Stücken ange» bracht , welche die Oberpräsidenten und königlichen Sachwalter im XVI Jahrhunderte , bey Eröffiiung der Gerichrstage , hergesagt haben . Wie wollen auch nichts von den vortrefflichen und unvergleichlichen gerichlli - chen Vertheidigungen de« le Maitre , der Zierde derselben Gerichte in der folgenden Zeit , reden . Wer weis nicht , daß sie voller Anführungen sind ? ( - )
* Man könnte sagen , Herr Bayle verteidigte auch nur seine eigene Sache : denn wer führet wohl mehr Schriftsteller au , als er ? Er rhut dieses nicht nur in diesem Wörterbuche , sondern in fast allen seinen Schriften , z . E . in seinen Gedanken über die Cometen , 11 . d . m . So wenig iä ) aber in gewissen Arten der Bücher , E . in historischen Untersuchungen , die Einführungen misbilliae : so wenig kann ich diejenigen , die viele Bü6 ) er anfuhren , viel'Stellen , schreiben , und viele Anmerkungen darüber machen können , für große Geister halten ; wenn sie keine andre Proben ihrer fystemati - schen Einsicht abqeleger haben . Die mühsame 'Arbeit beyn . Nach - schlagen vieler Bücher , und das geduldige Abschreiben langer Stel - len zeiget gewiß keinen großen Geist ; ' sondern einen arbeitsamen Gibeoniter , der mit seinem Wasiertragen und Holzhacken zwar was nül ? liches thut ; aber selbst darum keine . Hochachtung verdienet . Zu dem so ist das Zusammenschreiben vieler'Sachen heutiges Ta - ges durch allerley Kunstgriffe so leicht geworden , daß auch Leute , ^welch« die wmigste Belesenheit haben , mir entsetzlichen Büchertiteln und Namen der Seribenten pralen können . EtlicheAnmerkungennnd zufällige Gedanken , die mai , bey solchen Rhapsodien eingestreut sin - det , machen es auch nicht aus . Denn was ist leichter , als jvlche Einfälle zu haben , welche Gedächtniß und Eindildungskraft auch den seichtesten Köpfen an die Hand geben ? Und gemeiniglich ist man am Ende solcher Schriften eben so klug , als man im Anfange war ; wie es Mit den Memoire * fecrets de la Republique des Lettres des Marquis d'Argens geht . Sollte Man nun solchen Seribenten ihre Bücker , oder öffentliche Bibliothcken nehmen : was würden sie dod ) wohl vermögend ftyn zii schreiben ? würden sie wohl die ge - ringste Materie abhandeln können ? cder würden sie nicht ihre lianten

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