Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7806

Emma .
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furo Schotanirurisconfulti ad prenfatores Batauos . d ) Aus seiner Leichenrede , welche vom Daniel BerkringeruS , den 21 des WintermonlUS . >660 , gehalten worden . Das Tagebuch des Wirte setzet seinen Tod übel ins >66 , Jahr .
fA ) Sein
gefluchtet . ]
hat diesen Namen auf eine rühmliche Art lateinisch gemacht , weil er ihn in eine berühmte Familie von Rom verwandelt , Lens Aemilia . ) Er ist in seiner Jugend , ein Kaufmann zu Antwerpen , nachgehends zu Rom , und dann überall , wo er gewöhnet , gewesen . Er war katholisch gebohren ; allein , da er in Rom bemerket , daß sich verschiedene unter wäh - renderMessevvn ihremLiebeSglückunterredet - soisterinein MiStrauen , wegen der Religion gerathen , und hat dieselbe genauer untersuchet ; so , daß er immer mehr und mehr einen Ekel vor derselben bekommen , und in geheim die reformirte angenommen . Endlich hat er das Land Lüt - tich verlassen , um sich öffentlich zu derselben zu bekennen , und in Aachen seine Wohnung aufgeschlagen ; von da er in das Herzogthum Jülich ge - flüchtet , als der Kaiser die Kirche und die Schule der Reformirten zu Aachen zuschließen lassen . Endlich war er nach Dordrecht geflüchtet . Aus der Leichenrede des Anton Aemilius .
( B ) bat Bekanntschaft mit dem Cartesius gehabt . ] Als Aemilius dem Reneri die Leichenrede schalten , welcher die Meynungen
: m Vater hatte sich nach Aachen , der Religion halber , • ] Er hat Johann Vieles geheißen : ( Sein Sohn , Anton
des Cartesius auf der Akademie zu Utrecht öffentlich gelehret hatte , so hat er dem Cartesius viel Lob beygelegt . Er hatte hierinnen seiner Nei - gung , und dem Verlangen der ersten Rathspersonen zu Utrecht gefolgt die ihm ausdrücklichen Befehl zugeschickt , den Cartesius und die neue Philosophie in der Leichenrede des Renerus zu loben , Baillet in des Cartesius Leben , ll Band 22 Seite . Der Urheber des Lobes hat dem Cartesius seine geschriebene Rede , nebst einem sehr höflichen Briefe , zu . geschickt . Man hat ihm so geantwortet , wie es sich auf einen so höfli» chen Anfang gehört , und dieses >st der Anfang der Bekanntschaft gewe - sen ; dieß geschah >6zy . Er hatte damals nicht nöthig , einen Nicode - miten zu spielen , und ein heimlicher Schüler propter metuin Iudaeo . rum zu seyn ; denn daz Ungewitter wider den RegiuS . war noch nicht angegangen : also wäre dieß kein Beweis von der . Herzhastigkeit de« Aemilius . Allein hier ist einer : er hat nicht allein keinen Theil an dem Verfahren nehmen wollen , welches von der Akademie Utrecht im 1642 Jahre , wider den Cartesius und den Regius seinen Anhänger , angestellet worden , sondern er hat auch dem gefällten Urtheile förmlich chen . Ebendas . 755 S .
Emma , die Tochter Richards des IT , Herzogs von der Normandie , Gemahlinn des Königes von England , Echelredus , und Mutter des heil . Eduards , der auch König von England gewesen , halte unter der Regierung ihres Sohnes , viel Theil an dem Regünente , und ein solches Ansehen bey Hose , daß der Graf von Kent , welcher unter verschiedenen Regierungen , eine große Gewalt gehabt , eine heftige Eifersucht gegen sie gefaßt . Er wollte nicht , daß eine Frau die Staatsbedieming mit ihm theilen sollte , das heißt nach der gewöhnlichen Sprache , die Gewalt unter dem Namen des Prinzen , alles dasjenige zu befehlen , was man will ; und hier ist das Mittel , welches er angewendet , sich dieser Nebenbuhlerin» zu entledigen . Er beschuldigte sie ver - schiedener Verbrechen , und gewann einige große Herren , welche seine Anklagen bey dem Könige bekräftigten ; so daß dleser gute Prinz , welcher vermuthlich , ohne seine große Einfalt , niemals in den Calender gekommen seyn würde ( A ) , se»neMutter leicht - lich für strafbar hielt , und sie unvermuthet überfallen ließ , um ihr alles dasjenige wegzunehmen , was sie zusammen gebracht hatte . Er führte zu seinen Ursachen an , daß e6 ein übel erworbenes Gut , und die Frucht eines unerträglichen Geizes wäre . Sie nahm bey dieser Widerwärtigkeit ihre Zuflucht zudem Bischöfe von Winchester , ihrem Anverwandten ; allein dieß war eine neue Materie zur Lästerung für ihre Feinde ; denn der Graf von Kent , machte ihr ein Verbrechen aus den allzuoftern Befu - chen , die sie bey diesem Bischöfe ablegte ( B ) , und beschuldigte sie , einen unzüchtigen Umgang mit dlejem Prälaten zu haben . Der König fuhr fort , leichtgläubig zu seyn , und Emma mußte sich , durch die , zur selbigen Zeit , gebräuchlichen Mittel rechtferri - gen , das heißt , daß sie über ein glüendee Eisen gehen mußte ( C ) . Diese harte Probe bewies ihre Unschuld klarlich . Der König linterwarf sich nach derselben Erkennung , der Strafe der Bußfertigen Ich finde nicht , wie es den Anklagern gen ; und man muß bekennen , daß über die Gewohnheit derselbigen Zeilen , viele Betrachtungen anzustellen waren ( D ) .
