Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7795

382
Emilius .
schreiber , als Nebenbuhler vorzustellen , die sehr lange Zeit um den Vor - zug gestritten haben ? Einer ist drey Jahre nach angefangener Regie - rung Ludwigs des XII gestorben : der andere ist von diesem Monarchen nach Paris gezogen worden , und hat daselbst bis ins fünfzehnte Jahr Franciscus des I gelebet . Ich setze dazu , daß , wenn man die Gunstbe - zeigungen und Frengebigkeiren des französischen Hofes , gegen den Ga - guin mit denjenigen i>< Vergleichung stellet , womit Paul Aemilius begnadiget worden , man finden wird , paß die Dienste dieses vorgegebe - nen Franzosen reichlicher vergolten worden , als des Lombarders seine . Endlich sage ich , es ist abgeschmackt , vorzugeben , daß Gaguin , wenn er gleich auch ausrrägliche Besoldungen gehabt , eine so gnre Historie , als des Paul Aemilius seine , gemacht haben würde . Wenn er gleich zehn tausend Pfunde jährliches Gehalt gehabt hätte , so würde er dennoch sei - nen Nebenbuhler niemals erreicht haben . Der Geschmack und die Kenntniß des Alterrhums lind das schöne Latein fanden sich beym Gaguin in einem so mittelmäßigen Grade , daß es zu seinem würdigen Lobe schon zureichend ist , wenn man saget : ersey nicht so barbarisch , als man damals in den Klöstern gewesen ist . Ködert» , Gaguinus non ita pridein habitus est inagni nominis , didlione tamen quam fcriptis vcndibilior . Verum fuo feculo , nunc vix inter Latine loquentcs reciperefur . Erafinus , in Ciccroniano , p . m . 73 . Dieß ist der Nang , den ihm Erasmus giebt : Dieß heißt ihm nach seinem Verdienste gegnen . Der Veronenftr ist ein ganz anderer Mann gewesen ; und man tadelt Ludwig den XII mit großem Unrechte , daß er ihn sei - nen Unterthanen vorgezogen hat . Es hat ( ich zur selben Zeit ( ich rede von den ersten Jahren der Regierung Ludwigs des XII , ) im ganzen Königreiche kein einziger Scribent gesunden , der dem Paul Aemilius , was das schöne Latein und die Regeln der historischen Kunst betrifft , gleich gekommen wäre . Gleichwohl verlange ich deswegen nicht , daß man ihn mir dem Sallustius und Titus Livius hätte können in glei - chem Paare gehen lassen :
Quique alter haberis ,
Et Titus , et Crifpus , noftrae vnus conditor ingens Hiftoriae Acmili . Rodolphus Botereius , in Lutetia , beym Du Breul , Antiquitezde Paris , Liv . L p . m . 14 .
Wir wollen noch einen Schnitzer des la Popeliniere bemerken : Er hat auf der 437 0 . seiner Historie der Historien gesaget : daß Ludwig der XII den Paul Aemilius aus Verona holen lassen . Dieß ist nicht wahr : dieser Schriftsteller ist schon zu Rom gewesen , als man ihn nach Frankreich berufen hat . Dieses kann man aus den lateinischen Versen schließen , die sich zu Anfange seiner Historie finden , und wo er von sei - ner Familie und seinem Zustande redet . Man kann es auch aus den lateinischen Versen folgern , die sich zu Anfange der französischen Ueber - setzung finden , und Fed . M . F . unterzeichnet sind .
( G ) Seine Sitten sind so rein , als fein Latein , gewesen . ) Wir wollen den Michael Vasosan noch einmal anführen : Atque hoc etiam nomine praeftantius efie debet hoc opus , non quod , ingenium lolum Francorum Regibus fuppeditatum est , vt Cyro a Xenophonte , fed etiam authoritas fpedlatiflimi atque in primis probati viri . Non enim magis in eo fiiit admiranda eruditio excellens , cum pari elo - quentia , quam perpetua vitae integritas atque fanftimonia . Die eben in der Anmerkung ( B ) angeführte Grabfchrift bekräftiget dieses . Will man noch einen unverwerflichern Zeugen haben , so lese man fol - genden : Pauli Aemilii et reconditam cruditionem et diligentiam et VITAE SANCTITATEM , et fumtnam in hiftoria fidem exofeulor . Tullianam diftionem nee affeöauit nec habet . Erasmus , in Ciceroniano , p . m . 72 . Diese Worte sind vom Erasmus , ich habe sie aus nem Buche genommen , dessen Zuschrift den > - , de« Hornungs , 1^ - 8 . terschrieben ist ; und man merke , daß Erasmus daselbst vom Paul Aemilius , als von einem noch lebenden Schriftsteller , redet .
