Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7731

Z ? 6
Elisabeth .
bet ) Allem da ihr diests noch kein Genügen gethan , so sägte ich , daß sie alle bcyde die schönsien in ihrem - ^ande waren : daß ihre Majestät in OerTbar viel weißer , als dieRöniginn von Schott - land , Diese aber auch sehr schon wäre . t tToch hat sie wissen wollen , welche von bevden die größte wäre , worauf ich geanr - worter . meine Röniginn So muß sie denn sehr groß seyn , war ibre Anrworr ; denn ich bin weder zu groß , noch zu klein . Hier sieht man eine Königin» von England , die sich mir Moden und Kopfputzen beschäftiget . Es scheint nicht , daß dieß nur bloße Zeitvertreibe gewesen ; man sollte sage ! , , daß sieihrHauptgeschäffte daraus gemacht ; wenn man nicht sonst il , re Neigung zu den Verrichtungen der königlichen Würde wüßte . Allein man muß sagen , daß sie zu allen Sachen Zeit genug ge - funden : sie hat sich der Regierungssorgen angenommen , als wenn sie an nichts anders gedächte ; und sie ist so aufmerksam gewesen , sich vor - theilhastig zu kleiden und auszuschmücken , als wenn sie allen ihren Ar - beiten hierinnen das Ziel gesetzt hätte . Man betrachte andererseits ihre Unterredungen mit dem schottländischen Gesandten : dieß heißt nicht s» wohl ihn fragen , als auf die Folter legen ; um die Antwort von ihm zu erpressen , daß sie schöner , als Maria Stuart , gewesen . Man mtdecket hierdurch , baß sie dieselbe als eine Nebenbuhlerinn , in der Schönheit , angesehen ; und daß sie durch die Einkleidung ihrer Gespräche die Leute genöthiget , ihr vor dieser Nebenbuhlerinn den Vorzug zu geben . Die - fes schmecket sehr nach einem weiblichen Herzen und Geiste . Jedermann weis , mit was für Geschicklichkeit , das Frauenzimmer die Lobsprüche er - bettelt : indem eS sich bald verachtet , damit man ihm widersprechen soll , bald sich erkundiget , ob es wahr ist , daß diese und jene einen unvergleich - lichen Reiz , eine weiße Haut , einen schönen Wuchs haben u . s . w .
Man merke einen merkwürdigen Unterschied unter der Agrippina und der Königinn Elisabeth . Diese hat sich j» keiner Vermahlung ent - schließen'können , ob sie gleich Leute gesunden , die ihr so jehr gefallen , daß sie dieselben ihrer Wahl würdig gehalten : die andere hat , als eine noch junge Witwe , von dem Tiber einen Gemahl verlangt , und ihm vor - gestellt , daß eine ehrliche Frau ihren einzigen Trost bey einem Gemahle fände . At Agrippina peruicax irae , et morbo corporis implicata , cum viferet eam Caefar , profiifis diu ac per filentium lacrymis , mox inuidiam et preces orditur : fubueniret folitudini , daret maritum , ba - bilem adbuc iuuentam fibl , neque aliud frobis , quam ex matrimonio fo - latium . Tacit . Annal . Libr . IV , cap . LIII . Dieß heißt von Herzen geredet ; denn man weis wohl , daß eine Frau , wenn sie nicht ehrlich «st , dasjenige auch außer dem Ehstande überfiüßig finden kann , was die Na - tur vergnüget . Der schotrländische Gesandte Hai der Königinn die Ur - sacke sehr ftey entdeckt , die er sich eingebildet , warum sie nicht Heirathen wollen . Ich schätze ihn als einen Bruder , sagte sie , da sie vom Mnlord Robert redete , den sie zum Grafen von Leicester gemackt hatte , und er iff der beste Freund , den ich habe . Xvenn ich mich auch hätte entschließen können , michZU vermählen , so würde es mit ihm geschehen sevn : allein da ich mein Gemüthe nicht zu gen vermag , so würde es mir doch zu einem großen Vergnügen gereichen , wenn ich sähe , daß ihn die Ronigiim meine ster zu ihrem Gemahle erwählen wollte ; indem ich keine Per - son habe , welcher ich mit so gutem - Herzen wünschen konnte , oafi er nebst ihr an der Rronfolge Theil hatte . Melvil , re» Tom . I , pag . 148 . Eure Majestät sind versichert , niemals Kinder zu haben , saget der sckottländische Abgesandte zu ihr , da sie entschlossen sind , wie sie sagen , sich niemals zu vermählen : „ es ist wahr , sagte sie , „ ich bin darzu entschlossen , und ich werde mich niemals vermählen , wenn „ die Königinn , meine Schwester , mich nicht durch ihre Aufführung „ dazu zwingt . Ich weis , gnädigste Frau , antwortere ich , daß sie auf - „ richtig reden , und eS ist nicht nothig , mir deswegen Versicherungen zu ' aeben Denn sie wissen , daß sie im vermählten Stande nur Königinn " seyn würden , anstatt , daß sie anitzo König und Königinn zu gleich sind . „ Ich weis , daß ihr großes Herz keinen Herrn erdulden konnte . . , Eben - daselbst 152 S .
