Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7812

384 EMMIUS .
ist ? Ober wenn ja dieses ist . kann ihn denn die unschuldige Person daraus Krieg und theure Zeit prophezeihet , und kurz , auf Kanzeln
selbst dazu nicht bewegen ? Endlich müssen auch die obigen Schutz . und in Schriften ein großes Wunder gemacht worden : dabey aber
geister der Unschuld ein ander Amt bekommen , und weiter besör - nichts mehr zu bedauern war . als daß ein verwünschter Gold»
dert werden , damit die alten Wunder aufhören können . Was für schmied so naseweise ward , daß er diesen goldnen Zahn etwas ge -
Hirngespinnste ! Weis man denn nicht , daß es mit allen den nauer untersuchte ; da sichs denn befand , daß er nur durch Betrug
Wunderproben der Unschuld , keine so ausgemachte Sache ist ? Die mit einem Goldblättchen bedeckt war . Herr Bayle selbst hat oben
abergläubischen Zeiten haben u»s viel solche Legenden aufgehangen , im Artikel Demokritus , auf der 292 S . in der Note ( E ) ein
und es ist einfältig , Ursachen von Dingen zu suchen ; ehe man noch solch Beyspiel von diesem Wellweisen angeführt , dadurch er inUn»
weis , ob sie wahr sind . Herr von Fontenelle hat in seine Histo - tersuchung der Ursachen von seiner Magd gestöret worden . Die -
rie der heidnischen Orakel , die schöne Geschichte von dem schlesischen ses hätte sich Herr Bayle sollen zur Warnung dienen lassen : al -
Kinde mir dem goldenen Zahne gebracht ; davon ganze Bücher ge - lein so würde er die Cauflas occalionales nicht so schön haben an -
schrieben / gelehrt widerlegt , und noch schöner vertheidiget wurden ; wenden können ! G .
Emmius , ( Ubbo ) ein gelehrter Professor zu Gröningen , gebohren zu Gretha , einem Dorfe in Ostfrießland , den 5 des Christmonats »547 . Er war der Sohn von dem Prediger dieses Dorfes ( A ) . Er war nur neun Jahre alt , als man ihn
MV4 . » ^ —\ yJ , , ,
der erholte . Allein da er sein drey und zwanzigstes Jahr zurück geleget hatte , schickte man ihn nach' Rostock , wo die Akademie damals «m Flore war . Er horte daselbst die Vorlesungen des David Chytraus , eines berühmten Gottesgelehrten und Ge - schichtkundigen , und des Heinrich BruceuS , eines geschickten Mathematikverständigen und Arznenkundigcn . Die Zeitung von dein Tode seines Vaters , nöthigte ihn , von da nach Ostftießland zurück zu gehen , nachdem er sich über zwey Jahre zu Ro - stock aufgehalten hatte ; und die Bekümmerniß seiner Murrer war Ursache , daß er nicht eine Reise nach Frankreich that , wie er gewünscht hatte . Er blieb drey ^ahre hintereinander bey dieser guten Frau ; worauf er , nachdem ihr die Zeit ein wcnia Trost verschafft hatte , nach Genf gieng , und zwey ^ahre daselbst blieb . Nach seiner Zurückkunft hatte er die Wahl unter zwoen Be - dienungen , als Prediger oder Rector der schule . Weil er von Natur so zaghaft war , daß er sich in Gesellschaft fast das ae - ringste zu sagen scheuete \ so getraute er sich auch nicht , sich zum Predigtamtc verbindlich zu machen , ob ihn gleich seine Nei - gung dazu trieb . Er nahm also das Rectorar einer Schule h , im 1579 Jahre , an . Er brachte dieselbe in ungemeine Auf - nähme ; allein man nahm ihm dieses Amt im 1587 Jahre , weil er das augspurgische Glaubensbekenntnis nicht unterschreiben wollte . Wegen dieser Weigerung , brachten ihn einige eifrige Lutheraner um seine Besoldung , lind um die Freyheit zu lehren . Er ward im 1588 Jahre nach Leer , gleichfalls in SMießland , zu einer Bedienung berufen , die seiner verlohrnen gleich war . Er gab der Schule zu Leer einen solchen