Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7786

Emilius .
Z8i
kiftoricortmi permultos , qiii populi Romani res geftas fcripferiint , longo interuallo poft fe reliquerit . Eteniin fi vel rcrum geftarum fidem , vel dicendi genus ftudiofe velis expendere , nihil perDcos im . mortales ! hoc quidem genere feribendi abfolutius inueniri poflit . Res geftas liberc quidem , ( ine vlla tarnen aut fimultatis aut gratiae fufpicio - ne , narrat . Ordinem temporum ita diligenter obferuat , vt hoc ne Liuio ( it praeferendus 5 quod femper tibi conftet , nec vsquatn piignantia loquatur : quod pleriinique in illo deprehendere licet . Re - giones porro et loca , quumrcspoftulat , ita deferibit , vt ilia oculis ftrare videaris . Ad haec , confilia deinde aöa , poftremo euentus ita fuo ordine inferuntur , vt leätor etiaui partim attentus turbari nullo modo poflit . Genus dicendi fufuin atque tradhim et cum le - nitate quailam aequabili profluens , ita vt cum Liuio aliquanto xi , compositum et perfpicuuni fentire poflit . Dieß ist von gen sehr unterschieden , was Paul Joviu« in Llog . cap . LXXXIX . p . 282 saget : nämlich , daß Paul Aemiliu« mit einer lakonischen Kürze ge - schrieben hat .
( v ) - - - Andere verwerfen sie in vielen Dingen . ^ Dieses wird man in einer Stelle Sorel« lesen : „ AZan fliebt dem Paul Aemilius dieses Lob , „ daß er der erste gewesen , der die alte» , Regeln bey unserer Historie in „ Uebung gebracht hat . Man hält dafür : daß seine Schreibart ernst - . . hast und kurz gefaßt , und manchmal spitzig und subtil , aber durchge - „ hendS gelehrt und scharfsinnig ist . Dieses denken diejenigen davon , „ die ins schöne Latein verliebt sind . Wir haben ihnen zu sagen , daß , „ wenn wir uns dieses Schriftstellers , als eines Schulautors bedienen „ wollten , wohl reden zu lernen , man einigen Grund hätte , ihn hoch zu „ halten ; daß man sich aber lieber zu den römischen Geschichtsch . eibern » zu wenden habe , die ihre Sprache besser verstanden haben müssen . Man „ muß auch nicht glauben , daß man wegen seines guten Lateins seine „ Historie für besser halten muß : die gebohrnen Franzosen müssen unsere „ Historie besser wissen , als er , und man merket nicht , daß er sich viel »Mühe gegeben , dieselbe zu untersuchen . Dasjenige , was sein Werk viel „ weitläustiger machet , sind seine Reden und seine andere zur Lust erson - „ nenen Stücke . Die Wahrheit der Historie betreffend , so ist dieselbe „ darinnen sehr kurz gefaßt , und auch dieß ist dunkel und verwirrt . Wir „ werden dafür durch diejenigen rednerischen Stücke nicht vergnüget , „ die nach dem Muster der Griechen und Römer gemacht sind ; sie sind „ nicht alle an , rechten Orte angebracht , weil der Historienschreiber an „ vielen Orte» die Barbarn gelehrt und beredt reden laßt , welches sich „ fast durchgängig zeiget . , , ( Man ziehe hierbey die Anmerkung ( L ) , des Artikels Äbderama , und die Anmerkung zu dem Artikel Valdes , ( Jacobl zu Rathe . ) „ Zu einem merkwürdigen Beyfpiele , ob man gleich „ in unfern allergewissesten Historien findet , daß dieser Sachwalter , „ Namens - Hauier , oder - Hanier , welcher vor dem Könige Ludwig „ Hurin , eine Lästerrede wider den Enguerrand von Mariany gehalten , „ solches auf eine erbärmliche Art gethan , und hundert Alberkeiten vor - „ gebracht hat : so läßt ihn Paul Aemilius , der ihn bis auf den Namen „ verändert , indem er ihn Annalis nennet , mit einer gekünstelten Be - „ redsamkeit reden , welche nicht die geringste Aehnlichkeit Mit demjeni - „ gen bar , was man von ihm erzählet . Er läßt auch diesen Enguerrand «eine Schubrede halten , die dem zu Folge , was man davon geschrie - „ ben hat , nicht die geringste Freyheit gehabt , zu reden ; so , daß diese« al - „ les weiter nichts , als eine Hebung von der Feder des Geschichtschrei« „ bers ist Dieses machet den Lesern eine Belustigung , allein dieses ist kein „ Mittel , von derWahrheitUnterricht , u erhalten . , , Sorel , Bibliot . Fran . coife , au chap . IV . de la Guide de l'Hiftoire de France , p . m . 370 . Du Haillan hat den Paul Aemilius noch von einer andern Seite ge - tadeln er hat denselben bey fremden Materien allzuausschweifend , und bey der Sauptmatcne allzueingeschränkt gefunden . Er hat die - Hi , storie von Frankreich zierlich und mit gutem tLateine cjefrbritben , saget er in der Vorrede seiner Historie von Frankreich , allein «Iljuhic * in Sacken , die Frankreich betreffen ; und viel weitläustiger , als es nothwendig rvar , bey den beil . Rriegcn , bey den Spaltungen 0er Rirckie , und bey den italienischen Sachen .