CQ_ ) Pabst Sixtus hat eine besondere Hochachtung gegen die Elisabeth gehabt . ^ Er hat sie in die Zahl derer dreyen Personen gesetzt , die , nach seinem Vorgeben , allein verdient haben , zu herrschen : die zwo andern sind er selbst , und Heinrich der IV , gewesen . Eure Romginn , hat er eines Tages zu einem Engländer gesagt . iff glück - lich gebohren , sie regieret ihr Rönigreich mir vielem Glück'e , und es fehler ibr werter nichts , als daß sie sich mit mir vermahlt , um der Xvelr einen andern Alexander zu geben . Leti , Hift . d' Elifa - beth , Tom . II , pag . 131 . Jurieu hat dieses ein wenig fteyerauSge , druckt . „ Dieser gute Pabst hat gesagt , daß er nur Zern eine Nacht bey der Königinn von England , Elisabeth , schlafen mochte : weil erver - " sichert wäre , daß sie einen neuen Alexander den großen mit einander " zrugen würden . Diese« ist der Ernsthaftigkeit und Keuschheit eines " «vabstes würdig - - - eben dieser gute Pabst ist es auch gewesen , " wf Icker aesagt , daß die Königin« Elisabeth recht glücklich gewesen , indem " sie ein gekröntes - fiaupt springen lassen , und daß er ihre Glückseligkeit 'beneide Apologie pour laReformat . Tom . I , p . m . 153 , iy4 . Balzac ha» , ich weis nicht aus was für einer Scheinheiligst , an die Stellevon den Ausdrücken dieses Pabstes eine andere Sprache gefetzt , die ihnen das natürliche Ansehen benimmt . Ich werde die Sache emwen . awe . t her hohlen , damit man alle die Lobsprüche fthe , welche dieser ftanzosiiche Scribenre dieser Königinn giebt , in dem X Dr . des VI B . auf der - c> ; S . in der Folioausgabe , dm er an einen Mylord geschrieben hat . ( an den Grafen von Essex . Der an ihn geschriebene Brief ist den des Brack - monats 1634 unterschrieben . ) Meine Absicht , saget et zu ihm , iff niemals gewesen , den wahrhaftigen Ruhm eurer - Heldmn 5« reichen , Ich habe wohl geglaubt , daß man sie vielmehr nach Oer Grofimutb ihrer Seele betrachten müsse , davon eure ganze Nachkommenschaft die Früchte genießen wird , als nach der vergänglichen Dlume de» Leibes , die nicht allein der Tod weg - reißt , sondern welche auch bev der ersten Annäherung Oes Al - rers davon flieht . ( Wenn er sich , wie es das Ansehen hat , wegen der Stelle rechtfertigen will , die ich zu Ende des Textes dieses Artikels angeführet habe , so verfährt er nicht allzuaufrichtig . > Ich müßte aus einer andern tTclt kommen , wenn ich die Lobsprüche nicht wüßte , welche sie in dieser von allenVolkcrn erhalten hac . Ich weis , daß man sie den Nordstern , die Gottinn dev Meers , die wahr , hastige Thetis genennt hat . Ich habe diese Xvorte in einem