( H ) Joseph Scaliger erzählet dieses in einem Briefe viel weitläustiger , den ei über das Alrerthum feines Hauses im 1594 Jahre geschrieben hat . In . iuria temporis , saget er Epiftola de vetuftate et fplendore GentisSea - ligerae , p . 8 et 9 . maleuolentia hoftium , imperitia feriptorum , eos cuniculos in generis noftri memoria egerunt , vt de totius nomi - nis Scaligeri ruina metuenduin eilet , nifi praefto fuifiet eloquentil - fimus vir , et antiquarum originum vindex Paulus Aemilius Vero - nenlis , qui nachis in Nofico adla et annales profapiae noltrae vetu , ftiffimos , pingui ftilo , vt ipfe ait , conceptos , edolauit cos , et Latine loqui doeuit . Ex eo libro parens meus ea excerpfit , quae ad noftri generis claritatem praeeipue pertinere vifa funt . Caetera per otium deferibere non licuit . Quod vtinam feeiflet , et nobis edendi lafco . rem reliquiflet . Er redet auch in der ersten Ausgabe seiner Ausle - gung über den Catullus vom 1576 Jahre , und in der andern vom 1600 Jahre davon ; allein auf eine solche Art , die in Ansehung gewisser Um - stände nicht mit demjenigen übereinkömmt , was ich aus seinem Briese , de vetuftate et fplendore GentisScaligerae , angeführet habe . Sciop ? pius hat ihn wegen dieser kleinen Veränderungen erbärmlich gelästert , und überdieß behauptet , daß alles dasjenige , was die zween Scaliger , von diesem Werke des Paul Aemilius , vorgebracht hätten , eine Fabel und ein Betrug wäre . Er hat sich , unter andern Ursachen , auch darauf gegrün - det , daß man weder den Ort angezeiger . wo man sich gerühmet , dieses Manuscript gelesen zu haben , noch den Namen der Person , die dieses Werk besessen hat ; und ferner darauf , daß die Schriftsteller , welche die Bibliotheken von Bayern mit dem größten Fleiße durchsucht , niemals diese Jahrbücher angetroffen hätten . Scioppius , in Scaligero hyco - bolimaeo , folio 40 verfo . Vt fum curiofulus , saget er eben das , übet de Paulo Aemy / io nonnulla exquirere . Pritmim , est ne verifimile Aemilium in Norico vmquam fuifle et Germanicum fernionem , eumque vetuftiffimum intellexifle ? et quo in angulo Bauariae iftos Scaligerorum Annales inuenit , qui fummain Auentini , Hundii , La - zii et ipforum Scaligerorum Bauarorum diligentia^ , efFugerit ? Po - tuitne fieri , vt Illuftris vir Marcus Velferus reip . Auguftanae Prae - fedhis , fingulare illud aetatis noftrae ornamentum , ne Serenidimi quidern Bauariae Principis audtorifate fubnixus , eosdem illos Anna , les alicunde non erueret ? Et fuitne quisquam , qui de hoc Aemilii libro ( tu quatuor libros fuifle in Catullum feribis ) vel tenuiflimam vnquam auditionem aeeeperit ? Joseph Scaliger hat wiederum ge - antwortet : daß es viele Bücher gäbe , die noch unbekannt wären , und daß man daraus , weil das Manuscript des Paulus Aemilius noch nicht ziim Vorscheine gekommen , nicht schließen könne , daß es niemals da ge - Wesen . Iof . Scaliger , confutatio Fabulae Burdonum , p . 389 . 390 . Er hat den Scioppius einer Lügen überführet , weil es falsch wäre , dafi Ju - liuS Cäsar Scaliger vorgegeben hätte , als ob Paul Aemilius dieses Werk aus dem Deutschen überseht hätte . Ebendas . 386 , 387 S . Ego quaero , vnde colligunt , Iulium djxifle , eos Annales lingua norica feri - ptos ? fed Iulii verfus confulere nulla inuidia eft . Ii funt in libello de Regnorum euerfionibus ,
Nam Paulus vtrumque Aemilius monet refeirt Depromta libro , quem , vt retulit , fide vetußd Jncude Latina igneque Noricum recoxit .
Torellius omiferat ißa Saraina .
