Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4213

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Calvin .
heit bekannt gemacht hat . Ich säge eben dasselbe vom Erasmus Sar - cier , ti ist mir nicht unbekannt , daß er vor dem Jahre 1539 , der Urheber
einiger Bücher gewesen : allein alle diejenigen , die einer Einsicht fähig sind , werden bald entscheiden , wenn sie dieselben gegen die Unterweisung Calvins vergleichen , daß dieser kein Mann gewesen , der in Ansehung
jenes nöthig gehabt , einen gelehrten Dieb abzugeben , noch daß er ein solcher um diesen Preis werden wollen . Die Hand des Meisters giebt sich in diesem Werke dermaßen , und mit einem so erhabenen Geiste , zu erkennen , daß die Besthuldigung de« Diebstal« bey guten Kennern , nur für etwas lächerliches gehalten wird . Die Zeit hat dem Wehrte der Infti . tutionum Calvins nichts benommen : diejenigen , welche sie nicht in der Sprache der Gelehrten lesen können , sind verdrießlich , daß die alte ftan - jösische Uebersehung so barbarisch ist . Zu ihrem Besten hat ein geflüch - teter reformirter Prediger , eine Neue Uebersehung davon unternommen . Er hat bereits das I und II Buch in neu Französisch gebracht , und er setzet seine Arbeit fort . ( Das erste Buch ist zu Bremen >696 in 4 ge , druckt , und das andre mit einer weitlauftigen Zuschrisc , an den Chur» fürsten von Brandenburg , in eben derselben Stadt , das folgende Jahr , in 4 gedruckt worden . ) Sie zeigen entweder zu viel Ekel , oder zu viel Unwissenheit , sie mogm nun dazu sagen , was sie wollen . Die französische Schreibart Calvins , welche zu seiner Zeit sehr gut gewesen , ist ietzo noch nicht unverstandlich . Ich kenne Leute von autem Geschmacke , welche die Uebersehung mir Vergnügen lesen , die er selbst von diesem Werke her - ausgegeben hat , und von welcher die beste Ausgabe , wie mich düicket , die von Genf im Jahre 1560 in folio , bey Conrad BadiuS , ist , oder vielmehr diejenige , die zwey Jahre darauf in eben dieser Stadt gemacht worden . Die Randglossen sind darinnen vom Augustin Marlorat ver - bessert , auch sind von ihm zwey neue Register dazu gemacht worden . Wir wollen durch eine Stelle Pasquierö , eine von denen Sachen bekräf - tigen , die ich gesaget habe : Calvin ist ein Mann gewesen , der so wohl im Lateinischen alsFranzosischen wohl geschrieben , und dem unsere französische Sprache viel 511 verdanken har , weil er sie mit umäbligen schonen Redensarten bereichert hat . Pasquier , Recherch . Libr . VIII . cap . LV . pag . m . 76» .
