Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
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Ephorus .
geben könnte , die in einem langen Werke von dem P . BouKours zu reden hatten , und ihn zuweilen Bours , bisweilen Äouours , bis - weilen aber Bohours schreiben würden . Ich habe Briefe gesehen , die von geschickten Leuten geschrieben worden , wo die Rechtschreibung eines solchen eigenen Namens bald auf diese , bald auf eine andere Art ge - «ommen worden ; wo man bald Bordeaux , oder Tholose , und bald Bourdeaur und Toulouse geschrieben hat . Mansche die Anmerkung ( B ) , bei ) dem Artikel Demetrius , und den Artikel Dürer , zu Ende .
( L ) Man har ein E>u man seine Diebstähle bemerket bar . ] Eusebius hat uns ein schönes unvoll - koinmenes Stücke aus dem I Buche des Porphyrius , ( piAoAo -
yiat * * ( oireut , de crndito auditu erhalten . Man sieht darinnen ei - nen Streit zweener Gelehrten . davon einer den Ephorus dem Theo - pompus vorgezogen hat . Awov »9 / eseirc / tor» Elim ipfi
quoque Theopompo anteponebat . Porphyrius beym Eusebius , Prae . z>ar . Libr . X . cap . III . p . 464 . und der andere mit dein Epho -
rus , als mit einem gelehrten Diebe umgeht , und ihn beschuldiget : daß er über drey tausend Zeilen , von Wort zu Wort , aus dem Daimachus , Kal - listhenes und Anaximenes genommen hätte . aiW« jtT } v ' totidem verbis in fua tranftulerit . Eben das . Ich finde nicht , daß es sein Widersacher leugnet ; er begnüget sich bloß mit der Gegenbeschuldi - gung ; er saget nur : daß Theopompus ein großer gelehrter Dieb sen . Alan wird in der Anmerkung ( M ) , 511 dem Artikel Theopom - pus sehen , wie viel daran ist . Porphyrius versichert einige Seiten darauf , daß man zwey Bücher von einem gewissen Lysimachus habe , »«ei rft 'Elpe' ? " de furto Ephori , und daß Alcäus , ein
rischer Poet , mit einer spöttischen Art , die Räubereyen diese« Historien - schreibers durchgezogen habe .
Es biethet sich eine kleine Schwierigkeit dar . Daimachus , ei - ner von denen Schriftstellern , die nach dem Porphyrius , vom Epho - ru« geplündert worden , ist in Gesandtschaft an den Hof von dem Sohne de« Androkottus , Königes in Indien , geschickt worden ; er hat also nach dem Ephorus gelebet , und folglich bekriegt sich Porphyrius . Hier ist ein chronologischer Grund , dessen sich Voßius , de Hift . Graec .
E . 76 . zur Widerlegung Casaubonö , in Diog . Laert . Libr . I . nun , . 30 .