( E ) ! Nan har ihn mir Unrecht beschuldiget , daß er nichts von dem heil . Fläschchcn ut Rheims gesaget hatte . ] Claudius Du Verdier halt dieses Stillschweigen für eine Bosheit : Pauli Aemilii Veronenfis , saget er in Audtor . Ceniione , p . 88 . beym Pope Vlounr , Cenf . eel . Auftorum , p . 385 . malignum filentium non filebo , qui multo - rum non meminit , quae ad Gallorum gloriam pertinerent . Nec ea ignorafle dici poteft , quae nullus ante lpfum praeterut , vt oleum illud ad vnaionein Regum coelitu * demifliim , et hha fimiliter : qlii - bus fi fidem non adhibuit , cam faltem hominum mentibus opinio - nem ins , tan . efle dicere oportiiit . Voßiu« billiget dieses Stillschwei , gen , de Hift . Latin , p . 675 .
( E ) „ wieder emvorheben . oder vielmehr cvflidn1 fwn» , al< o^ionjoffn . „ Ein so leichtsinnig angenommener undausgeu worden
. lich vom Franciseus dem I , seinem Nachfolger ,
„ welclxr - - - durch kleine Gnnstbezeugunzen der großmüthigenSrey -
„ gebigkeit des Poncher mit einer Pfründe bey unser lieben Frauen zu „ Paris beygctreten , die er dem Veroneser ertheilet hat . . Der Bischof Poncher von Touraine ist der Mecänas de« Paul Aemilius gewesen , und hat am meisten an seiner Ueberkunft aus Italien gearbeitet , um die Historie der Franzosen lateinisch aufzusetzen . Derselbe hat ihm auch , da er ihn in Frankreich schlecht besoldet gesehen , daselbst , eine solche Sammlung der Historie zu verfertigen , die Pftünde bey unserer lieben Frauen zu Paris gegeben , von deren Einkünften er den meiste« , Theil der Unkosten feines Werkes bestritten hat . Ebendas . 343 , 344 S ) „ Hier - „ bey hat er den Nachtheil nicht eingesehen , den er so vielen witzigen Köpfen »»zugezogen , die er erwecken und scharfsinmg machen können , um selbige zu „ dieserÄrbeit , so gut , als zu andern anzuwendemund insonderheit dem Bru - „ der Robert Gaguin , einem Mönche , bey den Mathurinern in Paris . Die . „ ser hatte bereits einen so schonen Anfang zu einer lateinischen Historie „ von Frankreich gemacht , daß , wenn er durch die königlichen Hoheiten „ so wohl , als dieser Italiener , aufgemuntert worden wäre , Frankreich „ vielleicht dadurch von einer solchen Schande bey den Fremden würde „ sevn befteyer worden . Allein , da der arme Mönch , ( aus Mangel der „ Mittel . ) keine so starken Flügel hatte , zu fliegen , und seine Annehm , „ lichkeiten , außerhalb den Mauern seines Klosters , zu erkennen zu ge - „ ben : so hat sein also gebundener und gleichsam gefangener Geist , gezwün« „ generWeise zeigen müssen , daß die Annehmlichkeiten , so groß sie „ auch seyn mögen , so gleich matt werden , und ohne die nöthige Materie „ ihr Feuer nicht erhalten und weiter schicken können . Diese zwo mun - „ tern , und für die Ehre des Staats eifernden Geister haben unter , , diesen zweenen Prinzen um die Wette gestritten , welchem man das „ Zeugniß der Tüchtigkeit undGeflisseuheit bey diesem Gebäude derHistorie „ von Frankreich geben sollte . Welche , da sie dieselbe in einer Stadt , in eben „ derselben Sprache , und nach eben denselben Nachrichten und über ei nerle» „ Materien , aber nicht unter gleicher königlichen Freygebigkeit verferti» „ get , uns zu Erben ihrer schönen Arbeiten hinterlassen haben . Allein , „ Paul Aemilius hat seine Historie mir solcher Sorgfältigkeit , mit sol , „ cher Beredsamkeit und mit solcher Wahrheit a>ifgesetzet . daß die Fran , „ zosen , welche bisher nichts so LvbwnrdigeS gesehen , sie als die beste von „ allen ftanzösischen Historien aufgenommen haben . Und dieselbe „ hat , die Wahrheit zu sagen , seit dem zum Grunde und zur lebendigen „ Quelle gedienet , woraus alle Nachkommen , alle diejenigen kleinen Ba - „ che gezogen und abgeleitet haben , mit »velchen sie den Durst der Aller , „ durstigsten ihrer Zeit zu stillen gedacht . Gaguin , Prior der h . Dreyei - „ nigkeit , sonst des Kloster« der Mathuriner genannt , bat sich dabey nicht „ weniger freygebig , die Zeit , die Muhe und alle seine Mittel betreffend , „ als der andere , gezeiget . Allein , da er vielleicht aus Mangel der na - türlichen Annehmlichkeiten , oder der Gunstbezeigungen seine« Prin» „ zen und anderer , denselben an Schönheit der Begebenheiten , Ord - „ nnng , Beredsamkeit nnd Ernsthaftigkeit der Materien nicht erreichen „ können : so hat er keinen andern Vortheil Uber diesen Lombarder zu „ erhalten vermocht ; als daß er in seiner Erzählung einfacher und wahr - „ hastiger ist , und daß er sich sorgfältiger bezeiget hat , eine Anzahl merk , „ würdiger Umstände aufzusuchen , welche Paul Aemilius aus minderer „ Zuneigung gegen das Land , verachtet hatte . *
* Es ist mir ein besondere« Vergnügen , . hier einen Franzosen klagen zu hören , dem ein Ausländer vorgezogen worden : da doch seine Landesleute dazumal noch keine geschickte Leute gehabt . di« vermögend gewesen waren , eine Historie zu schreiben . Denn hier zeiget sichs desto deutlicher , wie gerecht die Klagen der Deutschen sind , wenn sie sich in allen Standen , den Ausländern nachgesekt sehen müssen . Verlangt man einen Secretär , einen Hosmeister , einen diener , einen Koch , einen Schneider , einen Perrückenmacher . einen Wundarzt u . s . w . fo muß e« ein Franzose , oder Welscher : aber durch , aus kein Deutscher seyn . Will man auch eine Kammerjungser , eine Aufseherinn über Kinder , eine Sängerinn , eine Tänzerinn , ei - ne Putzmacherinn , eineNaterinn u . s . w . haben : so muß auch hier eine Fremde allemal den Einheimischen vorgezogen werden . Ja , wenn die Deutschen eine Kutsch» , eine Lieverey , einen Sattel oder Zaum zu machen , oder Uhr , Stock , Degen , Tabacksdose u . d . gl . zu kaufen haben : so sehen sie ja wohl zu , daß es nichts anders , al« etwas Ausländisches seyn möge . Und gleichwohl haben wir alle diest Dinge in Deutschland eben so gut , als anderwerts : oder da wir selbige ja noch nicht so gut härten , so kömmt es nur daher , daß wir unser» Künstler noch nicht durch gute Bezahlung aufgemuntert haben , sich auf etwas rechtes zu lege , , ; indem man insgemein feine Land« - leute aufs geizigste , die Fremden aber recht verschwenderisch zu be . zahlen pflegt . Sollte das nun ehrliche Patrioten nicht kränken ? Eine gewisse große Prinzeßinn ball ) ihren Gemahl , ihr einen Iu - welenschmuck ans Paris kommen zu lassen . Nach langem Wei - gern , versprach dieser solches ; ließ aber denselben heimliä , in seiner Residenz auf« beste verfertigen , gut einpacken , und hernach seiner Gemahlinn durch Postbediente einliefern , als ob er aiis Pari - , kä - me . Nichts war hier schöner und vortrefflicher , als dieses Ge« schmeide . Da hatte doch Paris die allerbeste» Kunstler ! ftaum aber hatte die Freude etliche Tage gewähret , so entdeckte der Fnrst seinerGemahlinn alles . Von Stunde an verlohr dieser Schmuck allen seinen Werth . Er hatte weder Art noch Geschicke mehr , und mußte nun zum Beweise dienen , daß man in Deutichland nicht« gescheidtes machen könne . Wie viele w^neriscke Sachen haben nicht letzlich die Bedienten des französischen Gesandten daselbst ausgekauft , und sie den einfältigen Wienern , für mitgebrachte Pa° rifersachen , in viel theurerm Preist verkaufet ? Müssen nicht diese Ausländer , bey so einfältigem Bezeigen , über unsere Thvrhat lachen ? G .
E« finden sich in diestr Rede drey unvergebliche Unwahrheiten . lich ist Gaguin kein Franzose gewesen , wie la Popeliniere voraussehet : er ist ein Flamander , und fast eben so ftemde , als Paul Aemilius , gewe - sen . Also ist die Entgeqenstellung der Gunstbezeigungen dieses Lom - barder« , und der Widerwärtigkeiten diese« vorgegebenen Franzosen lich . Zum andern war Gaguin vor dreyzehn Iahren . nämlich 1501 , ge * sterben , da Franciscu« der I zur Regierüna kam . Wie kann man sich also unterstehen , zu klagen , daß ihm dieser 'Monarch . dmch die Freyge - bigkeiten , einen großen Nachtheil zugezogen habe , die er dem Italiener rerwilliget hat ? Wie kann man sich erkühn»n , un« diese jweene Geschi^ Dbb ? schreiber .

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