( CC ) Man hat ihm das bose Leben von seines Benders Frau vorgeworfen . ] Wir wollen die Worte seines Geschichlschrei - bers anführen : Exprodrant ei alii , quod illins frater Antonius Caluimis priorcm vxorem fuam ob adulteriiim , cognita caulä , re . pudiarit . Quid ergo diccrent illi , fi adulteram fouiilet ? Quod Ii in eum redundat hoc iinpudicae mulieris dedecus , quid fict Iacobi , Dauidi« , ipfius denique tilii Dci familiae , in qua ipfemet Diabolnnj cx fuii vnum difertc notauit . Biz * in Vita Calv . fub . fin . pag . z8 ? » Man sieht in dieser Stelle eine Schwagerinn des Calvinus , ! die bruchs wegen verstoßen worden ; allein Florimond von Remond redet im VIII B . XVII Cap . 926 S . seiner Historie von der Ketzeren , nur von einer Nichte ! Calvin« , die wegen einer solchen That gestraft wor - den . „ Er hat auch seinen Bruder Anton Calvin , mit der Tochter ei - „ n<6 Mannes verheirathet , der zu Antwerpen Bankerot gemacht hat , , te , Namen« Nicola« von Fer , und der seine Sicherheit in Genf ge -
„ sucht hatte , wo der heilige Geist allen die Thore eröffnete . Er ist ein „ Buchhändler geworden , damit er die Bücher seine« Bruders vertrei - , ben konnte . Allein , dieser ist unglücklich in seiner Ehe gewesen : denn
„ seiue Tochter ist im Ehebrüche ergriffen , und durch Schindere Hand orub
Softt
„ Hau« von der . Hurerei ) befteyt sei , . Es hat ihn »war der - Herr ,
„ zu Genf ausgestäupet worden , worüber Calvin vor Verdruß und . Widerwillen fast den Tod gelabt . Hierauf zeiget Beza mit dem »Finger , in der Vorrede über den Josua , wenn er saget , daß Calvin«
„ saget er , in diesem Stücke geübt , ( er will sagen , seine Geduld
dergleichen'
Samens Denise , der Ehefrau des Corneille , Vorlesers in der I'hebräischen Sprache , zu Genf , begegnet . " ( Dieß ist Corneliu« Bertram gewesen , von dem ich einen Artikel gemacht habe . Ich ha - be oben gesaget , daß er mit einer Nichtel von der ersten Frau Theodors Beza verheirathet gewesen ; allein ich habe im Florimond von Remond gesehen , daß sie sich übel aufgeführet hat . ) „ Jedoch ist sie nicht , wie „ die andere , durch die Stadt gestäupet worden , entweder weil er mehr „ Ansehen als seine Vorgänger gehabt , oder weil ihre Gesetze nicht mehr „ so scharf gewesen . "
( DD 1 Man hat die Zurückkehr eines von seinen Vettern zur römischen Rirche ausposauner . ) Caspar de la Favergue war von Chamber ? nach Gens gereist , einen von seinen Oheimen zu besu - chen , der daselbst ein Hugenotte geworden , und hatte alda die prote - stantische Religion angenommen , und Rachel» von St . Andre , eine Nichtel Anton Calvins geheirathet . Aus dieser Heiralh war Stephan de la Favergue gebohren , welcher nach dem Tode seiner Aeltern in Tal - vins Hause erzogen , und vom Anton Calvin , seinem Vormunde , nach Heidelberg geschickt worden . * - Nach vollbrachten Studien ist er in seinem 30 Jahre nach seiner Zurückkunst z« Genf in den Räch - - - der Zwevhunderter aufgenommen worden . Nachdem er in Savoyen einen von seinen Anverwandten besackt . so hat er den Francisews von Sales predigen boren , und auch einige Unrerre - düngen mir ibm über gewisse Rcligionspuncre gehalten . Er harre auch einige Streitigkeiten mit zweenen Capucinermönchen . Er that eine Reise nach Rom , im Jahre , 600 , um daselbst die Ceremonien des Jubeljahres anzusehen . Er wurde unrerwege« von seinen Reisegefährten bestohlen , und so bald er den ersten Fuß , n Rom gesent mit einem anhaltenden Fieber überfallen ; der Arn besuchte ihn , und wollte nicbr eher wieder weggehen , als bis er ( nach der Gewohnheit in Rom ein Zeugniß harte , wie er gebeichtet hatte . Der Kranke ließ in dem Capncinerklvster einen favoviscben Mönch verlangen , der einen Edelmann aus Sa - voven besuchen sollte . Der P . Cherubim - - den er in Sävoyen gesehen , - - - besuchte ihn . und empfahl ihn dem Pa - ter Peter von der Mutter Gottes . den Generalgevollmächtigten der Carmeliterbarfiißer von der Versammlung in Italien . Dieser Carme - liter besuchte ihn uiid verschaffte il>m gute Almosen von dem Pabste . Diest LNildrhärigkeir erweiclire da« Her ? des Rranken . Er trug den Capucinern und dem Carmeliter seine Zweifel vor . und war ein - schlössen , ein Kacholike zu werden . Der Pabst versprach ihm ein
Jahrgeld von 800 Thalern , und umergab ihn dem Cardinale Ba - roniuszur Unterweisung . Der P . Carmeliter gab ihm das Leben der h . Theresia zu lesen . Endlich wollte der Neubekehrte , ob es ihm der Pabst gleich Widerrieth , ein Carmeliterbarsüßer werden , und de nach abgelegten Probejahren den 14 des Heumonats 1602 ein , gekleidet . Er ist Clemens von St . Marie genennet worden , und har viel Bedienungen bey dem Orden verwaltet . Er ist in dem Kloster zu Avignon im Jahre 164z gestorben . ( Aus einem zu Antwerpen im Jahre 1670 gedrucktem Buche , unter dem Titel : Les Fleurs duCarmel cueillies du Parterre des Carmes dechaufiei de France - - - par le R . P . Pierre de la Mere de Dieu , Rdigieux Carme dechaufle pag . 81 . u . f . Seite .