Briest gelesen , den - Heinrich der große unter seinen größten Ar , beiren und unter der - Heftigkeit der ü . igue aufgeschrieben hat ; ich werde , gnädige Frau , euer Feldherr seyn . Derjenige selbst , der sie in den Äann gethan , hat mit - Hochachtung von ihr geredet , und dieses ist , wie ihr wisset , ein Prinz von sehr erhabenem Ver - stände und in der - Herrsckenskunst höchst erfahren gewesen . üzv hat viel Vergnügen Sabe / gefunden , sich durch die bey ihm befindlichen Gesandten von ihr unterhalten 5» lassen , und mal bey aufgewecktem Gemüthe gesagt : daß , wenn er mit ihr vermäblr seyn sollen , die - Hoheit und Gewalt aus einer so furcht - baren Ehe entsprossen seyn würden . Allein wenn sie auch nicht diesen hohen Grad des Ruhms , erreicht harre , und wenn man sie aller dieser rühmlichenMerkmaale der - Hochachmng beraub« te ; so würden doch ; wo Betrachtungen , die zwar in Sen Augen der UOelt nicht so scheinbar , aber meinem Geiste viel empfindli - cher sind , mich verbinden , ihr Gedächrniß zu verehren . Dieß ist , gnädiger - Herr , daß sie unsere Musen nicht verachtet und euer - Haus geliebt hat . ( Der Graf , an welchen Balzac schrieb , hat den Familiennamen Cecilius gehabt . ) Ich habe von dem Cam - dentis die lLrkenntniß erfahren , Sie sie von den schönen ^Wissen - - schasten gehabt , daß sie so gar die Tragödien des Sophokles und die Reden des Isokrares mir gurem Fortgänge in die latei - nische Sprache übersetzt hat . Ich habe von eben diesem Schrift« steller den Antheil erfahren , den die eurigen an ihrer Vertrau - lichkeit gehabr , u . s . w .
Man merke , daß Jurieu den Aubigne wegen der andern Sache hät - te anführen sollen ; denn er hatte sie sonst nirgends , als in dem katholi - sehen Bekenntnisse von Sanei und in der allgemeinen Historie dieses Schriftstellers gelesen . Nachdem der pabst dem Grafen von pe - poli den Äopf abschlagen lassen - - - ( dieß sind die Worte des Aubigne . ) so bar er sich unter seinen Vertrautesten über einen Ropf des Grafen ergetzr ; allein da er dasjenige erfahren , was in England vorgegangen war , so hat er weiter nicht» von der tt>clr au» sich gemacht , weder an Glückseligkeit noch - Hoheit , ge - gen die Röniginn Elisabeth , und ( als wem» er die «Eroberungen Alexanders beweinte ) von ihr gesagt : 0 beata femma , che ai guftato el piacer , di far faltare una tefta coronata ! D'Aubigne , Hift . Univerfell . Tom . III , Livr . II , chap . XXVII , pag . m . 279 . Siehe auch la Confeflion Catholique de Sanci , Livr . I , chap . I .