Glanz , daß sie die zu Norden noch übertraf , wo die Lutheraner den Verfall niemals wieder ersetzen konnten , den sie nach des Emmius Absetzung erlitten hatte . Sie hatten verschiedene Personen aus Gröningen verjagt , du der Glaubensverbesserung Calvins folgten . Die Gleichheit des Glückes war Ursache , daß diejenigen unter diesen Verbannren , die nach Leer flüchteten , eine sehr genaue Freundschaft mit unserm Emmius stifteten ; dieß gab Anlaß , da die Stadt Gröningen mit den vereinigten Provinzen , in einen Bund trat , und an die Wiederherstellung ihrer Schule gedachte , daß man , wegen der Fürbitte vieler Personen , die Augen auf ihn warf . Man berief ihn also zum Rectorate dieser Schule , und gab ihm Vollmacht , solche Verordnungen einzuführen , und abzuschaffen , als er es für gut befinden würde . Er nahm von die - sein Amte 1594 , im siebenmrd vierzigsten Jahre seines Alters , Besch , und verwaltete es fast zwanzig Jahre hintereinander , zum Besten tmi ? Nutzen der Jugend , die man Haufenweise in diese Schule Dickte . Nach Verlauf dieser Zeit , qaben die Herren von Groningen , die dieje^chule zur Akademie erhoben hatten , unserm Emmius das öffentliche Lehramt der Historie und arie - chischen Sprache . Er ist der erste Rettor von dieser neuen Akademie gewesen , und hat durch seine Vorlesunqen eine der schön -
- ^ r , f - " •< * ■ * »» h»» »><>< * Tfff»« ! nitk * mofc . . Q ? p
> Bücher
zujHreioen ^0^ , u>>v—0 - - —c „ , . . . I „ / „ n . Er
war ein Mann , dessen Gelehrsamkeit nicht sein ganzes Verdienst ausmachte ; er war vermögend , auch den Prinzen selbst Rath - schlage zu geben . Wilhelm Ludwig , Gras von Nassau , und Statthalter der Provinzen Frießland und Gröningen , hat ihn sehr oft um Rath gefragt ( O ) , und ist nicht leicht von seinem erhaltenen Rathe abgegangen . Dieß ist eine Eigenschaft , die man nicht leichrlich bey denen findet , die ihre ganze Lebenszeit im Schulstaube zugebracht haben . Es haben sich noch einige andre Seltsamkeiten bey dem Emmius gefunden : er ist zu Groningen geblieben ( DJ , und hat alle Berufe ausgeschlagen , die ihm von verschiedenen Oettern zugeschickt worden , und doch keine Einbildung von seinem Vaterlands gehabt ; denn er hat vielmehr die Mahrchen stark widerleget , welche die ftießländischen Geschichtschreiber von dem Altertbume ihrer Nation vorgeben ( E ) . Diese Wahrheitsliebe hat ihm viele Feinde gemacht d . Er ist zu Groningen den 9 des Christmonatö >625 , bey Antretuna sei - nes neun und sieben , igsten Lahres gestorben - . Die Kenntniß der Historie , ist seine Sache gewesen ( ? ) . Er ist von vielen großen Männern sehr gelobet worden ( G ) , und namentlich vom Scaliger . Er hat Nachkommenschaft hinterlassen ( H ) , Die Obrigkeit hat sein Bildmß auf das Rathhaus setzen lassen . " v }
a ) Apriorc ad quam animus fcrcbat , retraxit , eum verecunda modeftia , quae hereditaria adeo naturae eins infita fliit vt nimii pene modefte de fefentiens , in honunutn coetu färi v . x änderet . Vit . Prof . Gröning . p . 42 . b ) Dieß ist das zu Norden in Ostfrieß - land gewesen , c ) Dieß ist im . 6 . 4 Jahre geschehen , und nicht , wie Valerius Andrea - , Biblioth . Belg . 842 Seite versichert , im d ) Siehe die Anmerkung ( E ) . ? ) Aus seinem Leben , unter den Lebensbeschreibungen der Professoren von Groningen . Dieses Leben ist fast nichts anders , als das Lob des Ubbo Emmius , welches Nicolas Mulerius , Doctor der Arzneykunst , und Professor der Mathematik »u Gröniligen , ohne Benennung seines Namens im 1638 Jahre herausgegeben hat .