( EE ) Antillen hat eine Stelle Calvins angeführet , und nicht geleugnet , dafi man geglaubt , es sep dieselbe Ursaclx zu einer - L . äsiccsci ) rift wider diesen Prediger gewesen . ] Die Unterweisung meiner Leser erfordert , daß ich hierüber einige kleine Beobachtnnqen mache . Die Stelle , wo sich Calvin beklager , daß die Schmeichler Heinrichen den VIII , das oberste Haupt der Kirche genennet , ist seine Auslegung über den >z V . des VII Cap . Oes Propheten Arno« : Er redet daselbst folgendermaßen : Qu» initio tantopere extulerunt Henricum Regem Angliae , certe fuerimt inconfiderati hoinines , dederunt illi fum - main rerum omnium poteftatem . Et hoc me femper grauiter vul - neraiiit . Erant enim Blasphemi , cum vocarent fummum Caput Ec * clefiae fub Chriflo , hoc certe fuit nimium . Icl ? weis nicht , ob es dieses gewesen , was einen gewissen Englander verdrossen hat , und ob dieses , wie einige glauben , nicht der Vorwand zu der K . ästerschrift wider den Calvin gewesen , in welcher dieser Engländer , welche« Johann Ärerle ) ' , ein englischer Meßprie - ster ist , ihm schuld qiebt , daß er in seinen Auflegungen über den Daniel gesagt hatte , man müßte den katholischen Ronigen viel eher in die Augen speyen , als ihnen gehorchen ; statt der Antwort auf diese Lasterschrift , hat man einen Brief gemacht , welcher in der ersten Sammlung , von den merkwürdigsten vorgegangenen Dingen unter der Äigue steht , und den Titel hat , Lettre d' un Gentilhomme Fran^ois contenant breve Reponfc aux calomnies d'un certain pretendu Anglois . Und in diesem Briefe zeiget man , daß in den Auslegungen Calvins die Rede vom Nebucadnezar ist , welcher seine Bildsaule har wollen an - bethen lassen u . f w . Ancillon Melange Critique , Tom . II . j> . yi , 52 . Ich sage I , daß die Schmähschrift , welche durch den Brief eine« frankosistlxn Edelmanns widerleget wird , der dem ersten Bande von den Nachrichten der Ligue eingeschaltet ist , nicht wider den Calvin gemacht worden . Sie ist überhaupt wider die Hugonottische Partey und in der Ab» sicht gemacht , zu verhindern , daß Heinrich vonBourbon , König von Navarra , nicht auf dem französischen Throne folgen sollen . Man re - der darinnen vom Calvin nur zufalliger weise , und mit wenig Worten . Zum II . sage ich , daß der Urheber dieser Schmähschrift kein Engländer
gnvesen ; es zweifelt niemand , daß sie Ludwig von Orleans nicht ge ,
macht habe . Die Einkleidung , die man ihr gievt . "
Papisten in England die Katholiken in Frankreich
? cben , daß ein ketzerischer König Heinrichen dem III , in der Regierung >lge . Zum III , sind wederJohann Brerley , noch ein andrer englischer
setzet voraus , daß die eich warnen , nicht zuzu -
Paviste vermögend gewesen , sich wider den Calvin , wegen der Anmer» kung Heinrichen den VIII betteffend , zu erzürnen . Alle Römischka - tholische mußten diesen Gedanken Calvine billigen , und konnten sich desselben wider die Königinn Elisabeth bedienen : und gewißlich , wem» er aus keinem andern Tone , als aus diesem geschrieben hätte , so würde er den Lästerungen der Papisten nicht sehr ausgesekt gewesen seyn ; und noch weniger den Schmähschriften der englischen Priester , als derPrie - ster von andern Nationen . IV . Endlich bemerke ich , daß die Antwort dem I Bande der Nachrichten von der Ligue diejenige ist , welche du Pleßis Mornai auf die Schmähschrift Ludwig« von Orleans gemacht hat , und die ich oben in dem Artikel Brocard angeführt habe . Sie steht im I . Vol . de * Memoires de Mornai , pag . 619 . u . f .