- ) Siehe des Theophilus Raynaud Hoplothec . Sefl . II . Ser . II . cap . VI . welcher den Polydor Virgilius , Nicolas Harpsfeld , und den Rodolphus Cestrensis anführet . Man merke , daß der P . von Orleans diese Historie viel netter in dem I Bande der StaatSvecände - rungen von England vorgebracht hat .
( A ) Eduard , ihr Sohn , würde ohne seine große Einfalt nie - mals in den Ratender gekommen seyn . ] Ich will sagen , daß ihm die Heiligmachung keinen Festtag angewiesen haben wurde . Es ist ge - wiß , daß diejenigen , die den Thron besitzen , die Hülfe des Temperaments viel nöthig« , als andre haben , wenn sie Heilige werden wollen . Wenn sie von der Natur keinen einfältigen , gelinden , leutseligen , demü - thigen Geist erhalten haben ; so empfinden sie Leidenschaften , die sie zu einer Ausführung vermögen , welche der christlichen Vollkommenheit nicht sehr gemäß ist : allein bey denen von mir bemerkten Eigenschaf - schaften , lassen sie sich von ihren geistlichen Führern , wie die Schöpse leiten ; und dieß sind große Vorsprünge , bey dem Hofe zu Rom , die Auf - nähme in die Zahl der Seligen , und was derselben anhängig ist , zu er - halten . Ich verlange die Ausnahmen nicht auszuschließen , die man für nothwendig halten wird . Allein dem sey wie ihm wolle , so hat der von mir angeführte Schriftsteller Eduards Einfalt gar Wohl erkannt . Reginam Emmam apud filium Eduardum Sanöum quidem , fed fim - plicis animi dchoneftaiiit . Apud regem omnes ex ftio ingenio fiin - plici et candido ( meeientem . ) Theoph . Raynaudus , Hoploth . Seö . II . Ser . II . cap . VI . p . m . 204 . Ich setze das Wort rneüentem darzu ; der Sinn erfordertes .
( B ) Man machte ihr ein Verbrechen aus den oftern Besii ? chen , die sie bey dem Bisthofe von ZVmchester ablegte . ) Die Welt ist jederzeit verleumderisch gewesen , und hat nicht glmiben wollen , daß die langen und öftern Unterhaltungen der Personen von verschiede - nem Geschlechte , von aller Unreinigkeit srey gewesen . Mai , sey ver - witwet , man sey alt , man sey eine königliche Witwe , man habe Rath nöthig . man erwähle vielmehr einen Geistlichen , als einen W ltlichen zum Vertrauten : nichts wird vor dem Verdachte und den Pfeilen der Lästerung bewahren . Emma ist vielleicht schon die hunderttauseudste un - tcr den Frauenspersonen von ihrem Range , deren Aufführung zum Ge - schwatze gedienet hat .
( C ) Sie hat über ein glüend Eisen gehen m & flen . ] Ein wisser Robert , der nach diesem Erzbischof zu Cantorberi geworden , hat die heimlichen Nachstellungen des Grafen von Kent tapfer unterstützet .
Durch seine Veranstaltungen ist die Königinn verdammt worden , sich durch die Feuerprobe zu reinigen . Nach der Gewohnheit der damaligen Zeit , hat die angeklagte Person , über neun glüend gemachte Pfiugschaa - re geben müssen . Es «st gesprochen worden , daß EmMa neun Schritte über diese Schaar™ für sich , und fünft für den Bischof von Winchester thun sollen , dessen guter Name ihr so sehr ans Herze gieng . Sie hat die Partey angenommen , und die ganze vorhergehende Nacht im Ge - bethe , bey dem Grabe des h . Suitins , zugebracht . Nachdem der Tag angebrochen , hat man in eben derselben Kirche , wo sie die Nacht zurück aekaet hatte , alle die erforderten Gebräuche verrichtet , worauf sie in Gegenwart des Königes Eduards , und aller Großen de« Königreiches , «vischen »ween Bischöfen , über neun Pflngschaaren gegangen . Sie ist wie eine geringe Bürgerin» gekleidet , und bis an die Knie baarfüßig gewesen , und hat die Augen beständig gen Himmel gerichtet . Das Feuer hatte ihr wenig geschadet , daß sie , da man bereits wieder aus der Kirche gegangen , geftaget , wenn , >e an den Ort kämm , wo die glü - enden Eisen wären ? Cum progrediendo decurfi eflent vomerej , iamque extra Hcdetiam procederent cingentes Emmam Epifcopij interrogauit Emma , ecquando ad vomeres eilet penwntura
exituin edofta immenfas gratiaspiotantiprobriabfterfioneDeoeg t .