( A ) ffic war der Sohn des Prediger» ju ©tretha . ] Dieser Historie des Grafen von Nassau . Wilhelm Ludwigs , Statthalters von
Prediqer hat Emmo Dicken geheißen ; er war Luthers und MelanchthonS Frießland ; wo man nicht allein das Lob dieses Herrn , sondern auch eu
Schüler , und bcym Johann Laseus sehr anqciehen gewesen , welcher einige nen kurzen Auezug der Historie von den vereinigten Provinzen vom
Sfcit die Aufsicht über die Kirchen in dieser Gegend gehabt . Seine Eh - 1577 Zahre bis , 614 findet . Ich will auch nichts von seinen tbeoloai .
krau , die Mutter unser - Ubbo Emmius , ist die Tochter Egbert - Tiarda schen Streitigkeiten , wider Daniel Hofmannen , noch von den13 * X
Gewesen , der dreyßig Jahre hinter einander das Bürgermeisteramt zu sagen , welche« betitelt ist : Vita et facra Elenfinia Dauidis Renr»i
worden bekleidet , und emen Bruder , Namens Ubbo Emmius , einen qui monftra pudendorum errornm , auf furorum veterm« » ß .
outen RechtSgeiehrten , gehabt , der demjenigen den Namen gegeben hat , coöa mundo propinauit , ex libris eins myftieis eruta ffSnMfrIf . it
Em dieser Artikel handelt Der Vater de« Emmo D . ck'en , ist ein 47 S . Er hat , da er gestorben , an einer Historie des Phil . vm . s Eö .
aurer Bauer gewesen , der d . e Aussicht über d , e Schleuse dieses Orts ge , mges von Maeedonien , des Vaters Alexanders des arok a arLet'
S Ä dem Leben de - Ubbo Emm . uS , unter den Leben der Profes - Seme Absicht war , zum Nutzen der iÄS ? u Ä
form von Groningen gedruckt . durch was für Umwege Philippus die Freyheit Griechenlands unter -
( V ) bat fortgefahren Dächer , ; u schreiben . ^ Damals hat er ^ Historie bereit« bis in das fünfte ^ , ahr der
an den bvtn Banden de« Werke« Vetns Graecia illnstrata gearbeitet ; der Regierung diese« Monarchen fortgeführt . Siehe die Leben der Pro ,
«ÄÄ Beschreibung vonGriechenland ; der an - fessoren von Gröningen , 50 S . ^ °er ^ro .
dre die Historie dn Griecl>en ; der dritte «ne besondere Form eine« je - ( L ) wilkelm Ludwig , Graf von Nassau , , , hat ihn
den Staats , oder einer je den Republik Griechenlande« Wenn die sthr oft um Rath gefragt . ^ Man würde dem Nachrühme des Ubbo
Buchdrucker den versprochenen Fleiß angewendet hätten , so hatte er das Emmius Unrecht thun , wenn man nicht der aan , en Welt die Ehre b ? .
Vergnügen gehabt , dieses Werk «och vor seinem Tode au« derPresse kannt machte , die er von diesem Statthalter FrießlandeS erhalten hat'
kommen zu sehen : allein ihr gewohnliche« Zaudern war Ursache , daß So redet demnach sein Geschichtschreiber davon : Ab eo tempore m , 0
diese« Buch erstlich im >6 - 6 Jahre da« Licht gesehen hat . Siehe das fedes fuas Grönmgae habuit , per anno« xvi affeötim illnNrjM . ni
Leben der Professoren zu Gröningen 50 S - Paul Freher im Schauplal^e Principis gvilhblmi lvdovici Comitis NafTouiae . Guber
auf der 15 - 2 S hat dessen verausgabe nicht gewußt . Der Verfasser natori« noftri quondaip laudatiflimae memoriae , tarn beneuoliim rt *
hatte noch sonst wichtige Werke herausgegeben , ehe er an diesem zu ar - benignum femper fenfit Emmius , vr humilioris fuae conditionis fibi
beiten angefangen . Dergleichen sind seineDeeaden Kerum Enlicarnrn , conlcius , in ruborem faepe daretur . Nam viri huius cordatum in
und überhaupt alles dasjenige , wa« er so wohl über die Historie von genium Neftoreamque in confiliis dandis prudentiam faeoe exner "
Friesland »nd Gröningen , a>« über die geographische Beschreibung dieser tu , ttero , inclytt» , e»m ad fe accerfere , benigne habere Der fidos
Lander geschrieben hatte . Dergleichen sind auch seine chronologischen domefticoi , per litteras in maximii negotiis confulere et a menre
und genealogischen Werke , welche in einer fthr ausgearbeiteten Lehrart , eins haud temere recedere , in inorc pofitum habebat . ' Ebendaselbst
die römische und die allgemeine Historie enthalten . Ich übergehe sein - 47 S ^venda , elb , t
( v ) Er

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.