( R ) Dasjenige , was Äett hiervon erzählet , ermangelt 5 er U ? ahr - sihcinlichkeit nicht . ) Pabst Sixtus der V , hat den König von Spa» nien gehaßt und gefürchtet : er hat also natürlicher weise einen bösen Fortgang wünschen und lieber sehen müssen , daß sich die Ketzerey in England erhallen , al« daß Philipp der andere Herr von einem so guten Lande werden möchte . Die Päbste , als regierende Herren , folgen den Grundsätzen der Religion des Staats : und folglich opfern sie den Nu - tzen der katholischen Lehre dem Nutzen ihrer besondern Macht auf . Worzu würde e« ihnen , zum Exempel , dienen , wenn ein König von Spanien die Protestanten unterS Zoch brächte , wenn er sich dein Hofe zu Rom durch dieses Mittel so furchtbar machte , daß man sich daselbst nicht weiter unterstünde , den Spaniern d«s geringste abzuschlagen , aus Furcht , man möchte die Wiederkunft des >527 Jahres , und die Gefan - genschaft Clemens des VII sehen ? Es ist ja ein geringer Uebel für den Pabst , daß er weder in Holland noch in England erkannt wird , als wenn er daselbst erkannt würde , und dieses einen oder den andern katho - lisch« , Prinzen in den Stand setzte , zu Rom alle seine Forderungen ftey - willig oder gezwungen zu erhalten . Wenn diese Betrachtung nicht zu - reichend ist , zu überzeugen , daß Sixtus der V , die Unternehmungen des Königes von Spanien , wider die Elisabeth , krebsgängig gemacht hat , s» viel als er nur gekeimt , so werden wir bald einen praktischen Grund fin» den , der uns völlig überzeugen wird . Als Ludwig der XIV , im 167 * Jahre , wider die vereinigten Provinzen solche ansehnliche und schien - »ige Vortheile erhielt , so hat der Cardinal Altieri , der in der That Pabst war , ob sich gleich ein anderer Pabst Clemens der X , nennte , diese Zeitung mit einem tätlichen Verdrusse erfahren , weil er Frankreich nicht gewogen war , und der Herzog von Etree , Abgesandter von dieser Krone , ihn so sehr kränkte , als er nur konnte . Siehe das Buch , wel - ches betitelt ist , Memoires des Intrigues de la Cour de Rome , depuis l'anne'e 1669 , jusques en 1676 , es ist zu Paris im 1677 Jahre gedruckt worden , 204 u . f . S . Noch zu viel neuerer Zeit hat man JnnocentiuS den XI , bey allem demjenigen , was den Angelegenheiten des Königes Jacob Vorschub thun konnte , raub und al« einen eifrigen Beförderer alles desjenigen gesehen , was Frankreich zuwider war . Siehe den Brief Ludwigs de« XIV , an den Cardinal von Etree , der vom Leti dem an - dern Bande der Universal - Monarchie 458 S . eingeschaltet worden . Die Ursacke ist gewesen , daß er die Vergrößerung Ludwigs des XIV , mehr gefürchtet , als die Ausbreitung der katholischen Religion gewünscht hat . Er hat sich gefürchtet , von der allzugroßen Macht dieses Prinzen zer -
lchen Zustand von den Sachen der Pro . , stanren desto besser erkennen ; weil nicht allein die ewige Eifersucht Frank - reich - und des Hauses Oesterreich ihnen dienen wird , beständig Bundes , genossen und Beschützer in den Staaten von der widrigen Religion zu finden , sondern auch der Hof zu Rom selbst , nach Erfordern der Um - stände , dasjenige thun wird , was Sixtus zum Nacktheile des Königes von Spanien , undJnnoeentiuS derXI , zum Nachtheile Ludwigs des XIV gethan haben . Es ist diesem Hofe nicht weniger , als dem andern , daran gelegen , das Gleichgewichte zu erhalten .
Aber worzu brauchet man noch viele Beyfpiele zu sucken ? Man darf nur den Sixtus selbst , in Absicht auf Heinrich den großen , betrachten . Es ist gewiß , daß er bey Beobachtung , wie sehr die Liane die Macht der Spanier vermehrt , die Batterie verändert , und der Partey der Prot ? » stanken in Frankreich Vorschub gethan hat . Und wenn er nicht gestor - ben wäre , alle seine Sorgen angewendet haben wurde , dem Könige von Spanien die neapolitanische Krone zu entreißen . Maimbowg , Hift . de la Ligue , Livr . IV , pag . m . 428 . Er hat der Liqiie so offenbar wider - standen , daß ihn die Spanier bedrohet , wider ihn zu prokestiren , und durch andere Mittel für die Erhaltung der Rirche zu sorgen , die er verlassen barre . Ebendaselbst . Sein Tod hat die Liauisten mit Freude überhäuft : Einer von ihren Predigern , Aubry , Pfarrer zu
St . Andre

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.