edienet , welcher geglaübet , daß der vom Ephorus bestohlne Daimachus derjenige ist , der von Plataa gebürtig gewesen , und welchen Plutarch , in Paralel . 8olon . et Poplic . p . m . und Athenäu« , im IX V . zy4 S . an - geführet Habel , . Es ist gewiß , daß derjenige , der den Athenaus anführet , eine Beschreibung von Indien gemacht hat , und von Plataa gewesen ist . Harpocrat . Voce 'zyyv^xn . Es ist also sicher , daß derjenige , von welchem Casaubon redet , von demjenigen Daimachus nicht unterschieden ist , der nach Indien , ( 8tr , bc> , Libr . I . p . 4g . j unter der Regierung des Allitrochades , eines Sohnes des Androkottus , geschickt worden . dere nennen ihn Sandrokottus . Also kömmt es darauf an , daß man wisse , ob Ephorus einen gelehrten Dieb bey einem solchen Daimachus hat abgeben können . Die Zeitrechnung , saget man , widerspricht ; denn Androkottus hat in Indien regieret , da Seleukus den Grund zu derje - nigen Macht geleget , die er seit diesem erhalte , , har . Sandrocottus ea fempeftate , qua Seleucus fiiturae magnitudinis fundamenta iaciebat , Indiain poflidebat . luftin . Libr . XV . zu Ende , Z41 S . bey mir . Vvs - - sius halt diesen Grund für sehr stark . Caue igitur putes , saget er de Hift . Graec . p . 76 . nachdem er ihn angefuhret har , Ephorum pleraque huius Daimachi in hiftoriam fuam totidem verbis tranfcripfifle . - - nam Ephorum tanto efie antiquiorem fatis ex iis , quae fiu pra diximus , üquet . Ich für meine Person finde ihn nicht stark . Ephorus hat die Beredsamkeit unter dem Isokrates zu gleicher Zeit mit dem Theopompus studieret . Dieser war nur fünf und vierzig Jahre alt , ( siehe seinen Artikel , ) als ihn Alexander in seinem Vaterlande wieder herstellen lassen . Er hat die Regier , » , « des Ptolomäus inAe - qyptei , erlebet . Warum sollte man denn nicht glauben , daß Epborus bis zur völligen Errichtung der Monarchie des Seleucus geleber hätte ? Es verhindert uns nichts , voraus zu sehen , daß des Androkottus Regie - rung ziemlich kurz , und Daimachus schon ziemlich alt gewesen , da er «ach Indien geschickt worden . Er könnte also Historien herausgegeben haben , che man ihn nach Indien geschickt hätte . Ephorus könnte die - selben gelesen und sich eben so wenig Schwierigkeit gemacht haben , in denselben so wohl , als in des Anaximenes seinen , der mit ihm zu glei - cher Zeit gelebet , seine Erndte zu halten . Man muß im geringsten nicht vergeben , als wenn Porphyrius geglaubet hätte , daß Ephorus die vom Daimachus aufgefetzte Historie von Indien geplündert habe ; er hat ohne Zweifel ein ander Werk verstanden , als z . E . die Historie der Griechen , die diesem Daimachus vom Plutarch , in Paral . Solon . et plic . p . in augenscheinlich zugeeignet wird ; der auch einen Tracrat . de belücis machinanientis , n«A ( Siehe den Stephan von Bvzanz , unter dem Worte , ) und vielleicht auch einen
Tractat von der Religion gemacht hat . Plutarch , in Vita Lyfandri , p . 439 . Wenn Menage in Not . ad Diog . Laert . Libr . 1 . „ um . 30 . alle diese Dinge wohl untersuchet hätte , so würde er de« Voßius Mevming nicht angenommen haben . Sie ist auch in der Sammlung von gelehrten Dieben des Thomasius , de plagio litterano , p . 180 . angenommen den ; und man suchet daselbst gewisse Arten , zur Lossprechung des Por . phyrius hervor , die er gar nicht nöthig hat . Ladern reprehenfio in Porphyrium cadit , ad quem prouocat Cafaubonus , nifi vel doceant eruditi , alium quendam fiiifle Daimachum Ephoro fupparem aut antiquiorem , vel nomen Daimachi apud Porphyrium fuifle cor - xuptum .
Ucbrigcns müsicn es alle Neugierigen dem Euftbins Dank wissen , daß er ein so schöne« Stück de« Porphyrius . aus dem Schiffbruche ge - rettet hat ; allein , nach meinem Dedünken , hatte er es in keinem Wer - ke anbringen sollen , da« den Titel hat : Praeparatio Euangelica ; denn wozu dienet es ? Weder zum Vortheile der christlichen Religion , noch zur Beschämung der falschen Gottheiten hilft es was . daß die qriechi - schcn Schriftsteller gelehrte Diebe gewesen sind . Ist dieß nicht in allen Landern und zu allen Zeiten gewöhnlich ? Haben nicht die Kirchen - vater die Sachen , einer a , is de« andern Schriften genommen ? Thut dieses nicht alle Tage ein Katholik von einem Katholiken , ein Prote - stanr von einem Protestanten ? Eusebius ist viel scharfsinniger gewe - sen , da er gezeiget hat , daß die Griechen , in Absicht auf die Barbam , gelehrte Diebe gewesen : dieß dienet den heiligen Historien zu einer Stü - he . Eufeb . Praep . Euang . Libr . X cap . V .