Theoph . Raynaudus , Hoploth . Sedl . II . Ser . IL cap . VI . p . 204 . dem sie erfahren , daß alle« vorbey wäre , so hat sie Gott gedankt , daß er ihre Unschuld so klar an den Tag gebracht . Der Konig Eduard hat sich vor feiner Mutter auf die Knie gelegt , sie um Verzeihung geberhen , und ge - wollt , daß ihm die Bifchöse zur Ersetzung der Beleidigung , die er so wohl ihr , als dem Bischöfe von Winchester erwiesen , dieiSmßjuchtm ng geben sollten : und man hat ihn zu diesem Erde , die Schultern entblößet , und ihn als einen Büßenden gegeißelt . Rex matri fupplex ad pedes ac» cidit , et pro moleftia matri ac Epifcopo Aluino creata , nudo dorfo ritu poenitentium plagas ab Epifcopis excepit . Ebendaselbst . Die Pflugschaaren sind in einem Kloster zu Winchester vergrabe» , worden .
( D ) Es waren viele Betrachtungen über die Gewohnheit derselben Zeiten anzustellen . 3 Die Aistonen sind mit dergleichen Begebenheiten angefüller . Man siebt , daß die Probe mir dem qlüenden Eisen an verschiedene ! « Oertern in Europa gebräuchlich gewesen , und daß sich die Personen derselben unterworfen haben , ohne ihrer Ehre einen Nach - theil zuzuziehen . Warum fährt man nun nicht weiter fort , sich derselben seit langer Zeit zu bedienen ? Ist e« etwa darum geschehen , weil man er , kannr , daß sie der Verblendung unterworfen ist , und daß die menschliche Arglist , derselben , zum Vortheile des Verbrechens , einen guten Ausgang verschassen könnte ? Wenn dieses ist , so würde man diejenigen , von bey - derley Geschlecht ? , nicht für gerechtfertigt halten können , welche ohne Empfindung der geringsten Schmerzen , über diese Pflugscharen gangen sind . Ist es darum geschehen , weil man Gott nicht versuchen soll ? So frage ich , warum hat man ihn denn zu derselben Zeit versucht ? Warum verdammt man diejenigen nicht , die diesen Gebrauch beträft tigten ? Warum sollte man glauben , daß Gott eine Unschuld durch ein Wunderwerk an den Tag bringen würde , die diese Gnade nicht ver - diente , weil sie zu einem Verbrechen Zuflucht nahm , nämlich Gott zu versuchen ? Es ist sehr schwer , diese Schwierigkeiten ohne die Darzwi - schenkunst einer zufälligen Ursache aufzulösen : allein vermittelst dieser Meynung wird man sie leichtlich auflösen . Man darf nur einen Schutz - geist voraussehen , weichet für die Unschuldigen Sorge tragt , und der durch seine Wünsche den ersten Beweger bestimmet hatte , bey dieser Be - gegnung dem allgemeinen Gesetze , von der Mittheilnng der Bewegun . gen , nicht zu folgen . Ferner könnte man vorausletzen , nicht wie die . Heiden , daß dergleichen Schutzgeister stürben ; sondern daß sie zu dern Verrichtungen übergiengen , und alsdaim aufhörten , die Aufsicht über dergleichen Proben zu haben . Auf diese Art konnten gewisse Wim - derwerke zu einer Zeit im Schwange gegangen seyn , die zu einer andern aufgehöret hätten . Man dörfte »ichrs wider die Unveranderlichkeit der allgemeinen Geseke daraus schließen . * Vielleicht würde man sich be - triegen , wenn man glaubte , daß unter denen erschaffenen Geistern kei - ner veränderlich sey , als die Seele .
* Der Nutzen des cartesianischen Lehrgebäudes , der sich aller - erst nach so vielen Erdichtungen zeigen kann , schicket sich besser sür gewisse Dichter , die sich wie der Graf von Gabalis , allerley Arten von Geistern ersinnen , als für Weltweisen . Da müssen Geister seyn , die sich der Unschuld annehmen : rhut denn dieses nicht Gott selbst auch ? Diese müssen wolle» , daß das glüende Eisen nicht bren - nen soll ; und diesem ihrem Verlangen zu folge , soll Gott das Wim - der thun . Was brauchet e« dieser Weitläustigkeit ? Muß Gott denn nur durch ein Geschöpfe bewogen werden , zu thun , was gut
ist ?

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