Et puero patet illorum Annaliinn libruur Noricum ideo dici a Tu . lio , quod in Norico compofitus , et ibi ab Aemilio inuentus , non vtique quod lingua Norica feriptus eilet . Quem magis idoneum verbonitn Scaligeri Interpretern dare poflimius , quam ipfum Iulium Scaligerum ? Ebenbös Hierbey führet Joseph Sealiger die Worte sei , nes Vaters an , die sich zu Anfange dieser Anmerkung finden . Sciop - piuS hat nicht geleugnet , daß er sich hierinnen nicht > . geirret hätte ; al - lein er hat behauptet . daß dieses kein Hauptartikel des Processes gewe - sen , und vorgegeben , daß man auf seine andere Betrachtungen gar nicht« hätte antworten können ; Breuiter concedo tibi , verba patris tili , quibus Aemilium Annales Noricos latinos feeifie dicit , non redte a Scioppio intelleöa fiiifle ( tametfi id adhuc controuerfi iuris eft ) ; fed nego id attulifle Scioppium , quali de quo tecum litigare vellet . Opo - rinus Grubinius , Amphot . Sciop . p . 271 . Ich beschließe mit dieser No - te : Paul Aemilius ist einer von den Helden Julii'S Cäsar Scaliger« gewesen , der ihn zugleich mit dem Torellus Saraina . mit einem nen Gedichte beehret , und dieses Gedichte einem Werke , Heröes titelt . eingeschalter hat . Siehe Scaligers lateinische Gedichte , auf der 321 S , Ausgabe von >591 .
f ( Anton ) lateinisch Aemilius , Professor der Historie auf der hohen Schule zu Utrecht , war den ao des Christ - Monats , »589 , D Aachen gebohren , wohin sein Vater , der Religion halber , gefluchtet war ( A ) . Den Anfang seiner Studien hat er in seinem Vaterlande und im Lande Jülich , unterm Johann Kunius , und dann zu Dordrechr , unter dem Adrian Marcel - lus und unter dem berühmten Gerhard Johann Voßiuö gemacht . Nach zurückgelegten Schulstudien gieng er nach Leiden , und dielt üch vornehmlich an die Vorlesungen des Baudius : nach diesem besuchte er die Akademien fremder Lander , und brachte vier ^abre mit dieser Reise zu . Er wohnte zu Heidelberg , beym David Paräus , und besuchte die pfalzische Bibliothek nach seinem fallen 3u Saumur ist er bey dem Du Pleßis - Mornai auf eine ausnehmende Art bekannt gewesen , der ihm so viele Bücher verschafft als er gewünscht . Nach der Zurückkunft in sein Vaterland , bekleidete er die Stelle des Vofiius , welcher das Netto - rat der Schule zu Dorvrecht verwaltet harte . Er war damals in seinem 26 jähre . Drey oder vier Jahre hernach " ward er nach Utrecht versetzt , um daselbst eine gleichmäßige Bedienung zu verwalten . Nachdem er ihr etliche Jahre vorgestanden , so verließ er sie , ich weis nicht , warum , und nahm sie , nach Verlauf von sunf jähren , wieder an mit einem rühmlichem Amte verknüpft , nämlich eines Professors der Historie bey dem Gymnafio . Diese Schule wurde kurz darauf zu einer Akademie ge - macht : Aemilius fetzte seine Profeßion bis an seinen Tod daselbst fort , und setzte sich durch seine Gelehrsamkeit und Beredsam - keit in Hochachtung . Man wollte ibn , zur Besetzung der griechischen Profeßion , nach Leiden ziehen , welche , durch des Voßiuö Beruf nach Amsterdam , erlediget worden war . _ Nichts destoweniger blieb er zu Utrecht ; allein die Herren von Urrecht ver - mehrten ihm feine Besoldung , um ihn zur Ergreifung dieses guten Entschlusses zu bewegen , ohne , welches er , wie man in seiner Lei - chenrede bekennet c , unfehlbar den Aufenthalt verändert haben würde . Der Hauptinhalt seiner Vorlesungen ist über 26 Jahre , als so lange sein Amt gedauert , aus des Tacitus Jahrbüchern genommen gewesen . Er ist den 10 des Wintermonars , 1660 , storben d . Man hat in seiner Leichenrede nicht gefaget : daß er viel Neigung gegen die neue Philosophie gehabt . Dieses hätte das Gedächrniß von seiner Freundschaft mit dem Cartesius emeuett ( B ) . Er hat 1651 eine Sammlung von lateinischen Reden und Gedichten herausgegeben .
a ) Im 161Y Jahre . l> ) Im 1634 Jahre , r ) Haud dubie fecutura fuerat alia ( yocatio ) priori pinguior , fecutura dico , fed go interualio in leciim Hcinfii emeriti , nifi Pallas VltraiecUua huic conatui iniecillet fecurim , aucio ftipendio Aeuüliano , fub decef .
fum

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.