Beobachtung über die verschiedenen Arten des gelehrten
Diebstahls .
Hieraus kann man im Vorbcygehen schließen , daß es den Griechen nicht so nachtheilig gewesen . wenn einer die andern geplündert hat , als wenn sie fremde Schätze geraubet hätten . Dieser Nachtheil ist eine Ausnahme von den gemeinen Regeln . Marin hat gesaget : daß sei« nenLandesleuten etwas nebmen , ein Raub , aber Fremden etwas nehmen , eine Eroberung wäre ; und nach meinem Dedünken hat er Reckt . ZVir studieren nur darum , Saß wir lernen wollen , und wir lernen nur darum , um ; u zeigen , daß wir studieret ha - den . Diese Worte sind vom Seuderi in der Borrede des Alarich . rvenn ich ja etwas , fährt er fort , aus den Griechen und aus den Lateinern genommen ; so habe ich nicht das geringste weder aus den Italienern , noch aus den Spaniern , nock aus den Franko« stn genommen : denn , meines Trachtens , ist dasjenige , was bey den Alten studieren beifit , bey den Neuer» , Dieberey . La Mothe le Bayer ist gleicher Meynung ; denn hier ist dasjenige , was er in einem von seinen Büchern gesaget hat : „ Aus den Alten nehmen , „ und dasjenige zu seinem Nutzen anwenden , was sie geschrieben haben , „ dieß ist so viel , als wenn man jenseit der Linie Seeräubcreycn treibt : „ allein die Schriftsteller seiner Zeit bestehlen , indem man sich ihre Ge - „ danken und Geburten zueignet , das heißt an dei , Ecken der Straßen „ stehlen ; das heißt die Mantel auf der neuen Brücke wegnehmen . , , La Mothe le Vayer Lettre CXXXIX , p . sfii . des XII Bandes . Ich glaube , daß alle Schriftsteller mit diesem Grundsahe einig sind , daß es besser ist . die Alten , als die Neuern , zu plündern , und daß man unter diesen die Landesleute vorzugsweise vor den Fremden schonen muß . Die gelehrte Seeräuberey ist nicht in allen Stücken der Näuberey der Ka - per ähnlich . Diese halten sich für weit unschuldiger , wenn sie ihre Räu - bereyen in der neuen Welt treiben , als wenn sie dieselben in Europa verüben : allein die Schriftsteller richten ihre Streifereyen viel kühner , nach der alten Welt , und haben Ursache zu hoffen , daß man sie wegen ihrer Beute loben wird , die sie daselbst machen können . „ Derjenige , „ welcher Noten über des Tasso Jerusalem gemacht , hat geglaübet : daß „ er ihm Ehre machte , wenn er in seinem Gedichte drey bis vier hun - „ de« Stellen zeigte , Wommen er verschiedenen Schriftstellern nachge - „ ahmet : und die Ausleger des Petrarcha und Ronsards haben eben „ dasselbe ! gechan . „ Saiden in der Vorrede Alarichs . Alle gelehrte Diebe , wenn sie können , folgen dem Entwürfe des Unterschiedes , den ich angefuhret habe ; allein sie thun dieses nicht gewissenshälber , sondern nur daruni , daß sie nicht erkannt seyn wollen . Ein junger srai , zösischer Prediger bediene sich doch einmal der Predigten des Dalläus . oder eini - ger andern , von der Nation ; wird er seinen Raub wohl verheelen kön - nen ? Müßte er nicht befürchten , es möchten die Zuhörer allzubald wissen , wo er seine Beute hergenommen hat ? Also erfordert es die Klug - heit , daß er sie außer Landes führet , und sich mit den Zierrathen eines englischen Prediger« schmücker . Gleichwohl ist es ein große« Unglück für ihn , wenn dasjenige , was er gestohlen , von demjenigen allzusehr un - - tcrschieden ist , womit er es zusammen flicket :
Purpureus , late qui fplendeat , vnus et alter
Afliiitur pannus . Horaf . de Arte Poet . v . 15 .