( FF ) Die französische Ausgabe des Gebens Calvins , von >565 , har viel neue Sachen u . s . w . ] Man findet dasjenige nicht in der französischen Ausgabe von >564 , in was ich aus der Ausgab
von 1565 , in Folio gezogen habe , wenn ich erzähle , daß der Enkel eine« Bastatts von dem Herzoge von Burgund , Philipp dem gütigen , der re - formirten Kirche abgesaget hat . ( In dem Zusätze zu der Anmerkung ( G ) ,
bey dem Artikel diese« Herzog« . ) Man nierke auch , daß sich dieses nicht in dem lateinischen Leben Johann Calvins findet . Man findet nicht darinnen , daß Peter Virct im Monare Marz , >559 , mit gewissen andern , aus guten Ursachen , den Orr verlassen , wo sie gewesen , ( nämlich Lausanne ) und sich nach Genf begeben : wo er von dem Rathe so rvohl , als dem Calvin und den andern Predigern , so sehr geberhen worden , das Pastoramt der Rirche zu übcrneh , men ; ( Beza , in der Vorrede über den Josua , genfer Ausgabe , von . 565 , zo S . ) und daß der Rath und der Statthalter der Stadt damals , auf Anratben Calvins , das ^erz gefaßt , einen Anfang mit Aufricl ? - tung der Sckulen und Lehrskundcn in den vornehmsten Sprachen zumachen , welche sie mir vortrefflichen Personen von denen be - seyr , die mir dem perer Vir« nach Genf geflüchtet harren . Ebendas . z . S . Ich bestätige dadurch meine Ätuthmaßungen , daßVi - ret aus gewissen Ursachen von Lausanne weggegangen ist , die mal , zu entdecken nicht für dienlich gehalten hat . Siehe die Anmerkung ( X ) , bey dem Artikel Vlret . Ich sehe auch hieraus , warum Theodor Beza Lausanne verlassen hat ; denn man darf nicht zweifeln , daß er unter denen gewesen , die mit den , Viret au« guten Gründen weggegangen sind . Der Umstand der Zeit versichert mich dessen . Er hat im Jahre i5 , - y in Genf zu lehren angefangen , und er berichtet uns , daß mau Professoren aus denen erwählet , die mit dem Virer nach Genf geflüch - tet waren . Allein , daraus , daß er mir einer solchen Person aus einer - lev Gründen weggegangen ist , schließe ich , daß keine schandliche That Ursache daran gewesen , wieseine Widersacher vorgegeben haben , ( siehe die Anmerkung ( D ) , zu dem Artikel Beza . ) und ich muchmaße , daß daselbst nicht« als consistorial , oder akadeniifthe Rottm gewesen . Man merke , daß sich diese Stelle , woraus ich diese Muthmaßungen ziehe , nicht in dem lateinischen Leben Johann Calvin« findet .
Weiter ficht man weder daselbst , noch in der französischen Ausgabe von 1564 , i« 12 . dasjenige , was ich anführen werde . „ Calvin hat im
. . Jahre

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