Es läßt die Kenner nicht allein von seinem gelehrten Diebstahle , son - dem auch von seiner schlechten Geschicklichkeit »«heilen . Sie sind zeuget , daß er eine vortreffliche Materie verderbet , und sie gestohlea har , weil er sie in eine so üble Forme gebracht :
Qui bene vertendo et easdem deferibendo male , ex
Graecis bonis Latinas fecit non bonas .
Terent . in Prologo Eunuchi , v . 7 .
Selbst das beste Hülfsmittel tauget nichts . Dieses wäre , da« Abgebor«» - te , ohne die geringste Veränderung , vorzubringen : allein dieß ist das größte Verbrechen in dieser Art : Man kann nach Art der Die - nen stehlen , ohne daß man jemand Schaden thut ; allein dem Diebstahle der Ameise , die das Rorn gan , wegtragt , mufi man niemals nachahmen . La Mothe le Vayer , Lettre CXXXIX . de6 XII Bandes , 26ö S . Will man diesen Gedanken lieber lateinisch ha - bcn , so lese man folgendes : Multum intereft apum more circumuo - litans agilis Thyma ex variis floribus odorem excerpas , an vero ignauum fiicos pecus imitando roel ex alueariis fuffiireris . Dieses ist« , was Frischlin seinem Feinde vorgestellet hat . *
* Wir haben auch im Deutschen Nachahmungen der Alten und der Ausländer aufzuweisen , die theils gelobet , theils getadele worden Rachel hat in seinen Satiren den Horaz , Zuvenal und Persius eben so glücklich , als Boileau in den seinigen , gebrauchet ; und ist deswegen keines Diebstahls beschuldiget worden . Bon neuern har Neukirch in seinen galanten Briefen , den Boitin * gleichfalls ziemlich gebraucht ; ober gleich selbst im Stande war , dergleichen scherzhafte Schreibart zu führen , auch wirklich in sehr vielen Briefen geführet hat . Siehe den Anhanq bey Funker - wohl unterwiesenem Briefsteller , in den letzten Ausgaben seit zehen da« ist seit 1730 . Auch der berühmte Johann Riemer har auf den Tod des großen Friedrich Wilhelm« Clmrsürswis zu Bran - denburg , eine Leichenrede gehalten , aber die vortreffliche Lobrede FleschierS auf den Marschall von Tureune arößtentheil« übersetzet , oder abgeschrieben . Wer beydc vergleichen will , der sehe meine deutsche Übersetzung dieser letztem in meiner ausführlichen kunst , II Theile . Wie ich es nun , in Ansehlmq tiefer neuern , für eine sträfliche Dieberey halte , sich mir Einfällen zn brüsten , die man von andern geborget hat , wenn mm , zumal nicht saget , wt\> her man sie hat : also halte ich es für eine ganz erlaubte Sache , wem , man es gesteht , woher man etwas entlehnet hat . Moliere , z . E . hat unzählige Erfindungen in fernen Comödien , ja ganze Auftritte und Aufzüge von den Welschen und Spaniern erborget ; und kein Wort davon gesaget : weswegen denn die Franzosen ihn für einen Efprit original halten , und die Ausländer nicht über die Achsel ansehen . Allein Herr Riccoboni in seinen Reflexions fUr les ComediesdeMoIiere , hat diese Raubcreyen entdecket , und seiner Nation ihr Lob wieder hergestellt . Eben so hat Corneille seinen Cid aus dem Spanischen erborget , und sich dabey ebenso wenig , als
eine»

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